Dosiserhöhung bei Elvanse

Beides. Also meine Kernsymptomatik war früher immer das verträumt sein, chaotisch, konnte mich nie konzentrieren auf wichtige Sachen. Auch an der Arbeit in Meetings musste ich mich echt zwicken die ganze Zeit um aufzupassen. Was auch leider zu negativen Coping-Mechanismen geführt hat, also dann so zu tun, als ob man aufgepasst hat und dann nervös zu werden, dass keiner merkt, dass man eigentlich unsicher ist, was jetzt genau Sache ist. Und auch extremes Aufschieben. Das krasseste Beispiel ist jetzt schon seit zwei Jahren. Vor zwei Jahren hab ich mich in der Beziehung getrennt, weil ich woanders wohnen wollte, weil ich es hier nicht mehr aushalte richtig, die andere Person aber schon. Jetzt sind 2 Jahre um und wohne immer noch hier. Weil ich Sachen aufschiebe, weil ich so schnell überwältigt bin, ich auch Nervosität mittlerweile hab und mangelndes Selbstvertrauen, aufgrund meinem ADHS und dass ich erst seit ein paar Jahren weiß, dass vieles nicht meine Schuld ist, ich aber gleichzeitig auch weiß, ich habe da ein Problem, was ich angehen muss und ich mehr Risiken habe.

Und ja an der Arbeit ist es halt genau das. Ich weiß ich bin verpeilt/abgelenkt/unkonzentriert. Und das führt halt dazu, dass ich die ganze Zeit die Angst hab, das findet jemand raus, oder mein Ansehen leidet darunter. Deswegen mache ich mich auch kaputt, weil ich dann um 23 Uhr abends noch am Laptop sitze und Sachen mache, weil ich mittags im Internet rumgesurft habe und andere Sachen gemacht habe. Darunter leiden auch meine Hobbies.

Mit Elvanse jetzt z.B. mit 30mg. Sitze ich an der Arbeit, lass mich auch ablenken. Aber es ist mir egaler ein bisschen. Es kommt nicht mehr so schnell dieser Stress und die Vorwürfe, ich muss doch jetzt langsam XYZ machen. Also den Druck hatte ich ja schon immer, bzw. hab ich nur die Aufgaben dann gemacht, wenn der Druck groß wurde, oder ich wusste, dass ich nicht morgen sagen kann, ich bin noch nicht fertig. Aber gleichzeitig ist der Druck auch irrational, weil ich andere sehe, die weniger machen, die nicht so viel arbeiten wie ich. Auch meine social anxiety, dass ich im jeden Gespräch immer nur daran denke, wie ich gerade wirke, was ich sagen soll, etc…

Und z.B. am Samstag, gut ich bin halt momentan viel recherchieren wegen den Medikamenten und wegen ADHS. Aber ich saß Samstag von 9 bis 16 Uhr fast ununterbrochen am Laptop und hab recherchiert, Reddit gelesen, Barkley Videos geschaut. Und dann sind es Sachen, wie was Essen, mal eine Pause machen. Und vor allem auch meinen Hobbies hinterhergehen. Ich habe eigentlich immer Filme geliebt und weiß auch, wenn ich mich hinhocke und einen schaue geht es mir gut. Aber ich kann es mittlerweile fast kaum noch.

Und ja mit 50mg dann halt wie gesagt eher diese Euphorie, aber auch Unruhe, die mich dann schon mal für die normalen Aufgaben motiviert hat. Aber durch die innere Unruhe dann halt auch wieder verstärkt in die Richtung, wenn ich das nicht mache, passiert was Schlimmes.

Ich glaube, dass die Erwartungen an Medikamente echt oft schwierig sind. Erstmal wird uns kein Medikament in den „Normalzustand“ ohne ADHS versetzen, damit müssen wir uns abfinden.
Und dann sehe ich zB hier im Forum und auch an mir selbst, dass es seeeehr unterschiedlich ist, welche „Problemfelder“ die Medikation berührt und welche eher nicht.

Bei mir ist meine motorische Unruhe/Hibbeligkeit (aka Hyperaktivität) vollkommen unbeeindruckt vom Ritalin. Vielleicht zu 5%, aber das weiß ich nicht. Und auch meine Fähigkeit, Dinge endlos zu schieben (auf die ich keine Lust habe), funktioniert unter Ritalin weiterhin richtig fantastisch. :partying_face:
Meine Zeitblindheit und die generelle Wahrnehmung von Zeit hat sich zwar verändert, aber nicht verbessert.

Was sich verändert hat, ist mein Umgang damit. Ich mache mich dafür nicht mehr so fertig, dass ich so bin. Klar nervt mich die seit Wochen unausgepackte Krankenhaustasche, aber noch vor dem Ritalin hätte ich mich dafür jeden Tag innerlich zerfleischt.

Die positiven Effekte der Medikation überwiegen für mich, geben mir Klarheit und innere Ruhe, um besser mit mir umzugehen. Aber auch das ist nach wie vor ein Prozess, war nicht von Tag 1 an so.

Ich will sagen: Es werden Symptome bleiben, andere werden dir verstärkt auffallen (weil mehr Klarheit im Kopf), andere werden weniger da sein oder seltener. Kein Medikament wird dich motivieren, nervige und ätzende Sachen (gerne) zu machen! Aber vielleicht pendelt sich auf Dauer ein, dass du Strategien besser nutzen und umsetzen kannst, um auch mit diesen Symptomen gut leben zu können :slight_smile:

1 „Gefällt mir“

Ja das ist irgendwie mein Problem, ich weiß nicht, wie genau die Medikamente funktionieren sollen :smiley: . Warum scheinen sie zu wirken, weil ich bisschen ruhiger bin in sozialen Situationen, aber gleichzeitig immer noch extrem abgelenkt und Zeitblindheit. Warum fühl ich mich unruhiger bei 50mg, wenn mein Puls bei 75-80 ist, wenn ich messe, also eigentlich unspektakulär. Warum habe ich immer noch die Tics, wie Zunge auf den Gaumen pressen und mein Kiefer anzuspannen um Klickgeräusche mit den Ohren zu machen.

Ich verstehe ja, dass es mich nur „normal“ machen soll, um halt weiter an mir zu arbeiten. Aber ja bis jetzt fühlt es sich nicht leichter an, bzw. overthinke ich halt so viel noch gerade.

1 „Gefällt mir“