wie schon angedeutet hat unser Junior (7 Jahre) die Diagnose ADHS bekommen. Wir haben recht früh gemerkt, dass sein Verhalten einfach etwas anders ist. Er ist schon immer extrem verträumt und man hatte oft das Gefühl man würde einfach an Ihm vorbei reden. Dies ist heute leider immer noch gegeben.
Auffällig war aber schon immer sein, schon im frühen Kindergartenalter, extrem großer Wortschatz sowie sein unbändigbarer Wissensdurst. Er vergisst nichts.
Mittlerweile ist er 7 Jahre und immer noch so verträumt (schaut laut Lehrer oft aus dem Fenster und ist abwesend). Rein schulisch gesehen ist aufgefallen, dass er nach 3 Monaten Schule fliesend lesen kann und auch ansonsten keine Fehler macht. Den Schulstoff erledigt er spielend und langweilt sich häufig.
Im familiären Umgang ist die Situation deutlich anstrengender. Alles was er erledigen soll wird es nach sehr häufigem Auffordern gemacht. Er verliert sich gerne in Phantasiespielen aus Hörbüchern und spielt diese gerne für sich selbst oder auch mit anderen. Dabei spielt es für Ihn keine Rolle ob die anderen das auch wollen! Insgesamt sind seine emotionalen Schwankungen für uns immer schwerer zu deuten. Es ist ein permanentes Auf und AB. Auch äußern sich zunehmend viele Ängste, wie z.B. alleine im eigenen Zimmer sei, oder auch eher sehr negative Träume.
Wir sind nun sehr unsicher ob wir eine medikamentöse Behandlung ansprechen sollen (hatten wir eigentlich nicht vor). Unser behandelnder Kinderneurologe (selbst ADHS’ler) wollte zuerst einmal die Intelligenz testen lassen, da er der Meinung ist, dass hierbei etwas heraus kommt. Allerdings sind die Wartezeiten bei den Psychologen im Umfeld hier ca. 1,5 JAhre!!!.
Habt ihr hier Tipps an wen man sich da wenden kann? Unser Familienleben ist mittlerweile schon stark belastet. Wir als Eltern, die beide berufstätig sind, haben eh schon wenig Zeit für unsere beiden Kids und der Stress erhöht dann zusätzlich nochmal die Spannungen.
Bezüglich der Medikamente haben wir leider auch etwas Angst…man liest so viel über Nebenwirkungen, dass wir hier eine wirklich kritische Einstellung haben, so früh damit anzufangen. Wie sind da eure Erfahrungen?
Je nach Bundesland kommst du über den schulpsychologischen Dienst an einen IQ Test. Ist garantiert überall anders geregelt.
Ich habe für unser eines Kind einen IQ Test bei einer unabhängigen Testperson als Selbstzahler gemacht. Der hat ein ausführliches Gutachten zu dem Test und seinen Beobachtungen geliefert. Da war die Wartezeit recht kurz.
Bei uns wurde der im Rahmen der ADHS Diagnostik gemacht und auch nochmal bei der Psychotherapeutin. Wenn euer Kind Therapie braucht, sollte das dort möglich sein. Für unser anderes Kind haben wir die Testung privat bezahlt, schneller Termin und sehr erfahrene Diagnostikerin. Wir sind im nördlichen NRW, wenn du Fragen hast oder den Kontakt haben willst, schreib mir per PN.
Aber bedenkt, dass eine unbehandelte ADHS den Wert nach unten verfälschen kann. ADHS ist wie viel PS haben, aber es nicht auf die Straße bringen können. Und da setzen Medikamente an…..
Wenn eine ADHS Krankheitswert hat (=Leidensdruck), sollte ernsthaft über Medikation nachgedacht werden. Und 7 ist kein unübliches Alter. Denkt bei Leidensdruck auch an die vielen kleinen Dinge die sich sammeln: Fritz, träumst du schon wieder?!? - Ne, du Langeweiler spielst nicht mit! - Kannst du nicht einfach… so schwer ist das doch nicht, bist doch ein schlauer Kerl oder?
Schlimm wenn es erst eskalieren muss, bevor man Medikamente testet. Denn: man kann es einfach ausprobieren und dann auch einfach wieder lassen. Aber bitte informiert euch hier intensiv und nehmt eine möglichst positive, mindestens neutrale Haltung dazu ein. Denn Kinder spüren das und übernehmen es unbewusst.
Und auch dran denken, dass es erblich ist. Sehr wahrscheinlich ist er nicht der Einzige in der Familie.
Mich irritiert erst mal, dass ihr wegen ADHS bei einem Kinderneurologen in Behandlung seid und nicht bei einem Kinder- und Jugendpsychiater.
Ein Kinder- und Jugendpsychiater könnte auch direkt den IQ-Test machen und das sollte er auch, weil der bei Kindern eigentlich standardmäßig zur ADHS-Diagnostik dazugehört.
Mein Sohn hatte seine beiden Diagnostiken in Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxen. Beim ersten Mal wurde der IQ-Test im Rahmen der ADHS-Diagnostik mitgemacht. Beim zweiten Mal wurden wir gefragt, ob der IQ-Test nochmal gemacht werden soll oder nicht. Wir haben dann drauf verzichtet, weil der erste Test für die Diagnostik aufschlussreich genug war, auch wenn er ziemlich sicher nicht den tatsächlichen IQ widerspiegelt.
Der Test war so heterogen, dass der Gesamt-IQ eigentlich gar nicht ausgewertet werden sollte. Die jetzige Kinder- und Jugendpsychiaterin geht aber trotzdem davon aus, dass mein Sohn hochbegabt ist, auch wenn der Gesamt-IQ „nur“ überdurchschnittlich intelligent sagt.
Und was die Medis angeht, liest und hört man viel - auch viel Unsinn. Ob und welche Nebenwirkungen auftreten, muss man ausprobieren, wenn man sich für Medis entscheidet. Hier gibt es einige, deren Kinder auch schon in jungen Jahren Medis bekommen und denen sie gut helfen. Ob man sich für oder gegen Medis entscheidet, kommt auf den Leidensdruck des Kindes an - und den sieht man leider nicht immer, vor Allem bei intelligenten Kindern.
ich würde keine Scheu davor haben, die Medikamente auszuprobieren. Die Eindosierungsphase kann etwas anstrengend sein (und ich würde mich vorher gut einlesen, z.B. hier über das Forum), aber wenn ihr feststellt, dass dauerhaft Nebenwirkungen da sind, die die Vorteile überwiegen oder für sich genommen nicht tolerierbar sind, kann man auch jederzeit wieder aussteigen. Methylphenidat verbleibt nur einige Stunden im Körper. Elvanse ist wenige Tage nach dem Absetzen wieder draußen.
Ich möchte hier noch mit in die Waagschale werfen, dass das Gehirn eures Juniors noch in der Entwicklung ist. Wer in der Kindheit und Jugend medikamentös behandelt worden ist, hat die Chance, dass das Gehirn sich unter der Medikation eher in Richtung neurotypisch entwickeln kann.