Einordnung Symptome

Hallo zusammen!

Habe mit Anfang 30 und 2 Kindern die Diagnose gestellt bekommen für den vorwiegend unaufmerksamen Typ ohne Hyperaktivität und bisschen Impulsivität.

Finde das vor allem wichtig, um sich Situationen aus der Kindheit zu erklären, warum was wie war usw.

Aber jetzt im Erwachsenenalter finde ich es schwer, einzuordnen, was ADHS ist und was nicht. man muss auch dazu sagen, dass ich gerade mit einem 8-Monate alten Baby in Elternzeit bin und Schlafmangel allgegenwärtig ist, was die Einordnung noch schwerer macht.

Ich habe zum Beispiel immer ein „Kopfgefühl“, ein Flirren im Kopf, ich kann es richtig hören in meinen Ohren. HNO sagt, Tinitus ist es nicht. Ich bin wie in einer Wolke und muss erstmal durch den nebel um zum Beispiel an Konversationen teilzunehmen, etwas anzufangen oder überhaupt mich aktiv auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Als ob ich meinen Kopf immer erst einmal ankurbeln müsste, damit da was geht.

Dabei ist bis auf den Schlafmangel mein Alltag gerade echt ruhig, viel Babyzeit, kein TV, kein Radio, also die Reize sind gerade echt gering. Will mir gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn man wieder arbeiten geht.

Aber das ist gerade mein größtes „Problem“. Mein Kopf ist eine eigene kleine Welt, und um an der Außenwelt teilzunehmen, muss erstmal die Nebelwand durchbrochen werden. Aber gleichzeitig ist im Kopf immer was los, immer ein Ohrwurm, Erinnerungen an Gespräche oder irgendwelche Quatsch-Gedanken.

Ich habe nicht so viel Probleme damit, alltägliche Dinge anzugehen, zum Beispiel werde ich nach diesem Post die Wohnung aufräumen. Aber ich werde dabei nicht wirklich im Hier und Jetzt sein, sondern in meiner Kopf-Welt unterwegs und nach 39 Minuten werde ich denken: „Hä, wann hab ich aufgeräumt und wo ist die Zeit hin?“

Das passiert mir auch auf Arbeit oft und dadurch vergesse ich viel zu viele Sachen oder arbeite unordentlich.

Ist das ein ADHS - typischer Zustand?

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Hab auch den unaufmerksamen Typ und alles was du beschrieben hast passt zu 100%.

Danke für die Antwort. Weißt du zufällig die medizinischen Hintergründe warum das so ist? Also was geht da im Körper und im Kopf ab, dass man diesen Zustand hat?

Und nimmst du Medikamente? Und wenn ja, helfen sie? :slight_smile:

Ich bin mir nicht ganz sicher was du medizinischem Hintergrund meinst, aber die Ursache von ADHS ist ein Mangel an Neurotransmittern. Dadurch kommt es zu einer Störung der Reizverarbeitung.

Ich nehme Elvanse, und es hilft mir sehr

Für mich ist da eine Lücke zwischen „es fehlen Neurotransmitter“ und Symptomen wie ein Nebel im Gehirn / ständig ist was los im Kopf / usw.

Vielleicht weißt du da mehr :slight_smile:

Toll, wenn die Medikamente helfen! :slight_smile: Sind die Symptome komplett weg oder „nur“ weniger geworden?

Ich hab mich bewusst kurz gehalten weil ich nicht raus gelesen hab was du schon über ADHS weißt und wie tief du im Thema bist. Hier jetzt im Detail auf die Symptome einzugehen und wie die Medikamente genau auf mich wirken würde den Rahmen sprengen, und ich bin auch bei weitem kein Fachmann. ADHS ist ein sehr tiefes Thema, mit vielen verschieden ausgeprägten Symptomen und Komorbiditäten. Nicht alles ist direkt auf einen Dopaminmangel zurückzuführen. Wenn du dich dafür interessierst wie die Medikamente genau auf mich wirken kannst du dir mal über mein Profil meine Posts der letzten Tage durchlesen, ich hab da viel über meine Medis geschrieben und würde mich jetzt nur wiederholen.

Neurotransmitter (Dopamin) sind verantwortlich für die Reizverarbeitung an den Nervenenden im Gehirn. Bei einem Dopaminmangel funktioniert diese Reizverarbeitung nicht richtig, dadurch kommt es z.B. zu Reizüberflutung, denn das Gehirn nimmt jeden Reiz gleich stark war und kann Reize nicht filtern. Dopamin ist außerdem wichtig für z.B. Antrieb, Motorik, emotionale Regulation, Stressregulation… Manche Symptome und Verhaltensweisen sind nicht direkt auf den Dopaminmangel zurückzuführen, sie sind eher eine Anpassung des Körpers an das ADHS. Ich Versuch das mal an meinem Beispiel zu erklären. Wie gesagt ich weiß nicht ob das fachlich 100% korrekt ist aber so erklär ich mir meine sehr stark ausgeprägte Unaufmerksamkeit: Ich hatte in der Kindheit oft Stress, normalerweise regelt man Stress in dem man flüchtet oder angreift, man löst das Problem dass Stress verursacht oder ignoriert es. Ich habe jedoch in meiner frühen Kindheit diese Optionen nie gelernt. Was bleibt dann noch für eine Option? Das einzigste was bleibt um mit dem Stress fertig zu werden ist abzuschalten und Unaufmerksam zu werden, sich quasi Tod zu stellen. Das Gehirn ist jedoch auf Reize angewiesen, denn Reize stoßen Dopamin aus und davon haben wir zu wenig. Daher fängt das Gehirn an eigene Reize zu schaffen um Dopamin auszuschütten, z.B. in dem man immer wieder über fiktive Situationen nachdenkt die Dopamin ausschütten usw. Dadurch bin ich oft in meinen Gedanken versunken und kann mich nicht auf mein Umfeld konzentrieren. Die Ursache der Symptome ist also nicht immer nur der Dopaminmangel, aber alle Symptome resultieren indirekt aus dem Dopaminmangel und dem Verlangen nach Dopamin. Ich hoffe das Beispiel hat das ganze ein bisschen verständlicher für dich gemacht, wenn nicht frag gerne nochmal nach.

Wenn du dich noch nicht über ADHS informiert hast solltest du das tun, ich kann mir seit dem viele Verhaltensweisen erklären die ich nie mit ADHS in Verbindung gebracht hätte. Da du zwei Kinder hast kann es nicht schaden sich über Neurodivergenz bei Kinder zu informieren. ADHS ist vererbbar, vor allem über die Mutter.