Dialekte & Grammatik

Wegen den anderen thread, hier mal ein Zitat, um dit Thema uff’n Tisch zu bringen:

Der Berliner/Brandenburger Dialekt zeichnet sich ja insbesondere durch die Verwendung falscher Grammatik aus. „Mir und mich verwecks’le ick nich, dit kommt bei mich nicht vor.“ Tatsächlich habe ich mit mir/dir und mich/dich manchmal Probleme. Oder auch mit der Verwendung von „ausgeschalten/ausgeschaltet“, „aufgehangen/aufgehängt“ „geflüchtet/geflohen“.

Außerdem gibt es ja auch regionale Unterschiede in der Verwendung von Bezeichnungen: was man in Berlin Eierkuchen nennt, heißt anderswo Pfannkuchen und was wir Pfannkuchen nennen, heißt anderswo Berliner. :nothere Brötchen heißt bei uns Schrippe, eine Brotscheibe Stulle. Oder - das ist schon eher Altberlinerisch: Schwester/Bruder = Keule/Atze.

Naja, jedenfalls dachte ich, das ist vielleicht ein interessantes, vielleicht auch lustiges Thema, zu dem vielleicht auch andere beitragen möchten. :mrgreen:

Uuuuhhh ganz schwierig, das rall ich auch nie!

Eigentlich ist ja sprachlicher Ausdruck eine meiner Stärken, aber der Teufel ist ein Eichhörnchen

Ein besonderes Faible habe ich für Berliner Schnauze und Norddeutsch. Deine Beispiele lesen sich mit der Stimme im Kopf auch zu gut, tosh :lol: Muss da an das Klopslied denken, das in einem Gedichtbuch aus meiner Kindheit stand: Ick kieke, staune, wundre mir…

Norddeutsche Favourites, aber das sind mehr Vokabeln: klönen, schnacken, vertüddeln.
Was Satzbau angeht, fällt mir nur die Eigenheit ein, dass im Norden Zwiegespräche immer so nacherzählt werden: Ich sach, das war so. Sacht Paul, nee stimmt nicht. Ich sach, doch das war so, Paul.
Während ich sowas vermutlich eher folgendermaßen ausdrücken würde: Dann hab ich gesagt: das war so. Aber Paul hat gesagt: nee stimmt nicht. Und ich so: doch das war so, Paul.

Das ist etwas kompliziert ausgedrückt, Linguist:innen sind da sicher mit präziseren Fachbegriffen ausgerüstet.

Komme zwar weder aus Berlin, noch aus dem Norden. Meine Großeltern haben aber fließend Plattdeutsch gesprochen.
In Natura hört man mir angeblich keinen Regionalbezug an

Soweit ich weiß, ist bei „wegen“ sowohl Genetiv als auch Dativ richtig. Es gibt aber sicher Stellen im Internet, wo man das nachlesen kann.
Edit: Der Duden sagt, Genetiv ist richtig, Dativ „umgangssprachlich“. <LINK_TEXT text=„https://www.duden.de/rechtschreibung/we … bezueglich“>Duden | wegen | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft</LINK_TEXT>

Exzessiv Grammatik falsch zu nutzen, reklamieren mehrere Dialekte für sich, nicht zuletzt das Ruhrpottdeutsch.

Es findet sich die typisch niederdeutsche und niederländische Kasusunsicherheit, wie sie auch das Berlinerische hat. Dabei verschwindet die Unterscheidung zwischen Dativ und Akkusativ: Gib mich den Tee.
Ruhrdeutsch – Wikipedia

Ich habe bei dir jedenfalls nichts gehört. Und ich werde auch nicht gleich mit einer bestimmten Gegend identifiziert.

Aber ist das gut oder schlecht? Individualität ist ja eigentlich eine gute Sache.

Meine Mutter hat ihre Heimatregion in ihren 20-ern verlassen, aber man hörte ihr ihre Herkunft ihr ganzes Leben lang (sie wurde 86) an.

Aber kein Vergleich zu den Verwandten, die dort tatsächlich ihr ganzes Leben verbrachten, bei denen ist/war es noch viel deutlicher.

Ich selbst wohne 24 Jahre nicht mehr dort, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Und Leute von dort zu hören, macht mir ein nostalgisches Gefühl, wie nach Hause kommen. Aber gleichzeitig kommt es mir ein Bisschen provinziell vor, nie wegzugehen.


:lovedumb

Das Wort ist sicher mal die Rettung bei Scrabble, wenn man zu viele Ss und Us zieht.

Ich habe den Duden in der Schule gehasst und sah in der Grammatik und dem ganzen Hokus Pokus ehrlich gesagt immer nur die reine Schikane.
Wenn man, wie ich aus den ehr „ländlichen“ Gegenden des Südens im deutschsprachigen Raum stammt, wächst man mit vielen Dialekten auf, die zwar grosse Ähnlichkeiten aufweisen, als Beispiel zwischen „Alamannisch“ und „Schwyzerdütsch“ genannt, und gleichzeitig gibt es doch grosse Unterschiede in Aussprache, Ausdrücken, Bedeutung und so weiter, die von Region, oder auch Kanton zu Kanton unterdchiedlicher nicht sein könnten.

In früheren Zeiten hörte man anscheinend sogar aus welchem Dorf man stammte. :lol:
Dasselbe habe ich über die englische Sprache gehört, oder auch die französische und andere Sprachen auf der Welt.

Aber dann kam die „Vereinheitlichung“ die zum Verständnis „aller“ einer Sprache führen sollte, das sowohl Staatsbürger als auch Ausländer einfacher miteinander in Schrift und Sprache kommunizieren können.

Der Gedanke dahinter ist eigentlich gut, aber ich für meinen Teil störe mich sehr daran, das dadurch Dialekte immer mehr verschwinden, praktisch aussterben.

Denn Sprache ist soviel mehr als Perfektionismus und Grammatik, Sprache ist auch lebendig, oder eben auch Identität.

Ich kann hier nicht viel mitreden, aber bin echt froh in Münster gelandet zu sein. Ich finde die Menschen hier sprechen sehr sauber und verständlich Deutsch. Es gibt auch Dialekte hier, aber ich habe noch keinen begegnet, der welche spricht.

Obwohl ich bald 20 Jahre hier bin, verstehe ich manche deutsche Schauspieler fast null. Dann schalte ich die Untertitel.
Wenn aber nicht deutsche Filme/ Serien auf Deutsch synchronisiert sind, verstehe ich zu 99% alles, das Gleiche beim Radiohören.

An sich finde ich Deutsch sehr schwer ( ich Artikel hasse), aber an sich wunderschön.

Also so ganz persönlich finde ich es individualistischer nicht auf der Mundart meiner Heimart hängen zu bleiben, fast emanzipatorisch. Also ich habe das Gefühl, nicht schon beim öffnen des Mundes große Assoziationsketten beim Gegenüber aufzumachen, sondern durch Inhalt ausgestalten zu können, wer ich bin. Aber was da für Abgrenzungsmechanismen dahinter stecken… nicht allgemeingültig.

Stimme ich dir total zu! Und über die tatsächliche „Richtigkeit“ lässt sich auch steiten. Sprache verändert sich ja ständig und wird durch Sprechakte wieder geformt. Da kann man nicht strikt sagen „so wie die sprechen, ist es falsch“ es ist schlichte Konvention.

Ich schwanke total zwischen zwei Extremen: Auf der einen Seite finde ich einen präzisen sprachlichen Ausdruck total wichtg und gut und renne auch wie eine kleine Steberin rum und korrigiere andere (DAS HEIßT ISS UND NICHT ESS).
Auf der anderen Seite faszinieren mich ja all diese kleinen feinen Unterschiede in Regionen und Altersklassen und Milieus.

Bei Dialekt gucke ich glaube ich kritischer hin, weil es so konservativ anmutet. Früher wär ich so weit gegangen das inzestuös zu nennen :rotwerd
Also wenn sich eine Sprachgruppe so vor Veränderung und Neologismen verschränkt, finde ich das schade. Aber gleichzeitig ist der Erhalt von Sprachtraditionen super wichtig.

Richtig spannend wird es dann bei Jugendsprache (:

Und das ist das Problem. Wer so individualistisch sein möchte, nicht auf seine Heimatregion festgelegt zu werden, hat nur ein mehr oder weniger neutrales Hochdeutsch zur Verfügung. Sich einen anderen Dialekt aneignen, so wie man Kleidung, Frisur oder Bart wechselt, gelingt nicht oder wird schlimmstenfalls peinlich.

Das heißt, aus gewolltem Individualismus wird das Gegenteil von Individualismus.

Oh ja, das kenne ich. In meiner Umgebung führe ich einen aussichtslosen Kampf gegen „gewunken“. Das heißt natürlich gewinkt, aber ständig höre ich dieses falsche Wort, das tut richtig weh. Sogar meinen Sohn muss ich alle paar Tage korrigieren.

Ich denke, das ist ein Unterschied zu Dialekten. Wer als Ruhrdeutscher oder Berlindeutscher falsche grammatische Formen benutzt, weiß oder ahnt wenigstens, falsch zu sprechen, das finde ich gar nicht so schlimm.

Haha, Inzest, das ist gut. Ich habe eine (Bundesland)in geheiratet und mit ihr zusammen (Bundesland) verlassen. Und zwei Kinder bekommen, für die (Bundesland) im Wesentlichen der Wohnort der Großeltern ist.

Die werden niemals den Dialekt von dort sprechen, ich aber auch nie den Dialekt von hier. Nur einzelne Ausdrücke oder Formulierungen übernehme ich von hier, die woanders Befremden auslösen und die ich auch anfangs belächelt habe.

Ja, diese Sache mit diesen vielen verschiedenen Artikeln… Finde Kaya Yanar’s Interpretation dazu ganz toll :totlach

Ich finde Dialekte ganz toll. Man wächst somit schon fast zweisprachig auf :lol: dohoim hemmer ämmer geschätzt und in der Schule gesprochen. War immer ganz lustig, wenn dann mal jemand aus der Schule zu mir nach Hause kam und fragen musste, was ich da gerade mit meinen Eltern gesprochen habe.
Und man hört tatsächlich raus, dass die von 10 km Entfernung nicht von hier sind.
Und dann kommt Schwager zu Besuch und sagt: ik mack mal Stullen… Oder so ähnlich :lol: :lol: ich find das klasse. Das ist doch das, was die verschiedenen Regionen ausmacht.

Wir sprechen hier feinstes Hochdeutsch, aber mein Opa hat immer etwas Bauernplatt gesprochen.
Inzwischen weiß ich das es offiziell ein ostphälischer Dialekt war.
Mich verorten die meisten in die neuen Bundesländer oder nach Berlin. Warum auch immer.

Für Dialekte bin ich aber recht anfällig, wenn ich zulange mit Freunden aus Nürnberg zu tun hatte bin ich regelmäßig beim heimischen Bäcker reingelaufen und wollte „4 Weck’la und zwei Brez’n!“.