Dopamin und Wechseljahre - Medis ja oder nein?

Liebe Frauen!

Der Themenkomplex Wechseljahre war ja jetzt schon ein paar Mal dran, ich finde aber noch nicht das, was ich suche :slight_smile: Meine Symptomatik ist zur Zeit eigentlich ganz gut auszuhalten, ich hab mich angefreundet und zum Glück ein gutes Umfeld in Job und privat, so dass alles auszuhalten ist. Wechseljahre im Prinzip auch. Aber mir fällt eines extrem auf und es belastet mich: Ich fühle quasi nichts mehr.

Also im Vergleich zu „früher“ - ich habe immer sehr von meinen Gefühlen gelebt, und auch wenn es Vorteile hat, jetzt etwas ruhiger zu sein, habe ich mich sonst auch verliebt wie sonst keine zweite, hatte enormen Sex-Drive und habe ich das und meine Gefühlsintensität im Prinzip (trotz aller Achterbahnen, hehe) sehr genossen. Ganz typisch habe ich mit Sex Dopmaninrausch und Verbundenheitsgefühle gesichert und das hat mich stark motiviert.

Nun ja und nun merke ich seit etwa 1-2Jahren, dass die Kandidaten zwar hin und wieder da sind, aber ich einfach nichts mehr spüre beim Flirten oder bei körperlichen Begegnungen. Also zusätzlich zu physischen Schwierigkeiten wie Trockenheit und Orgasmusschwierigkeiten spüre ich auch emotional kein Kribbeln, keine Aufregung und keine Sehnsucht, diese ganzen Verknalltheitsgefühle fehlen mir extrem und das behindert nicht nur die Partnersuche, sondern demotiviert auch insgesamt. Und ich kenne mich eher so, dass ich mich alle 3 Monate neu verknalle und die Begegnungen sind zuweilen auch wirklich perfekt und trotzdem - es passiert bei mit emotional nichts.

Ich frage mich, ob es hier einen Zusammenhang gibt zu ADHS-Medikation für mehr Dopamin und es vielleicht sinnvoll sein kann, in die Medikation einzusteigen, um einfach wieder was zu fühlen? Kennt das jemand, dieses Gefühl der „emotionalen Leere“?

Eher nicht. Das deutet eher in Richtung Wechseljahrssymptomen :wink:

Schau mal, hier Libidoverlust und Ursachen - Wechseljahre-Verstehen.de

ja, dass es diese Symptome wechseljahrsbedingt gibt, ist mir klar, ich frage mich nur, ob das auch die nachlassende Emotionalität erklärt. Und ich vermisse das ja total! Ist das dann noch ein Libido-Verlust, wenn ich dringend Lust haben will und theoretisch auch habe? Und die Libido-Thematik umfasst ausbleibende Gefühle nicht.

Ich lese von Frauen, die insgesamt sagen, dass sie das Thema einfach nicht mehr so interessiert, aber das ist bei mir ja gar nicht der Fall. Ich bin sehr interessiert :slight_smile: Und ich lese auch von Frauen, die sich auch noch als Seniorin verknallen wie Teenies.

Ich bin weder depressiv, noch übermäßig gestresst, ich komme einfach nicht weiter. Es betrifft auch nicht nur Männer, ich fühle insgesamt Schönes einfach nicht mehr so intensiv und die Gefühlsintensität war für mich bisher immer sehr zentral für alles. Im Bereich der Liebe & Sexualität belastet es mich aber am meisten.

Und hier frage ich mich, ob eher Hormone helfen und wieder ankurbeln oder ob ADHS-Medikamente helfen? Ich bin gar nicht scharf auf Pillen, aber der Leidensdruck wächst.

Wie war denn das bei Dir: Stand da was auf dem Preisschild des Schönen? Also gab es da diese Pendelbewegung, die hier auch viele kennen. Im Sinne von: Alles, was steil geht, kommt auch ähnlich rasant wieder runter?

Ich frage, weil ich mich oft ermahnen muss, die Vergangenheit nicht zu verklären und/oder selektiv wahrzunehmen. Wenn Du für jedes Hoch mit einem Tief bezahlt hast, dann könnte ich mir einen medikationsbedingten Ausgleich ohne diese großen Pendelausschläge durchaus vorstellen, oder ggf. auch Weisheit der Erfahrung.

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ja, haha, logo. Ich leb(t)e auf Achterbahnen :smiley: und ein bisschen war das jetzt ganz schön, etwas ausgeglichener zu sein, aber mittlerweile ist es belastend. Ich kenne das höchstens von Antidepressiva vor 20 Jahren, die habe ich auch abgesetzt, weil ich nichts mehr richtig fühlen konnte. Ich will das nicht, ich ziehe daraus meine Energie, Motivation und Lebensfreude.

Rein biologisch ist das schon erklärbar. Ein sinkender Östrogenspiegel erklärt es nicht nur, sondern die Natur hat sich ja auch etwas dabei gedacht (Thema Fortpflanzung) :wink:

Ja klar gibt es frisch verliebte Senioren, aber statistisch gesehen sehr viel weniger als 25Jährige.
Womit wir wieder bei der Biologie wären;-)

Es hat halt alles seine Zeit und nur die Veränderung ist beständig.

Hast du schonmal deinen Gynäkologen bezgl hormonellen Ausgleichs angesprochen? Das soll helfen, wenn ich richtig informiert bin.

Und ich stimme @Elementary zu: eine adhs Medikation ist definitiv einen Versuch wert!

Liebe Nisi,

hast Du mal mit einer Gynäkologin darüber geredet? Ich bin 52, nehme seit 4 Jahren Elvanse, bin seit 2 Jahren in einer festen Beziehung (nach 10 wilden Single-Jahren) und würde dazu tendieren, dass es nicht am ADHS liegt. Hast Du mal Deinen Hormonstatus, vor allem auch den Testosteron-Wert checken lassen?

Bei mir spüre ich einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Hormonrückgang und meinem Verhalten: Ich bin noch in der Perimenopause, merke aber sehr große Unterschiede zu vor ein paar Jahren. So war ich um den Eisprung herum immer sehr „paarungsbereit“, auch oft sehr kopflos und risikofreudig. Das ist weg. Und das wurde unter Elvanse auch eher weniger - ist jetzt nur so ein Gefühl. Und ich empfinde das nicht als Verlust. Es gibt jetzt nicht mehr diesen Impuls für Sex aus meinem Körper, der sich oft wie von außen/ ferngesteuert angefühlt hatte. Jetzt kommt die Lust mehr aus Liebe und dem Bedürfnis nach Nähe. Insgesamt hat die Lust bei mir nicht nachgelassen, sie hat sich nur verändert.

Bei mir haben auch sehr deutlich der Nestbautrieb und das Kümmern um andere nachgelassen. Da bin ich auch viel weniger emotional als früher.

Mein Leben war sehr turbulent und jetzt befinde ich mich in ruhigeren Fahrwassern - keine Dramen, alles geregelt, den Kindern geht’s gut. Es ist grad langweilig was Input von außen angeht. Das liegt aber auch definitiv an Elvanse - ich erschaffe nicht mehr so viele Dramen. Das ist DIE Gelegenheit, das Leben wieder selbst zu gestalten für mich.

Ich mache übrigens eine Hormonersatztherapie mit Progesteron, Estriol und Estradiol. Damit schlafe ich wieder gut, meine Knochen sind geschützt, ich schwitze nicht und trockne nicht aus. Mit dem Thema habe ich mich eingehend befasst, weil das Brustkrebsrisiko minimal ansteigt. Auf der anderen Seite ist Alkohol ein viel größeres und unterschätztes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Daher verzichte ich auf Alkohol.

An Deiner Stelle würde ich auf jeden Fall über ADHS-Medikamente nachdenken.
Und auf jeden Fall den Hormonstatus prüfen lassen, allein schon wegen Osteoporoseprophylaxe.

LG
H.

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Danke Dir für Hinweis! Ich hatte irgendwie ein Brett vor dem Kopf.

In einer Fortbildung ist mir dieser Aspekt von „Kümmern und Community-Building“ gerade wieder als Zeitfresser außer Kontrolle geraten, trotz Bewusstsein und bester Absicht.

Eine Freundin Mitte 60, Lehrerin im Ruhestand, gab mir dann in ihrer neuen Zen-Gelassenheit den Rat, sie habe das ja erst mit 60 gelernt, mehr bei sich zu bleiben und ihre Interessen in den Vordergrund zu stellen… Ich könne das doch jetzt von ihr schon früher lernen. (Mit einer gewissen Trauer von „Es dankt einem keiner, und am Ende ist man sowieso allein.“)

Habe ich im Kopf auch zu weiten Teilen nachvollziehen können, aber konnte es nicht umsetzen. Ich habe hin- und her überlegt, ob es an Dopamin liegt, usw.

Und als ich das bei Dir gerade las, wurde mir klar, was da reinfunkt. In gewissen Lebensphasen ist das wohl noch Anrennen gegen die Biologie. Vielleicht kommt man aber immerhin leichter an sich ran, wenn das als (Teil-)Ursache mit im Blick ist. Klar, das wird auch anerzogen und umlernbar sein, aber eben nicht nur.

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Hallo Mädels

ich möchte noch etwas ergänzen.
Wie ihr wisst bin ich zu Studienzwecken in der Uniklinik Köln und ein Gebiet ist die Gyn. Leider kenne ich auch die andere Seite und möchte immer aufklären, da das im Alltag der Ärzte logischerweise zu kurz kommt.

Achtet bei HET immer auf euer kardivaskuläres Risikoprofil, und lasst vor allem das Lipoprotein (a), die Gerinnung und euren Homocysteinspiegel messen!

Kein niedergelassener Arzt misst diese Werte üblicherweise, nur nach Ansprache und da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Gerade Lipoprotein (a) läuft meist völlig unter Radar.

Denn unter HET gibt ein Risiko des Anstiegs von kardiovaskulären Erkrankungen (KHK, Emobolien Schlaganfälle). Mit hohem Lipoprotein (a), LDL und Homocystein kann das sehr gefährlich sein.

Das Krebsrisiko unter HET und hormoneller Verhütung betrifft die Brust und Eierstöcke. Last euch auch hier engmaschig überwachen (zB 1x jährlich).

Ich möchte keine Panik verbreiten, es ist auch immer eine Einzelfallentscheidung, aber mir ist - aus persönlichen Gründen - sehr daran gelegen zu informieren.

Fühlt euch lieb umarmt und passt auf euch auf :hugs:

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so viel Hilfe, danke :face_holding_back_tears:

Und ich finde mich wieder in dem Gedankenkarrussell, dass ich zum Thema Ernährung/Figur halten lange hatte: Je tiefer ich eintauche, um so mehr verstehe ich die Komplexität des Körpers mit Psyche, Hormonen und externen Faktoren und mir wird schwindlig bei dem Gedanken, dass das alles aufeinander abgestimmt sein soll…

und jetzt geht es mir wieder ein bisschen so.

Ich bin weit entfernt von „naja, das ist nunmal so, muss man sich mit abfinden“ - wenn ich diesen Kanal in mir grundsätzlich offen hätte, würde mich das nicht so belasten (mit Falten oder etwas mehr wiegen und mehr Sport machen müssen zb hab ich gar kein Problem). Ich beobachte. Nicht zu unterschätzen ist auch der heftige Liebeskummer, der mich seit 1,5 Jahren quält, der bestimmtes Fühlen sicherlich auch einschränkt. Es gibt Tage, da ist mehr da, an anderen Tagen weniger. Der Zusammenhang zu mentalem Stress (Liebeskummer, Trauma, Alltagsgedöns, Arbeit) scheint mir auch deutlich zu sein. Immerhin da kann ich aktiv und ohne Nebenwirkungen was machen. Und dann mal sehen, wie sich alles entwickelt. Vielleicht bin ich in 6 Monaten so weit, das medizinisch zu untersuchen. Davor drücke ich mich derzeit noch stark, merke ich.