Buch: ich denke zu viel von Christel Petitcollin

Hat hier jemand das Buch „Ich denke zu viel“ von Christel Petitecollin gelesen?
Dort geht es um das Gehirn eines Mental hoch effizienten Menschen. Ich frage mich, während ich dieses Buch lese, ob ich wirklich ADHS habe oder einfach „nur“ ein mental hocheffizientes Gehirn…?
Was denkst du? Hast du das Buch auch gelesen? Können mir Medikamente überhaupt helfen?
:slight_smile:

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Ich kann Dir zu dem Buch nichts sagen, aber wenn Du ADHS hast, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass Stimulanzien einen positiven Effekt haben würden.

Hallo, ich habe das Buch vor etwas 4 Jahren gelesen und hab mich darin komplett wiedergefunden. Prinzipiell geht Petitecollin ja primär auf die Hochsensibilität ein.

Für mich war das damals ein Aha Effekt, weil sie mir aus der Seele sprach und ich mich von da an mit Hochsensibilität identifizieren konnte. Jetzt ist es ja so, dass Hochsensibilität ja scheinbar mehr oder weniger ein Symptom ist das auch im Kontext zu Autismus und ADHS steht. Also wenn du dich schon länger mit ADHS jetzt beschäftigst und denkst, dass du es hast, dann am besten abchecken lassen.

Meine Diagnose steht bald bevor, bis dahin war es ein langer Weg, ich musste um diese Diagnose kämpfen und es wird sicher noch ein langer Weg sein bis hin zur Selbstakzeptanz, aber so ist das wohl.

Was Medikamente an geht, habe ich noch keine bekommen, aber ich bin schon der Überzeugung, dass Medikamente (je nachdem wie sie vertragen werden/ wirken) helfen können.

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Ich habe meine Diagnose tatsächlich vor 2 Monaten bekommen und ebenso Medikamente. Bisher bin ich aber noch in der Einstellung…

Mein Hinterfragen des ADHS ist bei mir unabhängig davon ob ich es jetzt auf Papier und durch Tests habe, oder nicht. :slight_smile:

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg und hoffe dass du deinen Weg findest, ob mit oder ohne Medikamente. Die Selbstakzeptanz und Nachsicht steht in meinen Augen auch ganz oben. Dies ist super wichtig für uns „hochsensible“.
Danke für deine Antwort!

PS: wie hast du nach dem Buch denn im Zusammenhang zu dir selber über Autismus gedacht? (nur wenn du’s erzählen magst, das würde mich interessieren…)

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Und hast du zufällig Tipps oder Dinge die dir helfen im Alltag besser mit der Hochsensibilität umgehen zu können?
Vielleicht sogar wie man schnell wieder aus der Reizüberflutung heraus kommt?
Danke

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Im Buch gibt es ja einen kleinen Abschnitt über Asperger, was ja früher als abgeschwächte Form von Autismus galt.

Was den Autismus angeht weiß ich nicht wirklich ob er bei mir so mit reinspielt, was mir an mir aber aufgefallen ist sind eben die sensiblere Wahrnehmung von Reizen. Also gerade kaltes, grelles Licht ist ganz anstrengend, Geräuschkulissen ausblenden oder ignorieren ist auch schwierig. Das war bei mir schon in der Schule immer der Hass, am Anfang von der Klassenarbeit habe ich meistens erstmal 5 min gebraucht um in irgendeinen Fokus zu kommen und die Umgebungsgeräusche auszublenden.

Die Reizfilterung ist halt nicht so gegeben wie bei anderen, heißt ich muss mich teilweise stark z.B. auf Arbeit mich aufs fokussieren zwingen wenn zu viele Geräusche sind (andere Gespräche, Summen von Geräten) Gerüche bin ich auch empfindlicher und sensorisch ist das beste Beispiel wohl Kleidung. Wenn das was nur minimal kratzt oder mir zu unbequem ist , zieh ich mich drei Mal um bis ich irgendwas ertragbares gefunden habe. An manchen Tagen stören mich solche Sachen mal mehr mal weniger, ist also auch Tagesform abhängig.

Was mir auch aufgefallen ist, ich kann es kaum bis gar nicht ausstehen fremden Menschen in die Augen zu blicken. Was ziemlich bescheuert ist, wenn man bedenkt, dass ich jeden Tag mit Menschen arbeite. Muss mich da oft zwingen mal kurz in die Augen zu schauen. Für mich sind die Augen der Spiegel zur Seele, aber leider interpretier ich auch viel in Mimik und Gestik rein und ich denke es überfordert mich einfach wenn ich da genauer hingucken würde. Also Augenkontakt ist auch so ein Thema.

Interesse an sozialen Kontakten habe ich ehrlich gesagt auch kaum, also gerade so Dinge wie Small Talk empfinde ich als sinnfrei, bzw. hat mich das nie so interessiert über irgendwas zu schwafeln was mich nicht im Ansatz interessiert. Bin auch in der Kommunikation eher kurz angebunden, außer es geht um Themen die mich wirklich interessieren und mit Menschen mit denen ich „vibe“. War und bin halt schon immer jemand gewesen, der mehr in sich gekehrt war und halt introvertiert ist. Aber Gefühle kann ich empfinden, nachvollziehen und würde mich auch als empathisch beschreiben, deshalb bin ich ehrlich weiß ich nicht ob meine Probleme mit sozialem Kontakt nicht eher daher stammen, dass ich schon als Kind/Jugendliche eine Außenseiterin war und ich mich dadurch immer weiter zurück gezogen habe.

Dürfte ich fragen was du für Medikamente verschrieben bekommen hast ? Meine Psychiaterin meinte nämlich, dass sie Stimulanzien wohl nicht verschreibt und auf Atomoxetin setzt, wovon ich jetzt leider weniger überzeugt bin, nach kurzer Recherche. Da ich mich eher als hypoaktiv sehe, aber ich warte erstmal die Diagnostik ab.

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Von den Achtsamkeitskursen die ich vor einem halben Jahr mitgemacht habe, konnte ich mir persönlich weniger mitnehmen. Die Theorie war schon gut, aber die Umsetzung erfordert Übung und Routinen. Und mir fällt nix schwerer als Routinen zu bilden und das einfach regelmäßig zu machen.

Wenn man richtig reizüberflutet ist oder eben gerade starke Emotionen hat, dann könnte ein starker Reiz zur Ablenkung helfen. Auf Arbeit z.B. hatte ich schon öfter Situationen wo ich mich kaum noch beherrschen konnte was meine Wut angeht. Hab dann versucht mich kurz raus zu nehmen und hab mir die Hände entweder eiskalt oder heiß gewaschen. Gummiband am Handgelenk schnipsen kann auch manchen helfen. Einfach kurz aus der Situation raus und einen Schluck trinken kann auch schon helfen.

Atemübung, also sich für eine kurze Zeit auf den eigenen Atem fokussieren ist etwas was man recht gut und schnell anwenden kann und man hat es halt immer „zur Hand“ . Generell ist unterdrücken oder ignorieren halt weniger hilfreich, also wenn du merkst es wird zu viel, dann kurz raus aus der Situation, und wenn es nur mal für 5 min aufs Klo ist.

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Ich bekomme Elvanse 30mg :slight_smile:

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Vielen Dank für die Tipps! Ich verstehe dich sehr gut… Du beschreibst das alles echt sehr gut und ich finde es erstaunlich, wie ähnlich man sich da sein kann :see_no_evil_monkey:

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Ja es ist schon erstaunlich wie ähnlich die Erfahrungen sind. War damals auch überrascht als ich „Ich denke zu viel“ gelesen habe weil man ja irgendwann denkt, es geht einem nur selbst so. Zu wissen, dass andere Menschen eben auch ähnliche Erfahrungen und Probleme haben war damals schon gut zu wissen.

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