Autoaggression als „Not-Aus“ bei Prokrastinations-Druck – Wer kennt das?

Hi zusammen,

ich brauche mal eure Schwarmintelligenz bzw. einen Austausch zu einer Dynamik, die bei mir gerade ziemlich eskaliert.

Kurz zu mir:
M, 31. Diagnose ADHS (unaufmerksamer Typ) im Mai 2025. Hauptbaustellen: Ausgeprägtes Prokrastinationsverhalten und krasse emotionale Dysregulation. Seit Anfang 2026 bin ich in der Eindosierung mit Elvanse (von 20 über 30 auf aktuell 40 mg).

Das Problem:
Ich arbeite als Lektor in einem Verlag. Wenn ich vereinbarte Terminpläne für Rückmeldungen wiederholt (in einem Fall bereits zum 7. Mal) reiße oder Kundenmails ewig ignoriere, baut sich bei mir recht großer emotionaler Druck auf. Den kann ich normalerweise gut unterdrücken, manchmal bricht er aber ziemlich unangenehm und rational betrachtet hart unverhältnismäßig aus.

Schon vor der Diagnose hatte ich destruktive Coping-Mechanismen: Ich beschimpfe mich heftig selbst in schlechten Momenten („nutzloses Stück Scheiße“), spucke auf den Boden, trete gegen Sachen oder haue auf den Tisch. Seit Herbst 2025 ist das Ganze eskaliert: Ich schlage mir teilweise intensiv und anhaltend selbst ins Gesicht (Ohrfeigen).

Gefühlt ist das wie ein Entladungsventil. Danach tritt sofort eine Art Erleichterung/Beruhigung ein, weil die Spannung vorher psychisch nicht mehr auszuhalten ist.

In etwa der Hälfte der Fälle erreicht der Impuls den „Point of no Return“ so schnell, dass ich ihn nicht mehr stoppen kann. Das passiert mittlerweile leider auch in der Öffentlichkeit (z. B. im Zug), was extrem peinlich ist und andere verunsichert.

Das ist der Punkt, der mich stutzig macht: Seit ich Elvanse nehme, fühle ich mich zwar insgesamt weniger impulsiv, aber wenn es zu diesen Durchbrüchen kommt, sind sie viel intensiver als vorher. Als ob die Medikation den Fokus so schärft, dass auch der Selbsthass/Druck „konzentrierter“ einschlägt.

Kennt das jemand von euch? Dass die medikamentöse Einstellung zwar den Alltag sortiert, aber die emotionalen Spitzen (gerade bei Scham durch Prokrastination) heftiger oder körperlicher werden?

Ich habe bald ein Erstgespräch im Rahmen einer psychotherapeutischen Sprechstunde, würde aber gerne wissen, ob hier jemand ähnliche Erfahrungen mit Autoaggression als „Spannungs-Ventil“ bei ADHS gemacht hat und ob euch da bestimmte Skills oder Medikations-Anpassungen geholfen haben.

Danke fürs Lesen!

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Hallo hudrac_yador,

mir geht bzw. ging es da ähnlich und meine Verhaltenstherapie hat mich darin gestärkt besser mit mir selbst umgehen zu können wenn ich „Fehler“ gemacht habe. Ist jedenfalls nicht immer einfach. Es gibt andere Wege zur Selbstregulation, viele davon wurden erst unter Medikation für mich Umsetzbar unteranderem weil ich zusätzlich zu meiner ADHS, Autist bin.

Inwiefern deine Medikation bzw. Dosis ( Stimulanz) da eine Rolle spielt, könntest du mit deinem behandelnden Arzt besprechen, vielleicht auch ob ein zusätzliches Medikament Helfen könnte. Ich meine mich zu entsinnen das Risperidon ein gängiges ist, bin mir aber unsicher.

Alles erdenklich Gute dir. :people_hugging:

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gibt es da Regelmäßigkeiten wie z.B. immer 6 bis 8 std nach Einnahme von Elvanse oder so etwas? war ws mit 20 oder 30 mg besser, weniger krass oder sowas?

Klingt das du da entweder die Impulskontrolle verlierst bzw. die geschwächter isr?

Wie lange bist du jetzt bei 40mg?
Lässt du Koffein konsequent weg? Nimmst du Elvanse immer zur gleichen Zeit ein?
Hast du das Gefühl du hast schon die richtige Dosis gefunden oder denkst du es wäre eher noch ausbaufähig?

Danke für deine Nachfragen! Eine direkte Regelmäßigkeit, die fest mit dem Wirkzeitraum von Elvanse zusammenhäng, also zum Beispiel immer 6 bis 8 Stunden nach der Einnahme, sehe ich bisher eigentlich nicht. Die Ausbrüche sind wirklich extrem an die konkreten Trigger bei der Arbeit gekoppelt, also z. B. wenn eine Situation da eskaliert oder die Scham über mein Prokrastinationsverhalten kickt. Heute ist es zum Beispiel wieder besonders schlimm, was aber sicher auch daran liegt, dass ich letzte Nacht nur vier Stunden Schlaf hatte und gerade (deswegen auch der Forenpost) ein Timing wieder mal verkackt habe.

Im Vergleich zu den 30 mg fühlt sich die aktuelle Dosis von 40 mg für mich auch noch nicht so stimmig an. Ich merke, dass ich seit der Erhöhung generell etwas reizbarer geworden bin (was die Intensität der Ausbrüche eher noch befeuert haben KÖNNTE). Deshalb glaube ich auch nicht, dass ich mit den 40 mg schon den richtigen Spot gefunden habe. Beim Thema Koffein bin ich zudem nicht ganz konsequent: Unter der Woche trinke ich immer mal wieder ein bis zwei Tassen Kaffee, aber fast nur an meinem Präsenztag im Büro, während ich im Homeoffice gar keinen trinke. Mein Einnahmefenster für das Elvanse mit 07:30 bis 10:00 Uhr auch recht breit gefasst ist (glaub ich).

Vielleicht befeuert das Koffein deine Schlafprobleme.

Aber das wäre eher konsequent ausprobieren.

Elvanse und Prokrastinienieren kannte ich auch fand ich ausgeprägter teils als mit Methylfinidat

Was ich definitiv sagen kann unterdosiert war deutlich unangenehmer als überdosiert. Das solltest du mit deinem Psychiater besprechen und auch ob es testweise mit Aufdosieren ausprobieren kannst ob es dann besser wird.

Du trinkst und ißt genug und regelmäßig oder?

Das hat auch immer deutlich ins Wohlbefinden honeingespielt auch wenn man es sich nicht recht vorstellen kann

Das tut es definitiv normalerweise. Gerade, wenn ich es übertreibe mit dem Kaffee tagsüber, krieg ich ziemliches Kopfweh davon. In Kombination mit zu viel Sport und wenig Schlaf hatte ich das zuletzt mal zwei Tage anhaltend. Gestern lag es aber tatsächlich an einer sehr langen Heimfahrt von Hannover nach München mit dem ICE, bei der im ersten Drittel ein Güterzug liegengeblieben war und dann ein Oberleitungsschaden für eine Umleitung gesorgt hat – in Summe 2h später daheim als geplant. Hat dann etwas den Rhythmus gesmasht. :melting_face: Aber ich schweife ab …

Den Ansatz finde ich spannend. Falls es mit LDX in der Mittelfrist nicht besser wird, werd ich definitiv nochmal MPH ansprechen und ausprobieren.

Damit hadere ich gerade auch noch. 30 mg waren mir streckenweise fast zu subtil, 40 mg an manchen Tagen genau richtig, an anderen richtig daneben. Nach der reinen ADxS-Lehre müsste ich wohl noch auf die 50 mg hoch, um zu checken, ob sich das Muster weiter verschlimmert und dann ggf. auf die 30 mg zurück, oder?

Ich tracke ziemlich minutiös getrunkene Wassermenge (trinke eigentlich selten was anderes) und Kalorien, weil ich mich gerade auf einen Marathon vorbereite.

Eher nicht. Eigentlich ist Elvanse eben extrem subjektiv. Da kannst du hier herumfragen. Gerade wenn du mit schlechtem Schlaf, Schlafmangel, kaum gegessen, gestresst etc bis.

das ist hier öfter zu lesen und dann in der Eindosierung wird hier immer wieder sehr deutlich gesagt das in Eindosierung strikte Koffeinabstinenz angeraten ist, weils den Körper durcheinander bringen kann, da Koffein ja selbst ein Stimulanz ist und du dann auch nicht zwischen Nebenwirkungen, Wechselwirkungen etc. unterscheiden kannst und ggf. in der Eindosierung falsche Schlüsse ziehen könntest zudem gab es immer mal wieder mit Koffein dann hohen Blutdruck oder Herzrasen etc durch das Koffein wenn ich das vom lesen nicht falsch in Erinnerung habe.

Such doch mal mit der Lupe da findest du genug Beiträge

Hallo!

Ich kenne das Problem aus eigener Erfahrung.

Zwar nehme ich erst seit ein paar Tagen wieder Medikamente, aber ich kann dir nur raten, diese Problematik in einer Psychotherapie aufzuarbeiten. Ich kann nicht beurteilen, wie viel Einfluss Elvanse auf diese Impulsdurchbrüche hat und es mag sein, dass das Medikament plus Koffein und andere Faktoren da eine Rolle spielen.

Generell aber sehe ich das so, dass das Verhalten an sich bei so klaren Triggern, die du für dich benennen kannst, psychologisch aufgearbeitet werden sollte. Medikamente nehmen logischerweise nicht unter Umständen jahrzehntelange Abwertung von außen weg.

Mir hat die Aufarbeitung in der Therapie gut geholfen.

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Die Medikation ist ein tolles Hilfsmittel, aber trotzdem werden bestimmte Eigenschaften und Symptome bleiben.

Wie weit du dein aktuelles Problem mit der Medikation justieren kannst solltest du gut beobachten und unbedingt ansprechen.

Mit der Diagnose und der Medikation kommt das leidige Thema Psychoedukation und was man für sich noch tun kann.

Wichtig ist ein liebevoller Umgang mit sich selbst , vor allem das akzeptieren wo man immer noch nicht so gut weiterkommt wie erhofft .

Würdest du mit einem Kind so umgehen ?

Psychotherapie wäre wirklich eine gute Maßnahme um da noch mal auf dich zu schauen und vielleicht auch ein Coaching?

Deine Wut , deinen Frust , deine Verzweiflung kann ich gut verstehen. Sachlich betrachtet wird von den Aggressionen gegen dich selbst trotzdem nichts schneller fertig und ob du so mit dir umgehst oder auch nicht ändert nichts an den Konsequenzen aus dem nicht erledigten folgen könnten oder es wird vielleicht nicht mal als so schlimm bemerkt.

Aber es ist halt zum verzweifeln wenn man mal wieder nicht die Dinge hinbekommt , die man eigentlich hinbekommen möchte und müsste.

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Das kenne ich leider auch sehr gut und auch vor allem im Arbeitskontext. Den ersten autoaggressiven Ausraster hatte ich vor vielen Jahren, als ich in der Nacht vorm Vortrag meiner Masterarbeit einfach nicht voran gekommen bin. Erst ewig prokrastiniert, dann endlos an Details rumgemacht. Seitdem passiert das immer mal wieder in ähnlichen Situationen (Deadlines, schwierige Mails und Berichte die ich ewig prokrastiniere und nur auf Druck von außen mache). Ich bin dann so verzweifelt weil ich ja eigentlich weiß wie es geht aber in dem Moment nichts davon umsetzen kann und gleichzeitig der Druck es schnell und effizient machen zu müssen so groß ist.

Die Ausraster kommen plötzlich, heftig und zum Glück nur kurz. Danach fühle ich mich dumpf und leer und oft auch ziemlich dumm und dysfunktional aber der unerträgliche emotionale Druck ist eben auch erstmal weg.

Das Thema Autoagression ist bei mir ziemlich schambehaftet. Selbst meiner ehemaligen Therapeutin hab ich nur sehr vage davon erzählt. Entsprechend sind wir das auch nicht direkt angegangen. Wir haben aber ganz allgemein über Frühwarnzeichen für emotionale Überlastung geredet und über Skills (wie für Borderline).

Für mich funktionieren starke körperliche Reize am besten aber die größte Schwierigkeit ist überhaupt wahrzunehmen wie es mir grade geht, um überhaupt rechtzeitig gegensteuern zu können. Falls ich merke, dass ich gleich explodiere, hilft mir schnell raus zu gehen und sehr schnell zu gehen oder zu rennen. Eigentlich müsste ich mir die Skillsliste zusammen mit Wasabipaste und Amoniakstäbchen auf den Schreibtisch legen damit ich eine visuelle Erinnerung an die Notfallmaßnahmen habe.

Elvanse habe ich auch etwa 1/2 Jahr genommen und bin auf Dauer nicht damit zurecht gekommen. Es hat mich u.a. irgendwie reizoffener gemacht, Schlafstörungen verschlimmert. Nägelkauen und Skinpicking (ebenfalls ungesunde Methoden zur Selbstregulation) konnte ich kaum noch steuern. Manchmal hatte ich das Gefühl es stabilisiert mich emotional, mal war es eher schlechter. Aber das kann auch einfach mein Allgemeinzustand gewesen sein. Mit MPH komme ich deutlich besser klar. Ich bin etwas stumpfer aber finde das sogar ganz gut.

Danke, dass Du diese schwierige Thema gestartet hast und andere so offen sind ihre Erfahrungen zu teilen! :heart:

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Ich habe im Winter letztes Jahr meine Diagnose bekommen und war zu dem Zeitpunkt in einer ähnlichen Situation. Ich habe damals zuerst eine Verhaltenstherapie gemacht und erst dann Medikamente verschrieben bekommen, erst MPH und dann Elvanse. Da dein ADHS erst relativ spät diagnostiziert wurde bist du wie ich in den Genuss des „6-er Abos“ gekommen. So hat mein Therapeut die Krankheiten/Verhaltensweisen genannt, die aus einer ausgeprägten aber unbehandelten Aufmerksamkeitsstörung resultieren. 1.Das ADHS an sich 2.Sucht 3.Depressionen 4.Persönlichkeitsstörung (vor allem Borderline) 5.Posttraumatische Belastungsstörung 6.Sozialer Rückzug/Angststörung.

Nicht jeder Punkt muss bei jedem vorhanden oder ausgeprägt sein. Die wichtige Erkenntnis hierbei ist dass es zwar temporär etwas bringen kann diese Symptome zu Behandeln, aber solange das ADHS an sich nicht behandelt wird werden die Symptome immer wieder auftreten, z.B. cholerisches Verhalten (was aus einer Angststörung resultiert) oder selbstverletzendes Verhalten zum Stressabbau. Bei mir kam der Durchbruch als ich die Therapie und die Medikamente kombiniert habe, vor allem seit dem ich Elvanse nehme. Bei der Frage ob vielleicht das Elvanse die von dir beschriebenen Probleme verstärkt kann ich dir nicht weiterhelfen, ich hatte als ich Elvanse mal für zwei Tage pausiert habe Wutausbrüche bei denen ich auch Sachen getreten habe usw, die Auslöser dafür waren sehr ähnlich wie deine. Ein Freund von mir hat mir aber auch erzählt dass er Probleme mit der Emotionsregulierung hat wenn er das Elvanse nicht regelmäßig pausiert. Vielleicht würde es dir guttun das Elvanse z.B. am Wochenende zu pausieren, aber das scheint wohl bei jedem anderst zu sein. Generell würde ich dir raten das Elvanse auf jeden Fall weiter zu nehmen und auch keine Angst davor zu haben die Dosis irgendwann weiter zu erhöhen. Bei mir hat Elvanse zwar unmittelbar meinen Stress reduziert und mir viel Lebensqualität zurück gegeben, aber es ist kein Wundermittel, es ist ein Werkzeug und erst wirklich effektiv wenn man es mit einer Therapie verbindet.

Ein konkreten Tipp will ich dir noch aus meiner Therapie mitgeben. Stress ist ein Katalysator für ADHS und die oben genannten Symptome. Das kann aber auch in die andere Richtung gehen, bei mir war das damals ein Teufelskreis. Zu lernen sein Stresslevel im Alltag im Griff zu behalten kann vieles einfacher machen. Ich stelle mir mein Stresslevel wie eine Skala von 1-10 vor. Ab einem Stresslevel von 8 fängt das Gehirn an irrational zu arbeiten, es geht in einen Art „Überlebensmodus“ um mit dem Stress klarzukommen. Wenn der Stress dass maximale Level 10 erreicht hat wird man z.B. bei einer Sucht Rückfällig, man Explodiert und wird gewalttätig oder man Implodiert und begeht Suizid usw. (Nur um ein paar Beispiele zu nennen) . Zum einen muss man lernen sein Stresslevel einzuschätzen und für jedes Level eine Aktivität zu finden die dein Stresslevel senkt oder niedrig hält, zum anderen muss man erkennen wenn der Stress das Level übersteigt bei dem das Gehirn anfängt irrational zu arbeiten, und man muss eine Aktivität finden die auch bei einem so hohen Stresslevel den Stress reduziert und umsetzbar ist, und das bevor der Stress seinen Höhepunkt erreicht. Das ist aber leichter gesagt als getan, den rationale Entscheidungen zu treffen ist in diesem Stadium nicht möglich. Ein extremes aber wirksames Beispiel was von manchen benutzt wird wäre z.B. Riechsalz. Bei mir war diese Aktivität z.B. meine Eltern anzurufen. Vielleicht fällt dir ja eine Aktivität ein die du in solchen extremen Stresssituationen benutzen kannst, Riechsalz ist auf jeden Fall sehr effektiv.

Ich hab jetzt ganz schön viel geschrieben​:sweat_smile:Ich hoffe ich bin nicht zu sehr abgeschweift und hab dir wenigstens ein bisschen weiter geholfen.

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Sehr interessant, danke :heart:

3-4/10 ist bei mir meist Grundlevel, bei 6+/10 kann ich langsam nicht mehr einschätzen wie gestresst ich bin ( die abfrage funktioniert nicht mehr), bei 10 10 10 10 hatte meine Thera mich damals in der Therapiestunde Beruhigt, äußerlich war ich aber scheinbar ruhig. Danach fing ich an zu Stottern für mehrere Wochen. :person_shrugging:

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Hi,

weißt du, welcher Prokrastinationstyp du bist? Das wäre das erste, was du rausfinden solltest. Dann kannst du daran arbeiten, warum du das machst und lernen, wie du es vermeiden kannst. Das ist die verhaltenstherapeutische Sicht af das Problem.

Tiefenpsychologisch oder psychodynamisch gesehen kann man das Problem an der Wurzel packen, indem das frühe Muster aufgelöst wird.

Aus ADHS-Sicht ist der Mechanismus, der sich da ungut verselbstständigt hat klar. Du kannst nur unter Druck funktionieren und da tritt schnell Gewöhnung ein, weshalb der innere Druck eskaliert und kein Ventil bekommt außer der Autoaggression. Außerdem musst du dein Nervensystem beruhigen, was aber nicht so schnell geht und auch meistens nicht durch Medikamente.

Und, ich weiß nicht, wie ich es ohne Schaden sagen soll, aber: deine Arbeitssituation ist absolut ungeeignet für ADHSler. Ich würde an deiner Stelle daran arbeiten, eine Arbeit machen zu können, bei der nicht prokrastiniert werden kann.

Ich selbst hatte 20 Jahre einen Bürojob, bei dem es nicht aufgefallen ist, wenn ich tagelang nichts gemacht habe, weil ich trotzdem immer abliefern konnte (mit Abstrichen, aber noch gut genug). Und ich hätte ein paarmal fast den Laden auseinandergenommen. Ich dachte, ich werde irre. Und dann hingen da so Sachen dran wie: icv kann das fachlich so gut, das lange Studium, der Konkurrenzdruck, die ‘tolle’ Arbeitsstelle… joa, bis es echt gar nicht mehr ging und ich nen schönen Crash hingelegt hab.

So, das hilft dir jetzt nicht so super weiter und war auch nicht deine Feage. Ich denke nicht, dass das mit dem Elvanse zusammanhängt, das macht eher den Kopf klar. Ich hatte anfangs etwas mehr Hatespeach im Kopf, was sich aber dann gegeben hat.

Ich prokrastiniere immer noch, es zerstört mich aber nicht mehr so extrem, sein ich mit jemandem arbeite, der das Problem psychodynamisch mit mir angeht.

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Hi,

weißt du, welcher Prokrastinationstyp du bist? Das wäre das erste, was du rausfinden solltest. Dann kannst du daran arbeiten, warum du das machst und lernen, wie du es vermeiden kannst. Das ist die verhaltenstherapeutische Sicht af das Problem.

Tiefenpsychologisch oder psychodynamisch gesehen kann man das Problem an der Wurzel packen, indem das frühe Muster aufgelöst wird.

Aus ADHS-Sicht ist der Mechanismus, der sich da ungut verselbstständigt hat klar. Du kannst nur unter Druck funktionieren und da tritt schnell Gewöhnung ein, weshalb der innere Druck eskaliert und kein Ventil bekommt außer der Autoaggression.

Wichtig wäre, dein Nervensystem beruhigen, was aber nicht so schnell geht und auch meistens nicht viel schneller durch Medikamente.

Und, ich weiß nicht, wie ich es ohne Schaden sagen soll, aber: deine Arbeitssituation ist absolut ungeeignet für ADHSler. Ich würde an deiner Stelle daran arbeiten, eine Arbeit machen zu können, bei der nicht prokrastiniert werden kann.

Ich selbst hatte 20 Jahre einen Bürojob, bei dem es nicht aufgefallen ist, wenn ich tagelang nichts gemacht habe, weil ich trotzdem immer abliefern konnte (mit Abstrichen, aber noch gut genug). Und ich hätte ein paarmal fast den Laden auseinandergenommen. Ich dachte, ich werde irre. Und dann hingen da so Sachen dran wie: ich kann das fachlich so gut, das lange Studium, der Konkurrenzdruck, die ‘tolle’ Arbeitsstelle… joa, bis es echt gar nicht mehr ging und ich nen schönen Crash hingelegt hab.

So, das hilft dir jetzt nicht so super schnell weiter und war auch nicht deine Frage. Ich denke nicht, dass das mit dem Elvanse zusammanhängt, das macht eher den Kopf klar. Ich hatte anfangs etwas mehr Hatespeach im Kopf, was sich aber dann gegeben hat.

Ich prokrastiniere immer noch, es zerstört mich aber nicht mehr so extrem, seit ich mit jemandem daran arbeite, der das Problem psychodynamisch mit mir angeht.

Edit: ich habe die ganzen Tippfehler gesehen, leider zu spät zum Bearbeiten.

Ich prokrastiniere gerade, mein E zu nehmen, weil ich dafür in eine andere Etage gehen müsste. So sieht das dann aus.

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Vielen Dank an alle, die hier gerade ihre Erfahrung so ausführlich zum Thema teilen. Ich finds mega hilfreich – gerade im Hinblick auf meinen Sprechstundentermin morgen – so authentische und vor allem spezifische Erfahrungsberichte und Denkanstöße zu meinem Problem zu haben.

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Ich muss hier widersprechen. Ich rede zwar selbst oft vom Prokastinieren, aber ADHS und Prokastination müssen differenziert betrachtet werden. Kann gut sein dass es dir weiter hilft dich mit Prokastination zu beschäftigen, bei mir war es nicht so, ist aber auch schon ne Weile her. Ein wichtiger Skill den ich in der Therapie gelernt habe war wie man sich als ADHS’ler Ziele setzt. Wichtig ist dabei dass deine Ziele gewisse Anforderungen erfüllen müssen. Sie müssen spezifisch sein, Messbar (am besten empirisch), Attraktiv ,Realistisch und klar terminiert. Ich glaube der große Unterschied ist die Attraktivität der Ziele, den unsere Gehirne werden nun mal stark von unserem Interesse gesteuert. Um die Attraktivität unserer Ziele einzuschätzen und diese zu verdeutlichen bietet es sich an Pro-Contra Listen zu machen. Eine exekutive Dysfunktion in den Griff zu bekommen ist schwierig wenn der Fehler schon bei der Zielsetzung beginnt.

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Satire ist hier fehl am Platz :joy:

Spaß beiseite: du spielst hier wahrscheinlich auf das NAWi-Prinzip an. Sich ein Ziel zu setzen ist eine ganz andere Sache, als eine Anforderung zu bedienen. In der Verhaltenstherapie ist bezüglich Anforderungen der Ansatz, das Gehirn daran zu gewöhnen, den Widerstand zu tolerieren. Da fängt man kleinschrittig an, z.B., jeden Morgen sofort das Bett machen. Das funktioniert bei manchen ADHSlern ganz gut, bei den meisten meisten wahrscheinlich eher nicht.

Im Arbeitskontext wird man wohl kaum empfehlen Pro- und Kontra-Listen anfertigen um einen Task zu erledigen. Das wäre ja wohl das Masterbeispiel für Prokrastination. Etwa die gleiche Kategorie, wie Studenten zu raten, das Lernen für Prüfungen zu ‘organisieren’. Drei Tage an einem ausgeklügelten System für Karteikartenablage gearbeitet, aber immernoch nichts für die Prüfung gelernt :grimacing:

Tatsächlich ist es aber sinnvoll, rauszufinden, was hinter der Prokrastination steckt. Dafür schaut man zuerst auf alle Situationen, in denen man zu prokrastinieren neigt. Das kann, neben den typischen unbeliebten Tätigkeiten, sehr individuell sein. Dann prüft man, ob es überhaupt echte Prokrastination und nicht Task-Paralyse ist, oder nicht und separiert diese von den anderen Exekutivproblemen. Dann erst kann man das darunterliegende Muster erkennen, z.B. Perfektionismus, Impostorsyndrom oder Versagensängste.

Bei der Task-Paralyse (die ich auch habe), liegt womöglich was anderes zugrunde. Tatsächlich ist Task-Paralyse häufig eine Überlebens-Reaktion, die mit dem Streben nach Autonomie zu tun hat. Task-Paralysis ist zwar in dem Zusammenhang keine wissenschaftlich anerkannte Bezeichnung (Paralyse ist eigentlich was anderes, gleich ist hier aber die Unfähigkeit, etwas zu tun, obwohl man es will), jedoch wird in vielen Arten der Traumatherapie, Tiefenpsychologie / psychodynamischen Therapie mit diesem Thema gearbeitet. Es gibt auch jede Menge freien Content dazu, guten und nicht so guten.

Je nachdem, in welchen Lebensbereichen das Problem also auftaucht, kann man rückschließen, wodurch es ursprünglich entstanden ist. Das bedeutet nicht, dass es damit sofort gegessen ist und nicht mehr vorkommt, aber es nimmt erstmal den Druck raus und das Problem kann besser gehändelt werden.

Man muss sich dann z.B. nicht mehr wochenlang zur Steuererklärung ‘prügeln’ und das ganze Umfeld darunter leiden lassen. Weil man z.B. rausgefunden hat, dass alle Tätigkeiten, die man mit Erwachsensein in Verbindung bringt, einen erstarren lassen. Weil man z.B. ein parentifiziertes Kind war, dessen Erziehungspersonen bedürftige Kindsköppe waren oder immernoch sind und die Verantwortung schon von Kindesbeinen in allem bei einem selbst lag, als man noch total damit überfordert war. Und die Überforderung von damals zeigt sich jetzt in der Weise, obwohl man jetzt die Skills dafür hat.

ADHS-Medikamente verbessern zwar in vielen Fällen die Exekutivfunktionen, aber nicht in allen und meistens auch nicht vollständig. Bei mir jedenfalls fast gar nicht.

Ich glaube, uns ist allen klar, dass das hier keine einfache Kiste ist. Hatte aber auch niemand behauptet.

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Falls sich die Trainingsintensität oder -frequenz geändert hat in letzter Zeit, ggf. auch die teils erhebliche Effektstärke von Sport im Blick behalten. Gerade in der (oder nahe der) Eindosierung sollte das ggf. in die Gesamtbilanz einfließen. Sonst kann es ähnliche Achterbahnfahrten auslösen wie querschießendes Koffein.

Ich muss gerade bei neuen Hobbies auch auf die Zeitblindheit achten. Manchmal fühlt sich etwas wie Prokrastination an, was eigentlich eher objektive Überlastung und normalmenschliche Erschöpfung ist.

Und bei Fristverlängerungen geben alte Hasen oft den Tipp, lieber gleich die größere Nachfrist zu fordern, als aus (teils durch Rejection Sensitivity verstärktem) schlechtem Gewissen mehrere kleine Überlebensgnadenfristen zu erbetteln. Kann aber auch nachteilig sein, wenn man auf den Last Minute Panikmodus angewiesen ist.