Ich verstehe nicht ganz, wo ich mich hinwenden müsste, um eine Diagnose zu bekommen - welche, weiß ich ja vorher nicht (ADHS- und Autismus-Selbsttests zeigen schon ziemliche Tendenzen, aber der STRESS, den ich weghaben will mit ner Therapie/Medikation könnte ja auch ganz woanders her kommen?).
Ich habe mich an eine Nervenärztliche Praxis gewandt. Auf deren Webseite liest man nur von ADHS-Diagnostik, nicht von anderen Diagnostiken. Ich habe dort gefragt, ob das dann eine „Differentialdiagnostik“ ist. Antwort war: Nein, wozu denn?
Da ich nicht weiß, was ich habe, an welche Stelle soll ich mich wenden, um eine Diagnose zu bekommen? Ich war mal (um eine Heilmittelverordnung für Sozialtraining oder wie das heißt zu bekommen) bei einer Psychiaterin und hab ihr erzählt, dass ich schon mal ne Therapie wegen meinem Dauerstress gemacht hab (die aber nicht geholfen hat), würde es auch eventuell nochmal versuchen, aber sie meinte: Ach was, ich schreib Ihnen hier jetzt mal auf, was Sie wirklich brauchen: „Musik, Schreiben, Bewegung. Jeden Tag 30 minuten zügig laufen.“ Hääää?? Wie komm ich an eine Therapie, wo ich a) eine Diagnose bekomme (will wissen, was ich eigentlich hab und außerdem Medis, wenn es gibt, gegen den Stress) und b) die nicht son Quatsch erzählen? (Ok klar ist Bewegung und Musik und so wichtig, aber darum geht es nicht. Ich habe ihr ja erzählt, dass ich all das in den letzten Jahren schon selber extrem verbessert hab)…
Eine ordentliche ADHS-Diagnostik ist eigentlich immer auch eine Differentialdiagnostik. Andere Ursachen auszuschließen gehört fest dazu. Wenn die Praxis da nur „wozu denn?“ sagt, würde ich mir eher eine andere suchen.
Was Du suchen kannst:
eine ADHS-Ambulanz für Erwachsene an einer Uniklinik oder einem größeren Bezirksklinikum. Die schauen meist breiter hin und haben auch Autismus auf dem Schirm.
eine Autismus-Ambulanz für Erwachsene, falls der Verdacht stark ist. Die Wartezeiten sind leider oft lang, also am besten gleich auf die Liste setzen lassen.
einen Psychiater oder Psychotherapeuten, der ausdrücklich ADHS und Autismus im Erwachsenenalter diagnostiziert. Am Telefon direkt fragen, ob beides abgeklärt wird.
Beim Anmelden würde ich gleich sagen: „Ich möchte ergebnisoffen abklären lassen, ADHS, Autismus oder was anderes.“ Dann weiß jeder sofort, worum es geht.
Und ja, Bewegung und Musik helfen, aber das ersetzt halt keine Diagnose.
das ist natürlich logisch, niemand weiß ja vor der Diagnose, was sie/er hat.
Die ADHS-Diagnose ist die potenziell hilfreichere, weil sie der Schlüssel ist zu ADHS-Medikamenten. Zu wissen ob man Autismus hat wäre zwar nicht unwichtig, aber spezielle Autismus-Medikamente gibt es so nicht.
Andererseits kann das auch dafür sprechen, dass sie nur das machen, was sie können. Wichtig wäre vor allem, dass sie nicht der Hammer sind, für den dann jedes Problem zu schnell ein Nagel ist.
Stress ist als Symptom so unspezifisch. Das wird kaum eine Praxis „differentialdiagnostisch“ aus einer Hand bearbeiten Richtung Herz, Schilddrüse, Hormone, was auch immer.
„Musik, Schreiben, Bewegung“ mag zu simpel zusammengefasst sein. Gleichzeitig ist es anspruchsvoll genug, überhaupt erstmal in einer auf ADHS spezialisierten Anlaufstelle einen Termin zu kriegen, um herauszufinden, ob es das sein kann oder nicht bzw was hilft und was nicht.
Ob es im EInzelfall angezeigt ist, dass dort noch Blutbild, EKG usw angefordert werden, sieht man dann.
Danke. Ich glaube halt, es müsste untersucht werden, ob meine Angststörung - wenn es eine ist - nicht einfach für den Stress verantwortlich ist. Oder von mir aus Schilddrüse oder so… Aber da ich nicht dick bin und keine solchen Symptome habe, glaube ich das eher eh nicht… Aber keine Ahnung. Ich denke mir halt, wozu 350 Euro für ne ADHS-Diagnose ausgeben, die ich dann nicht bekomme (da meine Grundschulzeugnisse sehr gut bin, bin hochbegabt und damals war alles noch kein Problem, anscheinend. Die Probleme fingen erst ein zwei Jahre später an)…
Danke, hatte ich schon gesehen… Ich weiß halt irgendwie eigentlich nicht, wie eine Hochbegabung jetzt noch solche Symptome hervorrufen kann. Klar, eine UNENTDECKTE Hochbegabung schon, nämlich, wenn du als Kind in der Schule sein musst, obwohl das nicht das Richtige ist für dich. Möglicherweise sind bei mir die Symptome ja deswegen entstanden. Aber jetzt bin ich ja nicht mehr unentdeckt (auch nicht mehr so hochbegabt, das verliert sich ja über die Jahre immer mehr, zumal mit exzessivem Alkohol und Cannabiskonsum…). Da hätten die Symptome über die Jahre, die ich schon trocken bin, ja irgendwann mal weggehen müssen. Da das nicht passiert ist (bin seit 15 Jahren ohne Kiffen und seit 9 Jahren oder so ohne Trinken), frage ich mich halt jetzt, was ich selber noch tun kann. Vielleicht nix und ich brauche eine Therapie - nur wofür, wogegen…?
genau das finde ich den spannenden Punkt: 15 bzw. 9 Jahre sauber, und die Unruhe ist immer noch da. Dann war sie vermutlich nicht die Folge vom Trinken und Kiffen, sondern schon vorher da. Viele mit ADHS landen genau da, weil Alkohol und Gras die innere Unruhe eine Zeit lang dämpfen. Selbstmedikation nennt man das. Habe ich ja 2 Jahrzehnte lang selbst so gehandhabt. Bzw. Mache ich das mit CBD ja auch noch heute.
Die Hochbegabung selbst macht die Symptome eher nicht, die hilft nur, sie lange zu überspielen. Und so schnell verliert die sich übrigens auch nicht.
Deine Frage „Therapie wofür, wogegen?“ ist eigentlich die beste Begründung für eine Diagnostik. Genau das soll die ja klären. Erzähl dort ruhig offen von Deiner Suchtgeschichte, das ist für die Einschätzung wichtig und auch dafür, welche Medikamente in Frage kommen.
Ja, nur weiß ich nicht, wie ich eine Stelle finden soll, die PTBS (?)/Angststörung, Hochbegabung, ADHS, Atismus… (noch mehr??) auf einmal diagnostizieren könnte. In meiner Umgebung finde ich nur Praxen, die ein oder maximal zwei von den Sachen „können“. Also wie eine „Differentialdiagnose“ erhalten? - Übrigens, hier auf der Webseite hab ich davon gelesen, dass die Symptome von Hochbegabung und ADHS sich so sehr gleichen…
Die eine Stelle, die alles auf einmal macht, wirst Du wahrscheinlich nicht finden. Muß aber auch nicht sein. Bei einer ordentlichen ADHS-Diagnostik gehören Angst, Trauma und Depression sowieso mit auf den Tisch, weil die ähnlich aussehen oder oft dazukommen. Die Hochbegabung ist ja schon festgestellt, die braucht keine eigene Abklärung mehr. Schilddrüse und Blutbild kann der Hausarzt nebenher machen.
Ich würde also mit dem anfangen, was Dir am wahrscheinlichsten vorkommt, und dort offen alles erzählen, auch die Angst und die Hochbegabung. Wenn sich dabei Richtung Autismus was zeigt, wirst Du weiterverwiesen.
Und daß sich Hochbegabung und ADHS ähneln, heißt nicht, daß das eine das andere ausschließt. Es gibt beides zusammen, und dann fällt das ADHS oft besonders spät auf.
Danke. Ich bin mir nicht so sicher, ob ADHS so wahrscheinlich ist. Wenn ich so einen Selbsttest mache, gibt es viele Fragen, wo ich mir gar nicht sicher bin ob ich „eher ja“ oder „eher nein“ ankreuzen soll… Wenn sonst nix da steht, bezieht sich so ein Test wohl auf die Jetztzeit. Da müsste ich also ankreuzen: nicht unordentlich, vergesse keine Termine. Ja, aber warum? Früher war ich ständig bedroht vom Chaos und habe alle Termine vergessen, deswegen hab ich halt mit der Zeit Systeme ausprobiert und verworfen, jetzt hab ich einen Kalender, in den ich die Sachen eintrage, das hatte ich vorher nicht. Auch „normale“ Menschen haben ja Kalender für so was. Mit Kalender bin ich nicht verpeilt, nur ohne. Und vorher war es sehr schwierig, drauf zu kommen, dass ich einen Kalender (und welchen) brauche. Das hat Jahrzehnte gedauert.
Nach meiner ADHS Diagnose tauchten aufgrund eines Auslösers PTBS Symptome auf. Mein Psychotherapeut, der ADHS diagnostiziert hatte bei dem ich auch noch in Behandlung war hatte mich dann in eine Traumambulanz überwiesen . Die Therapie hatte ich dann bei ihm pausiert. Meine Traumaärztin hätte wiederum keine ADHS Diagnostik machen können.
Die ADHS Diagnose hat sie aber in ihre Diagnsotik und Therapie wiederum mit eingebunden.
Hochbegabung ist ja in dem Sinne keine Diagnose, kann man nicht „diagnostizieren“ sollte aber diagnostisch und therapeutisch mit bedacht werden.
Ich bleibe leider mit Kalender immer noch verpeilt und vergesse reinzuschauen , schaue falsch rein, bin mir sicher reingeschaut zu haben oder trage Termine falsche ein etc….
wegen Kalender: ich schaue ständig rein. Ich kontrolliere überhaupt sehr häufig und mehrfach alles mögliche, achte auf die Uhrzeit etc… Das ist schon anstrengend. Vielleicht ist bei mir die Anstrengung höher als bei normalen Menschen, bei ähnlichem Outcome.