Hallo zusammen und vielen Dank für eure ausführlichen Antworten!
Ich habe mich inzwischen bedeckt gehalten, da ich zunächst den Termin und das Testergebnis abwarten wollte. Diesen habe ich hier mal soweit anonymisiert eingetippt:
Psychologischer Testungsbericht
Homburger ADHS Skalen für Erwachsene (HASE):
Die HASE (Integrierte Diagnose der ADHS im Erwachsenenalter) stellt ein standardisiertes Diagnostikverfahren dar, welches aus mehreren Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen erfasst und sowohl Aspekte der Selbstbeurteilung als auch ein ausführliches klinisches Interview beinhaltet.
Dem Patienten wurden mehrere Fragebögen zür Selbstbeurteilung ausgehändigt.
Der WURS-K (Wender Utah Rating Scale Kurzform) erfasst ADHS ässoziierte Auffälligkeiten des Kindes- und Jugendalters. Hierbei ergab sich bei dem Patienten ein Summenwert von 48, womit der Cut-Off überschritten wurde (Cut-Off = 30 Punkte). Ergänzend lagen zum Untersuchungszeitpunkt Grundschulzeugnisse vor. Hierin wurden folgende Auffälligkeiten vermerkt: „vorlaut und widerspenstig gegenüber Lehrern“.
Die WURS-K zeigt somit Hinweise auf das Vorhandensein einer ADHS Diagnose.
Der Fragebogen WR-SB (Wender-Reimherr Selbstbeurteilung) erfasst adulte ADHS Symptome innerhalb der letzten Woche. Er umfasst Fragen zu den Kernbereichen Aufmerksamkeit und Überaktivität sowie zu folgenden zusätzlichen Bereichen:
Temperament, Affektive Labilität, Emotionale Überreagibilität, Desorganisertheit und Impulsivität.
Folgende Kriterien wurden vollständig erfüllt:
Aufmerksamkeit, Überaktivität, Temperament, Affektive Labilität, Emotionale Überreagibilität
Im WR-SB Gesamtwert erzielt der Patient 86 Punkte (von max. 124).
Das Ergebnis liefert somit Hinweise auf das Vorhandensein einer ADHS Diagnose.
Der Fragebogen ADHS-SB (ADHS Selbstbeurteilung) erfasst ebenfalls adulte ADHS Symptomatik innerhalb der letzten Woche und kann im Sinne der klassifikatorischen Diagnostik oder zur Schweregradbestimmung verwendet werden. Im Rahmen der hier durchgeführten Diagnostik wird der Fragebogen ergänzend im Sinne der Schweregradbestimmung verwendet.
Hierbei zeigten sich bei dem Patienten folgende Ergebnisse:
| Bereich |
Prozentrang |
Summenwert |
| Aufmerksamkeit |
99 |
19 |
| Hyperaktivität |
92 |
6 |
| Impulsivität |
98 |
7 |
| Gesamtwert |
98 |
32 |
Zusammenfassend liegt nach dem ADHS-SB ein erhöhter Schweregrad vor im Bereich:
Aufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität
Zudem wurde mit dem Patienten das WRI (Wender-Reimherr-Interview) durchgeführt.
Hierbei werden Beschwerden der Folgenden Kategorien exploriert:
Aufmerksamkeit, Überaktivität, Temperament, Affektive Labilität, Emotionale Überreagibilität,
Desorganisertheit und Impulsivität.
Hinweise auf die Diagnose einer AD(H)S liegen dann vor, wenn
mindestens eines der Hauptkriterien (Aufmerksamkeit oder Überaktivität)
sowie
mindestens 2 der übrigen Nebenkriterien (Temperament, Affektive Labilität, Emotionale
Überreagibilität, Desorganisertheit und Impulsivität)
erfüllt sind.
In den folgenden Bereichen wurden die Kriterien ausreichend erfüllt:
Hauptkriterien: Aufmerksamkeit
Nebenkriterien: Temperament
Das Ergebnis weist somit nicht auf AD(H)S hin.
Beck-Depressions-Inventar (BDI-II):
Das Beck-Depressions-Inventar (BDI-II) wurde von dem o.g. Patienten selbstständig
bearbeitet. 0-12 Punkte: Keine depressive Symptomatik, bzw klinisch nicht relevant, 13-19
Punkte: Leichte depressive Symptomatik), 20-28 Punkte: Mittelschwere depressive Symptomatik, 29-63 Punkte: Schwere depressive Symptomatik.
In diesem 21 Items umfassenden Fragebogen ergibt sich bei dem Patienten ein Summenwert
von 13.
Dies deutet auf das Vorliegen leichter depressiver Symptome hin.
Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest (D2-R):
Der Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest (D2-R) ist ein standardisiertes Testverfahren,
welches der Messung von Konzentration bei Aufgaben, die Aufmerksamkeit verlangen
(konzentrierte Aufmerksamkeit) dient.
Er erfasst die Konzentrationsfähigkeit der Testperson sowie die Schnelligkeit und Genauigkeit
bei der Unterscheidung ähnlicher visueller Reize (Detail-Diskrimination).
Der Patient arbeitete während der Testung motiviert und konzentriert mit.
Ergebnisse:
| Bereich |
Rohwert |
Prozentrang / Standardwert |
Beurteilung |
| Konzentrationsleistung (KL) |
107 |
1 / 78 |
stark unterdurchschnittlich |
| Tempo (BZO) |
147 |
18 / 91 |
unterdurchschnittlich |
| Sorgfalt (F%) |
27 |
8 / 86 |
unterdurchschnittlich |
| Auslassungsfehler |
8 |
|
|
| Verwechslungsfehler |
32 |
|
|
Insgesamt ergeben sich bei dem Patienten 8 Auslassungsfehler und 32 Verwechslungsfehler,
davon 0 Buchstabenverwechslungen.
Zusammenfassung:
Abschließend wurden die Kriterien der ADHS-Symptomatik im Rahmen des HASE Verfahrens
nicht vollständig erfüllt.
Die Auswertung der vom Patienten ausgefüllten Selbstauskunftbögen liefert zwar Hinweise
auf eine ADS Symptomatik, jedoch ergeben sich im Interview und in der Gesamtbeurteilung
des HASE keine ausreichenden Hinweise auf das Vorhandensein einer AD(H)S Diagnose. Der
Patient befindet sich zurzeit in kognitiver Verhaltenstherapie, welches die Symptomlast bei
ADHS signifikant reduzieren kann und mit berücksichtigt werden muss.
Im D2-R ergaben sich deutliche Hinweise auf Konzentrationsstörungen, was in die
Therapieüberlegungen miteinbezogen werden muss.
Im BDI ergab sich bei dem Patienten ein Summenwert von 13. Dies deutet auf das Vorliegen leichter depressiver Symptome hin.
Eine ggf. depressive Symptomatik muss als konkurrierender Faktor bei Konzentrationsstörungen in die Therapieüberlegungen einbezogen werden.
Allgemeiner Hinweis zur Therapie:
Die Testverfahren können nicht mit der abschließenden klinischen Diagnose gleichgesetzt
werden, sondern bieten lediglich zusätzliche Informationen, die zu dem End- und
Gesamtergebnis klinischer, evidenzbasierter Diagnostik beitragen können. Ein Anspruch auf
eine bestimmte Behandlung ergibt sich daraus nicht. Eine Therapieentscheidung muss durch
einen erfahrenen Arzt nach eigener Urteilsbildung und unter Beachtung möglicher weiterer
Aspekte erfolgen.
Bei ADHS kommt der eigenen Strukturierung, Tagesplanung, Vermeidung von Reizen,
Vermeidung von stimulierenden Faktoren (Koffein, Energy-Drinks, Lebensmittelfarbstoffe,…),
regelmässig ausreichender Schlaf, gesunder Lebensstil, Sport die wichtigste Rolle zu.
Bei Krankheitswert kann therapeutische Hilfe erforderlich sein. Bei Vorliegen anderer
psychischer Erkrankungen steht evtl. deren Behandlung im Vordergrund.
Erst an allerletzter Stelle stehen Medikamente für AD(H)S.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht so recht, was ich damit jetzt machen soll, denn ich kann nicht nachvollziehen, weswegen das Nebenkriterium Desorganisiertheit im WRI nicht erfüllt sein soll, da ich vor allem deswegen überhaupt eine ADHS-Diagnostik habe durchführen lassen und die diesbezüglichen Fragen im Interview entsprechend beantwortet habe. Klar, das kann mir jetzt hier auch keiner sagen
. Würde mich allerdings schon interessieren, wie die Auswertung des WRI genau aussieht, das liegt mir nämlich nicht vor.
Das Problem ist nun, dass ich für eine Besprechung des Testergebnisses ein weiteres Gespräch in der Praxis vereinbaren müsste, das mich wieder 75,- Euro kosten soll. Zudem würde das Gespräch nicht mit der Psychologin, die das Interview etc. durchgeführt hat, geführt werden. Wie auch das Vorgespräch zur Testung würde die Nachbesprechung mit einer Neurologin erfolgen (klar, die haben auch ein bisschen psychiatrisches Wissen), die allerdings mit der eigentlichen Testung und Diagnostik nicht das geringste zu tun hat und mir darüber hinaus noch grundunsympathisch ist. Bereits im Vorgespräch wollte sie alle geschilderten Symptome auf eine neurologische Grunderkrankung zurückführen, die ich in meiner Aufregung leider erwähnt hatte.
Rückfragen zur Diagnostik außerhalb dieses erwähnten kostenpflichtigen Termins werden durch das Praxispersonal konsequent abgewehrt.
Vielleicht hat ja jemand einen Rat oder einen Gedanken dazu, was ich jetzt damit weiter anfangen soll und möglicherweise ist ja der Aufbau des Testergebnisses für einige Leser:innen interessant!
Danke schonmal!