Dysregulation bei 4 jährigem Kind

Hallo zusammen,

ich habe ADHS, der Vater meiner Tochter wird irgendeine Art von Neurodivergenz haben, die er sich jedoch nie diagnostizieren lassen wird. Meine Tochter ist 4,5 Jahre alt. Aus meiner Sicht hat sie einige ADHS Züge, aber sie erinnert mich auch an mich selbst als kind. Auch ich war gerade in neuen Situationen “auffällig" oder zurückhalten oder uberfordert. Manchmal finde ich, dass das Verhalten eher zu ASS passt, das ist aber eigentlich irrelevant für die jetzige Schilderung (oder vielleicht auch nicht?)

Heute gab es wieder eine Situation, in der ich nicht weiter weiß.

Sie und ich hatten Besuch von einer Freundin mit ihrem 3 jährige Kind, die sie noch nicht kannte. Sie war super aufgeregt. Zu Beginn ging es noch ganz gut, je länger aber der Tag ging, desto weniger kooperativ war sie. Hat das Mädchen geärgert, Spielsachen sollten nicht angefasst werden, wollte sie ganze Zeit süßes oder was gucken ( als regulation, so sehe ich es ), alles muss dann sofort gemacht werden ( Impulskontrolle und Geduld ins solchen Situationen per se schwierig). Ich wollte mich natürlich auch etwas mit meiner Freundin unterhalten, was aber irgendwann unmöglich würde, weil meine Tochter alles torpediert hat Irgendwann ist meine Freundin dann gegangen, nun hört sie seit 1 Stunde Hörspiel und knibbelt an sich rum. Ich sehe die Not meiner Tochter, ich müsste sie vermutlich die ganze Zeit 1 zu 1 begleiten, was ich dann aber nicht kann. Aus meiner Sicht kann sie sich aufgrund der Aufregung irgendwann nicht mehr selbst regulieren. Sie braucht sehr viel Vorhersehbarkeit ich erkläre ihr auch vor jedem besuch was wir machen etc.

Ich weiß nicht, was ich in diesen Situationen machen soll. Sie darf sie zuruckziehen, aber ich kann auch nicht die ganze Zeit daneben sitzen, da fehlt mir dann die geduld. Wie kann ich solche Situationen für sie und mich besser handeln? Ich finde es extrem schwer, weil ich selber ja auch nie richtig gelernt habe mich gut zu regulieren in sozialen Situationen. Ich überlege, auch mal mit ihr zu einem SPZ zu gehen, aber ich denke jedes Mal, wenn ich das beim Arzt ansprechen würde, das mich keiner ernst nimmt. Sie ist weder in der Kita noch beim Arzt auffällig, ich bekomme das dann alles nur immer ab ;).

Habt ihr Tipps?

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SPZ bin ich immer kritisch…wenn es nach dem SPZ bei uns geht kann mein Sohn kein ADHS haben weil er einen normalen IQ hat. Daraufhin hat man eine Diagnostik abgelehnt bzw gar keine gemacht obwohl das der Wunsch war. Die angeblich so professionelle Diagnostikerin scheint da professionell ahnungslos zu sein…

Naja mittlerweile hat er seine klare ADHS Diagnose die klarer nicht sein konnte laut der neuen Diagnostikstelle. Die haben eindeutig mehr Ahnung. Das merkt man.

Vielleicht Mal beim Kinderarzt anfangen und dort Mal vorstellig werden.

Okay, danke. Hast du ADHS und das beim Kinderarzt auch gesagt? Ich habe irgendwie das Gefühl, meine ADHS würde es rechtfertigen, dass sie auch irgendwo Hilfe bekommen würde, da sie sonst nicht auffällig ist. Scheue mich aber etwas, das beim Kinderarzt als Rechtfertigung auszusprechen. Sie ist natürlich auch erst 4,5 und ich sehe auch, dass sie gewisse Sachen in Vergleich zum letzten Jahr verbessert haben - aber im Kern bleiben gewisse Züge einfach mehr oder weniger seit Geburt bestehen.

Der Kinderarzt müsste ja eh zum SPZ oder Psychologen überweisen, richtig?

Wenn sie sich nur in deiner Gegenwart so verhält, will sie auf diese Art vielleicht einfach deine Aufmerksamkeit?

Was ihr Verhalten betrifft, kann ADHS sein oder auch nicht. Wenn sie noch sehr intelligent ist, kann sie außerhalb ihres Safe Spaces viel maskieren. Aus dem was du schreibst kann es auch ein “normales” aber überfordertes/ überreiztes/müdes / hochsensibles Kind sein.

Ich würde es beim Kinderarzt mindestens ansprechen und um eine Überweisung an einen Kinder und Jugendpsychiater bitten. Das wäre mir persönlich lieber als ein SPZ. Sie hat ja noch etwas Zeit bis zur Einschulung und ich bin nicht sicher ab welchem Alter man heutzutage die Diagnose stellen darf, aber wenn Neurodivergenz in eurer Familie liegt, wäre es gut dort schon mal einen Fuß in der Tür zu haben.

Ich würde bei solchen Treffen…

  • von vornherein mich zeitlich begrenzen
  • Snack Pausen einplanen
  • Die Regel einführen dass ALLES geteilt wird und was sie auf gar keinen Fall teilen will vorher wegräumen. Die Regel “Der Gast ist König” verstehen auch neurodivergente Kinder (wenn euch Gastfreundschaft wichtig ist).
  • Wenn möglich solche Treffen auf neutrale Orte verlegen, wo ich gehen kann wenn mein Kind nicht mehr kann
  • Wenn möglich sich draußen treffen, wo die Kinder sich austoben können

Alles Gute :four_leaf_clover:

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Unser Kinderarzt macht angeblich ADHS Testung. Wir haben es damals am SPZ machen lassen bzw meine Ex. Dann kam die Ahnungslose Profidiagnostikerin… daraufhin habe ich woanders einen Platz gesucht weil ich es schon vor der Diagnose wusste..

Richtig ein SPZ ist damit meistens überfordert dann lieber eine vernünftige KJP Ambulanz. Die sind da schon besser im Thema.

Lieber einmal zuviel drauf gucken lassen als zu wenig. Mein Kinderarzt damals hat nur gemeint ich wäre der Zappelphilipp und sollte mehr raus… ich war zu der Zeit schon jeden Tag draußen… naja auch er war zu der Zeit halt ahnungslos…

Hätte er damals besser zugehört und hin geguckt wäre mein Leben anders verlaufen…dafür hasse ich ihn heute noch…

Dafür hat seine Enkelin wohl irgendeine Form von Autismus…tja hat er auch nicht erkannt… super Kinderarzt…

Ich weiß es nicht. Sie kommt in jedem Fall schlecht mit geteilter Aufmerksamkeit klar. Wenn aber eine weitere Bezugsperson da wäre und sie begleiten würde, dann würde es besser gehen, unabhängig davon ob ich das bin oder jemand anders. Sie verhält sie ja aber auch schon vorher so, bevor jemand da ist, weil sie so aufgeregt ist und will ständige Begleitung, süßes oder TV.

Ja die sind natürlich auch noch in einem Alter wo sie viel Aufmerksamkeit wollen.

Meine Kids haben das wegen der Trennung..ich kann wenn sie hier sind nicht Mal alleine aufs Klo gehen..joa ist halt so. Sie haben wahrscheinlich Angst das der Papa Mal nicht wiederkommt. Können sich einigen Leute auf die Schulter klopfen…

Mich stört es nicht..sie müssen halt lernen das sowas nicht mehr passieren kann das der Papa nicht wiederkommt.

Mir geht es in dem Alter auch noch nicht unbedingt um eine Diagnose. Dafür finde ich sie zu klein. Unabhängig davon, ob das nun ADHS, hochsensibel etc. Ist, gibt es einfach einige Situationen in denen ich nicht weiter weiß und möchte, dass sie Dinge früher lernt ( als ich sie gerade nur mit Medikamenten lerne).

Wie läuft es dann in der Kita? Hat sie dort regelmäßig jemanden an der Seite?

(Aber vielleicht ist die Frage auch völlig unpassend. Bei meinem großen Sohn dachte ich manchmal, die Erzieherinnen müssen ein anderes Kind meinen, wenn sie ihn beschrieben. Das ist ja eine ganz andere Situation.)

Ob sie tatsächlich maskiert, finde ich in dem Alter auch schwer zu sagen. Aber ich finde, dass sie sich schon sehr an Situationen anpassen kann, und ich danach die Quittung bekomme. Sie ist kognitiv sicherlich weit, kann fast alle Buchstaben ziemlich ordentlich schreiben, wenn man sie ihr vorsagt. Dafür malt sie eher schlecht ( aus meiner Sicht aus Perfektionismus). In der Kita hat sie das Bild, dass sie für ihre Entwicklungsmappe malen sollte von ihrer Freundin malen lassen, weil sie selbst kein Tier malen kann. Sie mag es z.b. auch nicht, wenn in ihrer Kleidung Löcher, nass, dreckig sind, diese müssen dann SOFORT ausgezogen werden. Letztens hole ich sie bei ihrem Vater ab, sie kommt mir entgegen und das erste was sie mir sagt, ist dass ihre Hose ein Loch hat und sie sie ausziehen will. Ich weiß nicht, warum sie das nicht bei ihrem Vater sagt, für mich ist das aber ein (weiteres) Zeichen, dass sie sich bei mir anders verhält als woanders. Letztens war sie auf einem Ausflug (ich war nicht dabei)und hatte nochmal einen Pippiunfall (passiert sonst gar nicht mehr, nur wenn sie super aufgeregt ist). Sie hat sich dann wohl bei meiner Familie zusammengerissen und die ganze Zeit versucht, das weinen zu unterdrücken, bei mir dann aber natürlich geweint. Wenn ich direkt dabei gewesen wäre, dann hätte sie wsh. Sehr lange alles zusammengeschrien. Mir ist auch klar, dass sich viele Kinder bei verschiedenen Bezugspersonen anders verhalten, aber ich bekomme dann doch häufig dir Quittung dafür.

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Ne hat sie nicht. Laut Kita kommt sie gut zurecht. Sie beschreiben sie als emotional, sie hätte da aber wohl Entwicklungssprünge gemacht. Ich habe aber oft genug nachmittags nach der Kita ein mindestens überreiztes kons. Aus meiner Sicht sind die aber nicht in der Lage das zu erkennen, ganz offenes Konzept mit wechselnden Erziehern.

Offenes Konzept mit wechselnden Erzieherinnen ist für solche Kinder mehr als schwierig

Ja sicherlich. Auf der anderen Seite hat sie da gute Freunde und ich sehe auch, dass die Wahlfreiheit die sie hat ihrem Autonomie Bestreben entgegen kommt. Ich finde das ist nicht immer so am Konzept festzumachen, ein Wechsel aus verschiedenen Gründen auch nicht so einfach .

So Treffen haben bei uns auch nie so richtig funktioniert.

Ich würde im Voraus überlegen, ob es ein Kinder-Treffen oder ein Treffen mit deiner Freundin ist. Im ersten Fall wäre ich nahe beim Kind und würde auch das Setting entsprechend wählen (draussen zB). Und das Treffen beenden bevor es eskaliert. Im zweiten Fall Babysitter organisieren und das Treffen mit der Freundin in vollen Zügen geniessen.

Und akzeptieren, dass beides zusammen mit diesem Kind im Moment nicht möglich ist.

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Ich sehe das prinzipiell auch so und mache das in dieser Konstellation auch nicht oft. Aber manchmal lässt sich das auch nicht ganz vermeiden ( oder andere aufregende Situationen).

Habt ihr denn bei euren Kinderärzten von der eigenen ADHS Diagnose berichtet?

Dann vielleicht Hörspiel mit Kopfhörer wenns nicht mehr geht?

Bei uns war das Kind zuerst…

Ja, Kopfhörer sind immer parat.

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