Chronischer Stress vs. ADHS - wie merke ich den Unterschied?

Hallo Zusammen

Ich habe vorhin mal den Artikel über Symptome bei ADHS auf adxs.org genauer durchgelesen und gesehen, dass sehr viel Korrelation zu Stress besteht. Seit meiner ADHS-Diagnose vor etwa 3 Jahren (mit 40 Jahren) bin ich immer wieder in Zweifel, ob sie wirklich stimmt. Der Vergleich mit Stress hat mich wiedermal verunsichert. Kann mir jemand sagen, wie ich das genau abgrenzen kann? Das habe ich noch nicht verstanden.

Zwar habe ich eindeutige Symptome der ADHS wie: Zeitwahrnehmungsstörungen, Ablenkbarkeit, innere Unruhe/Getriebenheit, Prokrastrination, Organisationsprobleme.

Gleichzeitig bin ich aber sehr Perfektionistisch und Gewissenhaft (was mir zugegebenermassen sehr viel abverlangt), ständig Müde, leide unter starken Verspannungen, Bruxismus, Migräne.

Ich habe viel erreicht um Leben, was den Vorstellungen unserer Gesellschaft von Erfolg entspricht: gute Ausbildungen (mehrere), Leitungsfunktion (in Teilzeit), viele Hobbies, politisches Amt…

Mittlerweile habe ich aber eigentlich chronische Schmerzen. Schlafen kann ich allerdings wie ein Murmeltier, ich bin häufig Müde und Erschöpft. Depressionen schliesse ich eher aus, bin zwar manchmal sehr gereizt, aber in der Regel habe ich Freude am Leben und viele Ideen (zu viele).

Meine Lebensplanung habe ich nicht so im Griff. Ich habe oft viele verschiedene Termine. Wenn ich sie abmache finde ich das super, wenn es dann soweit ist bin ich voll überfordert, weil es zu viele aufs Mal sind. Je nach Phase (vermutlich Hormonbedingt) ist das super motivierend oder voll erschöpfend…

MPH haben bisher nicht viel bewirkt. Einstellung hat nie richtig funktioniert. Ich spüre kaum einen Unterschied. Habe schon verschiedenes probiert (Concerta, Medikinet, Atomoxetin, Antidepressiva).

An die Kindheit erinnere ich mich schlecht. Habe aber den Eindruck, dass sich einige Themen schon verschlimmert haben in den letzten Jahren. Ich glaube auch, dass mir die Digitalisierung und vor allem Smartphone gar nicht hilfreich sind und alles verschlechtern, was meinen Zustand betrifft.

Irgendwie spricht das für mich schon dafür, dass die Ursache Chronischer Stress ist und nicht unbedingt ein ADHS, oder was meint ihr?

Es grüsst: eure Sif

@Sif

Okay.

Das nenne ich (ADHS-typische). Kompensation. Und weil das verdammt anstrengend und erschöpfend ist, bist du….

Verspannungen, Bruxismus (du musst dich ständig zusammenreißen und die Zähne zusammenbeißen) (kenn ich auch). Das bereitet dann letztlich Kopfzerbrechen.

“Viel erreicht im Leben” sag ich von mir auch. Trotz ADHS, dank Kompensieren und Maskieren. “Chronische Schmerzen” bekommen mehr als die Hälfte der ADHS-Menschen. “gereizt” ist auch typisch. “Freude am Leben” Habe ich auch und ist trotz ADHS bei mir auch möglich). “Zu viele Ideen” Ist ein Klassiker; finde ich auch ADHS-typisch.

So ist es halt mit ADHS!

Ging mir auch genau so. Verschlimmerungen sind bei älter werdenden Erwachsenen mit schlecht oder nicht behandeltem ADHS leider “normal”. Bei mir persönlich (erst vor 8 Monaten diagnostiziert) sind die Verschlimmerungen dank ADHS-Medikamenten gestoppt und weitgehend zurückgedreht.

Deine Bemerkungen zu Medikamenten sind so pauschal für mich nicht nachvollziehbar. Mir scheint was bei deinen Eindosierungen und der medizinischen Begleitung schief gegangen zu sein.

Zu guter Letzt: Ich frage mich und dich, was du eigentlich gegen die Diagnose hast? Welchen Nutzen hast du von deinen Zweifeln? Was treibt dich da um? Der aus meiner Sicht feine Unterschied zwischen ADHS und Stress ist: ADHS hat man durch neurobiologisch bedingten Dopaminmangel. Stress macht man sich selbst durch seine eigenen Gedanken.

Wirst du momentan irgendwie behandelt gegen /wegen ADHS?

Hallo @Sif , darf ich Dich fragen warum Du Depressionen anscheinend als Ursache kategorisch ausschliesst?.

P.s.
Besonders da Du anscheinend schon sehr lange, nach Deiner eigenen Lebensbeschreibung, heisst sehr lange unter massivem Stress in Deinem Leben leidest, möchte ich Dich fragen ob Du eventuell schon mal darüber nachgedacht hast ob Du Dich momentan, Quasi eventuell, sozusagen in einer Endphase vor einem Burnout befinden könntest?.

Hallo Iwan

Danke für die Antwort.

Deine Bemerkungen zu Medikamenten sind so pauschal für mich nicht nachvollziehbar. Mir scheint was bei deinen Eindosierungen und der medizinischen Begleitung schief gegangen zu sein.

Das ist eine längere Geschichte. Merke nicht viel von den Medis, schlechte Selbstwahrnehmung, Eindosierungstagebuch führen fällt mir sehr schwer. Und die Ärztin war jetzt auch nicht sooooo erfahren mit der Eindosierung, nehme ich an, obwohl ich sie sonst gut fand. Und da ich immer noch relativ gut funktionierte, hab ich schlicht aufgegeben. Vermutlich habe ich auch die falschen Vorstellungen, was genau passieren sollte mit den Medis.

Ich habe nichts gegen die Diagnose. Aber ich möchte die Probleme richtig angehen, und nicht ewig rumprobieren und nichts funktioniert. Ist vermutlich ja Teil des Problems, dass ich nichts durchziehen kann, wenn ich nicht schnell merke, dass es was bringt. Daher ist es mir wichtig, das “richtige Problem” anzugehen. Und: Perfektionismus + überaktives Gehirn + nichtlehrbuchausden90erjahrenADHS (da hab ich meine Ausbildung im Bereich Pädagogik gemacht) = Zweifel. Oder so…

Derzeit bin ich nicht (mehr) in Behandlung.

(das mot den Quotes hat so halb funktioniert, offenbar :wink:)

Das wurde auch abgeklärt, ob es Depression ist. Ich fühle mich nicht depressiv. Wenn, dann wäre es sehr atypisch. Burnout eher, denke aber, dass es wohl mehr eine Erschöpfung ist. Ich glaube nicht, dass ich noch so gut funktionieren würde in der Endphase eines Burnouts.

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Hallo @Sif , Danke für Deine Antwort.

Nicht desto trotz kann ich Dir jetzt in diesem Moment höchstens davon erzählen, wie es bei mir persönlich damals gewesen ist, heisst als ich selbst erst in einem späten Altersabschnitt, heisst kurz bevor ich damals fünfzig Jahre alt geworden bin, zu meiner ADHS Diagnose gekommen bin.

Und DAS war damals bei mir persönlich erst der Fall, nachdem ich bereits mitten in einem totalen Burnout steckte.

Heisst, erst viele Jahre nachdem ich bereits depressiv gewesen war, und aber meine Depressionen in diesen Zeiten gegenüber aussenstehenden, immer versucht hatte gegen meine wahren Gefühlen „anzukämpfen“, heisst mir nach „aussenhin“, und eben gegenüber anderen, mir möglichst „nichts anmerken zu lassen, heisst davon etwas zu zeigen, wie es mir wirklich ging“.

Und diesen Kampf kann man zwar bis zu einem gewissen Grad, und bis zu einem gewissen Punkt, und auch bis zu einem gewissen Zeitraum, in seinem Leben tatsächlich irgendwie „durchhalten“.

Aber „ewig“ funktioniert so ein extremer Kraftaufwand natürlich nicht, und deshalb ist es auch mehr als logisch, dass dann irgendwann der sowohl physische als auch psychische Zusammenbruch kommt, oder heisst, ein sogenannter Burnout dann seinen Höhepunkt erreicht, und man dann einfach nicht mehr kann, und man sich total und absolut ausgepowert fühlt.

Heisst man am Ende nur noch Quasi „Error“ ist.

P.s.
Und übrigens, ich selbst habe meine Depressionen stets verleugnet, oder herabgesetzt.

Moin!

Geht mal in eine ganz andere Richtung meine Frage: ist dein Schlaf erholsam oder bist du bereits beim Aufstehen wie gerädert?

Zu ADHS ja oder nein: ich würde sagen ja… Zweifel sind fast scon klassisch Teil der Diagnose…

Gehe mit @AbrissBirne, dass das auch ein bisschen nach Burn out klingt

LG

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Depression und Burnout sind ja nach allem, was ich bisher gefunden habe, auch klassische Komorbiditäten bei ADHS. Von daher muss es nicht heißen “entweder-oder”, sondern vielleicht auch “ADHS mit xy”.

Vom YT-Kanal ADHS 20+ gibt es eine Reihe von guten Vorträgen zu psychischen und körperlichen Komorbiditäten.

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