Angst-Attacken vermischt mit Trauma und Meltdown?

Hallo!

Ich wende mich einmal mit einem Problem der Differenzierung an euch und hoffe, ihr könnt mir mit euren Erfahrungen helfen. Für den Kontext ist es wichtig zu wissen, dass ich mich aktuell in einer Tagesklinik in Behandlung befinde und das unter anderem wegen der offiziellen Diagnose Sozialphobie. Ich nehme seit einigen Wochen 50 mg Elvanse und bin mit der Wirkung soweit sehr zufrieden.

Was mich umtreibt sind „Angst-Attacken“, die ich regelmäßig in Gruppensituationen erlebe. Alleine tauchen diese relativ plötzlichen körperlichen Reaktionen nicht auf, oder nur dann, wenn es einen sozialen Kontext wie einen Chat oder einen Forenbeitrag gibt. Das erscheint auf den ersten Blick wohl sehr logisch bei einem Betroffenen mit einer Sozialphobie.

Ich nenne die Attacken in diesem Kontext erst mal Angst-Attacken, weil mir ein besseres Wort fehlt und es sich tatsächlich wie gesagt körperlich so anfühlt wie Angst: schneller Herzschlag, verengte Kehle, stark erhöhte sensorische Wahrnehmung, Fluchtinstinkt. Äußerlich sichtbar sind diese Attacken bei mir nicht. Wenn ich es nicht schaffe, sie laut zu kommunizieren, merkt niemand etwas (oder jedenfalls hat mich niemand je auf etwas angesprochen). Ich schwitze oder hyperventliiere auch nicht, ebenso wenig denke ich, ich sterbe wie es Betroffene von Panik-Attacken beschreiben. Neulich habe ich die Bezeichnung „Stille Panikattacken“ gefunden und fand sie sehr passend, wenngleich einige Merkmale wie gesagt fehlen. Deshalb vermutlich eher „Stille Angstattacken“ in meinem Fall.

Was mich noch verwirrt, ist die starke Reaktion auf sensorische Reize. Einmal hat ein Parfüm-Duft eines Mitpatienten eine solche Attacke bei mir ausgelöst. Ich kannte diesen Patienten kaum und er war mir bis dahin weder bewusst positiv noch negativ aufgefallen, entsprechend gab es auch keinerlei Konflikte zwischen uns. Teilweise habe ich aus biografischen Gründen starke Angst vor Männern, was vielleicht ein Auslöser gewesen sein könnte.

Kennt es jemand aus eigener Erfahrung, dass Angst/Panik durch Sensorik verstärkt wird? Oder überhaupt erst ausgelöst? Für meine Begriffe fällt das schon fast eher in den Trauma-Trigger-Bereich, aber ich kann mich irren. Dazu sei gesagt, dass ich diesen Parfüm-Duft nicht bewusst kannte; der war ein sehr generischer Männer-Rasierwasser-Duft.

Kann Elvanse die Empfindlichkeit auf sensorische Reize verstärken? Medikinet hatte diesen Effekt bei mir als ich es vor einigen Jahren mal genommen habe. Von Elvanse kannte ich es bisher nicht, aber ich nehme es auch erst seit April.

Zurück zu den Angst-Attacken: die vergehen in meinem Fall entweder mit der Zeit, wenn ich in der Situation bleibe, lassen mich aber tierisch müde, angespannt und manchmal unfähig zu sprechen zurück. Oder sie gehen vorbei, wenn ich mich aus der Situation zurrückziehe, also erst mal den Raum verlasse. Darüber sprechen hilft danach meistens. Wenn ich dann alleine bin, fühle ich mich allerdings oft sehr hilflos und überfordert, während ich beim Bleiben in der Situation eher zur Dissoziation neige.

Kennt jemand mit Angst/Panik dieses Muster der Auslöser und Attacken?

Ich habe manchmal den Eindruck, überfordernde Reize und Aufgaben spielen bei der Anbahnung meiner Angst-Attacken eine zusätzliche Rolle, weshalb ich lange dachte, ich hätte ADHS-bedingte Meltdowns. Aber mittlerweile denke ich, die Angst verstärkt die Reize (z.B. werden Geräsuche dann unerträglich laut) und ADHS erhöht „nur“ die Empfindlichkeit darauf.

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass ich keine bewussten Sorgen im Vorfeld von Gruppensituationen habe. Es ist mehr ein Wirrwarr an Emotionen und kaum/keine konkreten Bilder. Ich mache mir nicht schon stundenlang vorher Sorgen vor Gruppentreffen oder ähnliches, sondern erst unmittelbar in der Situation oder ganz kurz davor.

Ich bin dankbar für Erfahrungen und Ideen dazu. Diese Attacken sind ziemlich belastend.

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:adxs_wink:
Hier, ich

Ist mir persönlich noch nicht so aufgefallen, vorstellen könnte ich es mir aber schon.

So ungefähr könnte ich es auch beschreiben, es ist, für mich, auch ein sehr unangenehmer Kreislauf iwie, wobei der Auslöser das Gedächtnis anwirft und sich dadurch alles gefühlt hochschaukelt.

Nee, es passiert wie aus dem nichts, ein Geräusch, Geruch, Geschmack, ganz egal und es dauert ein vielfaches dessen, den Ausgang aus dieser Krise zu finden.

Und ja, anstrengend, sehr anstrengend…

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Danke fürs Teilen deiner Erfahrungen! :slightly_smiling_face:

Vielleicht reduziert Elvanse auch die ADHS-Symptome so weit, dass der Rest sichtbar wird. So könnte ich es mir auch vorstellen. Medizinisch ist es aber halt auch ein Stimulanz und regt das Nervensystem an, und insofern denke ich, dass es die Überempfindlichkeit auch verstärkt.

Das heißt, Gerüche, Geräusche usw. erinnern dich tatsächlich auch an etwas Unangenehmes und lösen auf diese Art unter anderem die Angst aus? Ich hatte in der Therapie nämlich darüber gesprochen und war einigermaßen ratlos, weil ich den konkreten Auslöser keiner mir real passierten Situation zuordnen konnte. Sondern es kommt mir vor wie grobe Muster, auf die ich da reagiere: Männer-Parfüm = Mann = Angst. :sweat_smile: Total übergeneralisiert.

Ja genau. Mittlerweile erkenne ich die Anspannung zumindest schon vorher, wenn sie sich anbahnt. Das hilft ein wenig.

Nach, manchmal auch in den Situationen, habe ich zusätzlich sehr oft ein schlechtes Gewissen den Menschen gegenüber, auf die ich so heftig reagiere. Denn die sind nun einmal in keiner Weise daran schuld oder verantwortlich und ich fühle mich wahnsinnig schuldig, dass ich so reagiere. Mittlerweile ist es dank Therapie etwas besser, denn dort wurde mir bewusst gemacht, dass das keine freiwillige Entscheidung ist, sondern eine Reaktion des Nervensystems und dass es vollkommen normal ist, dass Menschen auf Erinnerungen an alte Gefahren stark reagieren.

In gewisser Weise ist sogar beschämend für mich das hier so offen zu schreiben, weil es natürlich immer noch die Stimmen in meinem Kopf gibt, die mir Überempfindlichkeit und „Es ist doch nur Angst, stell dich nicht an. Dir passiert nichts.“ vorwerfen.

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1000%

Dieses sichtbar werden, hm, ich be-merke es, wenn ich so drüber nachdenke, sonst war es eben nur so und ich hätte es aber nicht greifen können. Macht das iwie Sinn für dich?

Könnten es nicht auch viele kleine Begebenheiten sein, die unterm Strich aber zu deinem Musterverdacht werden?

Und ohne unangenehme Erfahrungen, bewusst oder unbewusst, würde doch deine Angst eher gar nicht anspringen, oder?

Das ist schwierig, sollte dir aber kein schlechtes Gewissen machen, du bist, wie du bist, auch die Summe dessen, was dir an miesen Dingen im Leben passiert ist. Da hilft nur Abstand oder drüber reden.

Ich bin da eher Team Abstand, beobachte vielleicht aus der Entfernung, um mir ein Bild zu machen.

„Es ist doch nur…“ wenn ich für jedes Mal einen € ins Sparschwein gesteckt hätte
:adxs_rot:
Angst ist nunmal auch nicht so komplett sinnlos, sie kann tatsächlich auch be-schützen.

Wäre es für dich etwas, so als Gedankenversuch, aus Angst vor, auf Respekt vor zu switchen?

Der Alarm geht ja nicht aus Spaß an, auch das haben wir uns nicht freiwillig ausgesucht.

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Hört sich an wie ein sensorischer overload der in meltdown oder shutdown enden kann .

Bin als audhsler sehr empfindlich gegen LED Lichter(flimmern und helligkeit) bei glühbirnen etwas besser aber das hauptproblem ist heutzutage das Läden (Ikea, Thalia Kaufland etc) gefühlt Flutlicht qualitaet an Helligkeit haben und dann aus allen richtungen am besten dich direkt blendend.

Früher gabs nur zb qyadratische neon röhren und gut us. kam ich besser mit zurecht. bei kaufland dröhnrn die auch noch musik und werbung so laut das gabs früher auch nicht.

Würd dir empfehlen tief durchzuatmen(zaehl langsam bis 5 im kopf beim einatmen und ausatmen hinsetzen still ecke finden. zu kaufland etc geh ich meistens nur mit Sonnenbrille und kopfbedeckung

In die eine stadtteil bib kann ich gar nicht lange bleiben weil.die nur ne 2,5m decke hat und wahnsinnig led flimmernde leuchtstiffroehren die wegen der geringen höhe auch noch an allen wäenden reflektieren.

Wird mir schwindlig von dort

Gab auch paar menschen die mir aus igendein grund panik gemacht haben als ich jünger war . und da ich noch nicht wusste das es angst ist habe ich es emotion übelkeit genannt

Ich nehm jetzt mph ,aber reize werden darunter recht gut gefiltert und lenken mich unter peak wirkung nur wenig ab

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@Silberlocke
Interessanter Aspekt, dass auch sensorische Trigger Angst-Attacken auslösen können. Ich hatte das bisher nur mit Traumata assoziiert, aber vermutlich existiert da eine große Schnittstelle. Für mich macht es Sinn, dass Sensorik, die einen an schlimme Erfahrungen erinnern, auch Panik und Angst auslösen können.

Für mich macht deine Beschreibung, dass die Angst greifbarer wird durch die Medikation, sehr viel Sinn. So erging es mir auch. Davor, also vor der Medikation, haben allerdings Ungeduld, Unruhe und die typische Impulsivität von der ADHS meine Angst sehr oft überdeckt in sozialen Situationen. Das heißt, ich konnte lustige Sprüche bringen oder mitlachen, obwohl ich gleichzeitig große Angst hatte und ich konnte diese Angst auch nicht als solche benennen. Elvanse regelt die Impulsivität bei mir runter, sodass ich die Angst jetzt mit mehr Wucht spüre und sie (nach einiger therapeutischer Arbeit) auch benennen kann.

Ja, da gebe ich dir in beiden Punkten recht. Mir fällt es sehr schwer, diese vielen kleinen Erlebnisse als insgesamt so schwerwiegend zu akzeptieren, dass daraus eine so große Angst entstanden ist. Ich bin viel zu schnell dabei, die Beispiele aus dem Diagnosekatalog zur K-PTBS wörtlich zu nehmen und zu denken, nur bei Folter, Krieg oder langer häuslicher Gewalt entstehen Traumata.

Ich hatte einmal einen Konflikt, in dem ich dem Gegenüber erklärt habe, dass meine Angst nichts mit ihm zutun hat. Sehr schwierig und ich weiß nicht, ob die Person es verstanden hat.

Angst ist nicht vollkommen sinnlos, sondern biologisch überlebenswichtig, so viel ist klar. Erst mal will ich aber aufarbeiten, dass ich mir nicht mehr selbst die Schuld an der Angst gebe. Dann kann der Rest kommen.

Arbeitest du mit Exposition gegen die Angst, wenn ich fragen darf? Das musst du natürlich nicht beantworten. Ich stelle mir immer wieder die Frage, wie viel Exposition gut für mich ist und wie viel dann zu viel ist.

@morri

Was du beschreibst aus Läden, kenne ich auch sehr gut. Allerdings fühlt sich das bei mir, ganz genau betrachtet, nochmal anders an als die Angst in sozialen Situationen. Wenn ich asu dem Geschäft rausgehe, ist es vorbei und ich kann durchatmen. Die Angst dagegen verfolgt mich deutlich länger, manchmal über eine halbe Stunde nach dem Verlassen der Situation, und sie geht bei mir mit sehr schlimmen Gefühlen aus früheren Erlebnissen einher.

Die Sensorik spielt aber wie bereits beschrieben auch eine große Rolle.

Meine Reizfilter auf Ablenkungen von außen funktioneren unter Elvanse deutlich besser. Dagegen wird die Wahrnehmung von Sensorik bei mir deutlich geschärft, wenn ich die Medikamente nehme.

Ich habe mal ein wenig recherchiert und die Ergebnisse zusammengefaßt:

Das Zusammenspiel aus Elvanse, ADHS und sensorischen Reizen lässt sich im Grunde in vier Bausteine zerlegen:

  • Der Reizfilter-Effekt von Elvanse: Lisdexamfetamin erhöht den Dopamin- und Noradrenalinspiegel. Das hilft bei ADHS extrem bei der Fokussierung, dreht aber gleichzeitig manchmal die Empfindlichkeit des vegetativen Nervensystems hoch.

  • Verstärkte Hypervigilanz: Durch die Stimulanzien nimmst du Geräusche oder Gerüche oft viel schärfer und deutlicher wahr. Wenn ohnehin schon eine Grundspannung da ist, kippt diese geschärfte Wahrnehmung schnell in eine totale sensorische Übererregung.

  • Gestörtes „Sensory Gating“: Wenn dein Nervensystem durch die Gruppensituation sowieso schon am Limit läuft, reicht oft eine winzige Kleinigkeit – wie eben ein starker Duft –, um das Fass komplett zum Überlaufen zu bringen.

  • Olfaktorische Flashbacks: Gerüche wandern ohne Umwege direkt in die Amygdala, das Angstzentrum im Gehirn. Ein generischer Herrenduft kann dadurch blitzschnell eine unbewusste Bedrohung ankurbeln – gerade bei entsprechenden biografischen Erfahrungen –, noch bevor dein Verstand überhaupt begriffen hat, was los ist.

Du bildest dir das also keineswegs ein. Es ist eine sehr reale Mischung aus geschärfter Wahrnehmung durch das Medikament und unbewussten Schutzreflexen deines Körpers.

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Danke für die Ausführungen, @Gartenpirat Das erinnert mich an etwas.

Ich hatte die ganze Zeit im Hinterkopf, dass ich bei einer Recherche auf Adxs.org mal einen Stichpunkt zu „Angststörungen und Stimulanzien“ gesehen habe, den ich seinerzeit allerdings nicht gelesen habe. Deshalb habe ich mir den Punkt eben mal gesucht und durchgelesen.

Die Ausführungen bestätigen eigentlich das, was Gartenpirat schon geschrieben hat.

Ein wichtiger Punkt aus dem Text:

Angststörungen können durch Stimulanzien verstärkt werden, da Angst und Stimmungen durch die dopaminerge Aktivität des ventromedialen präfrontalen Kortex in Verbindung mit dem limbischen System reguliert wird.53

Es wird erwähnt, dass diese Symptome wohl bei Amphetamin-Medikamenten häufiger auftreten würden, was meine Erfahrung mit Elvanse bestätigt. Ich bin allerdings bei mir subjektiv skeptisch, ob ich unter MPH anders reagieren würde, denn die erhöhte Reizempfindlichkeit hatte ich bei Medikinet genauso. Ob die Angst seinerzeit größer geworden ist durch Medikinet ist allerdings echt schwer rückblickend zu sagen.

Zumal: ohne Medikation ist meine Angst nun mal nicht weg, sondern einfach weniger greifbar. Das hat mir genauso wenig gut getan, weil ich das Gefühl gar nicht erst benennen konnte. Die Angst-Attacken hatte ich auch ohne Medikation.

Es wurde von positiven Effekten von Atomoxetin auf komorbide soziale Ängste berichtet.59

Vielleicht wäre eine angstlösende Medikation bei mir vorteilhaft? Sofern verträglich mit den Stimulanzien jedenfalls. Ich werde darüber nächste Woche mit dem Arzt sprechen, bin aber natürlich auch für Erfahrungen dankbar.

Mein Gedanke wäre, dass ich mit einer Medikation gegen die Angst die Grundspannung im Körper reduziere und dadurch die Gruppensituationen leichter werden. Bisher ist es nämlich in 95 Prozent der Fälle so, dass ich unruhigen Situationen wie z.B. bei Spielen so mit der Regulation meiner Angst beschäftigt bin innerlich, dass ich daran null Freude habe. In ruhigen Situationen mit maximal vier oder fünf Menschen im selben Raum, ist es leichter - sofern darunter keine oder nur bestimmte Männer sind. In reinen Frauengruppen ist es nochmal einfacher. Wenn die Grundspannung geringer wäre, könnte ich deutlich eher positive Erfahrungen sammeln und sogar mal sowas wie Spaß haben (so meine Hoffnung jedenfalls).

Macht der Gedanke Sinn oder funktionieren angstlösende Medikamente so nicht? Mache ich mir da eventuell falsche Hoffnungen?

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Kurz zusammengefasst:

Dein Gedanke ist vollkommen richtig: Eine angstlösende Medikation senkt die körperliche Grundspannung. Dadurch entsteht ein Sicherheitspuffer, sodass zusätzliche Reize nicht mehr so schnell das Faß zum überlaufen bringen.
Wenn der Körper nicht ständig im Überlebensmodus läuft, bekommt das Gehirn überhaupt erst die Kapazität, in Gruppensituationen Entspannung oder sogar Spaß wahrzunehmen und abzuspeichern.

Geeignete Wirkstoffklassen: Neben Atomoxetin kommen z. B. Alpha-2-Agonisten (wie Guanfacin, die gezielt die körperliche Übererregbarkeit dämpfen) oder klassische Spiegelmedikamente (wie SSRIs) infrage, die gut mit Stimulanzien kombinierbar sind. Ich zum Beispiel nehme seit 25 Jahren SSRI.

Das Medikament schaltet unbewusste Trigger (wie olfaktorische Reize) nicht komplett aus, nimmt ihnen aber die extreme körperliche Wucht, sodass sie steuerbarer werden.

Das Gespräch mit deinem Arzt nächste Woche ist also genau der richtige Schritt.

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Das ist gut zu wissen. In meinem Kopf herrscht die irrationale Befürchtung, solche Medikamente schalten meine Gefühle vollkommen aus. Das würde ich nicht wollen.

Es ist sowieso paradox mit mir und der Angst. Ich leide darunter und ich will in jedem Fall weniger davon haben. Gleichzeitig kenne ich mein Leben nicht ohne und sie hat mich in der Vergangenheit natürlich oft (vermeintlich oder real) beschützt, sodass sie in gewisser Weise ein Teil meiner Identiät geworden ist. Ich weiß gar nicht mehr, wer und wie ich bin ohne diese Angst.

Ich werde nächste Woche mit dem Arzt sprechen und mal fragen, was er dazu meint. Gilt denn eigentlich eine offizielle Diagnose der Sozialphobie als ausreichende Begründung für Medikamente? Vielleicht stecke ich da in Gedanken zu stark beim ADHS, wo medikamentöse Behandlung ohne Diagnose unmöglich ist.

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Bei mir kamen die Ängste mit der Abstinenz. Da fehlt dem Körper auch die gewohnte (künstliche) Entspannung und damit hatten ADHS und kPTBS freie Bahn. Panikattacken auf der Autobahn oder in Tunnels und immer wieder depressive Episoden.
Das ließ sich nur mit Sertralin (SSRI) in den Griff bekommen, und ich bin froh daß ich es habe.
Was natürlich auch half war die ADHS-Diagnose im zarten Alter von 52. Und meine Selbstmedikation mit CBD.

An klassische ADHS-Medikation traue ich mich nicht ran. Wegen meiner Suchtvergangenheit - und mangels therapeutischer Begleitung.

Mein Sohn und ich brauchen auch aus den Gründen ein AD zusätzlich. Er nimmt Sertralin und Elvanse, ich Escitalopram und Ritalin. Als Notfallmedikament, aber nur bei extremer Überreizung nehme ich noch Quetiamin in der kleinsten Dosierung.

Ich habe keine k-PTBS-Diagnose, erfülle aber im Grunde zumindest einige der Kriterien der Störung. Nach meiner Recherche kann ich die Diagnose auch gar nicht erhalten, weil ich nie eine der sehr spezifischen Traumata, die im Katalog aufgelistet sind, erlebt habe. Glücklicherweise, ich möchte ganz sicher keine häusliche Gewalt, Missbrauch oder Krieg erfahren/erlebt haben.

Das Label ist aber sowieso zweitrangig, denn die Angst ist nun mal da. Da du gerade von Tunneln gesprochen hast, Gartenpirat, fiel mir wieder ein, dass ich ähnliche Attacken auch im Kontext mit Aufzügen oder ähnlichen engen Bereichen in Gebäuden erlebt habe. Neulich beispielsweise in einem Keller mit recht niedriger Decke.

@TaTü Kannst du mir kurz erklären, was das für ein Notfallmedikament ist? Funktioniert das für dich als eine Art „Beruhigungsmittel“? Natürlich nur wenn du die Fragen beantworten möchtest.

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Ja, es funktioniert für mich als eine Art Beruhigungsmittel für die Nacht.

Quetiapin ist ein atypisches Antipsychotikum, das Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin im Gehirn hemmt.

Es dämpft die Psyche, beruhigt bei Angst und/oder Erregung und hilft gegen Wahnvorstellungen, Stimmungsschwankungen oder Schlafprobleme.

Die Dosis bestimmt, ob es eher beruhigend oder gegen psychische Erkrankungen wirkt. (Zitat KI)

Meine Psychiaterin hat mit Quetiapin gute Erfahrung gemacht, bei Patienten mit Autismus.

Sie hat mich ermutigt, es mal auszuprobieren, als Bedarfsmedikament.

Ihrer bildliche Beschreibung nach ist die Wirkung vergleichbar mit sanft vom Himmel fallenden Schneeflocken, die sich weich und schützend auf das überreiztes Haupt legen und es zur Ruhe kommen lassen.

Und genau so fühlt es sich für mich an.

Ich nehme es abends und nur in für mich schwierigen Zeiten. In meiner Dosierung wirkt es für mich sedierend, schlaffördernd. Ich nehme es solange, bis ich spüre, dass meine starke Überreizung nachlässt und mein Schlaf wieder erholsam wird.

Erholsamer Schlaf ist für mich essenziell. Und das Medi hilft mir dann zusätzlich zum MPH und AD.

Die einzige für mich aber hinnehmbare Nebenwirkung ist ein matschiges Katergefühl im Kopf am nächsten Morgen. Welches bei mir aber mit einem Frühstück und der MPH Einnahme wieder verschwindet.

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Danke für deine ausführliche Erklärung!

Ich werde mir das versuchen zu merken, weil das wirklich nach einem Medikament klingt, dass mir in Krisen helfen könnte. Ein überreiztes Nervensystem kenne ich sehr gut aus leidvoller Erfahrung.

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Kleines Update:

Der Arzt hat mir nun ein Neuroleptikum gegen die Reizoffenheit verschrieben: Olanzapin in der Dosis 2,5 mg.

Das sollte ich heute Abend testen, traue mich allerdings nicht es zu nehmen und nun ist es zeitlich bereits zu spät. Ich habe die irrationale Angst, es könnte mich wirklich scheiße fühlen lassen.

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Da musste ich etwas länger drüber nachdenken, na ja, aus Gründen.

Ob oder wie eine Konfrontation abläuft, hängt auch total von meiner Tageshöchstform ab.

Wenn ich dem Auslöser aus dem Weg gehen kann, dann muss ich das auch tun, erst nach einer Weile kann ich mich, wenn überhaupt, bewusst langsam annähern.

Der Körper vermag da schon hin und wieder aus der Reihe zu tanzen. Manchmal weiß ich auf Anhieb gar nicht wieso und erst im Nachhinein kann ich einsortieren, weshalb mein System out of order ging.

Es gibt auch Situationen, da komme ich trotz langwieriger Desensibilisierung nicht ohne weiteres durch, äußerlich gechillt - innerlich zerreißt es mich.

Damit kann ich dann aber arbeiten, ist kein Spaziergang und kostet in dem Moment auch sämtliche Löffel für den Tag, nur Vermeidung ist eben keine Option.

Es wird, für mich jetzt, auch nicht mit jedem weiteren Mal leichter, selbst wenn die Umstände alle aufgedröselt sind.

Einzig das Wissen darum, weshalb es sich plötzlich so anfühlt, bei dem Duft/Geräusch/Geschmack/Anblick etc.pp lässt mich dann nicht komplett steil gehen, in besagtem Moment.

Denn manchmal muss ich durch und mit gehen, hilft nix.

Ganz schwierig, es kommt tatsächlich auf das jeweilige Gegenüber an, in meinem Erleben hat es leider bisher nur höchst selten zufriedenstellend funktioniert.

Schuld an der Angst, hm, das würde ja bedeuten, du hast dich selbst in eine angstauslösende Situation gebracht, oder?

Ich muss das mal ganz doof fragen, denn ich würde es gerne verstehen.

Wenn dir das zu viel ist, ignorieren.

Ausprobieren, ohne Zwang, möglicherweise helfen dir sich wiederholende Situationen, denen du dich in Nano Dosis annähern bzw. aussetzen kannst.

Eventuell ist ja bereits die Tagesklinik gerade genau dein Übungsgelände, schon allein um festzustellen, wieviel zu viel ist.

Danke für diesen Austausch.

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Das alles kenne ich sehr gut. Sehr oft spüre ich erst Stunden später, dass es zu viel war und was ich überhaupt gefühlt habe in der Situation. Insbesondere im Medikamenten-Rebound, was sicherlich auch Sinn macht, weil dann die regulierende Wirkung des Elvanse wegfällt.

Elvanse ermöglicht es mir tagsüber die Emotionen soweit zu dämpfen, dass ich sie praktisch im Hintergrund spüre, aber handlungsfähig bleibe. Ich habe die Wahl, ob ich mich davon mitreßen lasse oder etwas anderes im Außen tue. Abends, wenn der Rebound einsetzt, fällt diese Wahlmöglichkeit langsam weg. Macht das Sinn? Ich hoffe, man versteht was ich meine. Ich weiß auch nicht, ob dieses Vorgehen besonders gesund ist, aber zumindest deutlich besser als ohne Medikamente, denn da habe ich grundsätzlich alles vermieden. Mit Medikament habe ich zumindest die Chance die Situationen zu erleben.

Vielleicht ist Desensibilisierung im Kontext dieser spezifischen Ängste ein Mythos. Das denke ich jedenfalls gerade, denn ich weiß nicht, ob sich das Nervensystem bei einer so tiefliegenden Angst je wieder vollständig umtrainieren lässt. Ich möchte nicht hoffnungslos klingen, und natürlich verändern wir Menschen uns ständig und stetig und vielleicht irre ich mich vollkommen. Aber den Fokus weg von „Heilung“ lenken ist für mich auch ein Anerkennen der Realität.

Lieber möchte ich dahinkommen, was du schilderst: wissen, warum ich so reagiere und deshalb weniger/nicht mehr durchdrehen.

Kann ich bestätigen. Es kann sich lohnen, der Person mitzuteilen, dass man Angst hat, aber nähere Erklärungen lohnen sich meiner Erfahrung nach wirklich fast nie.

Stimmt, sinngemäß würde diese Schlussfolgerung naheliegen. Es ist Unsinn in meinem Fall, dass ich mich selbst in die schlimmen Situationen gebracht habe, die mich heute noch durch die Ängst verfolgen. In meinem Kopf spielt sich dann aber eher die Befürchtung ab, dass ich der anderen Person gegenüber ja furchtbar ungerecht reagiere, wenn ich auf sie aufgrund früherer Situationen mit Angst reagiere - mein jetziges Gegenüber kann schließlich überhaupt nichts dafür und hat in den allermeisten Fällen auch nichts getan, um die Angst bei mir auszulösen. Außer beispielsweise ein Parfüm zu tragen und das ist nichts, was ich jemandem vorwerfen kann. Mein Nervensystem macht die Verbindung leider dennoch, fair oder nicht.

Ja, am Ende des Tages nach der TK bin ich jedesmal komplett durch. Besonders, wie erwähnt, eben im Rebound.

Danke gleichfalls für den Austausch. :slight_smile:

Ja, weil zum einem alles wieder präsenter ist und zugleich die Steuerungsfähigkeit durch die Medikation nicht mehr vorhanden ist .
Bis ich mit 3x Medikent Adult am Tag eindosiert war , war das mit den Rebounds auch so eine Sache .

In der Zeit als ich Elvanse hatte, konnte ich noch mit unretardiertem Mediknet den Rest des Tages abdecken.

Darüber habe ich neulich erst mit einem Arzt gesprochen. Wir waren uns allerdings einig, dass eine weitere Einnahme, egal welches Stimulanz, den Rebound nur zeitlich rauszögert, aber nicht verhindert oder abmildert. Insofern habe ich erst mal abgelehnt, am aktuellen Medikationsplan was zu ändern, weils nichts ändern würde.

Entspricht das deinen Erfahrungen oder ist das bei dir anders?