Hi zusammen,
ich brauche mal eure Schwarmintelligenz bzw. einen Austausch zu einer Dynamik, die bei mir gerade ziemlich eskaliert.
Kurz zu mir:
M, 31. Diagnose ADHS (unaufmerksamer Typ) im Mai 2025. Hauptbaustellen: Ausgeprägtes Prokrastinationsverhalten und krasse emotionale Dysregulation. Seit Anfang 2026 bin ich in der Eindosierung mit Elvanse (von 20 über 30 auf aktuell 40 mg).
Das Problem:
Ich arbeite als Lektor in einem Verlag. Wenn ich vereinbarte Terminpläne für Rückmeldungen wiederholt (in einem Fall bereits zum 7. Mal) reiße oder Kundenmails ewig ignoriere, baut sich bei mir recht großer emotionaler Druck auf. Den kann ich normalerweise gut unterdrücken, manchmal bricht er aber ziemlich unangenehm und rational betrachtet hart unverhältnismäßig aus.
Schon vor der Diagnose hatte ich destruktive Coping-Mechanismen: Ich beschimpfe mich heftig selbst in schlechten Momenten („nutzloses Stück Scheiße“), spucke auf den Boden, trete gegen Sachen oder haue auf den Tisch. Seit Herbst 2025 ist das Ganze eskaliert: Ich schlage mir teilweise intensiv und anhaltend selbst ins Gesicht (Ohrfeigen).
Gefühlt ist das wie ein Entladungsventil. Danach tritt sofort eine Art Erleichterung/Beruhigung ein, weil die Spannung vorher psychisch nicht mehr auszuhalten ist.
In etwa der Hälfte der Fälle erreicht der Impuls den „Point of no Return“ so schnell, dass ich ihn nicht mehr stoppen kann. Das passiert mittlerweile leider auch in der Öffentlichkeit (z. B. im Zug), was extrem peinlich ist und andere verunsichert.
Das ist der Punkt, der mich stutzig macht: Seit ich Elvanse nehme, fühle ich mich zwar insgesamt weniger impulsiv, aber wenn es zu diesen Durchbrüchen kommt, sind sie viel intensiver als vorher. Als ob die Medikation den Fokus so schärft, dass auch der Selbsthass/Druck „konzentrierter“ einschlägt.
Kennt das jemand von euch? Dass die medikamentöse Einstellung zwar den Alltag sortiert, aber die emotionalen Spitzen (gerade bei Scham durch Prokrastination) heftiger oder körperlicher werden?
Ich habe bald ein Erstgespräch im Rahmen einer psychotherapeutischen Sprechstunde, würde aber gerne wissen, ob hier jemand ähnliche Erfahrungen mit Autoaggression als „Spannungs-Ventil“ bei ADHS gemacht hat und ob euch da bestimmte Skills oder Medikations-Anpassungen geholfen haben.
Danke fürs Lesen!