Hallo,
ich würde gerne ein wenig meinen aktuellen Frust teilen. Vielleicht kann mir hier jemand einen Blick von außen geben.
Ich werde seit März medikamentös eingestellt. Erst mit Medikinet, was ich eigenständig von 10mg bis maximal 70mg eindosieren sollte, maximal 10mg hoch pro Woche. Anfangs hat das auch irgendwie halbwegs funktioniert, manchmal auch richtig gut, aber die Wirkung und rebound Effekte waren sehr gemischt und nicht planbar. Weshalb ich es nur sehr vorsichtig eingesetzt habe. Ich war bei 40mg "hängen"geblieben, höher bin ich nicht gegangen. Warum genau kann ich nicht genau sagen, irgendwie Bauchgefühl.
Ende Juni hatte ich dann einen weiteren Termin und nach Schilderung meiner Erfahrungen hat sie mir dann Kinecteen 36mg verschrieben. Die ersten zwei Wochen könnten schwierig sein, danach wird es besser. Ggf. könnte man auch hoch gehen, ich solle nach 4 Wochen eine Mail schreiben.
Die ersten 10 Tage waren der absolute wahnsinn. Mir ging es so gut wie… wann habe ich mich mal so gut gefühlt? Es war nicht alles anstrengend. Ich konnte den Moment einfach genießen. Konnte meiner Tochter auf dem Spielplatz einfach zufrieden zusehen, obwohl ich doch eigentlich auf dem Weg zum einkaufen und dann kochen war ohne gestresst zu sein. Ich brauchte keine klaren Erfolge am Tag um mich „neutral“ zu fühlen und zu funktionieren. Ich war ruhig, aber trotz allem leistungsfähig. Ich konnte eine Sache nach der anderen angehen ohne von allem gleichzeitig bombardiert zu werden. Aber vor allem habe ich eine totale Zufriedenheit gespürt.
Dann gab es ein paar Tage, wo die Wirkung wieder gemischter war.
Und dann der totale Abfall. Kleine Dinge haben mich tierisch frustriert. Es fiel mir extrem schwer fokussiert Leistung zu bringen. War extrem erschöpft, körperlich wie seelisch. Bei der Einschätzung, was jetzt das Medikament für einen Effekt bei mir hat kommt nur leider erschwerend hinzu, dass aktuell auch objektiv eine anstrengende Zeit ist. Meine Mutter braucht nach einer Operation mit plötzlich notwendiger chemotherapie unterstützung und andere, kleinere Dinge die nicht so richtig rund laufen. Es gibt mehrere Menschen für die ich gerade genau jetzt da sein möchte und bin damit beschäftigt mich selber irgendwie zu managen das nötigste zu schaffen.
Jetzt hätte ich mir Unterstützung (bei der Einordnung des Medikaments und der Folgedosierung!) von meiner Psychologin gewünscht, aber die…ghostet mich. Wie abgesprochen habe ich eine Email in der 4. Woche geschrieben und meine Situation beschrieben, mit bitte um Einordnung, wie ich weiter vorgehen soll. Plus eine weitere E-Mail, weil keine Reaktion kam. Dann am Tag mit der letzten Tablette habe ich angerufen und um wenigstens ein Folgerezept für die gleiche Dosierung gebeten, damit ich die Eingewöhnung nicht unterbrechen muss. Nach einigen Stunden interner Aufwände in der Ambulanz habe ich dann kurz vor dem Wochenende noch mit biegen und brechen ein Rezept für 87 Tabletten 36mg bekommen.
Das ist jetzt 2 Wochen her und weiterhin keine Reaktion meiner Psychologin. Meinn nächster Termin ist Mitte Oktober.
Neben der eh schon fordernden Zeit stehe ich jetzt da und weiß nicht wo dran ich bei der Medikation bin, was natürlich mein absolutes Fokusthema ist von dem ich mich nur sehr schwer gedanklich weg bewegen kann.
Wieviel war dieser „Euphorieeffekt“ von dem ich hier schon so oft gelesen habe, der irgendwann weg geht?
Kommt das wieder?
Ist das was ich gespürt habe überhaupt der anvisierte Effekt oder was, was eigentlich gar nichts damit zu tun hat?
Hätte ich eine höhere Dosis fordern sollen?
Hat es gerade einen positiven Effekt und mir ginge es noch schlechter ohne?
Ist es normal, dass man während der Eindosierung seine Psychologin nur alle 3 Monate sieht und dazwischen größtenteils allein gelassen wird?
Muss ich da jetzt einfach durch und Geduld haben? „Eindosierung dauert halt…“?
Das ganze frustriert mich. Es fühlt sich an, als hätte ich ENDLICH eine Lösung gefunden, die ich gerade jetzt gut brauchen könnte und mir vermutlich sehr helfen würde. Zu wissen, wie gut es mir gehen kann und dann jetzt hier zu stehen fühlt sich einfach zusätzlich mies an.