Diagnostik-Angebot

Hallo mal wieder!

Ich (36, bisher nicht diagnostiziert aber mit starken Indizien in Richtung ADHS ohne ‘H’) habe mich nun entschlossen, aus meinem selbstgegrabenen Recherche-Rabbithole wieder rauszuklettern und die weitere Beurteilung den Profis zu überlassen. Gesagt getan, einige Praxen und Spezialambulanzen konaktiert, Wartelisten sind alle voll (wenig überraschend). Bzgl. Selbstzahler-Online-Diagnostik bin ich irgendwie skeptisch (klar, Fragebögen ausfüllen und Aufmerksamkeitstests muss ich nicht vor Ort machen, aber diagnostisches Interview und vor allem Verhaltensbeobachtung stelle ich mir schwierig vor?).

Wie dem auch sei, ich habe folgende Rückmeldung von einer (zB bei Google sehr gut bewerteten, Bewertungen wirken nicht gekauft) nervenärztlichen Praxis in meiner Region erhalten:

vielen Dank für Ihre Anfrage. Momentan ist der Ablauf für eine ADHS-Testung wie folgt in unserem Haus:

Da Sie noch kein/e Patient/in bei uns sind, müssten wir mit Ihnen zuerst einen Termin mit einer Psychiaterin (in unserem Haus) vereinbaren.

Momentan können wir keine regulären Termine für Neupatienten vergeben. Es besteht aber die Möglichkeit, dieses Vorgespräch auf private Rechnung erfolgen zu lassen. Kostenpunkt: 75,00 €.

Nach dem Gespräch werden wir mit Ihnen einen Termin für eine ADHS-Testung vereinbaren (Aktuell gibt es eine Warteliste!).

Folgende Informationen sind für Sie relevant:

-> Ablauf: Der Termin besteht aus einem circa 45 minütigen Interview sowie dem Ausfüllen verschiedener Fragebögen

-> Dauer: Insgesamt ca. 1,5 Stunden

-> Kosten: Die Testung ist eine IGEL-Leistung, die einen Betrag von 155,00 € umfasst (Kosten werden NICHT von der Krankenkasse übernommen)

Falls Sie noch weitere Fragen haben, melden Sie sich gerne.

Mit freundlichen Grüßen

Gemessen an den genannten Summen (75+255€) scheint das erstmal ein Schnäppchen, es sind ja aber im Grunde auch nur 2 Termine.

Von dem irreführenden Begriff der ‘ADHS-Testung’ mal abgesehen, würdet ihr denken, eine seriöse Diagnostik ist im genannten Umfang möglich? Viele Ambulanzen machen ja schon 4-5 Termine, wenn ich das richtig verstanden habe.

Habt ihr Anhaltspunkte, was ich auf jeden Fall noch rückfragen sollte (also zB was auf keinen Fall bei einer Diagnostik fehlen darf)? Ich weiß, dass jede:r Diagnostiker:in eigene Schwerpunkte hat, manche besteheb auf Zeugnisse, andere brauchen unbedingt eine Fremdbeurteilung, wieder andere evtl. noch Aufmerksamkeitstests. Aber es muss da ja einen kleinsten gemeinsamen Nenner geben (Stichwort Leitlinie)? Und genau darauf will ich glaube ich raus: Kann man diesen vermuteten kleinsten Nenner in so wenig Zeit seriös abbilden?

Danke schonmal und viele Grüße!

Ich hatte gestern meinen dritten Abklärungstermin, und es folgen noch zwei weitere. Einmal mit mir allein und einmal mit einer aktuellen Bezugsperson, die vielleicht auch noch ein paar Hinweise liefern kann. Jeder Termin hat bisher 75 Minuten gedauert. Dazu kamen noch Online-Fragebögen.

Hallo ldnier,

da das Thema mich auch aktuell -wieder- sehr beschäftigt, versuche ich mal, meine Erfahrungen und Gedanken hier einzubringen. Vielleicht hilft es ja etwas weiter.

Grundsätzlich nennt die Leitlinie (von 2017) eine Liste von deutschsprachigen validierten Testverfahren die für die jeweiligen Altersgruppen empfohlen sind, allerdings wird nirgendwo explizit vorgeschrieben, wieviele davon in einer leitliniengerechten Diagnostik angewandt werden müssen. Genauso unpräzise ist die Aussage über die Qualifikation derjenigen, die die Diagnostik durchführen. Und nirgendwo habe ich eine zeitliche Vorgabe für die Diagnostik gefunden. (Habe aber auch nicht alle 198 Seiten gelesen, bitte gerne korrigieren :wink: )

Was bei deiner Praxis von großem Vorteil ist: es arbeiten dort auch Psychiater/Neurlogen, die im Falle einer Diagnose auch die medikamentöse Therapie durchführen können. Das geht bei Psychologen nicht, die ja auch oft die Diagnostik anbieten, aber keine Medikamente verschreiben dürfen. Dann brauchst du noch einen zusätzlichen Arzt, der evtl. die Diagnose des Psychologen nicht akzeptiert.
Sollte sich -glaubhaft- herausstellen, dass du gar kein ADHS hast, sondern die Beschwerden eher durch andere Störungen bedingt sind, könntest du dich dort auch gleich behandeln lassen.

Habe die Diagnostik 2x gemacht:

  1. Versuch: in einer ähnlichen Praxis wie bei dir, allerdings auf Kassenbasis:
    erst Termin bei einer Psychiaterin, die hat mich zur Diagnostik bei deren Psychologen angemeldet.
    Dann zwei einstündige Termine (1. Tag, Kindheit, 2. Tag Erwachsenenalter), dann nochmal ein Termin zur Befundbesprechung, im Vorfeld jede Menge Fragebögen und Fremdbewertung durch meine 80-jähr. Eltern.
    Diagnose wurde (ganz knapp) nicht gestellt, da in der Kindheit zu wenige Symptome bestanden hätten. Grund ist, dass ich völlig unvorbereitet war, und in meinem vernebelten, wirren Hirn mich einfach nur ganz vage bis gar nicht an vieles aus meiner Kindheit erinnern konnte, und dementsprechend manche Fragen “falsch” beantwortet habe.
    Erneute Diagnostik in dieser Praxis war nicht möglich
  2. Versuch:
    bei einem Privat-Psychiater, der früher Oberarzt in einer Uniklinik war und sich hervorragend mit ADHS auskennt: vorab die üblichen Fragebögen, keine Fremdbewertung durch die Eltern, und ein 90-Minütiges Interview, an dessen Ende ich “mit 100%iger Überzeugung” die Diagnose hatte. Plus Privatrezept für Elvanse (EKG+Labor hatte ich noch aktuell).
    Die Fragetechnik war im Vergleich zum 1. Versuch ein Unterschied wie Tag und Nacht, super präzise und auf den Punkt; man hatte das Gefühl, er hat ADHS wirklich verstanden. Und ich hatte im Vorfeld natürlich auch viel über meine Kindheit nachgedacht.
    Habe einen 8-seitigen Befundbericht mit ausführlicher Anamnese, psychopathologischem Befund und allen durchgeführten psychometrischen Testverfahren incl. Ergebnis und dessen Erläuterung sowie Therapieoptionen bekommen.

Also in dem Fall reichten die 90 Minuten vollkommen aus, habe nicht das Gefühl, dass ich mir das Ergebnis “gekauft” habe. War aber sicher ein Glücksfall. Und auch meine Psychotherapeutin sagt, absolt seriös und leitliniengerecht durchgeführt.
Habe aber aktuell das Problem, einen Kassenarzt zur Weiterbehandlung zu finden (schwierig!), da die Privattermine doch ziemlich ins Geld gehen. Und war gestern auch wieder in der ersten Praxis, die Ärztin muss jetzt aber erstmal mit den Chefs klären, ob sie die fremde Diagnose anerkennen wollen. Trotz aller Argumente, guter medikamentöser Einstellung, Tochter mit ADHS usw..
Ich bin gespannt.

FAZIT:
2 leitliniengerechte Diagnostiken, unterschiedliche Durchführung, unterschiedliche Kompetenz, unterschiedliches Ergebnis.

Ich würde die raten, die Gelegenheit wahrzunehmen, aber verlass dich nicht darauf, dass die “Experten” sich schon auskennen und ganz sicher herausfinden, was los ist. Etwas theoretisches Fachwissen dürfte vorhanden sein, aber eine jahrelange Erfahrung mit dem Krankheitsbild und allen seinen Facetten ist nochmal was anderes und lange nicht immer der Fall. Also unbedingt selber im Vorfeld intensiv mit den Symptomen und mit sich selbst und seiner Kindheit auseinandersetzen, evtl. eine Liste mit Stichpunkten zum Termin mitnehmen, das halte ich für sehr hilfreich.

Viel Glück und alles Gute ! :four_leaf_clover:

(Und sorry für den wieder viel zu langen Text :grimacing: )

1 „Gefällt mir“

ist die Praxis in der Nähe?

wenn ja würde ich mal hingehen und Patienten fragen wie zu frieden aie mit der Praxis sind

Ich war beim Psychologischen Psychotheiten für 4 oder 5 std 1 mal und viele Fragebögen mußten ausgefüllt auch von der Familie mitgebracht werden 1 std Paus war auch in den 4std

Ich kann da nur von mir berichten:

1. Diagnostik bei einer Psychologischen Psychotherapeutin (in Ausbildung, das erfuhr ich aber erst im Nachgang): - Ich hätte so gar kein ADHS, keine Hyperaktivität vorhanden, keine Anzeichen in der Kindheit, angeblich

- nach dem Befundbericht war es knapp nicht erfüllt, aber sie hat methodische Fehler gemacht, der Kindheitsfragebogen wurde mir nicht vorgelegt, den hat sie ausgefüllt, dabei sieht die Leitlinie vor WURS-k vom Patienten ausfüllen zu lassen, Hyperaktivität habe ich sehr wohl gezeigt, ich habe sehr oft in die Haare gegriffen, an der Kette gespielt, mit nem Zopfgummi gespielt, mit den Beinen gewippt, ….

- den Fremdbeurteilungsfragebögen wurde zu viel und den Zeugnissen zu wenig Bedeutung beigemessen

- und jeder würde mal was vergessen, deshalb hätte man noch lange kein ADHS :face_with_raised_eyebrow:

2. Diagnostik bei einem sehr erfahrenen Psychiater und Neurologen:

- Ausführliches Gespräch, Fragebögen, EEG, am Ende stand die Diagnose ADHS-C

Empfehlung: auf jeden Fall gut vorbereiten, die Fragebögen, so möglich mal online anschauen, den der Unterschied zwischen 1. und 2. war bei mir die Vorbereitung.

1 „Gefällt mir“

Hallo zusammen und vielen Dank für eure ausführlichen Antworten!

Ich habe mich inzwischen bedeckt gehalten, da ich zunächst den Termin und das Testergebnis abwarten wollte. Diesen habe ich hier mal soweit anonymisiert eingetippt:

Psychologischer Testungsbericht

Homburger ADHS Skalen für Erwachsene (HASE):

Die HASE (Integrierte Diagnose der ADHS im Erwachsenenalter) stellt ein standardisiertes Diagnostikverfahren dar, welches aus mehreren Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen erfasst und sowohl Aspekte der Selbstbeurteilung als auch ein ausführliches klinisches Interview beinhaltet.

Dem Patienten wurden mehrere Fragebögen zür Selbstbeurteilung ausgehändigt.

Der WURS-K (Wender Utah Rating Scale Kurzform) erfasst ADHS ässoziierte Auffälligkeiten des Kindes- und Jugendalters. Hierbei ergab sich bei dem Patienten ein Summenwert von 48, womit der Cut-Off überschritten wurde (Cut-Off = 30 Punkte). Ergänzend lagen zum Untersuchungszeitpunkt Grundschulzeugnisse vor. Hierin wurden folgende Auffälligkeiten vermerkt: „vorlaut und widerspenstig gegenüber Lehrern“.

Die WURS-K zeigt somit Hinweise auf das Vorhandensein einer ADHS Diagnose.

Der Fragebogen WR-SB (Wender-Reimherr Selbstbeurteilung) erfasst adulte ADHS Symptome innerhalb der letzten Woche. Er umfasst Fragen zu den Kernbereichen Aufmerksamkeit und Überaktivität sowie zu folgenden zusätzlichen Bereichen:

Temperament, Affektive Labilität, Emotionale Überreagibilität, Desorganisertheit und Impulsivität.

Folgende Kriterien wurden vollständig erfüllt:

Aufmerksamkeit, Überaktivität, Temperament, Affektive Labilität, Emotionale Überreagibilität
Im WR-SB Gesamtwert erzielt der Patient 86 Punkte (von max. 124).

Das Ergebnis liefert somit Hinweise auf das Vorhandensein einer ADHS Diagnose.

Der Fragebogen ADHS-SB (ADHS Selbstbeurteilung) erfasst ebenfalls adulte ADHS Symptomatik innerhalb der letzten Woche und kann im Sinne der klassifikatorischen Diagnostik oder zur Schweregradbestimmung verwendet werden. Im Rahmen der hier durchgeführten Diagnostik wird der Fragebogen ergänzend im Sinne der Schweregradbestimmung verwendet.

Hierbei zeigten sich bei dem Patienten folgende Ergebnisse:

Bereich Prozentrang Summenwert
Aufmerksamkeit 99 19
Hyperaktivität 92 6
Impulsivität 98 7
Gesamtwert 98 32

Zusammenfassend liegt nach dem ADHS-SB ein erhöhter Schweregrad vor im Bereich:
Aufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität

Zudem wurde mit dem Patienten das WRI (Wender-Reimherr-Interview) durchgeführt.
Hierbei werden Beschwerden der Folgenden Kategorien exploriert:
Aufmerksamkeit, Überaktivität, Temperament, Affektive Labilität, Emotionale Überreagibilität,
Desorganisertheit und Impulsivität.
Hinweise auf die Diagnose einer AD(H)S liegen dann vor, wenn
mindestens eines der Hauptkriterien (Aufmerksamkeit oder Überaktivität)
sowie
mindestens 2 der übrigen Nebenkriterien (Temperament, Affektive Labilität, Emotionale
Überreagibilität, Desorganisertheit und Impulsivität)
erfüllt sind.
In den folgenden Bereichen wurden die Kriterien ausreichend erfüllt:
Hauptkriterien: Aufmerksamkeit
Nebenkriterien: Temperament
Das Ergebnis weist somit nicht auf AD(H)S hin.

Beck-Depressions-Inventar (BDI-II):
Das Beck-Depressions-Inventar (BDI-II) wurde von dem o.g. Patienten selbstständig
bearbeitet. 0-12 Punkte: Keine depressive Symptomatik, bzw klinisch nicht relevant, 13-19
Punkte: Leichte depressive Symptomatik), 20-28 Punkte: Mittelschwere depressive Symptomatik, 29-63 Punkte: Schwere depressive Symptomatik.
In diesem 21 Items umfassenden Fragebogen ergibt sich bei dem Patienten ein Summenwert
von 13.
Dies deutet auf das Vorliegen leichter depressiver Symptome hin.

Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest (D2-R):
Der Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest (D2-R) ist ein standardisiertes Testverfahren,
welches der Messung von Konzentration bei Aufgaben, die Aufmerksamkeit verlangen
(konzentrierte Aufmerksamkeit) dient.
Er erfasst die Konzentrationsfähigkeit der Testperson sowie die Schnelligkeit und Genauigkeit
bei der Unterscheidung ähnlicher visueller Reize (Detail-Diskrimination).
Der Patient arbeitete während der Testung motiviert und konzentriert mit.

Ergebnisse:

Bereich Rohwert Prozentrang / Standardwert Beurteilung
Konzentrationsleistung (KL) 107 1 / 78 stark unterdurchschnittlich
Tempo (BZO) 147 18 / 91 unterdurchschnittlich
Sorgfalt (F%) 27 8 / 86 unterdurchschnittlich
Auslassungsfehler 8
Verwechslungsfehler 32

Insgesamt ergeben sich bei dem Patienten 8 Auslassungsfehler und 32 Verwechslungsfehler,
davon 0 Buchstabenverwechslungen.

Zusammenfassung:
Abschließend wurden die Kriterien der ADHS-Symptomatik im Rahmen des HASE Verfahrens
nicht vollständig erfüllt.
Die Auswertung der vom Patienten ausgefüllten Selbstauskunftbögen liefert zwar Hinweise
auf eine ADS Symptomatik, jedoch ergeben sich im Interview und in der Gesamtbeurteilung
des HASE keine ausreichenden Hinweise auf das Vorhandensein einer AD(H)S Diagnose. Der
Patient befindet sich zurzeit in kognitiver Verhaltenstherapie, welches die Symptomlast bei
ADHS signifikant reduzieren kann und mit berücksichtigt werden muss.
Im D2-R ergaben sich deutliche Hinweise auf Konzentrationsstörungen, was in die
Therapieüberlegungen miteinbezogen werden muss.
Im BDI ergab sich bei dem Patienten ein Summenwert von 13. Dies deutet auf das Vorliegen leichter depressiver Symptome hin.
Eine ggf. depressive Symptomatik muss als konkurrierender Faktor bei Konzentrationsstörungen in die Therapieüberlegungen einbezogen werden.

Allgemeiner Hinweis zur Therapie:
Die Testverfahren können nicht mit der abschließenden klinischen Diagnose gleichgesetzt
werden, sondern bieten lediglich zusätzliche Informationen, die zu dem End- und
Gesamtergebnis klinischer, evidenzbasierter Diagnostik beitragen können. Ein Anspruch auf
eine bestimmte Behandlung ergibt sich daraus nicht. Eine Therapieentscheidung muss durch
einen erfahrenen Arzt nach eigener Urteilsbildung und unter Beachtung möglicher weiterer
Aspekte erfolgen.
Bei ADHS kommt der eigenen Strukturierung, Tagesplanung, Vermeidung von Reizen,
Vermeidung von stimulierenden Faktoren (Koffein, Energy-Drinks, Lebensmittelfarbstoffe,…),
regelmässig ausreichender Schlaf, gesunder Lebensstil, Sport die wichtigste Rolle zu.
Bei Krankheitswert kann therapeutische Hilfe erforderlich sein. Bei Vorliegen anderer
psychischer Erkrankungen steht evtl. deren Behandlung im Vordergrund.
Erst an allerletzter Stelle stehen Medikamente für AD(H)S.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht so recht, was ich damit jetzt machen soll, denn ich kann nicht nachvollziehen, weswegen das Nebenkriterium Desorganisiertheit im WRI nicht erfüllt sein soll, da ich vor allem deswegen überhaupt eine ADHS-Diagnostik habe durchführen lassen und die diesbezüglichen Fragen im Interview entsprechend beantwortet habe. Klar, das kann mir jetzt hier auch keiner sagen :slight_smile: . Würde mich allerdings schon interessieren, wie die Auswertung des WRI genau aussieht, das liegt mir nämlich nicht vor.

Das Problem ist nun, dass ich für eine Besprechung des Testergebnisses ein weiteres Gespräch in der Praxis vereinbaren müsste, das mich wieder 75,- Euro kosten soll. Zudem würde das Gespräch nicht mit der Psychologin, die das Interview etc. durchgeführt hat, geführt werden. Wie auch das Vorgespräch zur Testung würde die Nachbesprechung mit einer Neurologin erfolgen (klar, die haben auch ein bisschen psychiatrisches Wissen), die allerdings mit der eigentlichen Testung und Diagnostik nicht das geringste zu tun hat und mir darüber hinaus noch grundunsympathisch ist. Bereits im Vorgespräch wollte sie alle geschilderten Symptome auf eine neurologische Grunderkrankung zurückführen, die ich in meiner Aufregung leider erwähnt hatte.

Rückfragen zur Diagnostik außerhalb dieses erwähnten kostenpflichtigen Termins werden durch das Praxispersonal konsequent abgewehrt.

Vielleicht hat ja jemand einen Rat oder einen Gedanken dazu, was ich jetzt damit weiter anfangen soll und möglicherweise ist ja der Aufbau des Testergebnisses für einige Leser:innen interessant!

Danke schonmal!

Warum sie schließlich so oder so entschieden haben, ist anhand solcher Abschlussberichte eigentlich nicht zu entschlüsseln.
Vieles sind oberflächliche Begriffe, aber auf die Details kommt es an.
„Desorganisiertheit“ kann z.B. ein Symptom der Schizophrenie sein, wenn sie eher auf einem Verlust von Logik und einem Verschmelzen sämtlicher Gedanken beruht, statt auf gedanklicher Sprunghaftigkeit oder einer Schwäche Abläufe in die richtige Reihenfolge zu bringen, wie bei ADHS. Bei „emotionale Überreagibilität“ macht es einen riesigen Unterschied, ob sie nur in sozialen Situationen vorkommt oder ob verschiedene Stressoren hineinspielen.

Temperament, welches Temperament usw…?

Die entscheidenden Fragen bleiben hinter einem allgemeinen Psychologen Jargon versteckt, was wahrscheinlich auch beabsichtigt ist.

Du könntest dir evtl. eine Zweitmeinung einholen?

1 „Gefällt mir“

Das klingt plausibel, vermutlich spielt schon mit rein, dass psychische Beschwerdebilder oft nicht sehr trennscharf unterschieden werden können.

Wegen Zweitmeinung hatte ich auch schon überlegt, leider ist die Praxis die einzige, die ich in meiner Region gefunden habe und die eine Diagnostik zu einem fairen Preis anbietet. Institutsambulanzen etc haben alle ihre Wartelisten gesperrt oder sind auf die Versorgung des direkten Umkreises (zB ZI in Mannheim) beschränkt.

Meine Therapeutin (bei der ich offiziell wegen Dysthymie in Behandlung bin) macht leider keine Diagnostik und selbst wenn, bräuchte ich ja noch eine:n Psychiater:in, der/die dabei „mitmacht“, denn an einem Versuch der Medikation wäre ich schon interessiert. Meine aktuelle Psychiaterin „hält im Allgemeinen nichts von der Mode-Erkrankung ADHS“ und es sei ja auch jeder plötzlich autistisch. Mangels Alternative muss ich sie mir allerdings warm halten, denn ab und an mal ein paar Monate Bupropion war bisher das einzige, was mir annähernd mit meinen Beschwerden geholfen hat.

1 „Gefällt mir“

Einfach ist eine Unterscheidung bei Depressionen wirklich nicht. Es gibt auch eine große Uneinigkeit darüber, ob man zuerst die Depression und dann die ADHS behandeln sollte oder umgekehrt.

Die Situation in den Spezialambulanzen ist festgefahren und bei euch in der Region ist es besonders schlimm. Ich hab keine Ahnung, wie sich zukünftig entwickeln wird. :roll_eyes: