Dosierung Medikinet erhöhen? :(

Hallo zusammen,

Mein Sohn ist 7 und in der zweiten Klasse einer österreichischen Grundschule.
Er hat zu Beginn der ersten Klasse die Diagnose Hochbegabung und „leichtes“ (?) ADHS bekommen.
Er ist nicht unkonzentriert oder zappelig, sonder sehr impulsiv, lässt sich unfassbar leicht provozieren und gerät oft in Konflikte mit anderen Kindern, weil er sich überall einmischt.
Ansonsten ist er ein super Schüler, Klassensprecher und bei den Kindern an sich auch beliebt.
Er hat mit Medikinet retard gestartet und es von Anfang an gut vertragen. Die Wirklung war sofort da. Er war anfangs unterdosiert, lt. KJP, aber da es half, lief es so weiter bis die Lehrerin nach Absprache Bescheid gab, dass er wieder mehr in Konflikte gerät.
Daraufhin haben wir auf 10 mg retard morgens erhöht, was jetzt ein Jahr lang gut lief. Wir mussten allerdings vor einiger Zeit Medikinet unretardiert am Nachmittag (5mg) für Hobbies nachschieben, weil er auch hier impulsiver wurde.

Nun ist es wieder so weit, dass wir die Dosis für die Schule wohl erhöhen müssen. Es gab viele Konflikte in der Schule usw.

Warum fühlt es sich so schlecht an, ihm nun 15 mg retard am Morgen zu geben und teilweise noch 5 mg unretadiert am Nachmittag?? Ich weiß ja, dass es ihm gut tut und lt KJP darf er anhand seiner Größe und seines Gewichts 20 mg täglich nehmen.
Aber tatsächlich ist er recht klein und wächst nicht wirklich. Wie kann es dann sein, dass man morgens die Dosis erhöhen muss? Hat sein Gehirn sich an die 10 mg, die er ein Jahr lang bekam, gewöhnt?
Und wenn er nicht irgendwann bald mal an Größe zulegt, dann könnte man ja auch gar nicht mehr mit der Dosierung hinterher gehen, oder?

Ich bin wirklich verzweifelt und ängstlich, denn diese neue Dosis kommt mir so hoch vor? Oder ist das normal?

Tut mir leid fürs Jammern, aber vllt hat ja jemand ein tröstendes Wort und/oder einen Rat?

LG
Egypt

Das fühlt sich deswegen so schlecht an, Weil du als Mutter?/Vater? die Sorge hast damit dein Kind zu schädigen . Mit dieser Art an Medikation ist seit ewigen Jahren über den Mainstream viel negatives verknüpft worden inc. negative Botschaften an die Eltern, die sowas zu lassen.

Unabhängig dazu, es ist dein Kind und es ist richtig alles nochmal zu hinterfragen und nicht einfach zu machen .

Man kann natürlich auch umgekehrt fragen ob es richtig ist, dem Kind die passende Dosis aufgrund eigener Zweifel zu verwehren.

So aus eigener Erfahrung kann ich sagen: „Nur so halb passend dosiert , ist anstrengender/verwirrender als gar nicht oder leicht drüber.“

Das ihr Mittags noch 5mg gebt ist für euren Sohn vermutlich ein Gewinn, weil ihr auch damit den Rebound abpuffert . Nicht jeder Arzt hat im Blick , dass es auch noch ein Leben nach der Schule gibt.

Er nimmt doch eh die Medikamente und dann macht es Sinn die beste passende Dosierung zu finden.

Ihr müsst ja eh testen ob die 15mg überhaupt funktionieren.

Aber ich kann deine Sorgen nachvollziehen. Auch wenn ich schon lange die Medis nehme und für mich davon überzeugt bin hätte ich bei eigenen Kindern trotzdem ein leicht ungutes Gefühl .

Es geistern ja auch immer wieder Meldungen herum, dass MPH das Wachstum hemmen würde oder die Hirnentwicklung beeinflusst.
Ich habe keine Ahnung, ob da was dran ist oder nicht, aber zumindest gibt es auch Studien, die Entwarnung geben:

Medikinet wird nicht nach Gewicht verschrieben.

Sollte ein KJP eigentlich wissen… Von der Tageshöchstdosis seid ihr also noch weit entfernt.

Eine Erhöhung um 5mg retardiert(!) ist wirklich sehr wenig. Falls du dir Sorgen machst, dass das nun immer so weitergeht und ihr jedes Jahr erhöhen müsst: Das wird nicht passieren. Habe noch von niemandem gelesen, dem das passiert ist (und ich habe viel gelesen :upside_down_face:).

Das mit dem Nachmittag war auch keine Erhöhung, sondern eine sinnvolle Ergänzung, da das retardierte üblicherweise 5-6 h wirkt, und ADHS hat man den ganzen Tag. Ich würde sogar empfehlen, am Mittag auch retardiertes zu geben statt unretardiertes.

15mg ist übrigens überhaupt nicht speziell hoch, eher im unteren Bereich des „üblichen“.

Keine Ahnung ob dich das jetzt beruhigt? Ich würds einfach ausprobieren, und wenns ihm damit besser geht, dann ist es gut :+1:t2: Nur Mut! Zurück kann man jederzeit.

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Ich danke dir für deine Antwort und diesen Satz! Der hat tatsächlich etwas mit mir gemacht :heart:

Ich glaube, dadurch dass er halt kein Zappelphilip ist, ein sehr ordentliches und eigenständiges Kind ist, fällt es mir oft schwer zu verstehen, dass es wirklich ADHS ist, halt komplett auf der impulsiven Schiene.

Dadurch sehen andere (Lehrer, Freunde, Familie) es halt auch nucht so als ADHS an, befürchte ich. Weil man da halt automatisch immer noch an den Zappelphilip denkt. Sogar mir fällt es ja teilweise schwer.

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Danke dafür! Das wusste ich tatsächlich nicht und habe mich einfach auf die KJP verlassen, mit der wir an sich sehr zufrieden sind. Ich werde da nochmal nachfragen, aber das mit den 60 mg schonmal zu wissen, ist gut :slight_smile:

Ich frage mich teilweise auch, warum Medikinet retard bei meinem Sohn so gut anschlägt. Er frühstücken tatsächlich normal… also nicht unfassbar viel, aber ok, an manchen Tagen allerdings auch nur ein paar Happse… trotzdem scheint es zu klappen. Er hat aber auch keine OGS und nur einmal einen langen Unterrichtstag bis 13:30. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann wirkt es ja 50% sofort und 50% verzögert? Vllt reichen die 50% sofort ja für den Schultag?

Es ist aber auch einfach alles kompliziert… :melting_face:

Wenn Impulsivität sein Hauptproblem ist, arbeitet ihr neben der Medikation daran auch noch anderwertig?

Ich gebe meinem Kind auch ungern die Medikamente (heißt nicht, dass du dir jetzt echt Sorgen machen musst), daher machen wir nebenher noch andere Therapien. Das gibt mir persönlich ein besseres Gefühl, da ich langfristig die ADHS gerne so gut wie möglich abmildern möchte.

Er war im letzten Kitajahr mal bei der Ergotherapie für 20 Sitzungen. Das war ganz nett, aber ich glaube, dass sein Problem da nicht so erkannt wurde (weil man noch nicht wusste, dass es ADHS ist und er sich da gut verkaufen konnte. Also war es eher etwas verschwendete Zeit mMn.

Darf ich fragen, was ihr noch macht um zu helfen?

Bei meinem Sohn ist das Hauptproblem Konzentration/Aufmerksamkeit - eher ADS. Da ist der Schwerpunkt natürlich ganz anders.

Anfangs Ergotherapie - das hat aber eher nur für Feinmotorik bezüglich Schreiben geholfen.
Neurofeedback - macht er sehr gern und ich denke, das hilft schon
Außerdem hat er einmal die Woche einen Termin, wo an seinen Themen gearbeitet wird

→ 2 Termine die Woche plus einmal Turnen. Ist eh schon mehr als genug.

Impulsiv ist mein Sohn auch, aber das ist noch im Rahmen und macht an sich nicht solche Probleme bei uns.
Bei Euch wäre ja das Augenmerk genau auf das Problem.

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