Autoaggression als „Not-Aus“ bei Prokrastinations-Druck – Wer kennt das?

Ich kenne Selbstverletzendes Verhalten bei mir unter Stress und druck auch. Ist bei mir durch Elvanse aber eher besser geworden, obwohl in den Wirklücken, muss ich es teils stark unterdrücken. Ein Glück ist es bei mir aber eher unauffällig durch kneifen oder kratzen. Klar ist insgesamt eher blöd aber ich stelle es mir sehr belastend vor, wenn ich mich selbst in der Öffentlichkeit Ohrfeigen würde. Ich schäme mich schon, wenn ich mich so gekratzt habe, dass es blutet. Aber das ist zumindest nicht so auffällig. Vielleicht fällt dir irgendeine Variante ein, für den Anfang zumindest, die du statt einer Ohrfeige machen könntest. Ich meine Kneifen oder Oberflächliches kratzen, ist zumindest nicht auffällig und heilt auch vollständig ab, so dass es auch langfristig keine negativen Folgen körperlicher Natur hat. ich meine es gibt viele Skills die helfen sollen, nur muss ich ehrlich sagen, dass mir die nichts bringen, da ich das nicht plane sondern irgendwie oft erst im Moment merke oder kurz danach, was ich da mache und da habe ich dann nicht gerade sowas wie chilli dabei und sobald ich drüber nachdenke, würde ich nicht mehr auf die Idee kommen. Bei dir klingt das auch eher wie eine spontan Handlung. Eher wie ein Tick. Ticks kenne ich nämlich auch, die kann ich unterdrücken aber je mehr Stress desto schwieriger wird es.

Es gibt so harte und stachelige Igelbälle. Aus Metall. So klein, dass man sie auch in der Hosentasche mit sich führen könnte aua, aber vielleicht wäre so was auch eine unauffällige Art sich zu spüren?

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Hey, hast du es denn schon Ma probiert das du deine Wut kanalisierst? Also ein Boxsack oder ein Stressball wo du deine Wut ablassen kannst.

Weil Wut runterschlucken tut nicht gut, aus meiner Erfahrung. Und gerade bei ADHS muss aufkommende Wut sofort raus sonst geht die Energie negativ gegen einen selbst.

Klar mit Elvanse ist es dann wieder was anderes, da ist ja dann der Filter da und ich kann sagen: ja juckt mich gerad nicht mich darüber zu ärgern.

Denkst du Opipram würde da nicht helfen?

Hört sich für mich ein bisschen so an, als seist du wirklich zu streng mit dir, unabhängig davon, ob es durch Elvanse noch stärker wird oder nicht. Es geht doch eher darum, warum man prokrastiniert denke ich gerade. Bei mir ist es glaube ich die fehlende innere Ruhe. Entspannung. Störende äußere Reize. Fehlendes allg. Zufriedenheitsgefühl…dann prokrastiniere ich natürlich Dinge, weil quasi diese Grundbedürfnisse erstmal probiert werden gestillt zu werden, oder zumindest verbessert, sodass da überhaupt ein Puffer ist, eine kleine Möglichkeit die Dinge überhaupt erledigen zu können. Außerdem kurz vor knapp mehr Dopamin zur Verfügung, klar. Emotional hat es mich eher stabiler gemacht, bis dann Abends der Crash kam und ich wie Depressiv war. Außerdem ist der generelle Status Quo so schlecht geworden, dass ich (ich denke eben evtl. durch Elvanse) extrem Müde und erschöpft bin. Der ganze Körper ist wirklich müde. Ich nehme es jetzt seit Wochen konsequent nicht mehr, in der Hoffnung, dass das besser wird. Allerdings hab ich auch nicht mehr die Wirkung, das es mich fit macht und ich was erledigt bekomme. Ich habe auch viel mehr geraucht durch Elvanse, keinen Hunger, extrem schuppige Haut überall, … aber die Wirkung war halt auch top. Der ganze Körper lief schneller. Ging wie an. Ich weiß es auch nicht, ist echt schwer alles. Vlt. wird das bei dir wirklich extremer/konzentrierter, weil man ja durch Elvanse fokussierter wird. Warum nicht. Letztendlich muss man abwägen, wie es jetzt auch bei mir war. Viel Glück! PS. besprich doch mal, ob dir (zusätzlich) irgendwann mal Opiram/Opipramol helfen könnte. Aber macht müde! Soll sich bei manchen nach einiger Zeit aber legen.

Sowas in der Art hat mir die Psychotherapeutin im Erstgespräch nun auch vorgeschlagen. Ich probiere nun erstmal, wie weit ich mit Verhaltenstherapie in den nächsten zwei Monaten komme und sehe dann, ob ein Antidepressivum tatsächlich nötig ist.

@Disastercluster hat schon recht, wenn er sagt, dass der Job an sich nicht so gut geeignet ist für die von mir beschrieben Einschränkungen. Da ich wegen eines Umzugs eh ab Juni auf Jobsuche sein werde, werde ich das mal im Kopf behalten.

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Hallöchen :smiling_face:

Ich falle hier fast hinten über - es geht anderen genau wie mir. :see_no_evil_monkey: Danke, dass du dieses Thema ansprichst, das wohl eins der am meisten mit Scham behafteten ist.

Ich würde behaupten, dass dieses autoaggressive Verhalten immer mit Druck zu tun hat, den man vorher nicht verringert hat (obwohl man die Triggerpunkte oft sogar kennt, denke ich). Bei dir ist es die Prokrastination, bei mir das Erleben von Ungerechtigkeit in jeglicher Form, das bis hin zum autoaggressiven Verhalten führen kann.

Seit ca. 3 Wochen habe ich keinen medikamentösen Schutz mehr (Antidepressiva) und merke, wie sich diese Dünnhäutigkeit immer mehr verstärkt. Ich dachte immer, AD bringen mir nichts, aber anscheinend hatten sie zumindest eine kleine Filter- und Schutzfunktion.

Normalerweise bekommt meine „Ausraster gegen mich selbst“ niemand mit, bis letzte Woche, da ging es nicht mehr, und mein Mann war anwesend. Die anschließende Scham muss ich wohl nicht extra erwähnen.

Mir ist bei der Aktion aber Folgendes aufgefallen: Es gab so eine Art Peak, dann kam es zur Explosion. Während des Ausrasters wusste ich genau, was da passiert, aber ich konnte es nicht stoppen. Der Druck musste raus. Und je mehr es körperlich weh tat, umso ruhiger wurde ich, bis ich, wie immer, heftig weinen musste. Normalerweise mag ich nicht gehalten werden, aber diesmal bräuchte ich diese „Begrenzung“ von außen. Wie mein Mann diese übersinnlichen Kräfte dazu aufbringt, ist mir ein Rätsel.

Im Rückblick auf die Situation wurde mir eins klar: Ich war schon überfordert, als ich in die Ursprungssituation eingetreten bin und wusste genau, dass das zuviel war. Es ist wie eine Selbstverletzung mit Ansage.

Ich hatte dieses autoaggressive Verhalten als Jugendliche schon. Damals sicher nicht beabsichtigt. Aber das Muster ist dasselbe geblieben: Druckentlastung und anschließend Scham. Das Muster ist irgendwie mitgelaufen, und ich habe es noch bestärkt. Bis eben die Erkenntnisse kamen, dass ich selbst inzwischen dafür verantwortlich bin, die Ünerforderung, die mich bis an und über meine Grenzen hinaus bringen, zu erkennen und daran zu arbeiten.

Will ich das? Natürlich nicht! Ich will funktionieren!

Dein Beispiel mit dem „ich prokrastiniere meine E-Einnahme“ kann man schön als Beispiel nehmen: Du erkennst, dass du die Einnahme verzögerst. Wohin könnte das führen? Die Prokrastination ist ein Symptom für etwas, wage ich zu behaupten. Wofür, kannst natürlich nur du selbst beantworten.

Ich stelle mir einen Job, bei dem man ständig unter Druck steht, schon als gesunder Mensch anstrengend vor. Okay, manchmal hilft der Druck, Dinge doch noch fertig zu machen, aber bist du der Typ dazu? Bräuchtest du nicht eher etwas, das weniger Druck ausübt? So wenig Druck, dass du diesen nicht mehr an dir selbst abreagieren musst?

Ich gehe sogar so weit, also bei mir, dass ich froh war, wenn ich mir selbst so richtig eine tachern konnte, das hatte fast etwas Lustvolles. Bei mir war die Übernahme eines alten Musters meines Vaters, ich habe es fortgesetzt. Ich möchte das nocht mehr und möchte immer früher lernen, zuviel Druck zu vermeiden. Zumindest möchte ich ihn nicht mehr an mir selbst auslassen.

Bei Menschen, denen es ähnlich geht wie mir, empfinde ich immer Mitgefühl. Ich stelle mir immer vor, dass in dem geschlagenen Körper einer sitzt, der die Hände schützend über seinen Kopf hält.

Ich hoffe, du findest eine andere Lösung und wünsche dir viel Kraft :smiling_face_with_three_hearts:

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Oh Mist…ich mache das auch. Bisher nur wenn ich allein war. Ich habe aber schon länger Angst, dass es mir mal in der Öffentlichkeit passiert.

Ist das ein Meltdown den man an sich selbst auslässt? Ich bin vorher definitiv kognitiv am Limit (Overload). Manchmal schlage ich auch den Tisch oder trete die Wand…fange mich aber schnell wieder ein. Gedanke: „So etwas macht man nicht!“ Dann setze ich meine Maske wieder auf und lächele alle an…drehe aber innerlich noch lange im roten. Das sieht man mir natürlich auch an. Aber ich kann oder will nicht zugeben, dass es mir derart schlecht geht…

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Für mich fühlt es sich auch nach Meltdown an. Hab einen sehr reflektierten Bericht eines Erwachsenen Autisten mit autoaggressivem Verhalten gefunden, der das zumindest genau so einordnet. Das dort beschriebene Verhalten ist wahrscheinlich extremer als die meisten hier es erleben. Zumindest für mich beschreibt es trotzdem sehr gut wie es sich (in abgemilderter Form) anfühlt.

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Zarte 44, fleissig am schaffen. Elvanse seit Januar 2026, davor 3 Monate Concerta 72mg.
Mache Verhaltenstherapie und Trauma abwechselnd, und das ist echt anstrengend. :grimacing:
Interessant wie ihr es beschreibt. Ich weis nicht ob es dazu passt, bei mir ist es so, das ich doch schon öfter unter Elvanse mittlerweile fluche und gern tolle Schimpfwörter erfinde OMG und je nach Situation etwas reizoffener bin (Aufregung/Termine). Prokrastinationsdruck hab ich auch aber nicht so stark, ist echt abhängig, da ich zwanghaft alles versuche gleich sofort zu erledigen. Schlafen kann ich ganz gut. (Nehme ca 5 Monate Elvanse 50mg aufgeteilt, erst seit ca 1 Monat kam das fluchen, doch schon sehr bemerkbar, aber immer nur zuhause). Ich frage mich manchmal, bin ich das die einfach keine Lust mehr auf äussere Regeln hat. Und einfach meinen Frust besser jetzt rauslassen will. Wie eben eine Entladung. Unter Concerta 72mg damals hatte ich das gar nicht, war nur etwas abgestumpfter. Bin auch manchmal so grrrr drauf, WHY? Elvanse wirkt ja auch nach Zyklus und Hormonen, aber meist wenn ich nichts zu tun habe, also nicht arbeiten bin, tatsächlich, entlädt es sich dann schon öfter. Als würde sich unbemerkter Frust aufgestaut haben. Oder ich muss höher gehen. Mich bringt kaltes Wasser wieder runter, muss dann unbedingt Hände waschen gehen. Auch bekomme ich manchmal so wie du deinen Druck beschreibst zb, werd ich fleckig rot am Dekolleté und Hals, wenig im Gesicht. Meist wie du sagst durch starke gedankliche Beschämung in dem Moment was gar nicht nötig ist. Hab das schon oft beobachtet und finde keinen sinn drin in diesem Moment der Situation. Vielleicht ist das der Gedanken Moment wo wir einfach scheiss drauf denken sollten. Bei mir ist das auf jeden Fall wie so ein Trigger Punkt dieser Scham Gedanke, und manchmal wird mir da so warm.

Ich hoffe sehr das es bei Dir besser wird, gerade auch wegen der Verletzungen gegen einen selbst. Kenne es, möchte manchmal auch so vieles. Grade bei Scham ist die emotionale Spitze bei mir extrem und würd mir am liebsten jedes mal Haare schneiden wollen oder anderes dummes zeug. Bin dann wie so ein Kind was wütend toben möchte und am liebsten alles zusammenschreien will, und was boxen will.

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