Hallo Flughund
Deine Erfahrungen erinnern mich sehr an meine eigenen. Ich wurde im Juli mit ADHS diagnostiziert, und Autismus wurde, wie bei dir, verneint. Ich befinde mich irgendwo in der Schnittmenge zwischen beiden Diagnosen, aber laut Fachperson liesse sich alles mit ADHS erklären, das angeblich sehr eindeutig sei.
Für mich passte das überhaupt nicht, und ich hatte ganz ähnliche Überlegungen wie du. Ich glaubte ebenfalls, dass es bei mir eine Kombination aus beidem ist. Vieles, was du beschreibst, klingt nach meinem Verständnis auch bei dir nach einer Mischung aus ADHS und Autismus. Wenn dann noch Hochbegabung dazukommt, weiss ich von Betroffenen, dass das die Diagnostik zusätzlich erschwert. Hochbegabte sind besonders gute Maskenbauer 
Im Oktober habe ich dann noch einmal separat eine Autismus-Testung gemacht, und die Fachperson konnte mir sofort sagen, dass Autismus bei mir sehr klar vorhanden ist. Übrigens wurde bei mir schon vor einigen Jahren eine ADHS-Testung durchgeführt, die damals negativ oder nur grenzwertig ausfiel, und dann nicht weiterverfolgt wurde. Ähnlich wie bei dir auch.
Dein Gefühl, dass die eine Diagnose nicht passt, ist entscheidend. Bei mir war es genauso: Nach der ADHS-Diagnose spürte ich keinerlei Erleichterung, weil ich wusste, dass mir damit Unrecht getan wird. Auch Methylphenidat hat bei mir keine Wirkung gezeigt. Ich fühlte mich auch überhaupt nicht aufgehoben oder wohl während der Testung. Das hat in mir das Maskieren nur noch mehr provoziert.
Ich habe schliesslich einen ausführlichen Bericht geschrieben, in dem ich alle Autismus-Kriterien mit vielen Beispielen aus meinem Alltag belegt habe, und habe diesen dann zur erneuten Testung mitgenommen. Es hat mir sehr geholfen, dass diese Abklärung anders verlief und die Fachperson sich mit maskiertem Autismus auskannte. Falls du noch einmal eine Abklärung machen solltest, geh unbedingt zu jemandem, der das erkennen kann. Es gibt Kliniken, die noch nach veralteten Vorgaben arbeiten, und dort fallen hochfunktionale Autist*innen oft in einen Graubereich. Hätte in meinem Fall die auf Maskierung spezialisierte Person gesagt, ich hätte keinen Autismus, dann hätte ich das auch so angenommen und akzeptiert.
Ich hoffe, dass ich dir mit meinen Erfahrungen ein Stück weiterhelfen konnte, auch wenn ich natürlich nicht sagen kann, ob eine andere Fachperson dir tatsächlich die Diagnose stellen würde oder ob sie letztlich zutrifft. Viele Menschen in den Kreisen, in denen ich mich bewege, sind jedoch der Meinung, dass wir uns selbst am besten kennen, und dass sich niemand freiwillig oder aus Spass heraus eine so tiefgreifende Diagnose wie Autismus wünscht.
Alles Liebe 