Eindosierung Metylphenidat

Servus liebe Leute,

ich möchte mal kurz reflektieren und meine bisherige kurze aber lehrreiche Erfahrung bei der Eindosierung mit Medikinet Adult teilen - vielleicht nimmt das auch Befürchtungen und Zweifel.

Heute ist (erst) der 8. Tag.

Die ersten 7 Tage waren sehr anstrengend - mit 10mg war alles dabei - kein bis starker (emotionaler) Rebound, mehr Schusseligkeit, Brainfog, Antriebslosigkeit, Robotergefühl, zu starke Wirkung in den Wirkspitzen, (fast) keine Wirkung.

Also nicht sonderlich erstrebenswerte Zustände. Heute, mit 20mg sehe ich die Sache anders. Ich merke, dass 10mg deutlich zu wenig waren.

Paradoxerweise komme ich mit der doppelten Menge (20mg morgens) viel besser mit den Wirkspitzen zurecht und insgesamt fühle ich jetzt die VOLLE und sehr gute Wirkung.

Ich habe vor allem folgende ADHS-Probleme:

-Extrem „Kopflastig“

-Sehr ambivalent

-Extreme Schwierigkeiten, zu Priorisieren

-Mangelnder Antrieb

-Emotionale Dysregulation sehr stark

-Starke „Schusseligkeit“

All dies ist heute zum ersten Mal extrem verbessert und ich fühle mich, als hätte ich zum ersten Mal Zugang zu meinem wirklichen Selbst. Ich werde mich ganz bestimmt nochmal neu kennenlernen. Ich weiß um den „Honey Moon-Effekt“ Bescheid, das super tolle Gefühl geht bestimmt bald weg. Euphorisierend soll es ja auch auf Dauer nicht sein in der Intensität.

Also nicht verzagen! Durchhalten beim Eindosieren, versuchen, Geduld mitzubringen und den Medikamenten und DIR SELBST eine Chance geben. Auch andere Medis im Auge behalten, falls es mit der Erstmedikation wirklich nicht klappt.

L.G.

Ich freue mich, dass hier so eine Community zusammenkommen kann.

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Ja ist bei mir auch do

Danke für deine Erfahrung.

Bei mir hat die Eindosierung mehrere Wochen gedauert. Besonders deutlich war auch bei mir der Schritt von 10 auf 20 mg unretardiertes Medikinet morgens: Plötzlich kam neben der besseren Konzentration auch eine spürbare Ruhe dazu. Ich war weniger gestresst und gehetzt und der Tag wurde irgendwie länger. … Die 20 mg (unretardiert IR) machten bei mir einen klaren Unterschied.

Die nächste wichtige Erkenntnis war das Timing. Vier Stunden Abstand waren für mich zu lang, weil ich vorher schon in ein Loch fiel und mich dadurch mehrmals am Tag sehr unterschiedlich fühlte. Entscheidend war für mich deshalb, die nächste Dosis bereits nach drei Stunden zu nehmen.

So bin ich schließlich bei 20 mg morgens, 15 mg exakt drei Stunden später und weiteren 10 mg nach nochmals drei Stunden gelandet – insgesamt 45 mg (IR). Durch die noch vorhandene Wirkung der ersten Dosis erreiche ich mit den 15 mg einen etwas höheren zweiten Peak (Swanson et al.). Genau dieser Verlauf funktioniert für mich sehr gut: morgens eine deutliche Ruhe und Konzentration und anschließend eine gleichmäßige Wirkung über den Tag, ohne zwischendurch stark abzufallen.

Ich habe auch retardiertes Medikinet ausprobiert. Dabei habe ich gemerkt, wie unterschiedlich sich retardiertes und unretardiertes Medikinet für mich anfühlen.

Das unretardierte flutet schnell an und fällt relativ schnell und steil wieder ab. Das retardierte kommt deutlich langsamer und hat einen ganz anderen Wirkungsverlauf, die Kurve fällt durch die zweite Freisetzung viel weniger steil ab. Damit bin ich deutlich schlechter zurechtgekommen, einfach, weil die zweite Dosis bei mir scheinbar zu langsam anflutet. Und das lässt sich durch die automatische Freisetzung auch nicht ändern. IR kann ich selbst steuern.

Gar nicht einfach fand ich während der Eindosierung die Frage, ob eine Dosis zu hoch oder noch zu niedrig ist. Bei 15 mg morgens konnte ich das zunächst kaum beurteilen. Erst als ich am nächsten Tag 20 mg nahm, wurde mir klar, dass 15 mg für mich noch zu wenig waren.

Insgesamt habe ich doch einige Wochen und viele Versuche gebraucht, um meine passende Dosierung zu finden. Auch die Variable Kaffee spielte eine Rolle. Früher habe ich sehr viel Kaffee getrunken, rückblickend wohl Selbstmedikation. Ich trinke heute deutlich weniger. Da ich Kaffee gerne mag, trinke ich ihn heute einfach deutlich dünner. Dann funktioniert es auch mit Medikinet.
Heute funktioniert für mich 20–15–10 mg im Abstand von jeweils exakt drei Stunden sehr gut.

Diagnostiziert wurde ich erst mit 48 Jahren, vor gut zweieinhalb Monaten. Sowohl die Diagnose als auch später die richtige Medikation waren für mich ein Gamechanger. Ich habe dadurch deutlich Lebensqualität zurückgewonnen.

Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Ich habe darin viele Parallelen zu meiner eigenen Erfahrung wiedergefunden – insbesondere den deutlichen Unterschied bei 20 mg und die Bedeutung des richtigen Zeitpunkts für die nächste Dosis. Euch allen alles Gute.

Thilo38

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Vielen Dank für deine ausführliche Antwort, habe mir alles detailliert durchgelesen :slight_smile: .

Ich werde auch noch einiges ausprobieren - 20mg Medikinet adult (retardiert) wirken isoliert betrachtet bei mir super, aber auch einfach zu kurz. Meine Psychiaterin ist erfahren und offen und hat schon Concerta angesprochen oder Medikinet adult plus Ritalin. Ich schaue mal - freu‘ mich echt auf alles, was noch kommt.

Hut ab vor deiner Leistung - hast‘s noch 22 Jahre länger „ausgehalten“, als ich :wink: .

Bin aber sehr froh, langsam den passenden Gang für meine 8000 Umdrehungen im Leerlauf zu finden.

P.S.

Sport hilft wirklich ungemein. Meine „Selbstmedikation“ ist/war wohl seit Jahren 5x/Woche Kraftsport. Setze ich mal länger, als 1-2 Wochen aus, fühle ich mich wie ein Pinguin in der Wüste, der Draht im Kopf hat.

Ja - ich mag‘ Metaphern​:joy:

Alles Gute weiterhin​:victory_hand:t2:

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Mit Concerta komm ich ganz gut klar, mussnur für den Zyklus Ende Anfang evtl unretardiertes Vorschmeissen damit ich aus dem Quark komme.

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