Diagnose als Erwachsener, viele Hinweise aus der Kindheit

Hallo zusammen,

mein Name ist Dennis. Ich bin 30 Jahre alt und ziemlich sicher, dass ich seit der Kindheit ADS (bzw. ADHS-I) habe.

Warum bin ich mir relativ sicher?

  • Mein damaliger Kinderarzt wollte mich auf Ritalin setzen, jedoch wollte meine Mutter mir “keine Chemie geben lassen” (typisch frühe 2000er, schätze ich..). Zumindest habe ich diese Erinnerung im Kopf.
  • Ich war als Kind mehrfach bei der Ergotherapie und musste dort motorische Tests durchführen. Als Kind hinterfragt man das nicht (zumindest habe ich das nie getan)
  • Praktisch alle Grundschulzeugnisse beschreiben mich als verträumt, zu zögerlich, zu schüchtern, “darf mehr aus sich herauskommen”
  • Als Kind war ich ein typischer “Hans guck in die Luft”
  • Beim Lesen von Texten muss ich Absätze oft mehrfach lesen, da mein Gehirn zwischendrin einfach abschweift
  • Ich wippe häufig mit dem Fuß. Mir wird bis heute nachgesagt, ich rede “mit Händen und Füßen”
  • Vor ca. 10 Jahren habe ich kurzzeitig mal testweise “quasi Elvanse” ausprobiert. Ich habe mich endlich “normal” gefühlt und konnte ganz alltägliche Dinge plötzlich ganz normal ausführen. Auch das Gedankenkreisen war deutlich weniger. <= hier bin ich mir aber nicht sicher, ob ich das bei einem Psychiater ansprechen sollte. Ich vermute, dass Elvanse sehr gut passen würde, will aber natürlich alles sauber haben (also Diagnose, ärztliche Verschreibung). Ich denke ihr versteht, was ich sagen will. Heute nehme ich keine Medikamente oder andere Mittel mehr ein.
  • Ich habe oft “Startschwierigkeiten” mit Aufgaben. Ich schiebe Dinge ewig vor mir her, obwohl mein Verstand sagt: “Tu es doch einfach”. Doch der Körper folgt dem nicht. Beim nächstbesten Gedanken habe ich die Sache dann wieder vergessen.
  • So richtig in Gang komme ich oft erst, wenn die die Deadline kurz bevor steht bzw. es nun wirklich dringend ist. Wenn ich dann aber dabei bin, mache ich meine Sachen in der Regel auch gut und gründlich. Fast so, als gäbe es eine “unsichtbare Wand”, welche mich daran hindert meine Handlungsabsicht auch in die Tat umzusetzen.
  • Bei Themen welche mich aber wirklich interessieren, entwickele ich plötzlich eine intrinsische Motivation und kann oft Stunden damit verbringen (z. B. bei Themen wie IT, Technik, etc.)

Ich hoffe, dass ich euch damit nicht gleich erschlagen habe.

Das ganze Thema ADS/ADHS habe ich seit meiner Kindheit mehr oder weniger liegen gelassen, habe mich irgendwie durch die Schullaufbahn und das Leben gedrängt und bin dabei sogar relativ erfolgreich geworden (Ausbildung als Fachinformatiker, feste Beziehung, relativ stabiles Leben). Doch ich merke immer wieder, wie ich mir selbst im Weg stehe, aus den bereits genannten Gründen.

Mein Plan wäre jetzt, alte Dokumente zu suchen und hoffentlich zu finden und mich damit bei einem Psychiater mit Schwerpunkt ADHS bei Erwachsenen zu melden. Notfalls auch Privat zu zahlen, falls die Wartelisten zu lange sind.

Ich selbst komme aus dem Raum Nürnberg. Vielleicht hat hierzu ja jemand Ideen oder Erfahrungen, an wen man sich wenden kann.

Viele Grüße und danke für’s lesen,

Dennis

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Hallo Dennis,

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Ich habe mir selbst ewig was vorgemacht und das Ganze erfolgreich verdrängt. Unfassbar viel Zeit ist für Kompensationsstrategien, Nootropika und diverse Suchtmuster draufgegangen. Dass ich es trotz meiner ziemlich ausgeprägten ADS-Symptomatik beruflich zum Software Engineer gebracht habe, grenzt rückblickend fast an ein Wunder, keine Ahnung wie ich das jahrelang gestemmt habe.

Irgendwann wollte ich keine Lebenszeit mehr an die Krankheit verschwenden und habe die Diagnose beim NPZ an der Fürther Freiheit als Selbstzahler durchgezogen, um die Wartezeiten zu umgehen. Deiner Beschreibung nach scheinst du, genau wie ich, eher der Inattentive Type zu sein. Die Medikation läuft jetzt ganz regulär über die GKV. Was soll ich sagen? Mir geht es seitdem hervorragend. Ich fühle mich endlich so, wie ich es mir immer gewünscht habe.

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Wow, das klingt wirklich sehr ähnlich wie mein Lebenslauf.

Das NPZ in Fürth klingt vielversprechend. Weißt du noch, wie du den Erstkontakt zur Praxis hergestellt hast? Online geht das wohl über Doctolib, ich vermute mal “Selbstzahler - Psychiatrische Erstuntersuchung”.

Kannst du mir auch sagen, mit welchen Medis die Praxis primär behandelt? (Nur falls die Frage ok ist :slight_smile: )

Viele Grüße

Dennis

Mein Tipp für dich: Lass dich von den Google Bewertungen bloß nicht abschrecken. Die meisten beschweren sich da über Arzthelferinnen, die schon ewig nicht mehr dort arbeiten, und um die eigentlichen Ärzte geht es fast nie. Ich hab meinen Termin ganz entspannt über Doctolib gebucht. Da hatte ich echt Glück und direkt drei Tage später mein Erstgespräch beim Neurologen. Such dort einfach nach der Option Selbstzahler Psychiatrische Erstuntersuchung, genau das ist der richtige Weg.

Bei mir ging es dann super schnell. Nach drei Stunden Diagnose hatte ich direkt mein Medikinet Rezept in der Hand. Diesen ganzen Hype um Elvanse kann ich persönlich nicht so nachvollziehen, aber da reagiert ja jeder Körper anders. Mir hilft Medikinet jedenfalls extrem gut, man muss nur erst mal lernen, den Spiegel konstant zu halten.

Was das Thema Selbstversuche angeht: Ich würde das an deiner Stelle für mich behalten. Du weißt nie, welche Vorurteile ein Arzt bei sowas hat, und am Ende schadest du dir damit nur selbst.

Die Schulzeugnisse der ersten fünf Jahre würde ich ebenfalls mitnehmen.