Guten Morgen,
ich mache eine Ausbildung als Ergotherapeut. Welchen Verdacht hast du und auch warum? Das würde mich interessieren.
Viele Grüße
Guten Morgen,
ich mache eine Ausbildung als Ergotherapeut. Welchen Verdacht hast du und auch warum? Das würde mich interessieren.
Viele Grüße
Danke für deinen ausführlichen Beitrag! Die Entscheidung, beruflich nochmal von 0 war und ist immernoch eine der schwierigsten Entscheidungen gewesen. Finanziell war es vorher besser, aber Luft nach oben gab es kaum und ja, psychisches Wohlbefinden war auch sone Sache. Ursprünglich aus dem Fitnessbereich hat mich Corona (was auch natürlich Glück in der Pandemie war) ins Büro befördert. Ich bin froh, dass ich es 2 Jahre dort ausgehalten hab.
Ja, das mit meiner Freundin. Sie hat viele Probleme auch mit sich, was es für mich noch schwieriger macht. Ich kann es akzeptieren, dass es so ist. Was mir aber, wie gesagt schwerfällt, dass sie es im Umkehrschluss nur sehr schwer kann, es zum teil auch als “unfair” betitelt, dass ich sie emotional nicht halten kann. Ich weiß nicht, wohin es sich aktuell entwickelt. Ich will für sie da sein, aber auf der anderen Seite ist mir auch bewusst, dass ich nicht für alles verantwortlich bin.
Sich aber zwischen Akzeptanz und Nicht-Akzeptanz zu befinden, ist aktuell wirklich hart, auch in Bezug auf Ausbildung, aber auch von der Ausbildung, in Bezug auf die Beziehung.
Ich hoffe, dass wir da irgendwo einen Nenner finden, vielleicht auch nochmal eine Unterstützung in Form von bspw. einer Paartherapie wahrnehmen.
Ich bin gespannt, wohin die Reise geht.
Alles wurde oben schon kommentiert deshalb lösche ich mal wieder ![]()
Als du Staatsexamen geschrieben hast, dachte ich, du wirst Lehrer… und das hörte sich sehr nach meiner Situation an, ich habe mit 50 Staatsexamen gemacht. Der Berufseinstieg hat meine gesamte Energie, Kraft und Nerven gekostet, es gab fast nichts mehr außer der Schule in meinem Leben. Ein paar Jahre und eine ADHS-Diagnose später hat sich daran leider noch nicht viel geändert. Mein Mann hält den Haushalt aufrecht, ich bin entweder totmüde oder völlig entnervt, also kaum als Partnerin wirklich verfügbar. Im Lehrberuf ist es ja so, dass man da nicht den Job um 17 Uhr hinter sich lässt. Außerdem wollte ich gern alles perfekt machen, unbedingt diese eine letzte Chance auf eine berufliche Perspektive gut nutzen. Ich hab schlecht geschlafen, hatte 1001 Stress-Symptome.
Geht es dir mit der Ergotherapie vielleicht auch so? Dann läge darin ja vielleicht ein Ansatz: nach dem Examen wird das hoffentlich wieder besser? Bzw falls nicht, müsstest du zusehen, da eine andere Einstellung zum Beruf hinzubekommen, damit mehr Energie für den Feierabend und die Partnerin übrig bleibt.
Mir hat medikinet adult ziemlich gut geholfen, nehme das jetzt seit Ende August. Mein Stresslevel ist ein wenig gesunken. An der Einstellung zum Beruf und der Wiederbelebung meiner sozialen Kontakte arbeite ich noch…
(Sonst hast du hier ja schon viel guten Rat bekommen)
Alles Gute!
Ach, stimmt. Hatte vergessen, dass ich das Wort “Staatsexamen” geschrieben habe. Es freut mich, dass es Dir nun etwas besser geht! Der Rest kommt auch noch.
Nach dem Examen wird es besser, definitiv. Da kann man auch mal nach Hause kommen und keine Klausuren im Kopf haben, für die man lernt. Da muss ich sagen, dass das schon eine Herausforderung ist. Aktuell ist die für mich (und auch für andere in der Ausbildung) stressigste Zeit. Wir hatten jetzt seit fast jede Woche eine Klausur und mehrere Abgaben. Das summiert sich. Das waren bestimmt 20 Leistungsnachweise.
Wenn ich jetzt mal nur die letzten zwei Jahre rückwirkend betrachte, mit dem jetzigen Wissen, dass mein ADHS nie wirklich verschwunden ist, bin ich verwundert und gleichzeitig dankbar, dass das alles dennoch so funktioniert hat. Tja, was mit “Anstrenung” (mehr Anstrengung, und noch mehr Anstrengung) funtktioniert. Kein gutes Konzept, auch nur bis zum gewissen Grad gesund, aber es hat geklappt.
Dieses Jahr ist sowieso ein Jahr, wo alles aufeinander gekommen ist, was Stress betrifft. Deshalb hoffe ich, dass das kommende Jahr vielleicht nicht unbedingt stressfreier wird, aber dass ich bewusster Grenzen setzen kann.
Vielen Dank für den Austausch und Dir natürlich auch alles Gute!
Danke! Ich hätte allerdings da ne Frage: Könnte, da die Diagnose 21 Jahre alt ist, sich auch ein Psychiater quer stellen und sagen, dass ich nochmal ein Diagnoseverfahren durchlaufen müsste, oder ist das ausgeschlossen? Ich will einfach für alle Eventualitäten gerüstet sein.
Das weiss ich nicht. Ich würde einfach wenn du irgendwo anfragst dies gleich so sagen, dass du mit xx Jahren diagnostiziert wurdest und du die medikamentöse Behandlung gerne wieder aufnehmen würdest. Dann siehst du ja dann, was sie antworten.
Also eigentlich bestätigen die die Diagnose, vor allem hast du ja auch den Leidensdruck, der ist ganz wichtig. Es gab früher die Annahme, dass sich ADHS “verwächst" aber das ist an sich schon längst widerlegt.
Was ich noch so allgemein zu deinem Post sagen wollte: Wie andere schon meinten ist da Medikation zu empfehlen. Zusätzlich muss man natürlich immer mit sich selber arbeiten, die Medikamente machen das bloß etwas leichter.
In solchen Situationen der Überlastung ist dein Nervensystem einfach dysreguliert und die Dopaminwiederaufnahmestörung macht dir das Leben dann schwerer. Es klingt bisschen als wärst du schon mit ein paar Zehen im Burnout, so wie das schnell mal geht wenn ADHSler über ihre Grenzen gehen. Das ist dann einfach eine erdrückende Belastung, wenn deine Freundin gefühlt noch Leistung von dir erwartet. Also es wundert mich nicht so, dass du dann das Gefühl hast einzufrieren - deine Kapazitäten sind erschöpft.
Es ist ganz wichtig, dass du dich um dich selber kümmerst und Ausgleich findest zu der anspruchsvollen Ausbildung. In Sachen romantischen Beziehungen kenne ich mich nicht so gut aus, aber ich stelle mir das eigentlich so vor, dass mein Partner für mich diesen Raum mit pflegt, in dem ich Kraft finden kann…
Ich wünsche dir alles Gute! ![]()
Den Vorwurf “Es dreht sich immer nur um dich” ist mir in meinem Leben oft begegnet. Ich denke nicht das du eine neue Diagnose brauchst. Die ist schon gegeben. Auch in den Medikamenten sehe ich erst mal keine weitere Lösung. Weil die Beziehung hat soviel Stunden wie der Tag auch. Die meisten ADHS Medikamente haben leider keine 24 h Wirkung.
Cordula Neuhaus hat ein Buch über die Partnerschaft und ADHS geschrieben. “Lass mich, doch verlass mich nicht”*
Es ist ein Buch für beide um eine lebhafte und lebende Partnerschaft zu realisieren.*
Ich selber habe schon vor Ewigkeiten, lange vor der Diagnose, die Eigenschaft des Konflikt - Entwicklers und Optimierer bei mir entdeckt. Deswegen, wenn die Wellen hoch schlagen. “Schatz ich habe dich verstanden” ist die erste Botschaft und die erste Idee ist nicht immer die Beste um die Wellen zu glätten. Eine Nacht darüber schlafen und den Konflikt auf keinen Fall im Schlafzimmer austragen. Da gehört nur Erholung und schönes hin. Sucht euch einen Mediator. Er unterstützt und findet die Worte die man häufig selbst nicht findet.
LG und viel Erfolg bei der Ausbildung und in der Beziehung
Ach so
was man selbst erwartet, erwartet auch häufig der andere.
Klare Formulierungen helfen. „Ich wünsche mir“ oder „kannst du mir dabei helfen“ und auch ein Nein ist in Ordnung auch wenn man nur auf ja hofft
Vergenauerung:
Es gab früher die Annahme, dass es sich bei allen Betroffenen verwächst. Das ist klar widerlegt.
Es gibt Betroffene (30 %? 60 %?), die ihr ADHS komplett beibehalten, und andere, die als Kind/Jugendliche eine klare ADHS-Diagnose hatten und die im Erwachsenenalter dann keine mehr haben. Fast alle davon sind dann aber nicht komplett symptomfrei, sondern haben weiterhin Symptome - nur eben subklinisch (= nicht mehr für eine Diagnose ausreichend stark).
Dazu kommt, dass ADHS im Lebensverlauf nicht linear verlaufen muss, sondern fluktuierend sein kann. So können Betroffene wie auf einer Art Wellenbewegung alle (z.B.) 3, 4 Jahre ihr ADHS „verlieren“ (die Symptome werden so schwach, dass sie unter die diagnostischen Kriterien rutschen), aber mit der nächsten Welle kann es wieder auftauchen und diagnostischen Schweregrad erreichen.
Und dann gibt es da noch das Phänomen des sekundären ADHS, das durch hinzutretende Belastungen im Laufe des Lebens anwachsen oder durch deren Heilung absinken kann. Ich sehe das als einen Beitrag zu den Wellen des fluktuierenden ADHS.
Das geht jetzt aber schon ans Eingemachte. Da es aber keine Feldprävalenzstudie gibt, die zwischen primärem ADHS (als neuronale Entwicklungsstörung) und sekundärem ADHS (Folgen von Schädel-Hirn-Trauma, schlafbezogenen Atmungsstörungen, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Asthma, bakteriellen oder viralen Infektionskrankheiten, Gifte…) unterscheidet, kann man primäres und sekundäres ADHS diagnostisch vorerst weiter in einen großen Topf schmeißen. Man sollte nur bei der Behandlung auf die möglichen sekundären Ursachen achten, denn da liegen Heilungschancen (die es beim primären ADHS kaum gibt).
Für die eigentliche Wirkung der Medikation ist das richtig, aber die Wirkung geht nach meiner Erfahrung darüber hinaus.
Wenn man tagsüber strukturierter arbeiten kann, ist man abends nicht so ausgelaugt, wenn das Stresslevel mit Hilfe der Medikamente etwas sinkt, dann bleibt da ja niedriger, auch wenn das Medikament aus dem Körper raus ist. Wenn man es mit Medikamenten häufiger mal schafft, gemeinsame Aufgaben zu erledigen, hilft das natürlich der Beziehung.
Und wenn der Tag nicht so chaotisch durch einen hindurch rauscht, ist man abends im besten Fall noch emotional verfügbarer und beziehungsfähiger, nicht so völlig erschöpft und entnervt. So erlebe ich das zumindest.
Ja, genauso erlebe ich das auch ![]()