Ich (m, 42) nehme seit meiner Diagnose vor sechs Wochen Elvanse. Inzwischen 50mg täglich. Ich bin mit der Wirkung voll zufrieden. Nahezu alle Symptome sind wie weggeblasen. Ich kann mich hervorragend konzentrieren, ich bin emotional viel stabiler, das wilde Gedankenkreisen ist vorbei, ich schlafe endlich super. Und zum ersten Mal seit ich denken kann bin ich zufrieden mit meinem Leben. Beinahe glücklich. Das kannte ich so vorher nur von Alkohol oder Drogen.
Mein Therapeut, der schon die Diagnostik und jetzt auch eine wöchentliche Therapie macht, ist nicht glücklich. Der meint nämlich, eigentlich dürfte ich die Wirkung gar nicht merken. Was mich total konsterniert und auch verunsichert: Wie soll ich diese Wirkungen denn NICHT bemerken? Der Vorher-Nachher-Unterschied ist so gewaltig, den kann man gar nicht nicht bemerken.
Zur Erklärung: Ich spüre auf Elvanse kein High oder so. Ich fühle mich auch nicht drauf. Ich fühle mich bloß wach, konzentriert, emotional stabil und vor allem wohl in meiner Haut. Das kannte ich wie gesagt bisher nur von Drogen, daher der Vergleich. Lediglich die Sitzungen mit dem Therapeuten ziehen mich sehr regelmäßig runter, weil er von all den positiven Veränderungen scheinbar nichts wissen will, aber immer wieder verweist auf „Sie dürften das Medikament gar nicht bemerken, erst hinterher sollten Sie feststellen dass es gewirkt hat“.
Stimmt das? Es erscheint mir sehr widersinnig, denn die Veränderungen sind so krass und positiv, dass ich keine Ahnung habe, wie ich die nur in der Retrospektive bemerken soll. Ich verstehe natürlich, dass sein Job u.a. darin besteht, auch mal auf die Bremse zu treten, nach Anzeichen einer Überdosierung zu schauen und einen eventuellen Missbrauch zumindest im Auge zu behalten. Aber das ist buchstäblich das einzige, das ihn zu interessieren scheint.
Erzähle ich ehrlich stolz, wie geduldig und reflektiert ich einen Konflikt gelöst habe, bei dem ich vorher garantiert impulsiv ausgetickt wäre → „Vermeiden Sie lieber erstmal solche Konflikte“
Sage ich, wie grundzufrieden ich seit der Einnahme bin → „Das sollten Sie eigentlich gar nicht aktiv spüren“
Berichte ich, wie viel leichter mir plötzlich Entscheidungen fallen und wie gut ich zu meiner eigenen Überraschung (und der meines ebenso positiv überraschten Umfelds) darin bin → „Vermeiden Sie lieber Entscheidungen für eine Weile“
Wie gesagt, ich verstehe absolut, dass er auch Bad Cop spielen muss. Alles klar, verstanden, ist in meinem Sinne. Aber ausschließlich? Und soll ich wirklich nicht merken, dass es mir zum ersten Mal in meinem Leben … gut geht?