Dosierungsprobleme Medikinet + niedriger Blutdruck

Hallo ihr Lieben!
ich bin 26 Jahre alt , ca. 60 kg und bei mir wurde vor kurzem ADS diagnostiziert, weshalb ich Medikinet adult (retardiert) verschrieben bekommen habe. Leider bin ich mir sehr unsicher, wie sich die richtige Dosis „anfühlt“ und ich habe Angst, dass ich zu viel nehme. Laut meinem Arzt muss ich es auch nicht jeden Tag nehmen, ich würde schätzen dass ich es etwa die Hälfte der Woche nehme und an den „entspannteren“ Arbeitstagen an denen ich nur halbtags arbeite oder am Wochenende nehme ich es aktuell nicht. Grundsätzlich gefällt mir dieser Rhythmus auch gut, da ich so wenig Medikamente wie möglich nehmen möchte.
Nach der Eingewöhnungsphase von 10mg die ersten paar Wochen habe ich mich langsam auf 30mg gesteigert.

10mg 1x morgens zum Essen:
Die ersten Tage waren von Herzstolpern, Herzrasen und Schweißausbrüchen gekennzeichnet. Diese verschwanden allerdings recht schnell, sodass ich bei 10mg gar keine Nebenwirkungen merke. Leider verschwand auch die Wirkung binnen 2 Wochen komplett, sodass ich irgendwann auf 20mg erhöhen musste.

20mg 1x morgens zum Essen:
Diese Dosis hatte nur negative Wirkungen. Ich habe mich innerlich unruhig gefühlt, starke Anspannung/Wutgefühle wegen Kleinigkeiten, hatte Schweißausbrüche, Einschlafprobleme und Ticks sind vermehrt aufgetreten (den Hang zu Ticks hatte ich bereits als Kind, ist aber im Erwachsenenalter verschwunden und jetzt seit Medikinet wieder aufgetaucht, was ich aber als Nebenwirkung verkraftbar finde). Positive Wirkungen hatte ich gar keine.

30mg 1x morgens zum Essen:
Hier traten die positiven Effekte wieder auf. Nach etwa 1-2 Std. merke ich, wie ich leichter vom Handy und anderen Ablenkungen wegkomme und einfach die Dinge erledige, die auf meiner To Do Liste für den Tag stehen ohne Stunden zu verschwenden. Es ist kein extrem starker Effekt, aber in Form eines schönen und beruhigenden Gefühls im Kopf merklich. Der Stress, den mir die kleinsten Dinge sonst bereiten, fällt einfach weg und ich bin entspannt. Eigentlich die perfekte Dosis.
Allerdings treten bei dieser Dosis erstmals wieder Herzrasen auf und starke Migräne setzt oft ab dem späten Nachmittag ein. Sie zieht sich durch die gesamte Mitte des Kopfes und pocht.
Normalerweise neige ich nie dazu. Mein Arzt empfahl mir daraufhin, ein Blutdruckmessgerät zu kaufen, da vielleicht ein zu hoher Blutdruck vorliegt. Ich soll immer dann messen, wenn Kopfschmerzen sich anbahnen (die ich jetzt auch an den Tagen habe, an denen ich Medikinet nicht nehme).
Gesagt, getan. Zum Glück ist ein zu hoher Blutdruck nicht der Grund. Allerdings ist der Blutdruck mit meist knapp über 90 zu 60 eher zu niedrig. Als ich zu Beginn der Medikation ein EKG gemacht habe, hatte ich Werte von 115 zu 70.

Meine Frage ist jetzt, sind 30mg zu viel? Bei 10mg merke ich nichts und bei 20mg habe ich nur negative Effekte. Mein Arzt guckte mich auch verdutzt an, als ich meinte, dass ich 30mg nehme. Als würde er das „viel“ finden. Das hat mich dann doch zum Nachdenken gebracht.

Was sind eure Erfahrungen? Wie viel nehmt ihr als Frauen und welche Nebenwirkungen habt ihr, die ihr „normal“ findet? Mache ich mir da einen zu großen Kopf oder ist meine Skepsis berechtigt?

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Hallo Voss,
ich bin 32, wiege ca 53 Kg und habe letztes Jahr ADHS Diagnostiziert bekommen. Zusätzlich nehme ich 100mg Sertralin. Ich verhüte ohne Hormone. Seitdem habe ich kaum noch Migräne und mir geht es generell besser.
Medikinet nehme ich ca 5 Wochen.
Davor zur Einsdosierung die unretadierten MPH-Medikamente. Davon habe ich für 3 Wochen über den Tag verteilt so max 4x 10mg genommen.
Zwischendurch ein paar Tage Pause, weil es auch anstrengend war.
Was die Wirkung betrifft war es oft schwankend. Deine Symptome erinnern mich sehr an deine.
Mittlerweile hab ich das Gefühl, dass es bei mir viel mit dem Essen zu tun hat. Man muss dazu sagen, dass ich mich, aufgrund meiner Depression, zu einer schlechten Esserin entwickelt habe in den letzten Jahren.
Seitdem ich durch die Medikamente bewusst mehr esse, habe ich das Gefühl das Medikinet besser zu vertragen und auch einzuschätzen.
Mittlerweile nehme ich morgens/vormittags 30mg, zum Essen.
Wenn ich gut gegessen habe, trau ich mich nach 5-7 Stunden nochmal 20mg zu nehmen und ich habe schon gute Erfahrungen gemacht.
Habe das Gefühl immer noch ein bisschen zu experimentieren.
Ich glaub man muss dem Ganzen auch Zeit geben. Und alles ansprechen.
Habe letztes Jahr ein Medikamentenchaos hinter mir, nachdem ich anfangs nichts nehmen wollte. Man muss sich seine Ärzt:innen gut auswählen…

Seitdem geh ich bewusster ran und habe das Gefühl der richtigen Dosierung näher zu kommen.

Das ist mein erster Beitrag bzw meine erste Antwort.
Hoffe ich konnte helfen.

Liebe Grüße
Laule

Herzlich willkommen im ADXS-Forum euch beiden!

Hey Voss,
ich verstehe, dass mein Beitrag nicht so hilfreich war wie du vielleicht erhofft hast.
Mein Grundgedanke war dabei, dass es am Anfang immer ein paar Nebenwirkungen gibt und man dran bleiben und sich langsam steigern sollte.
Wenn du Herzrasen bekommst, dich tattrig fühlst und generell innerlich Unruhig ist das ein Zeichen für eine Überdosierung, denke ich. Probier mal Traubenzucker dann. Hab ich selbst noch nicht probiert. Macht aber Sinn, finde ich.
Siehe auch hier Infos über die Eindosierung und Nebenwirkungen in 6.4.

wier lange hast du 20mg probiert, bevor du auf 30mg hochgegangen bist?

Heutiges Beispiel: Morgens 20mg und gegen Mittag nochmal 20mg, weil ich das Gefühl hatte die Dosis am morgen war zu wenig, wollte aber am Wochenende nicht 30mg nehmen irgendwie…, konnte mich schwer sortieren und wusste nicht wie ich den Tag so gestalten soll, so dass ich „zufrieden“ bin, fühlte mich leicht überfordert. Mit weiteren 20mg fühle mich super und schaff meinen Kram. Ich merke immer noch, wie mein Kopf springt, aber deutlich weniger. Ich fühle klarer, entspannter und durch dieses organisierte Gefühl steigt immer meine Stimmung, weil ich endlich mal voran komme.
Und ich kann mich auch entspannen und renn nicht wie aufgezogen durch die Bude.
Das passiert eher ohne Medis und ich räume Dinge von A nach B nach C, fange etwas an, lande im Chaos… und hab am Ende des Tages gefühlt nichts wirklich geschafft, eher sogar meine To Do Liste erweitert.

Vor zwei Wochen hätte ich niemals 40mg so vertragen.

Ich denke der Körper muss sich auch dran gewöhnen. Eindosierung braucht einfach Zeit. Deswegen - dran bleiben und nicht aufgeben und mit deinem Arzt oder deiner Ärztin regelmäßig über die Dosierung und Nebenwirkungen und Co sprechen. Hast du ein:e Spezialist:in für ADHS/ADS oder wer betreut dich während der Eindosierung?
Tagebuch schreiben hat mir auch geholfen.

Hallo Falschparker, danke dir.

Juti, schönen Sonntag noch :slight_smile:

Hallo zusammen, wegen dem „richtigen“ Eintritt der Wirkung von Stimulanzien braucht es wirklich viel Geduld.
Ich weiss, natürlich ist ausgerechnet „Geduld“ nicht gerade eine Stärke bei Adhs, trotzdem, oder sogar erst Recht, ist eben genau diese erforderlich, bis das richtige Medikament und die richtige Dosierung auf die individuellen Bedürfnisse eines Adhs’ler: in anspricht.
Selbst kennt man sich bekanntlich am besten, also bleibt einem nichts anderes übrig, als sowohl seine individuelle Reaktion auf die Wirkung von Stimulanzien, als auch Wirkzeit, Nebenwirkungen ect. über die mit dem Arzt abgesprochene Probezeit, sowie die im Beipackzettel erwähnten Wirkung/Nebenwirkungen genau zu beobachten, und am besten schriftlich zu dokumentieren, bis man zufrieden ist.