AUDHS sichtbar(er) durch Medikation?

Wie hat es sich bemerkbar gemacht und wie fühlst du dich jetzt damit? Falls du darüber was berichten möchtest.

Der Verdacht, autistisch zu sein, kam zwar zuerst durch eines meiner Kinder (welches dann 2024/25 auch diagnostiziert wurde), aber der kam erst allmählich durch die Medikamentöse Behandlung, die zusammen mit der ADS-Diagnose gestartet wurde (und die immer noch fortdauert, da ich mich nicht zufriedenstellend eingestellt bin).

Meine autistischen Symptome treten erst mit dem dritten Medikament Elvanse (Dosisbereich 20-40mg bisher) so richtig zutage. Ich bin deutlich „unentspannter“ in meinen Routinen, beharre auf meinen Gewohnheiten, ich bin auch manchmal „sturer“ als zuvor, aber komischerweise gefällt mir das…. Ich fühle mich im Wesen nicht verändert, nur deutlich akzentuierter und meine Stärken sind mit Medikation deutlich besser ausgeprägt…

Vergesslichkeit ist 95% besser geworden, was mich entlastet. Die Rigidität ist zwar oft anstrengend fürs Umfeld, aber sie ermöglicht mir auch das Umsetzen meiner Struktur.

Was nicht mehr ganz so gut ist mit Elvanse: die motorischen Defizite waren mit MPH besser geworden und sind mit Elvanse nicht so glanzvoll….Dyspraxie ist eines meiner größten Probleme.

Ich möchte anmerken, dass du mit dieser These nicht alleine dastehst. Ich habe diese - wahrscheinlich sehr gut begründete - These in manchen Fachbüchern gelesen und finde das sehr schlüssig. Eigentlich komplett logisch, dass ADHS die autistischen Merkmale noch deutlicher macht, besonders wenn es um soziale Probleme geht. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es bei Betroffenen von beidem häufiger zu Meltdowns etc kommt, weil die ADHS das Einhalten einer Routine so unfassbar schwer macht. Aber das ist nur ein Gedanke von mir.

Umgekehrt: vielleicht hilft die Spontaneität von ADHS mit den wilden Assoziationen im Kopf bei der Bewältigung von Konversationen im Alltag ein Stück weit? Immerhin kann man dann einen witzigen (mehr oder weniger, das ist wohl Ansichtssache XD) Spruch raushauen. Ich bin nicht autistisch, aber habe einige Merkmale davon und Konversationen sind ein großer Schwachpunkt von mir. Ich habe tatsächlich beobachtet, dass mich verrückte Assoziationen retten können, weil die Leute mich dann wenigstens lustig finden.

Manche Adhsler rasten in der tat schon recht schnell aus, Stimmt. Laut Elst sieht eine autistische Stressreaktion bei autistischen Männern, recht ähnlich aus wie ein Wutanfall bei einem neurotypischen Mann. Wie sich das bei Frauen verhält weiß ich nicht. Zu Kindern habe ich auch nicht viel gelesen.

Was ich mich mittlerweile Frage, wie eine ASS eigentlich bei, ich nenns mal, chronischer Reizüberflutung aussieht, bin da aber noch nicht so fündig geworden. Ich weiß auch nicht ob das in Fachbüchern überhaupt Behandelt wird. Scheint jeden Falls recht häufig vorzukommen, wenn ich mich nicht täusche das ich dazu was gelesen habe, dass autistische Menschen schnell Dissoziieren aufgrund von Reizüberflutung. Wie behandelt man sowas eigentlich?

Solche Überreizungen können natürlich immer auch Reaktion eines zu hohen Dopaminüberschusses im Katecholaminen-System sein. Das bitte einfach bedenken.

Keine Ahnung, für Dopamin Überschuss brauch man vielleicht keine Medikation, den kann man sich vermutlich auch woanders holen vermute ich mal. Ich bin aber gerade auch wieder nur am Spekulieren. Müsste dazu was lesen.

Du bist lustig. Klar kann man sich den noch anders holen. :winking_face_with_tongue:
Ich wollte nur mal eine andere Überlegung einwerfen, weil solche Wahrnehmungsveränderungen nach Einnahme von Stimulanzien ziemlich oft berichtet werden. So weit mir bekannt, hat das wohl weniger mit Autismus zu tun. Die Fallberichte, die sich auf eine missglückte Medikation bei Autismus bezogen, die ich bisher durchgelesen habe, schilderten auch nicht eine Verstärkung des Autismus bzw. seines Symptomkomplexes, sondern dass einige Patienten i.d.R. mit intellektueller Behinderung nach ein paar Tagen verstärktes aggressives Verhalten zeigten.

Meiner Meinung nach ist der Ausdruck von Gefühlen und Stress stark von der Erziehung beeinflusst - und die ist in unserer Gesellschaft halt stark vom (angenommenen) Geschlecht beeinflusst. Insofern macht es Sinn, dass ein (cis) Mann seine Wut bzw. den Stress ausdrückt wie er das gelernt hat, egal ob er nun autistisch ist oder nicht.

Sollte ich vielleicht so nicht stehen lassen… gelöscht.

Naja auf jeden Fall ist eine autistische Stressreaktion keine Absicht oder Trotzreaktion sondern eine intensive Reaktion auf Überwältigung. Wer das nicht verstehen will, verhält sich invalidierend und ableistisch. Wenn jemand eine autistische Stressreaktion mit Zwang, Beschämung stoppen will, ist diese Person demnach Übergriffig, zeigt Täterverhalten ( letzteres eigene Meinung).

Keine Ahnung ob da starke, sedierende Medikation dann auch dazu zählt. :person_shrugging:
( Fall Winterhoff, da war wohl mindestens 1 autistisches Kind dabei.)

Haben wir uns eventuell missverstanden? :thinking:
Ich wollte mit meiner Aussage keineswegs behaupten, dass eine autistische Stressreaktion Absicht oder willentliche Manipulation ist. Sondern eben ein Ausdruck von Gefühlen und Stress. Und die ist nicht steuerbar, klar. Aber, so zumindest mein theoretischer Gedanke dahinter, auch nicht komplett unabhängig von Erziehung und co. Also der Ausdruck selbst, z.B. dass ein Meltdown vom äußerlich beobachtbaren Verhalten einem Wutanfall ähnelt. Nicht die Gründe dahinter. Zum Beispiel, um mal auf deinen ursprünglichen Post Bezug zu nehmen, dass ein autistischer Meltdown bei einem cis Mann genauso aussehen kann (!) wie ein Wutanfall bei einem allistischen cis Mann. Ob ein Meltdown bei cis Frauen anders aussieht, weiß ich allerdings auch nicht. Vielleicht ist doch eher die Reaktion vom Umfeld anders und mein Gedanke ist falsch? Mh. :thinking:

Falls ich mich da wirklich irre, dann ist das natürlich auch okay. Ich bin kein Profi auf dem Gebiet, und habe da nur meinen Gedanken geäußert. Man lernt ja nie aus.

Mit Zwang und Beschämung kommt man nie weiter, egal ob bei Autismus oder nicht (persönliche Meinung). Selbst bei tatsächlich manipulativem Verhalten würde man mit Beschämung bestimmt keine Änderung erzeugen, bei autistischer Stressreaktion sowieso nicht. Da gebe ich dir auf jeden Fall recht.

Edit: entschuldigt, ich möchte auf keinen Fall den Thread zweckentfremden!

ist mir egasl die sollen uns autisten eifnach in ruhe lassen sonst gibts stress. ist nicht so schwer zu verstehen.

mein nicht dich damit.

Ich möchte nochmal etwas zu meinem Beitrag ergänzen, damit er nicht missverstanden wird.

Wichtig: Dopaminmangel erzeugt Empfindlichkeit auf Reize, aber auch ein Überschuss an Dopamin im Katecholaminen System erzeugt Empfindlichkeit auf Reize. Wenn die Stimulanzien sinnvoll wirken sollen, muss die richtige Dosierung angestrebt werden.

Hallo zusammen,

ich lese den Thread mit großem Interesse. Einige der Beschreibungen könnten so auch von mir sein. Ich bin mit ADHS diagnostiziert, mein Sohn ist grade mitten in der ASS-Diagnostik und einige autistische Eigenschaften finde ich auch bei mir.

Ich habe Medikinet und Elvanse getestet und bin nun mit Kinecteen recht zufrieden. Wie bei @Antigonae hat nur Elvanse autistische Eigenschaften, die ich in Ansätzen auch so habe, deutlich verstärkt. Unter anderem Licht- und Geräuschempfindlichkeit, das starke Bedürfnis nach sozialem Rückzug und schnelle Überforderung in sozialen Situationen, Probleme mit Augenkontakt, verstärktes Stimming und das Bedürfnis ungestört Routinen nachzugehen. Für mich selbst hab ich mich eigentlich trotzdem wohlgefühlt aber ich konnte in meinem Alltag mit Partnerschaft, Kind und Arbeit kaum mehr funktionieren.

Meine damalige Psychaterin hat das alles als wohlbekannte Nebenwirkungen von Elvanse abgetan. Mit steigender Dosis (auf ein für mich zu hohes Niveau) sind einige der autistischen Eigenschaften wieder auf das was für mich normal ist zurück gegangen.

Ich frage mich seitdem allerdings ob das wirklich nur Nebenwirkungen waren oder wie hier und anderswo beschrieben freigelegte autistische Eigenschaften. Falls es auch bei mir “echte”, zu mir gehörende Eigenschaften wären, die sonst im ADHS Gewusel untergehen: Warum dann aber nur bei LDX und nur in einem bestimmten Dosisbereich?

Nur zur Sicherheit: Ich möchte hier keinesfalls Zweifel säen an eurer Selbsteinschätzung AuDHS zu sein oder euren Diagnosen (egal ob selbstgestellten oder offizell) sondern bin einfach auf der Suche nach Einordnung für mich selbst.

Also bei mir ist das mit der Reizüberflutung auf mehreren ebenen, nehme ich zumindest so bei mir wahr.

Stress: sowieso empfindlicher.
Medikation: umso höher umso weniger Reizüberflutung mittlerweile.

Ichzustand Wechsel durch Ptbs+: bringt die beiden obigen wieder durcheinander.

„Rebound“ sowieso Mist, da das glaube ich ein fieser ptbs+ Trigger ist.

und wie der Riehm in seinem neuen „Video Autismus vs. Kptbs“ erklärt, ist Reizüberflutung nicht gleich Reizüberflutung. Da ASS und Kptbs beide das mit sich bringen. ADHS ist sowieso blöd, die macht dann ja auch noch Ärger mit der Reizsuche.

Edit: Und wenn ich mir die Studien in den Sinn rufe, zu den Zahlen von Neurodivergenz + ptbs+, hege ich ernste Zweifel daran, dass die meisten von uns neurodivergenten Menschen keinen „Knall“ oder mehrere haben sondern eher andersrum. ( Persönliche Meinung). Ich hoffe das ich damit aber nicht richtig liege weil das echt scheiße wäre.

Stimmt, es ist nicht nur die Mediaktion sondern definitiv auch Stress und bei mir auch stark Müdigkeit. Ich bin im nachhinein auch nicht mehr sicher, ob die sensorische Empfinglichkeit eventuell nur im Rebound so stark war. Stimming kam vor allem Abends stark durch. Probleme mit Augenkontakt und Meiden von /Erschöpfung durch soziale Situationen aber auch bei voller Wirkung von Elvanse.

Sehr gutes Video, danke! Ich finde kann mich da, je nach Situation, bei beidem wiederfinden. Also sehr wahr, mit den Zusatzknallen (musste die Mehrzahl grade erstmal googeln). Es ist wahrscheinlich auch bei mir noch viel komplexer als nur Hauptgericht ADHS mit einer kleinen ASS Beilage (eventuell), weil das Leben da inzwischen alle möglichen Soßen aus Ängsten, Depris und kleiner Traumata drübergekippt hat. Am Ende weiß man gar nicht mehr wer und was man eigentlich is(s)t.

Total gut ausgedrückt! :orange_heart:

Ich habe das auch schon öfter gehört und glaube schon, dass ADHS bei autistischen Kommunikationsschwierigkeiten helfen kann. Ich habe keine Diagnose, vermute bei mir selbst aber AUDHS. Bei mir ist es so, dass ich öfter das Gefühl habe, aus zwei Personen zu bestehen, die sehr unterschiedlich drauf sind.

Die ADHS-Person (nenne ich jetzt mal so) hat so Anwandlungen, wie, sich spontan in Gespräche mit irgendwelchen Leuten zu stürzen. Die ist dabei gerne mal etwas übermotiviert und zieht dann auch schonmal die Aufmerksamkeit einer ganze Gruppe von Leuten auf sich, die sich gut unterhalten fühlen. Die ASS-Person kriegt dann immer die Krise, kann sich in dem Moment aber nicht durchsetzen. Ich habe zwar in diesen Situationen meinen Spaß, bin aber danach platt, fange an zu analysieren, ob ich da nicht doch teilweise negativ aufgefallen bin und denke mir, dass jetzt aber wirklich Schluss mit solchen bescheuerten Aktionen sein muss (klappt natürlich nicht). Andersherum geht die ASS-Person fremden Leuten möglichst großräumig aus dem Weg und wäre am liebsten unsichtbar und unhörbar. Diese Person wird immer super nervös, wenn sie in soziale Situationen mit Fremden gezwungen wird, wie z.B. Kundenkontakt. Die ADHS-Person denkt sich, hey, wird schon laufen und legt los.

Ich arbeite im Einzelhandel mit viel Kundenberatung. Das findet meine ADHS-Person ganz cool, weil sich da auch oft nette Gespräche ergeben. Ab und zu tritt aber die ASS-Person in den Vordergrund und dann kriege ich plötzlich Schweißausbrüche, wenn Kunden vor mir stehen. Das hat nichts damit zu tun, ob es gerade voll und stressig ist, sondern passiert eher, wenn eine Weile kein Kunde da war und ich mich darauf eingestellt habe, irgendwelche Organisations- und Verwaltungsarbeiten zu erledigen.

Wenn ich jetzt diese ADHS-Person mit Medikamenten unterdrücken würde, hätte die ASS-Person sehr wahrscheinlich ein Problem in meinem Job. Mit meinem Partner hätte ich ähnliche Probleme, wie die Fragestellerin. Die habe ich Partner auch jetzt, wenn die ASS-Person in den Vordergrund tritt. Deswegen zögere ich, mich um Medikamente zu kümmern. So, wie es jetzt ist, ist es zwar total anstrengend, aber grundsätzlich funktioniert mein Leben.

Idealerweise bräuchte ich was gegen beide Problematiken. Ich finde sogar meistens diese ASS-Person viel störender als die ADHS-Person, wenn die nicht gerade meine Konzentration in ferne Welten gebeamt hat.