Ich bin ein 23 Jähriger Mann und habe letztens eine Diagnostik für AD(H)S durchgeführt. Es gab eine Sprechstunde, sowie Fragebögen:
ICD-10 Symptom rating
WR-SB
ADHS-SB
WURS-K
HASE Checkliste komorbider störungen
Außerdem wurden meine Zeugnisse angeschaut.
Die werte der SB skalen waren erhöt bei Unkonzentriertheit, und über den Cut-off in allen bereichen außer Impulsivität und Temperament (Gesamtscore 69)
Problem: Ich war als Kind sehr ruhig und hatte gute Noten womit dann Zeugnisse unauffällig sind und bei WURS-K nur 22 Punkte gezeigt habe (Cut-off 30). Somit wurde eine Verdachtdiagnose:
Außerdem sagt sie ich soll noch einen Bluttest machen um organische ursachen auszuschließen und mich eventuell für eine medikamentöse Behandlung neben einen Coaching beraten zu lassen.
Meine Frage
Ist es überhaupt möglich mit guten Zeugnisse und unterschwellige WURS-K werte eine Diagnose abzusichern?
Würden Medikamente überhaupt in betracht gezogen wenn ich zu einem Psychater mich beraten sollte?
Ja, nach allem was ich selbst erlebt, direkt von anderen gehört oder hier im Forum gelesen habe, ist das inzwischen “Standard” im Gespräch Menschen, die bei der Diagnostizierung auf einem neueren Stand sind.
Bei Erwachsenendiagnosen ist diese Dennoch-Diagnose sogar stark überdurchschnittlich häufig vertreten, weil die klaren Diagnosen mit viel “H” und Lernstress schon im Grundschulalter gestellt wurden.
Die Aussage “ruhig und/oder gute Noten schließen eine Diagnose aus” seitens des Fachpersonals deutet auf (vorsichtig ausgedrückt) Wissen auf nicht ganz dem aktuellen Stand hin.
Ja die Psychologin meinte tatsächlich auch dass es sich da um Maskierung handeln könnte und sie meinte auch dass wenn organische Ursachen ausgeschlossen werden können, gibt es keine bessere erklärung dafür.
Die Frage ist was ich mit der “Verdachtsdiagnose” machen kann. Ich werde auf jeden Fall ein Bluttest machen und eine überweisung zum Coaching/Ergotherapie vom Hausarzt machen lassen. Die Psychologin hat mir aber auch gesagt, dass Medikamente zu testen auch sinnvoll sein könnte. Ich hab nachgelesen, dass bei Erwchdene selbst bei leichten symptome eine “multimodale” Behandlung sinnvoll sein könnte.
Würde mir ein Psychater medikamente überhaupt verschreiben? Was sind die schritte die ich machen sollte um diese diagnose abzusichern?
Es fühlt sich gerade auch ein bisschen an als wäre ich “halb ADHS” obwohl ich diese Probleme auch ständig mein ganzes leben lang hatte.
Zur Thematik: Eine gute Grundintelligenz (muss nicht gleich Hochbegabung sein) kann als Ressource die ADHS-bedingten Auffälligkeiten mehr oder minder gut kompensieren. Sprich: Als Kind in der Grundschule gute Noten gehabt zu haben, kann durch Kompensation oder einen hohen IQ durchaus möglich sein.
Auch ein sog. “gutes” Elternhaus mit viel Struktur, Geduld, Zeit etc. kann m.E. viel kompensieren und bei noch späteren Diagnosen die dann mit zunehmendem Alter anwachsende Verträglichkeit bzw. der alters-und lebenserfahrungsbedingte einsetzende Reifungsprozess so ab 30/40/50 (? ) .
Wie hoch ist denn Dein Leidensdruck? Du hast noch nichts dazu geschrieben, wie du bisher durchs Leben gekommen bist und was dich jetzt zur Testung getrieben hat.
Neben Psychoedukation (Verhaltenstipps, wie auch immer dargereicht, Ergotherapie, Psychotherapie) sind Medikamente die zweite Säule der Behandlung und der Goldstandard ist die Anwendung von beiden zusammen. Das ist bei ADxS so wie bei vielen anderen Psycho-Baustellen. Hier bei ADxS hat die Medikamentierung den Charme, dass sie viel häufiger anschlägt und bei vielen spürbar besser wirkt und es bei anderen Psychopharmaka der Fall ist.
Nebenan im redaktionellen Teil der Website steht ganz viel dazu:
Aber auch hier im Forum geht ein großer Teil der Diskussionen um Medikamente, Wechsel, Eindosierung, Nebenwirkungen usw.
Leidensdruck ist für mich schwer zu beschreiben, da ich trotz meinen schwierigkeiten trotzdem mein studium mit einen guten schnitt abschließen werde und ein job habe der sehr mental engagierend ist wobei ich sehr gut im hyperfocus gelange.
Ich würde sagen die größten probleme sind gerade
Beim schrieben der Bachelorarbeit merke ich starke schwierigkeiten bei dem schreiben und literatur (ich arbeite seit 5 monaten an der BA und hab noch nicht wirklich angefangen zu schreiben)
Ständiges verpassen von deadlines was zu problemen im studium und geldstrafen führt
Ständiges verlieren von wertvollen gegenstände (laptop, kopfhörer, ausweis, dokumente)
Probleme in meiner Beziehung wenn es um Ordnung, Planung und emotionale Anwesenheit geht
Verträumtheit: ich bin oft lieber in meinen eigenen gedanken vertieft als die gegenwart. Öfter auch mit grübeln assoziiert
Außerdem hatte ich auch in vergangenen jobs probleme mit aufmerksamkeit, pünktlichkeit und proaktivität was dazu geführt hat dass ich bei meinem ersten job gefeuert wurde.
Bei mir war früher auch alles Friedefreudeeierkuchen. Ein leichter Hang zur Unordnung und zur Träumerei.
Meine Mutter hat den Kindheitsbewertungsbogen auch sehr mild befüllt. Das kam beim Doc auch zur sprache, der Durchbruch kam als ich sie zitierte “kein Kind muss alles können”, da merkte er das sie nicht die volle Wahrheit bewertet hat.
Und lass Dich nicht auf Fragen ein wie “Ist ihnen denn nie etwas aufgefallen?” - dann kannst Du ruhig sagen “Hey Scheisse, Nein, da dies mein erstes und einziges Leben ist, bin ich davon ausgegangen das es bei allen anderen auch so ist!”
Dann ist der Druck groß genug, um alles zu probieren. Durch Techniken kannst du die klassischen ADS-Schussel-Themen mehr oder weniger erfolgreich eindämmen. Wenn weniger erfolgreich, gibt es vielleicht Futter für das Forum, Abteilung Leben, lieben, lachen. Mit etwas Glück wirken die Medis und du kannst endlich konzentriert arbeiten. Und dann…