Diagnose ohne Test ADS oder doch ‚nur‘ Depression

Hallo an alle… ich bin neu in dem Forum und hoffe durch den Austausch hier etwas mehr Verständnis für meine Krankheit(en?) zu entwickeln.

Ich habe schon einige Beiträge gelesen und gemerkt, dass die Dosierung oft ganz anders ist als bei mir.

Kurz zu mir.
Ziemlich genau vor einem Jahr (Januar/Februar 2022) hatte ich nach einigen depressiven Episoden, die ich ganz gut beiseite drängen konnte, einen relativ krassen Zusammenbruch gehabt und war bis September krankgeschrieben.

Ich habe relativ schnell eine Therapie Stelle bekommen und wurde auf Antidepressiva eingestellt (Citalopram) und ging anfangs 2 x die Woche zur Gesprächstherapie, irgendwann dann nur noch 1 x… der Abstand zu meiner Arbeitsstelle hat mir richtig gut getan und auch die Tabletten haben mir geholfen Dinge nicht mehr so an mich heran zu lassen.

Nach 4 / 5 Monaten und einigen Gesprächen kamen meine Therapeutin und ich darauf, dass ich ADS habe. Sie verschrieb mir Medikinet Adult und nach ein wenig herumprobieren bin ich bei 20 mg angekommen.
Nehme allerdings nur morgens eine Tablette.
Eine höhere Dosierung hat mir nicht gut getan, da habe ich mich irgendwie unwohl dabei gefühlt.

Jedenfalls meinte meine Therapeutin, dass Depressionen und AD(H)S sich gegenseitig fördern/bedingen. Anhand meiner Schullaufbahn macht es nachträglich auch echt Sinn, dass sie die Diagnose gestellt hat.

Direkt anschließend an meine krankschreibung habe ich ein halbes (Sabbat) Jahr im Ausland verbracht (was unabhängig von dem ungeplanten Zusammenbruch, lange geplant war und worauf ich auch gespart habe etc.) und bin also momentan noch angestellt.

Ab 1. März müsste ich meine Arbeitsstelle wieder antreten. Oder kündigen und mir etwas neues suchen.

Nun durch ein halbes Jahr selbstreflektion ohne Gespräch mit meiner Therapeutin frage ich mich häufig, was wirklich mein Problem ist. War es schon immer das ADS oder bin ich doch ‚nur‘ depressiv.

Stimmungsschwankungen habe ich nach wie vor. Wenn ich nicht ausreichend zu meinen Medikamenten esse und mich dann auch noch körperlich anstrenge, habe ich starke Schwindelgefühle und auch hin und wieder so ein ‚schwabbelndes‘ Hirn.

Auch meine Libido unterliegt starken Schwankungen, was ich aber irgendwie immer mehr der Depression zuschreibe.

Allerdings habe ich auch niemanden mit dem ich mich über AD(H)S austauschen kann.
Daher jetzt der Eintritt in das Forum.

Ich habe zunächst mal eine Frage zu eurer Diagnose.
Oft wurde ich nämlich von Aussenstehenden gefragt, ob ich für die Diagnose ADS einen Test gemacht hätte. Habe ich nicht.
Ich würde es aber (trotz Vertrauen in meine Therapeutin) sehr gerne mal testen. Gibt es frei zugängliche Tests die einigermaßen professionell daher kommen?

Dann habe ich evtl einen zu hohen Anspruch an das Medikinet oder unterschätze vielleicht die Nebenwirkungen vom Antidepressiva. Aber ich habe arg das Gefühl, dass ich mich kaum mehr kreativ betätigen kann, lang bei einer Sache bleiben wie zB lesen.
Früher habe ich Bücher verschlungen, mittlerweile schaffe ich es fast nicht mehr 1 Stunde am Stück zu lesen.

Vermisst mein Gehirn vielleicht das, was das ADS macht?
Ich brauche in der Regel immernoch mehrere Stimulatoren auf einmal, also wenn ich am Handy daddel, läuft noch ein Podcast und daneben rauche ich noch und trinke Kaffee.
Film / Serie schauen ohne Handy daddeln geht nur wenn es höchst spannend ist.

Ohne Medikamente war es aber so, dass mein Hirn ständig Ideen gehabt, die ich umsetzen wollte. Sehr viel zu intensiv und impulsiv. Also ich habe die Idee für meine Wand ein Bild zu malen, bestelle allerhand Zubehör und male dann 1-2 mal bis zur nächsten fixen Idee.
Stricken, töpfern, etc.

In meinem Job kam ich eigentlich immer ziemlich gut klar… je mehr aufgaben ich gleichzeitig gemacht habe, desto besser und schneller war ich. Sobald Langeweile einkehrte wurde ich unproduktiv. Mit der Depression die sich vor dem Zusammenbruch immer mehr andeutete, wurde ich immer antriebloser.

Jetzt weiß ich noch gar nicht, wie mein Arbeiten sein wird, so voll auf Medikamenten.

Nachteile die ich dem Antidepressiva zuschreibe, was vorher durch die Depression bedingt war, ist, dass ich irgendwie das Leben nicht mehr so richtig genießen kann.
Ich sehe meine Umwelt, aber ich fühle sie nicht.
Ich fühle mich selten glücklich, eher gar nicht. Einfach nur passiv. Und an schlechten Tagen, auch mal traurig und besonders antriebslos.

Das irre Gedankenkarussel oder wie meine Therapeutin es nennt, die Autobahn in meinem Kopf, war kurzzeitig während der Therapie Ganz ruhig. Mittlerweile bin ich aber schon wieder ununterbrochen am grübeln. Beginne keine Gespräche und beteilige mich nur mässig.

Eine steile These habe ich noch. Ich bin nun kurz vor meinem 34ten Geburtstag und ca 4 Jahre vor Meinem Zusammenbruch habe ich aufgehört zu kiffen.
Das habe ich mit ca 13-14 angefangen.
Die These ist, dass ich mich unterbewusst damit selbst therapiert habe.
Meine Therapeutin hält von der Idee nichts. Also sie sieht da keinerlei zusammenhänge.

Das kiffen hat mir definitiv geholfen mich auf dinge wie aufräumen, malen, lesen zu konzentrieren.
Die Jahre dazwischen als ich es nicht mehr gemacht habe, ging es mir eigentlich aber auch relativ gut.

Ich weiß nicht genau, ab welchem Punkt meine litargie (schreibt man das so?), aufschieberitis, kreativlosigkeit, unendliches grübeln, der fehlende Genuss am leben, etc los ging.

Was von diesen Gefühlen kennt ihr? Von AD(H)S bedingt? Oder auch von den Medikamenten die ihr nehmt?
Wenn ich Alkohol trinke, bin ich meistens recht ausgelassen und ausgeglichen, normal denke ich… aber das ist ja kein Dauerzustand.

Weil es in anderen Beiträgen oft eine Rolle gespielt hat.
Ich rauche Zigaretten, schon immer viel, aber seit dem Beginn der letzten schlimmen depressiven Phase, richtig viel. Mindestens eine Schachtel am Tag.

Alkohol 4, max. 6 mal im Monat, so ziemlich nur am Wochenende oder halt wenn was besonderes unter der Woche ist.
Ich bin weiblich und habe in einem Büro seit 2007 mit Ausbildungsbeginn angefangen zu arbeiten. Aufgaben waren kreativ aber auch trocken (Buchhalterisches).

Ich kann sehr gut mit Menschen, bin aber eher introvertiert. Ich halte mich selbst, ohne fassen es arrogant klingen soll für sehr intelligent und allgemein gebildet.
Ich habe eine schnelle Auffassung und ein gutes Gedächtnis. Selbsständiges arbeiten fällt mir nur dann leicht, wenn ich eine deadline habe.

Ich bin seit 12 Jahren mit meinem Mann glücklich zusammen und seit 2 Jahren verheiratet. Er ist das Gegenteil von mir und kann mich nicht immer verstehen. Vorallem nicht, meine antriebslose Art, bei der ich um keine Ausrede verlegen bin.

Ich bin nicht in der Lage zu meditieren, to do Listen zu schreiben (geschweigedenn abzuarbeiten) oder mich lange mit Sachen zu beschäftigen die mir keinen Spaß machen.
Ich bin perfektionistisch und wie man wohl an meinem Eintrag lesen kann, verliere ich mich schnell in Details.
Ich bin ganz gut in der Lage meinen Haushalt zu führen und lebe in einer recht sauberen und aufgeräumten Wohnung.
Meine Familienverhältnisse sind sehr gut, soziales Umfeld ebenfalls gesund und gut.

Danke, falls du bis zum Schluss gelesen hast. Was war denn eigentlich nochmal meine Frage? :face_with_peeking_eye::smiley:

Ich möchte gerne deine Meinung, Erfahrungen, etc

Viele liebe Grüße aus Thailand
Hansi

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Liebe Hansi,

herzlich willkommen! :adxs_happy:

Hier findest du ein paar Tests:

Adult ASRS-V1.1 Symptom-Checkliste
Wender Utah Rating Scale (WURS-k) online
Symptomtest von ADxS.org
Praxis Neuy Fragebogen pdf
ADHS 20 plus (kurzer Test)

Hallo Hansi, herzlich Willkommen. Ich habe deinen Beitrag bis zum Schluss gelesen und habe mich an einigen Punkten auchbwieder gefunden.
Ich kann dir leider nichts zu den Antidepressiva sagen,weil ich keine nehme und erst seit 14 Tagen Ritalin nehme.
Aber zum kiffen, rauchen, Alkohol, Kaffee in rauen Mengen und ständige stimulanzien nebenbei wie Musik, handy etc…ja das kenne ich. Ich habe auch einige Zeit gekifft,weil ich irgendwie runter kommen musste. Alkohol war auch eine Weile ein Thema. Nie kritisch aber für mich auffällig viel. Rauchen …jap . Hab mit 13 angefangen. Mit 34 aufgehört weil ich schwanger wurde. Dann fast 5 Jahre nicht geraucht, weil ich gestillt habe oder schwanger war. Letztes Jahr im Mai hatte ich dann meinen Zusammenbruch und bin darauf gekommen, dass ADHS ein Thema bei mir ist. Hab dann zwei Anläufe gebraucht um eine fundierte Diagnose zu bekommen. Im Nachhinein weil ich, dass mein Konsum ( also rauchen,kiffen,Kaffee, etc) natürlich eineselbst Medikation war. Immer in stressigen oder krisenbehafteten Lebenssituationen.
Seit Dezember hat mir meine Psychologin eine erschöpfungsdepression diagnostiziert. Die Psychiaterin geht damit d’acor. Ständig auf dem Highway unterwegs sein mit einer Millionen Tasks im Hirn. Irgendwann crasht man eben irgendwo dagegen.
Wie Justine schon schrieb, kannst hier ein symptomcheck machen. Der war relativ eindeutig bei mir,was sich dann in der Diagnostik auch wieder gespiegelt hat.
Wenn du dir ganz sicher sein möchtest, such dir einen Psychiater oder Neurologen, der auf ADHS bei Erwachsenen spezialisiert ist. Vielleicht kannst du da auch noch mal schauen oder besprechen, wie es um die Antidepressiva und ADHS Medikamente steht.
LG friedaline

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Wenn Stimilanzien helfen und man die Funktionsweise von ADHS gut verstanden hat, wäre mir persönlich der Test egal.

Der fragt ja ohnehin nur nach Symptomen.