Einfühlsam mit Anlauf

Ich bezeichne mich als einfühlsamen Menschen aber leider nur wenn ich darauf vorbereitet bin…
Schwiegermutter(80) sagt weinend zu mir: Ich kann es einfach nicht vergessen und verzeihen, wie sehr mir mein Exmann weh getan hat.
Ich: Das haben viele Frauen, toxische Beziehungen mit Narzissten.
Schwiegermutter mit Fragezeichen- Blick steht auf und geht.

Anruf von Bekannten, der Sohn hat sich umgebracht. Ich: Ihr könntet jetzt heiraten, das wäre ein Gedenken.

Was für ein Bullshit, den ich manchmal rausbringe, wenn ich eigentlich zuhören sollte und nett sein.
Ich schäme mich so.
Empathie spielt sich daher eher im Inneren ab oder wenn ich weiß, jetzt kommt das Gespräch etc

Liebe Grüße

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Huhu,

ich kann Dir da nachfühlen. Manchmal rutscht da was sehr direktes raus, was unpassend ist.

Gespräch auf Arbeit, wer vögeln will muss lieb sein, ich: würde Dir vielleicht mal wieder gut tun… direkt.

Ich versuche mich nun wirklich dahingehend zu bremsen, durchschnaufen, warten, Zeit gewinnen und dann entspannter zu antworten oder halt einfach nicht den ersten besten Gedanken rauszulassen.

Ich arbeite aber auch dran.

LG

Hey @MelaMela
Oje das ist echt heftig. Dass Menschen dann verletzt sind verstehe ich durchaus.

Was dich aber entschuldigt: du hast mit adhs eine Impulskontrollstörung, die es dir erschwert innezuhalten, nachzudenken und das Richtige zu sagen.

Als Tipp: entschuldigen bei den Betroffenen wenn sie sehr verletzt sind und beim nächsten mal im so einer situation versuche eine Gegenfrage zu starten statt einer Antwort oder eines Kommentars. Z.b könntest du fragen"was brauchst du" oder „wie kann ich dir in deiner Situation helfen“

Notfalls auswendig lernen, dann schützt es dich neim nächsten Mal vor unüberlegten Äußerungen

Du schafftst das, ist reine Übung.

Mir ging es tatsächlich selbst so, wenn Leute auf hohem Niveau gejammert haben wg diverser Luxusprobleme und ich gleichzeitig vor ein paar Jahren meine krebskranke Mutter gepflegt habe und 4 todesfälle hintereinander wegstecken musste Da habe ich auch immer unüberlegt Sachen rausgehauen, die im nachhinein unpassend waren. Also, ja sowas kenne ich auch…leider
Adhs mit großem H :wink:

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Ich krieg oft erst im Nachhinein mit, was ich gefühlt habe. In der jeweiligen Situation fällt mir nix ein. Außer, dass es jetzt blöd rüberkommt, wenn ich nix sage. Dann sage ich was, damit was gesagt ist und das ist nicht selten unpassend weil stereotyp. Adhs mit superkleinem h. :upside_down_face:

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@MelaMela in beiden von Dir beschrieben Fällen wäre es darum gegangen Mitgefühl zu zeigen.
In Deinem Fall scheint es so zu sein, dass Du statt emotional rational reagierst hast, und das wird in solchen Situationen als unpassend registriert.

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Oh das kommt mir etwas bekannt vor! An sich möchte ich immer versuchen zu helfen und höre gerne zu, allerdings tue ich mich sehr schwer, wenn es um spontane emotionale Situationen geht. Wenn jemand vor mir plötzlich anfängt zu weinen, fühle ich mich sehr hilflos und weiß nicht genau, was die Person am besten braucht: Ratschläge oder einfach nur fest gedrückt werden? Mir tut das immer so leid :frowning:

Mittlerweile habe ich mir ein paar Verhaltenstechniken eingeübt. Wenn es jemanden schlecht geht und weint, frage ich, ob es etwas gibt, was ich tun kann, hole ein Taschentuch und gebe eine Umarmung. Oh Mann aber ich bin jetzt keine kaltherzige Person hoffentlich, nur manchmal etwas unbeholfen und möchte alles richtig machen :smiley:

Ansonsten kann ich mich schriftlich viel besser ausdrücken, wenn jemand mir von seinen Problemen erzählt. Da kann man mehr darüber nachdenken, wie man sich ausdrückt, sich Zeit nehmen und mehr in die Person einfühlen als so so spontan…

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Danke für Eure offenen und ehrlichen Antworten.
Ja es ist komisch, irgendwie bin ich voll sozial und dann wieder null .
Ich weiß nicht, an was es immer liegt aber es besteht viel Lernbedarf :zipper_mouth_face:

Vielleicht hilft es dir, dieses direkte Verhalten auch eher als Vorteil, statt als Nachteil zu sehen. Klar, so eine Antwort, nach der Nachricht eines Selbstmords ist mehr als unglücklich und sollte tatsächlich verhindert werden.

Allerdings finde ich die erste Situation, die mit deiner Schwiegermutter, ist ganz anders zu bewerten. Man braucht den Leuten nicht ständig Honig ums Maul schmieren, ehrliche und Augenöffnende Aussagen sind genau so wichtig, wie das Mitgefühl. Betroffene bemerken dies aber oft erst im Nachhinein. Kein Blatt vor den Mund nehmen zu können, kann Probleme verursachen, aber es kann auch Leuten helfen. Manche schätzen es sogar sofort, wenn ihre Mitmenschen direkt ehrlich sind und die Fakten klar aufzählen.
Ich glaube Indirektheit, also die Eigenschaft eher positiv einfühlend zu sein und zu versuchen nur das richtige zu sagen, geht auch oft mit Schönreden, rationalisieren und über-, bzw. unterbewerten einher.

Empathie zu zeigen, einer Person zumute zu sprechen, ist sehr wichtig, aber eben auch gerade heraus zu sagen, wie etwas ist, ist es auch.

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