Zuallererst: Es tut mir so Leid, dass Du diesen Verlust erlebst.
Trauer ist höchst individuell. Es gibt da kein ‘richtig’. Früher gab es nach dem Tod alle möglichen Rituale - Totenwache, das Waschen des Toten, das Tragen von schwarzer Kleidung für mindestens ein Jahr und viele andere Bräuche. Das hat ja auch damit zu tun, dass Trauer etwas ist, das sich entwickelt. Die Phase direkt nach dem Tod, wo es nicht wahrzuhaben ist, dann später eventuell der Zusammenbruch oder auch nicht, und nach einigen Jahren dann vielleicht die schönen Erinnerungen…
Eine Freundin von mir hat ihren Mann letztes Jahr nach elendiger Krankheit verloren und beschreibt immer wieder, dass ihre Trauer in Wellen kommt. Es ist erst alles gut, sie geht arbeiten, erfreut sich an der Sonne, dann denkt sie daran, dass ihr Mann gern in der Sonne saß und fängt an zu weinen. Eine andere Freundin hat ihren Mann ebenfalls verloren und nunja, sie hat die gemeinsame Wohnung verkauft, die Katze darf jetzt bei ihren Schwiegereltern leben und ich glaube, die erste Veränderung nach seinem Tod war ein neues, schmaleres Bett - also auch nicht so das Übliche? Aber es ist einfach sehr einzigartig, bei jedem Menschen etwas anders!
Freunde von mir und ich haben uns einen roten Faden tätowieren lassen im Gedenken an diesen Freund, um ihn immer bei uns zu haben. Und wenn mich etwas so bewegt, dass ich ihm das gern geschrieben hätte, dann erzähle ich ihm das auch. Ich war dafür noch nie an seinem Grab - auch der Beerdigung blieb ich fern. Naja, und wenn ein bestimmtes Lied meiner Lieblingsband läuft, dann bricht alles über mich herein. Das hat mich beim ersten Mal völlig kalt erwischt, jetzt weiß ich darum…
Es gibt dein Gefühl für die Trauer die auf deiner Verbundenheit basiert mit deinem Partner basiert!
Die Gefühle und Verarbeitung der anderen sind deren Gefühle und deren Verarbeitung! Sie sind kein Maßstab für dich wie mein erleben und verarbeiten meiner Trauer mit dem Verlust meiner Partnerin. Vieles ist vergleichbar und nichts gleich.
Auch nach 2 Jahren gibt es Momente wo ich denke, geht und dann, geht doch nicht.
Hallo, das ist das erste mal, dass ich im Forum jemandem schreibe. Das ist jetzt ganz spontan, weil gerade meine Mutter verstorben ist und ich, wie du, das Gefühl habe, ich kann ganz viel schaffen. Ich habe die Vorbereitungen für dir Beerdigung sehr schnell, ohne meinen Bruder über die Bühne gebracht und wir haben uns beide gewundert, dass das so gelungen ist. Dadurch konnte ich aber auch auf meine Weise trauern. Ich habe für mich, ihr Leben zum Abschluss gebracht. Ich war zwischendurch sehr erschöpft, aber das ist innerhalb von wenigen Tagen wieder verschwunden. Ich glaube schon, dass Menschen mit unserer Besonderheit sich stärker engagieren können und enorm viel Kraft mobilisieren können, wenn es darauf ankommt. Heiner Lachenmeier schreibt in seinem Buch “Mit ADHS erfolgreich im Beruf” über den Notfallvorteil bei Stress. “Bei Drehzahlen, die für Alltagsautos normal sind, stirbt der/unser Motor ab. Rund läuft er erst, wenn die Drehzahl hochgejagt wird in einen Bereich, den die Motoren von Alltagsautos nicht überleben würden. “ Er sagt, viele Menschen mit ADHS sind ausgezeichnete, besonnene Rettungssanitäter und Notärzte. Das hängt mit der Adrenalinauschüttung in unseren Gehirnen zusammen. Sollte man mal lesen! Allerdings darf man dabei das Gespür für die eigenen Grenzen nicht verlieren. Die sind da, wo die Letzten Ressourcen angegriffen werden, um noch etwas fertig zu stellen. Dann kann auch unser Körper mit den Anforderungen nicht mehr umgehen und reagiert mit Verarbeitungsschwierigkeiten. Deshalb achte ich darauf, mir Erholungspausen zu gönnen. Manchmal bin ich aber so begeistert von meiner Energie, dass ich mich über diese Grenzen begebe. Leider. Wir sind nicht perfekt. Ich hoffe, das hat dir weitergeholfen. Ich wünsche dir weiterhin gute Energien und gute Verarbeitungsprozesse.
Danke auch dir für deine Beitrag und erst recht, dass es dein erster ist!
Mein aufrichtiges Beileid zum Verlust deiner Mutter!
Es klingt für mich sehr plausibel, was du schreibst. Und ich merke jetzt, wo die Lebensfeier und Urnenbeisetzung vorbei sind, wie erschöpft ich bin. Ich merke, dass ich aktiv versuche mich mit mehr Arbeit abzulenken.
Wie du sagst, man geht über seine Grenzen. Gut, dass dir das auffällt. So kannst du evtl. gegensteuern. Ich vielleicht auch.
Doch, es hat mit ADHS zu tun, da mittlerweile erwiesen ist, daß ADHSler im Notfallmodus sehr viel besser funktionieren. Daher sind auch sehr viele ADHSler sehr erfolgreich in Berufen, in denen in kürzester Zeit Entscheidungen getroffen müssen und danach gehandelt werden muss. Nicht umsonst sind Notfallediziner und Rettungskräfte häufig ADHSler.
Ich kenne das von mir auch. Bei Todesfällen, Unfällen und anderen Katastrophen werde ich sehr ruhig und strukturiert und jemand, der sich mit ADHS sehr gut auskennt, sagte mal: "In einem Notfall ist es immer gut, wenn man einen ADHSler dabei hat.
Hallo zusammen,
mittlerweile bin ich in der Trauer angekommen. Bin in ein tiefes Loch gefallen. Zum Teil wieder herausgeklettert. Habe einen Arbeitsversuch gemacht, der kläglich gescheitert ist.
Trotz ADHS Medikation fühle ich mich, als würde ich keine nehmen. Sogar noch schlimmer. Wirr, unaufmerksam, verlege wieder ständig alles, ganz schlimme Paralysezustände…
Mir wurde eine psychosomatische Reha bewilligt. Da ich meinen Hund mitnehme, kann ich erst im März anreisen… Heute hat mir meine Psychiaterin zusätzlich Sertralin verschrieben. Weiß nicht, ob ich das nehmen will. Hab ja zum Ritalin noch das Opipramol. Außerdem soll ich zur Überbrückung in die Tagesklinik.
Ich weiß nicht, ob das tatsächlich verstärkte ADHS Symptome sind, oder die zusätzliche Depression, oder mein dauerhaft überlastetes Nervensystem. Jedenfalls sind diese Zustände kaum aushaltbar
Alles oder von jedem ein wenig, egal wie du es drehst, wahrscheinlich alles
und je nach Tagesform riecht es mehr oder weniger.
Fühl dich verstanden, gesehen, umarmt falls du möchtest.
Liebe Fienson, keine Worte für deine Situation. So viele Buchstaben geschrieben, so viele wieder gelöscht, weil sie sich falsch anfühlen. Ich hoffe so, dass du liebe Menschen um dich herum hast, die für dich da sein können.
ich konnte früher zur Reha und bin seit 18.08. da. Habe eine Woche verlängert. Dienstag fahre ich wieder heim. Werde arbeitsunfähig entlassen und soll nochmal in die Tagesklinik.
Der Oberarzt vertritt die Auffassung ADHS sei eine Modediagnose und wollte Ritalin absetzen. Aber unabhängig davon haben mir die Therapien, die Menschen und die Umgebung hier sehr gut getan.
Habe weiterhin das Problem, dass das Ritalin nicht mehr richtig zu wirken scheint. Werde zuhause mit meiner Psychiaterin besprechen, ob ich mal Elvanse probieren kann. Das soll ja auch ein bisschen antidepressiv wirken.