Liebe alle,
unser Sohn (8J 5 M) hat vor einigen Monaten auf Drängen der Lehrer seit Schulstart (letztes Jahr) nun ganz offiziell ADHS (und eine Angststörung) diagnostiziert bekommen. Wir wollten aus unterschiedlichen Gründen erst schauen, ob er seine herausfordernden Verhaltensweisen im Unterricht evtl. durch engere Begleitung und Verhaltenstherapie ausreichend in den Griff bekommt. Dem war nicht so. Daher wurde jetzt gemeinsam mit der Kinderpsychiatrischen Praxis entschieden, ihn medikamentös einzustellen.
Er sollte vorerst für je 5 Tage erst 5-0-0, dann 10-0-0 und schließlich 15-0-0 Medikinet adult einnehmen.
Da er es leider nicht schafft, die Kapseln zu schlucken, wurde uns gesagt, dass wir sie öffnen und die Kügelchen mit einem Löffel Müsli (sein übliches Frühstück) geben sollen.
Egal, wie viel er zu diesem Zeitpunkt bereits gefrühstückt hat, klagt er wenige Minuten nach Einnahme bereits über Magen-/Bauchschmerzen (dies anhaltend den gesamten Vormittag über seit Erhöhung auf 10mg, anfangs bei 5mg vergingen die Schmerzen noch nach kurzer Zeit).
Am zweiten Tag mit 10mg kam es in der Schule in der großen Pause mittags nach dem Essen zu einem Zwischenfall, der wohl sehr heftig für die anwesenden Erwachsenen war. Er spielte mit seinem besten Freund, ein weiterer Mitschüler (der unseren Sohn seit längerem immer wieder mal gerne ärgert), wollte mitspielen und hat das auch gegen den Wunsch unseres Sohnes durchgesetzt, ging dann noch zu unserem Sohn (“ätsch, der O. spielt jetzt mit mir und nicht mehr mit dir”) und unser Sohn ist völlig entgleist, hat sich mit den Händen die Luft abgedrückt und war nur mit Mühe von einer schnell hinzugeholten Aufsicht davon abzubringen. Anschließend blieb er unter ständiger Beobachtung und hat dort wohl ständig wiederholt, dass er sein Leben hasst und sich etwas antun wird, sobald er nicht mehr unter Aufsicht stehe…
Mein Mann wurde bereits direkt nach dem Vorfall telefonisch kontaktiert. Es wurde ihm gesagt, unser Sohn hätte sich inzwischen beruhigt, ob er ihn abholen wolle, oder nicht? Da mein Mann zu der Zeit zwei Stunden entfernt war und ich noch ein paar Stunden Arbeit vor mir hatte, die ich nicht so leicht unterbrechen kann (ich betreue 5 Kinder unter 3 Jahren in einer KInderwohnung ohne Vertretungskonzept), hat mein Mann gesagt, dass M. bitte bis zur üblichen Abholzeit in der Schule bleiben soll. Es war zu diesem Zeitpunkt für ihn nicht klar, dass es M. da weiterhin nicht gut ging (klarer Fall von schlechter Kommunikation).
Als ich meinen Sohn dann zur üblichen Zeit von der Nachmittagsbetreuung abholen wollte, wurde ich mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen empfangen, weil wir M. nicht sofort nach dem ersten Anruf mittags abgeholt hätten, das grenze an Kindeswohlgefährung, etc. M. spielte zu diesem Zeitpunkt ganz normal und unauffällig wieder mit seinem besten Freund im Schulgarten. Für mich wäre absolut nicht ersichtlich gewesen, dass es wenige Stunden zuvor diesen Vorfall gegeben hat.
Die Schule (Freie Montessori Schule direkt bei uns in Laufweite) hat unseren Sohn nun grundsätzlich von der Nachmittagsbetreuung ausgeschlossen und strebt eine Teilbeschulung an. Das ist für uns aus beruflichen Gründen so gar nicht machbar und wäre dann zwingend mit einem Schulwechsel verbunden, so dass ich das mit meiner Arbeit (die Kinderwohnung, in der ich betreue ist leider in einem anderen Ort) überhaupt schaffen könnte.
Aktuell läuft seit einigen Wochen ein Antrag auf eine Schulbegleitung. Hier soll nun endlich übermorgen eine Entscheidung fallen. Wir hoffen sehr, dass es hierzu einen positiven Bescheid gibt. So wie ich die Situation und seine Lehrerinnen einschätze, ist dort wahrscheinlich niemand bereit, eine etwaige zweite Dosierung kurz vor oder zum Mittagessen zu beaufsichtigen (O-Ton: “wir sind Pädagogen, keine Psychologen”). Alleine kann unser Sohn das aber nicht zuverlässig genug bewerkstelligen. Auch deshalb hoffen wir auf eine THA, die das hoffentlich begleiten dürfte/würde…
Wir sind gerade sehr ratlos, wie wir weiter verfahren sollen. Medikinet auf zwei Einnahmen verteilen und hoffen, dass sowohl die Magenprobleme als auch der Re-Bound nach erfolgter Einschleichung besser werden oder sogar ganz vergehen? Oder auf ein anderes Medikament bestehen, das solche Probleme nicht macht?
Laut Bericht der Schule haben die 10mg morgens auch eher zu einer Verschlechterung geführt. M. hat nicht ins Arbeiten gefunden, wirkte sehr schlapp, orientierungs- und lustlos. Er war ganz und gar nicht der sonst so/zu lebhafte und aufgeschlossene Junge, der erst sonst ist.
Was denkt ihr? Wie weiter machen? Wie lief das bei euch? Ist es normal, dass es erstmal schlimmer wird? Können wir auf Besserung hoffen?
Viele Grüße,
Ally