Hallo!
Ich habe vor einer Weile schon mal ein Thema erstellt, in dem ich über meine Probleme mit der Krankheit MCAS (Mastzellenaktivierungssyndrom) und den gängigen Stimulanzien Medikinet und Elvanse gesprochen habe. Kurz gesagt: beide lösen bei mir mittelfristig körperliche Symptome aus, weil sie die MCAS verstärken. Das war/ist teilweise sehr schmerzhaft und ging nach sechs Monaten Medikamenten (2 x 20 mg Medikinet pro Tag) so weit, dass ich keinen Sport mehr machen konnte. Die zusätzliche Ausschüttung von Stresshormonen und Histamin haben die Symptome einfach zu krass werden lassen.
Seit Anfang Februar nehme ich deshalb keine Medikamente mehr.
Der Grund, weshalb ich ein neues Thema erstelle, ist jetzt, dass der Medikamenten-Versuch starke psychische Spuren hinterlassen hat und ich keine Ahnung habe, wie ich damit umgehen soll. Ich versuche das mal einigermaßen zu ordnen.
Gängigerweise ist ja die Hauptempfehlung bei einer ADHS sie medikamentös zu behandeln, um darauf aufbauend Verhalten ändern zu können und, falls nötig, Traumata etc. aufarbeiten zu können. Ich kann diese Medikamente nicht nehmen und fühle mich deshalb konstant der Behandlung beraubt. Man nimmt mir etwas weg, was ich eigentlich bräuchte, und ich stehe (wieder) alleine da.
Das führt dann zu großem Frust, weil bei aller Disziplin und Versuchen ich insbesondere geistige Anstrenung viel zu oft nicht schaffe. Da reicht dann die Energie nicht. Mit Medikamenten war das ein Stück besser.
Gleichzeitig versetzt mich das Wissen, ich kann die Medikamente wegen der Krankheit nicht nehmen, in eine komplette Ohnmacht in mir: ich kann das nicht, weil ich keine Medikamente nehmen kann, also kann ich das einfach gar nicht und versage von vornherein. Ich sabotiere mich selbst, weil es so herrlich leicht ist im Nichtstun zu verharren und alle Schuld aufs Nicht-Vorhandensein der Medikamente zu schieben.
Die Symptome der MCAS sind aktuell beherrschbar und ich könnte dagegen bestimmte Antihistaminika nehmen. Ob das die Einnahme von Medikinet oder Elvanse möglich machen würde, müsste ich probieren. Aber ich traue mich nicht, aus Angst wieder sehr schmerzhafte Symptome zu entwickeln und die Medikamente wieder absetzen zu müssen. Wieder eine Art selbstgebaute Falle.
Ich habe Angst, dass die ADHS mit Medikamenten besser wird und ich nicht mehr ohne sie leben möchte. Da ich sie aber so schlecht vertrage, muss ich ja damit rechnen, sie jederzeit wieder absetzen zu müssen. Wiederum die Folge: ich nehme sie einfach gar nicht.
Mit den Medikamenten war mein Leben in meiner Wahrnehmung „zu leicht“, so dass ich ständig das Gefühl hatte, ich nehme tatsächlich Drogen (das alte Vorurteil, medizinisch natürlich Unsinn), und das hat die Angst und das schlechte Gewissen natürlich nicht besser gemacht. Generell habe ich große Vorbehalte gegenüber Medikamenten aller Art, weil sie mir fast alle wie unzulässige Hilfsmittel vorkommen (mag an der Erziehung liegen?).
Selbstsabotage auf allen Ebenen also. Kennt ihr sowas? Habt ihr Erfahrungen, wie man aus derartigen selbsterrichteten Fallen wieder rauskommt? Das Thema wird jetzt langsam wieder akut, weil ich eventuell Anfang August eine Umschulung starten kann. Therapie wird bald starten, da wird das auch Thema sein. Ich hab wirklich keine Ahnung wie ich diese Situation am besten lösen kann.
LG