Hallo zusammen,
ich schreibe hier als Angehöriger einer ADHS-/Borderline-Betroffenen, meiner Ehefrau. Das ADHS ist diagnostiziert, das Borderline wird gerade diagnostiziert, wobei ziemlich sicher davon ausgegangen wird. Mehrere Menschen in unserem Umfeld, darunter auch jemand, der selbst Borderline hat, sowie die Therapeutin meiner Frau gehen davon aus.
Wir sind seit ca. 7 Jahren zusammen, davon zwei Jahre verheiratet, und haben eine wunderbare 5-jährige Tochter.
Ich habe mich hier in dem Forum einmal umgesehen und viel gelesen und schreibe nun einerseits, um es mir von der Seele zu schreiben, und andererseits vielleicht Angehörige zu finden, die in einer ähnlichen Situation wie ich sind, um mich mit ihnen auszutauschen. Parallel dazu bin ich diesen Mittwoch das erste Mal in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige.
Ich habe auch viele Themen, wobei, wenn ich das so mit dem vergleiche, was ich hier gelesen habe, der ADHS-Teil bei meiner Frau wohl nicht so ausgeprägt ist wie bei anderen.
Meiner Frau fällt es schwer, Ordnung zu halten, speziell benutzte Sachen wieder wegzuräumen. So entwickelt sich immer ein dauerhaftes Chaos. Wenn sie aufräumt, verliert sie schnell den Fokus und dekoriert eher, oder ein spezieller Teil der Wohnung wird schön gemacht. Zugegeben, sie hat ein Händchen dafür, aber alles, was stört, landet dann irgendwo auf dem Boden.
Die täglichen „Wo ist mein Portemonnaie?“, „Wo ist mein Schlüssel?“, „Wo sind meine Kopfhörer?“ kann ich mittlerweile nicht mehr ernst nehmen, weil ich da irgendwie abgestumpft bin. Ich habe auch alles ausprobiert, was vorstellbar ist.
Wenn es mal hektisch wird und jemand zu Besuch kommt, entsteht schnell ein „Aufräumen“, ohne zu wissen, wohin die Sachen eigentlich sollen. So entstehen die gefüllten „Jutebeutel“, die bei uns überall herumstehen. Wenn dann etwas gesucht wird, was in so einem Beutel sein könnte, werden alle Beutel auf dem Boden ausgeleert. Das Zeug bleibt dann auch einfach liegen.
Es gab viele Streits wegen solcher Dinge, aber das ist eigentlich nicht das, was mich fertig macht. Irgendwie gewöhnt man sich daran.
Wenn ich übrigens aufräume, entsteht eine Art kreative Phase, weil plötzlich Raum da ist. Dann kommt sie auf neue Ideen und die Unordnung ist sofort wieder da.
Was aber eigentlich schlimm ist, möchte ich anhand einer Situation beschreiben, die jetzt ungefähr zwei Wochen zurückliegt:
Wenn meine Frau los muss, zur Arbeit oder auch irgendwo anders hin, entsteht eine Hektik, welche zum Stress und dann zum Meltdown führt.
Vor zwei Wochen, abends. Sie hatte Nachtschicht, das Kind war schon im Bett. Ich war seit 5 Uhr unterwegs und froh, endlich etwas essen zu können, und hatte mich vor den Fernseher gesetzt. Sie suchte irgendwelche Sachen und sah mich beim Essen. Es fing an mit: „Es stinkt“, „Keiner macht den Airfryer sauber“ – ein Vorwurf nach dem anderen.
Ich hatte daraufhin meinen Appetit verloren. Sie hat dann alles aus dem Kühlschrank in eine Tasche gepackt und wollte es wegschmeißen. Weil ich dann nicht mehr essen wollte, wurden es immer mehr Vorwürfe. Bis sie am Ende, weil ich mich dann auch eher zurückziehe, anfing zu schreien und sich selbst zu schlagen. Früher hat sie sich auch schon einmal geritzt.
In solchen Momenten halte ich es nicht mehr aus und halte sie fest, damit sie sich nicht verletzt oder Ähnliches. Es werden immer mehr Vorwürfe und dann will sie von mir umarmt werden.
Nach all den Beleidigungen, Vorwürfen und dem verbalen Scheiß, den sie da mit mir abzieht, fällt es mir schwer. Es fühlt sich für mich so an, als würde sie mit vielen Pfeilen auf mich schießen und danach soll ich sie umarmen und ihr Liebe geben.
Wenn ich das dann nicht mache, wird es nur schlimmer, weshalb ich es tue. Aber ich fühle es nicht.
In den folgenden Tagen bin ich immer sehr fertig und ich kann auch nicht abstellen, dass man es in meinem Gesicht sieht. Das wiederum triggert sie auch weiter und es entsteht wieder Streit.
Ich bin dann sehr traurig und frage mich ernsthaft, ob ich alles hinschmeißen soll.
Außerdem gibt es noch einen Kontrollzwang: Sie ist in einem anderen Raum, hört zu, was gesagt wird, kommt dazu und korrigiert oder gibt sonst irgendwie ihren Senf dazu. Sie kann auch im Streit nicht loslassen. Wenn ich sage: „Lass uns das bitte ablegen und später weiter darüber sprechen“, hört sie nicht auf.
Sie ist bei solchen Dingen sehr impulsiv und aggressiv. Außerdem versteht sie alles, was man sagt, als Vorwurf – es könnte wirklich alles als Vorwurf aufgefasst werden. Und andersherum macht sie ständig nur Vorwürfe mir gegenüber.
Wir waren schon bei einer Paartherapie und auch sie ist in Behandlung. Medikamente hat sie gerade bekommen, aber irgendwie ist sie deswegen sehr empfindlich. Ich darf auch nicht fragen, ob sie sie nimmt. Sie reagiert auf alles, was von mir kommt, recht genervt, selbst wenn es gerade gut läuft.
Da ich ihr Trigger bin, traue ich mich oft nicht, irgendetwas anzusprechen, da es, wenn es gut läuft, schnell zu einem „Ja, aber du …“ kommt. Also dreht sie die Aussage um.
Sie ist immer auf der Suche nach Schuld und gleichzeitig verteidigt sie sich gegen alles und denkt, man würde ihr immer Vorwürfe machen.
Ich bin so ziemlich am Ende und weiß echt nicht, wie es weitergehen soll, kann aber auch nicht wirklich mit ihr reden. Ich frage mich auch, ob dieses Muster überhaupt alleine auf Borderline/ADHS zurückzuführen ist.
Und was mir auch richtig Angst macht, ist: Früher war meine Schwiegermutter ihr Trigger, dann waren es andere Partner und jetzt bin ich es.
Wenn ich gehen sollte – nehmen wir das mal an – habe ich einfach Angst, dass meine Tochter irgendwann dran ist.
Also, sie ist eine super Mutter und liebt unsere Tochter, und so würde ich das nie denken. Aber ich finde, es ist auch nicht ganz weit hergeholt.
Glaubt ihr, es könnte noch etwas anderes sein?
Ich wünschte auch, sie würde die Medikation regelmäßig und in einer für sie passenden Dosierung nehmen. Auch wenn es sich jetzt vielleicht Frauen gegenüber doof anhören mag: Ich weiß zum Beispiel genau, wann meine Frau ihre Periode hat, weil das immer eine Streitzeit ist. Ich denke, dass das auch eine Rolle spielt.
Ich wäre froh, wenn es jemanden gibt, der einfach mal etwas dazu sagen könnte. Ich glaube nicht, dass mir oder unserer Familie irgendjemand irgendwie helfen könnte, aber …
Außerdem ist meine Frau der Meinung, ich solle auch eine Therapie machen, um zu lernen, wie ich mit ihr umgehe.
Ich bemerke aber, dass ich hier komplett untergehe und gar nicht mehr ich selbst bin. Ich verliere mich und lebe in ständiger Vorsicht.
Klar gibt es auch gute Zeiten – die habe ich hier komplett weggelassen, so ist es nicht. Aber seit ihrem letzten Meltdown bin ich echt am Überlegen, was ich tun soll.
Besten Dank und liebe Grüße













