Desaströser Termin beim Psychiater / Wechsel von Elvanse zu Methylphenidat sinnvoll?

Hallo zusammen,

Ich war hier bisher stille Mitlesen, aber nach einem Vorfall diese Woche könnte ich etwas Feedback gebrauchen, bzw. muss mir das mal von der Seele schreiben.

Zum Kontext: Bei mir wurde Ende letzten Jahres im Alter von 37 ADHS diagnostiziert. Ich habe dann versucht einen Termin beim Psychiater zu bekommen, aber irgendwann aufgegeben und entschlossen mir einen Termin als Selbstzahlerin zu suchen.

Beim privaten Psychiater habe ich mich gut aufgehoben gefühlt. Alles wurde dort ausführlich besprochen, Blutbild und EKG vom Hausarzt angefordert und ich wurde dann auf Elvanse eingestellt. Inzwischen habe ich auch eine Dosierung gefunden, die für mich gut funktioniert. Also eigentlich alles super, aber die Termine und die Kosten für die Medikamente gehen natürlich ins Geld.

Nun habe ich es geschafft einen Termin bei einem Psychiater mit Kassensitz zu bekommen. Ich dachte, das wäre quasi ein 6er im Lotto, weil ich so nicht alles weiter in Eigenleistung zahlen muss. Der Termin war allerdings aus meiner Sicht eine ganz schöne Katastrophe.

Als erstes wurde ich vom Psychiater persönlich dafür angegangen, warum ich auf Elvanse als Erstmedikation eingestellt wurde und dass man das nicht machen würde. Anschließend wurde meine Diagnose angezweifelt. Vielleicht lag es daran, dass ich gerade in meiner PMS-Phase bin, aber ich hab irgendwann angefangen zu weinen weil ich so überfordert von ihm war. Jedenfalls möchte der Psychiater, dass ich ihm einen Brief meiner Eltern nachliefer, in dem die ADHS-Symptome in meiner Kindheit klarer beschrieben werden, sonst könne er keine Kassenrezepte ausstellen. Nach gesundheitlichen Problemen, oder anderen Medikamenten, die ich nehme, wurde ich gar nicht gefragt. Stattdessen wurde mir ein Rezept für Methylphenidat (Methylphenidat 1A Pharma 10mg) ausgestellt, weiterhin als Privatrezept.

Ich war nach dem Termin einfach extrem frustriert und überfordert. Durch andere medizinische Themen habe ich dieses Jahr einen ganz schönen Ärzte-Marathon hinter mir und ich dachte, dass eine Baustelle endlich abgeschlossen wäre. Aber gerade fühlt es sich so an, als ob mir jemand die Stabilität, die ich mir gerade erst mühsam aufgebaut habe, wieder wegtreten will.

Ich bin jetzt sehr unsicher, was ich tun soll. Elvanse absetzen und Methylphendidat ausprobieren, obwohl ich mich gerade richtig wohlgefühlt habe? Hat jemand Erfahrungen, wie das mit dem Wechsel ist? Oder soll ich lieber die Zähne zusammenbeißen und Elvanse weiter selbst zahlen? Ich wäre dankbar für einen Ratschläge oder Erfahrungen :slight_smile:

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Würde ich dir empfehlen und weiter suchen. Wer weiß ob dem Herren in Weiß dann die Angaben aus der Kindheit reichen und ob er nicht noch was weiteres zum meckern und kritisieren findet. Vor allem wo steht dahinter die Logik , dir erst Elvanse trotz nachweislich guter Verträglichkeit zu verwehren , dir privat was anderes zu verschreiben und dann wenn ihm der Bericht vielleicht passt , doch wieder Elvanse …

Bist du nur mit der Diagnose zu ihm hin, oder mit einem Diagnosebericht?

Ich glaube selbst wenn der Arzt dir irgendwann Elvanse verschreibt wird er von der Persönlichkeit nicht netter und du kommst immer wieder in ungünstige Situationen.

Die Unkosten sind bitter, aber wenn nicht in dich selbst, in deine Gesundheitliche und dein Wohlbefinden , in wen oder was solltest du sonst investieren??

Für das Geld was du in dem Moment sparst kannst du dir nichts kaufen, was anschließend die Probleme ausgleicht.

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Du mußt ja einiges weggelassen haben (wegen „in Rage reden“)

Was oder wie hat er denn das Privatrezept mit Methylfinidat erklärt?

Ich stutze eher wegen des Wirkstoffwechsels

Beim Privatrezept gehe ich davon aus das ihm irgendwas an der Diagnostik gefehlt hat oder für ihn noch unschlüsdig gefunden hat.
Ich weiß eben nicht wie ausführlich eben das Gutachten war.

Das nicht jede Selbstzahlerdiagnose von jedem Arzt anerkannt bzw. ohne eigene Prüfung gewisser nachgeforderter Dokumente akzeptiert wir habe ich öfters erlebt und auch mehrfach hingewiesen das es oft besser ist sich vorher bei Psychiatern in der Umgebung zu erkundigen was sie zur Anerkennung alles in dem Gutachten benötigen.

Je nach Ausbildung meine ich kann es auch Problem geben, denn es muß meine ich ein psychologischer Psychotherapeut oder ein Psychater, Neurologe die Testung machen, es werden nicht alle Psychologen meines Wissens akzeptiert.

Hat der Psychiater denn gesagt er das Gutachten/ Testung akzeptiert gesagt?

Alle sagen immer braucht man alles immer , doch ich würde jeddem der Die Testung selbst zahlen möchte sich erst möglichst einen Psychiater auszusuchen oder mehrere in der Nähe.

Vielleicht ist sogar der beste Schutz zukünftig sich bei einem Psychiater erst als Patient in Behandlung zu begeben und zu fragen welche Gutachten von welchen testenden Personen er anerkennt, denn du f
die Kürzungen im Gesundheitswesen, werden ärztliche Vergütungen knapper, es wegen Facharztmangel in genug Regionen noch enger werden und die finanziellen Begehrlichkeiten größer um dann nachher von einem Arzt mit Kassenzulassung dann Anerkennung des Gutachents und dann Medikamente auf kasse zu bekommen.

Aktuell könnte dein jetziger Arzt die Testung zu unvollständig finden um per Kasse zu verodnen, vielleicht wurde wirklich die Kindheit zu wenig abgefragt, denn zur Diagnose gehört das Adhs in der Kindheit vorgelegen haben muß und das kann i. d. Regeln durch Zeugnisse und Elternberichte in Fragebögen geschehen, vielleicht testet er auch etwas mehr nach.

Fas Problem ist eigentlich das der jetzige Arzt verantwortlich ist und haften muß auch für die Anerkennung und ich kann eben nicht abschätzen ob das stark von der KV geprüft wird wenn auch die Medikamentenverschreibungen überprüft wird und ob das dann so pingelig ist sie bei den ganzen ausgeteilten Regressen bei den angebich famsch verordneten Medikamenten läuft.

Bei den Medikamenten kann alles richtig sein und der falsche ICD Code gewählt worden sein und plötzlich sind dann Medikamente nicht mehr verordnungsfähig sein nicht in der verordneten Mengen und noch ganz viele „tolle kreationen“, fann würde ich die Skepsis der Psychiater bei den Selbstzahlerdiagnosen gut nachvollziehen- dfnn Regresse können Praxen empfindlich treffen und auch teils wirklich kalt erwischen

Hoffentlich wird der Regress endlich abgeschafft, doch ich denke der bleibt noch länger sehe präsent in den Köpfen abschrecken

Auch wenn hier immer die Rede davon ist, dass Elanse bei Erwachsenen das Medikament erster Wahl wäre, ist dem offenbar nicht so.

Meine PKV weigert sich auch, das zu bezahlen. Mein Arzt hat mir ein Attest darüber ausgestellt, dass wir „leitliniengetreu“ mit Methylphenidat angefangen haben, ich das aber aus Unverträglichkeit nicht weiternehme (ist auch so) und jetzt daher Elvanse bekomme.

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Es gibt nur wenige akzeptierte Ausnahmen für Elvanse zum Einstieg: z. B. Selbstverletzendes Verhalten oder eine in der Vergangenheit gelegene Manie o.ä.

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Das Methylphenidat wurde vorher übrigens auch nicht von Beihilfe und PKV erstattet. Elvanse zahlt die Beihilfe, weiterhin nicht die PKV. Sie besteht auf Auflistung der Tests und der Dinge, die vorher gelaufen sind. Ist super für ne PKV, die 1,5 Jahre Psychotherapie bezahlt hat, bei der der Monat das doppelte gekostet hat wie nun 3 Monate Elvanse. Der PKV liegen ja alle Rechnungen vor, man könnte ja einfach da mal gucken, was der Arzt so getestet hat vor seiner Diagnose.

Interessant! Da sieht man mal, so einfach ist das mit der PKV auch nicht. Bei mir als gesetzlich Versicherter zahlt die Krankenkasse MPH und ich muss 5,00 € pro Packung und ein paar Cent mehr für Ritalin dazu zahlen. Bezüglich Lisdexamfetamin blockierten bis jetzt alle Ärzte, weshalb ich schlussfolgere, dass es allgemein größere Probleme bei der Abrechnung mit der KK gab.

Ärzte müssen ihre Indikation natürlich sehr genau begründen können, was besonders für Entwicklungsstörungen, kognitive, chronische und rezidivierende Krankheiten gilt, weil sie hohe Kosten verursachen und gewöhnlich lebenslang bestehen bleiben. Ein Arzt muss einen Psychopathologischen Befund eines Kollegen nicht akzeptieren, wenn er eine Kontraindikation z. B. wegen unzureichendem Ausschlusses von Differenzialdiagnosen, fehlendem Leidensdruck, methodischen Mängeln o. ä. erkennt. Das ist etwas, das seit einiger Zeit bei Autismus-Spektrum-Diagnosen ziemlich oft vorkommt.
Differenzialdiagnostisch sollte bei Komorbidität unbedingt geklärt werden, was Ursache und Wirkung ist und selbstverständlich auch auf Phänokopie geachtet werden. Das geht eigentlich nur, wenn der Entwicklungsverlauf eines ADHS Patienten lückenlos nachvollziehbar ist.

Und so sollte es auch bei jeden anderen Psychiater für dich sein, den du über die GKV bekommst.

Leider sind nicht alle Psychiater und Fachleute so empathisch wie sie sein sollten. Ebenso fehlt vielen spezielles Wissen über ADHS bei Erwachsenen.

Elvanse ist inzwischen nämlich in den letzten Jahren m.W. nach sehr wohl zur Erstlinientherapie für ADHS bei Erwachsenen mit MPH gleichgestellt.

Dass man es zuerst mit MPH versucht, was lange die Leitlinie war, mag bei vielen Psychiatern immer noch verinnerlicht sein.

Aber wie gesagt ist mein Wissensstand, dass als Medikament ebenso direkt Elvanse probiert werden kann - wenn beispielsweise ein wirklich auf ADHS spezialisierter Psychiater die Erfahrung gemacht hat, dass Elvanse von vielen Patienten besser vertragen wird.

Es tut mir Leid was du mit deinem Kassen-Psychiater erlebt hast.

Ich kann dir nur raten den Psychiater zu wechseln - denn das ist ja keine Grundlage, wenn der Psychiater ausgerechnet Menschen mit ADHS und damit häufig RSD so behandelt.

Vom mangelnden Fachwissen ganz zu schweigen…

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Das interessiert mich nun, auch wenn die Frage etwas Off-Topic sein mag: bedeutet das umgekehrt, MPH erhöht das Risiko für erneutes Selbstverletzendes Verhalten, sofern eine Person früher schon mal damit Probleme hatte? Mich würde das wundern, denn unter Elvanse erlebe ich an mir auch SVV in sehr überfordernden Situationen, aber das ist natürlich komplett subjektiv.

Im Übrigen scheint eine Erstmedikation mit Elvanse gar nicht mal so unüblich, denn ich habe das bei anderen Betroffenen mehrfach erlebt. Da schienen Ärzt:innen wohl gute Begründungen gehabt zu haben.

Was bei älteren Menschen fast unmöglich sein dürfte, oder? Wer mit 60 oder auch mit 40 zur ADHS-Diagnostik geht, wird häufiger keine detaillierten Unterlagen über die Entwicklung vom Kindesalter an mehr haben, z.B. Zeugnisse oder Befunde vom Kinderarzt. Manchmal hat man auch keine Angehörigen mehr, die etwas berichten könnten. Insofern stelle ich mir da eine sehr genaue Analyse der Entwicklung schwierig vor. Aber vermutlich werden auch da ausreichend begründete Hinweise für eine Diagnose reichen (müssen), selbst für die Krankenkasse.

Ich hatte den schriftlichen Befund der Diagnostik dabei, ausgestellt durch einen psychologischen Psychotherapeut.

Danke für deinen Ratschlag, ich denke du hast recht. Ein gutes Verhältnis zu diesem Arzt werde ich wohl nicht mehr aufbauen können und auf dieser Basis dann lange mit unterschiedlichen Medikamenten herumexperimentieren möchte ich auch nicht. Daher bleibe ich wohl vorerst bei meinem alten Psychiater als Selbstzahlerin.

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Es ist leider schon eine Weile her und ich kann das Dokument nicht mehr finden. Es ging darum, dass der sog. Rebound-Effekt, dieser relativ kleine Zeitraum ein Risiko ist. Labile Patienten könnten aufgrund der gesteigerten Reizempfindlichkeit aggressiv werden. Bei Personen mit einem nicht völlig auszuschließendem Risiko für Psychosen und Manie wurde eher der Wirkeintritt als problematischer Zeitraum erwähnt. Bei Lisdexamfetamin, sind die Übergänge wohl viel sanfter.

Leider ist es so und dann kann es passieren, dass es bei einem Arztwechsel zu „Diskussionen“ kommt. Aus diesem Grund plädiere ich hier öfter für eine möglichst umfassende Diagnostik. Die Wartelisten der Uni-Kliniken sind lang und die Chancen auf einen Termin stehen für viele Leute schlecht.

Hallo @SplitSeconds,

danke für das Thema und für Deinen offenen Bericht. Ich finde das wirklich sehr interessant. Auch das, was die anderen dazu schreiben.

Bei mir war es so, dass ich bei einem Psychiater, der meines Erachtens nicht viel Erfahrung mit ADHS hatte und mir zudem sehr unsympathisch war, die Diagnose bekommen habe und dann für die Medikation zu einem wirklichen ADHS-Spezialisten gewechselt bin.

Für die Diagnose musste ich (Mitte 50) zwar meine Grundschulzeugnisse vorlegen - was ich nach langer Suche dann auch fast lückenlos konnte - aber einen Brief von meinen Eltern brauchte ich nicht. Das war niemals Thema. Wäre auch schwierig gewesen, da mein Vater nicht mehr lebt und meine Mutter hochbetagt ist…

Der neue Psychiater hat mir dann von Anfang an Elvanse verschrieben. Und übrigens haben beide Psychiater gesagt, dass bei Erwachsenen sowohl Lisdex als auch MPH Mittel der ersten Wahl sind. Mit welchem man dann wirklich anfängt, ergibt die Anamnese.

Da Du direkt um Rat fragst: Ich würde an Deine Stelle auf keinen Fall zu einem Psychiater gehen, bei dem Du Dich derart unwohl und unverstanden fühlst! Halte lieber - wenn es finanziell geht - noch ein bisschen durch, bis Du einen für Dich wirklich guten Kassenarzt gefunden hast. Und dass es Dir mit Elvanse gut geht, ist doch wunderbar! Lass Dich da nicht verunsichern!!

Ich lege Dir für Deine Suche den neuen Thread von UlBre ans Herz: https://adhs-forum.adxs.org/t/mehr-adressen-von-aerzten-therapeuten-in-d-a-ch-jetzt-neben-adhs-auch-fuer-ass/40093?u=cat_as_trophy

Viele Grüße

Cat