"Einer für alle" // AdHS Medikation in der Familie

Jo ..

Ich bin auch mach zwei Jahren immer noch auf der Suche nach der besten Kombination an Medikamenten für mich.

Mittendrin ist mir auch noch die Autismusdiagnose dazwischengegrätscht mit all den neuen Erkenntnissen.

Leider hat meine Partnerin sehr früh klar gemacht, dass sie trotz eingestandener und SEHR deutlicher Symptomatik weder für sich noch für unsere 3 Kinder (wovon wir nur eins auch biologisch gemacht haben) Medikamente auch nur testweise in Betracht zieht.

Die Frustration darüber hält sich dabei ungefähr die Waage damit, wie viele Symptome bei mit auch nach zwei Jahren noch kein bisschem besser geworden sind.

Dabei habe ich mir von Anfang an auch seh zu Herzen genommen, was man über die erfolgreichste Behandlung sagt, bei der eben Medikation nur 1/3 der Wirkung ausmacht.

Aber mit den anderen beiden Dritteln, Psychoedukation und Therapie, fühlt es sich immer wieder wie ein Kampf gegen Windmühlen an:

Da bin ich endlich weniger impulsiv, aber meine Freundin dysreguliert komplett beim ersten falschen Blick und dann rutsch ich da ganz schnell wieder rein in alte Verhaltensmuster.

Oder ich hab 10 neue Ideen zur besseren Alltagsorganisation-aber keiner macht mit.

Weil das ja niemand braucht…solange ich wieder allen hinterherräume und jetzt mit doppelter Energie und Effizienz, dank Medikation!

Aber dann fehlt MIR eben wieder das Dopamin und die Energie, weil ich ja nicht WIRKLICH Medikamente genug nehmen kann um ALL unsere Symptome zu behandeln.

Aber eben auch nicht genug, damit ich wenigstens für MICH besser funktioniere.

Dazu kommt natürlich auch noch, dass durch die Medikation meine autistischen Bedürfnisse nach Ordnung, Regeln und Routine sowie sensorisch sicherer Umgebung mehr herauskommen.

Bevor ich also jetzt in die nächste Phase der Kombinationsssuche übergehe (von aktuell Elvanse+Atomoxetin zu möglicherweise Elvanse+Ritalin/Medikinet adult)…

Ist irgendjemand hier in einer ähnlichen Situation? Also allein auf weiter Flur mit der Medikation als einziger in einer neurodivergenten Familie?

Hat jemand hier zusammen mit den Kids mit Medikamenten angefangen und es bereut?

Weil die Kinder eben plötzlich ganz anders waren oder sich mit Nebenwirkungen rumschlugen?

Hat jemand es gemeinsam mit einem Partner angefangen und die Beziehung hat sich deutlich DADURCH verbesert?

Also wenn eben meine Freundin zumindest wsd support in Sachen Psychoedukation oder Therapie engagiert wäre, würde ich ihr ihre Abneigung (bzw. vor allem vermutlich hypochondrische Ängste) auch nicht so übelnehmen….

Sie leidet eben im Gegensatz zu mir mit meiner Hyperaktivität vor allem an ihrem konstanten eklatanten Energiemangel (natürlich AUCH aufgrund zuviel innerer Hyperaktivität, die ja genauso zu physischer Erschöpfung führt), was sämtliche Möglichkeiten eben ohne Medikamente Fortschritte im Alltag zu erzielen komplett zu nichte macht.

Ich würde mir nichts mehr wünschen, als dass ihr ihr Hausarzt zum Beispiel mal die Leviten liesst und erklärt wie der Dauerstresd durch ihr unbehandeltes ADHS langsam aber sicher ihren gesamten Körper zerstört (angefangen bei der Rosazea, die vor 3 Jahren dazukam und immer schlimmer wird).

Aber der hat zwar selber ADHS, aber genug Geld und Support um sich einzureden, dass die Medikamente nur seine Kreativität zerstören würden und er sie eh nicht braucht…:wink:

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Ich bin nicht in der selben Situation, fühle mich aber trotzdem angesprochen. Ich selber habe kein ADHS, aber mein Mann und mindestens eines meiner 3 Kinder.

Hier mal unsortiert meine Gedanken:

  • Mein Mann nimmt ADHS-Medikamente, aber sehr unregelmässig. Sie helfen ihm, wenn er sie nimmt. Ich bin hier insofern in der gleichen Situation wie du, dass ich meine zu wissen, was meinem Mann helfen würde, jeder Hinweis von mir in diese Richtung jedoch kontraproduktiv wirkt. PS: Die Medis helfen der Beziehung tatsächlich, wenn sie genommen werden - viel weniger Streit!
  • Bei unserem Sohn lässt mir mein Mann soweit freie Hand, was die Medikation betrifft. Ist aber leider auch schnell dabei, schlecht über die Medis zu sprechen wenn Nebenwirkungen auftauchen oder die Eindosierung harzig verläuft (was ja oft der Fall ist). Hier sähe ich grosse Schwierigkeiten, wenn der Partner komplett gegen Medis wäre. Medis helfen sehr viel (mehr als nur 1/3 der Behandlung!), aber der Weg dahin kann steinig sein, und wenn da nicht beide überzeugt dahinter stehen, wird es schwierig.
  • Und als letztes sehe ich auch etwas, was du jetzt noch gar nicht geschrieben hast: Drei Kinder und einen Haushalt zu managen ist (auch ohne ADHS) eine extrem anstrengende Sache. Ok, ich arbeite noch halbtags ausser Haus, aber auch sonst ist da sehr viel zu tun (und Gefühle zu managen, Streit zu schlichten etc.), was du vielleicht nicht mitbekommst, wenn du erst zum Abendessen nach Hause kommst. Vielleicht wäre da ein erster Ansatzpunkt, um deine Frau zu entlasten? Haushaltshilfe o.ä.?
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Naja, nach meiner ADHS Diagnose hatte ich ne kurze Phase, wo ich auch zu zweifeln begann, ob ich überhaupt ADHS hab oder eben nur überfordert bin mit ihrem….:slight_smile:

Das hat sich aber wieder gelegt.

Ich will das auch gar nicht schon wieder so auf Beziehung lenken, wobei meine Schwierigkeit natürlich schon grad hauptsächlich ist, dass sie so dagegen ist und die Kids das schon auch eher ihr nachfühlen gerade.

Also sowohl die Abneigung dagegen, irgendwas zu probieren, was MÖGLICHER weise negative Konsequenzen haben könnte, als auch die Abneigung dafür überhaupt einen Grund zu sehen.

Und ehrlich gesagt…ist halt auch schwer zu vermitteln, wieviel ich über die Jahre am eigenen Unwissen über meine Neurodivergenz UND an den Konsequenzen daraus gelitten habe.

Und ich wünschte mir eben, dass die Medis bei mir so dermassen eingeschlagen hätten, dass es eben was anderes bei ihnen erzeugt hätte.

Aber aktuell sieht eben auch keiner ein, dass eben das 1/3, dass es bei MIR verbessert (im idealfall), rein mathematisch ja schon nicht reicht, im gesamtkontext “Familie” wo wir alle auf die eine oder andere Weise voneinander abhängig sind.

Genauso wenig wie es bei euch auf Dauer funktionieren kann, wenn er das nur als “Bedarfsmedikation” nimmt.

Die meisten positiven Effekte habem sich für mich schon daraus ergeben, dass ich eben zum Beispiel im Job dadurch strategien unsetzen konnte, die mich dauerhaft entlasten.

Und das ist halt privat leider grad immer noch kein bisschen möglich, wenn jede Strategie entweder sofort vergessen oder aktiv blockiert wird, weil die Notwendigkeit oder der positive Nutzen verkannt wird…

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Zum Haushalt wolllte ich auch noch was schreiben, das sind natürlich typischerweise blinde Stellen beim “Brötchenverdiener”.

Ich arbeite allerdings seit Corona sogar komplett im Homeoffice und hab das aber auch davor sehr wohl mitbekommen…aber ich hab auch seit jeher, auch schon lange bevor wir Kinder hatte, quasi täglich immer noch ihre Hausarbeit mit übernommen:
Von Einkaufen über Kochen und Spülen und Putzen und aufräumen und Wäsche machen.
Bestimmte Aufgaben, wie Müll rausbringen oder Wäsche zusammenlegen, hat sie in 20 Jahren ungefähr 20 mal gemacht, schätze ich mal.

Aber das soll nicht schon wieder im Freundin-Bashing enden, davon hab ich auch gar nichts, ich wehre mich nur gegen das Narrativ, dass ich eben nicht sehe, was sie alles leistet, weil ich ja “nur” arbeite und sonst nichts mache…
Das trifft bei uns einfach nicht zu und ich hab eben jahrelang versucht sie da zu unterstützen, auf Kosten meiner eigenen Energie und Nerven, vor allem damit eben auch überhaupt noch was von ihr für mich übrig bleibt.
Aber das hilft eben auch alles nicht und sie schätzt das wiederum auch nicht genug wert, vor allem wenn ich es dann nicht mehr hinbekommen habe, davon halt nicht auch immer wieder extrem genervt gewesen zu sein und hat mir dann immer an den Kopf geworfen, ich MÜSSE ihr ja nicht helfen.

Mehr will ich dazu nicht sagen, das ist alles zu sehr Trigger Thema.

Ich weiss, ich habs ja selber angesprochen, aber mir gings eben vor allem darum, andere Erfahrungen zu hören und nicht im Detail hier über meine rumzuranten…davon hab ICH ja nichts….:slight_smile:

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