ich habe mal mein altes Medikament Medikinet mit meinem neuen Medikament Elvanse verglichen, Punkt für Punkt (Konzentrationsfähigkeit, Vergesslichkeit, Einfluss auf Unruhe, impulskontrolle/wut, Nebenwirkungen usw.). Allgemein schneidet bei mir in diesem Vergleich Elvanse besser ab! Allerdings hat Elvanse in einem Bereich, der mir sehr wichtig ist, gefühlt kaum bis gar keinen Effekt: Ich neige zu impulsiven Wutausbrüchen, besonders wenn mir etwas wegen Ungeduld nicht gelingt. Das war bei Medikinet praktisch weg… mit Elvanse gehe ich genauso in die Luft wie früher! Das ist echt schlimm für mich. Ich habe ein Kind und will so einfach nicht sein, ich habe mich aber nicht unter Kontrolle (keine Gefahr für das Kind! Ich bin einfach ein tobendes Arschloch und ich möchte einfach nicht so sein!). Zu Medikinet zurück will ich nicht. Ich habe irgendwas gelesen, dass Guafancin(?) in Kombination mit Elvanse bei genau diesem Thema helfen könnte…!? Hat da jemand Erfahrungen mit?
mein Halbwissen: Elvanse regelt den Dopamin Spiegel oder die Aufnahme, erhöht aber Noradrenalin, was dann ggf. Zu solchen Wutausbrüchen führen kann. Guafancin regelt das Noradrenalin, welches dann die Wirkung auf die impulsiven Wutausbrüche hat. Stimmt das so in etwa?
ich habe Ende Mai eh einen Termin beim Psychiater, aber ich habe das Gefühl das viele Ärzte trotz allem nicht zu 100% im Thema sind
Ich komme mit Medikinet nicht gut zurecht aber das kann ja trotzdem für Methylfinidat sprechen ganz gleich ob alleine oder ggf als kleine Gabe zu Elvanse. Sowas muß mit dem Arzt besprochen werden doch bei mir hat Ritalin keine der ungewünschten Nebenwirkungen, die Medikinet aufweist was etwas mit der Retardierung und nicht mit dem Wirkstoff zu tun hat und daher bestimmt einen Versuch wert sein könnte. Ritalin und Generika sind nahrungsmittelunabhänig einnehmbar und haben durch eine Polymerbeschichtung in der verzögerten Freisetzung quasi eine Zeitschaltuhr eingebaut in der sich die Beschichtung nach einem bestimmten Zeitablauf auflöst und dann die Freisetzung beginnt. Bei „Wirklöchern“ kann man z. B. statt 20mg auf einmal 10 mg jetz und in 30, 45,60 min verzögerte die nächsten 10mg nehmen. Die Zeitspanne müsstet du dann ausprobieren weil sie doch bei jedem etwas unterschiedlich zu sein schein dann aber bei dir wirklich so gleichbleibend ist das du verlässlich die Uhr nach stellen Kannst wenn du die wirkliche Zeit ermittelt hast und das nicht zu ungenau ist, weil du zu beschäftigt/ ablenkt warst. Ich musste früher teils zu ungenau sein weils aufteilen nicht gut geklappt hatte aber irgendwie gibt es ja immer viel zu tun
Ich kenn mich mit Guanfacin nicht aus, ich nehme zwar auch Elvanse aber ich habe nur starke Wutausbrüche wenn ich es absetzte, konkret werd ich dir also nicht weiterhelfen können. Aber nur ein Gedanke der mir beim Lesen gekommen ist: Die Wutausbrüche mit Neurotransmittern zu begründen ist vielleicht zu einfach gedacht, Wut wird in erster Linie von Angst ausgelöst (und Trauer). Scheint als ob Medikinet besser gegen deine Angst wirkt als Elvanse. Vielleicht solltest du nicht nur über Medikamente sondern auch über deine Ängste nachdenken. Selbst wenn du eine passende Kombination von Medikamenten findest, die Nachhaltigkeit der Wirkung von Stimulanzien ist quasi 0. Sobald du die Medikamente absetzt werden deine Ängste und deine Wut wahrscheinlich wieder wie davor sein. Die einzigste nachhaltige Behandlung ist eine Therapie, vor allem wenn man sie mit Medikamenten verbindet. Stimulanzien sind zwar die Wirkungsvollsten Psychopharmaka die es überhaupt gibt, aber ich denke wir sollten sie nicht als Lösung sondern als Werkzeug sehen.
Ich finde die Wirkung von Elvanse in fast allen Bereichen besser - abgesehen fast nur von der Wutkontrolle! Besonders störend empfand ich das erzwungene Essen zu der Dosis und das zeitlich genau getimte nehmen der zweiten Dosis. Das hat in der Praxis nicht funktioniert.
Das könnte natürlich auch klappen.
Das sowieso. Es ging jetzt erstmal um die Theorie. Ich benötige ja eh Rezepte für die Medikamente…
Ich werde wütend, wenn ich etwas nicht hinbekomme (zb eine kleine Schraube beim einschrauben immer wieder wegflutscht).
Die gehe ich in einer VT an. Sind aber eher soziale Ängste.
Ich mache eine Therapie wegen adhs bzw meiner diagnostizierten sozial Phobie.
Ich merke auch einen Unterschied zwischen Medikinet und Elvanse.
Unter Medikinet bin ich körperlich entspannter und konzentrierter. Aber meine Emotionsregulierung ist schwach. Impulssteurung funktioniert durchaus besser, aber über Ostern hatte mir selbst das nicht geholfen. War das alles anstrengend denen um ich herum nicht was an den Kopf zu werfen. Unter Medikinet kann ich auch die Wirkdauer schlecht abpassen und ich esse schlecht. Da war sicher auch der ein oder andere unfassbar zusammengerissener Rebound bei.
Unter Elvanse wiederum ist die Emotionsregulierung leichter, die Konzentration aber nicht der Brüller.
Also ich hau da manchmal Sachen raus, puh… Als hätte ich mir mit 100% Wasserstoff die Haare blondiert und das Gehirn weg frittiert, merke das aber im gesprochenen Satz gleich und schäme mich in Grund und Boden. So ein Typisches „Zunge schneller als der Kopf“
Auch fühlt sich der Körper etwas mehr gespannt an als unter Medikinet. Obwohl ich glaube das hab ich aufgrund schlechten Essevrhaltens auch hier und da ne höhere Dosis abbekomme hatte, da dass ohne Hindernis, so in den Dünndarm durchgeflutscht ist.
Die Unterschiede sind nicht Digital, sie fließen in einander.
Beide Medi. wirken ein, nur jeweils unterschiedlich stark und stabil.
Aktuell kombiniere ich beides.
Ich habe unter Elvanse scheinbar dennoch einen Rebound. Pünktlich wie die Mauerer gehen bei mir nach 10h die Schotten runter. 30-60min. hab ich dann starke Müdigkeit und verstärkte ADHS Symptome.
Oft mal ist mein Tag aber nach 10h noch nicht zu ende. Ich dachte daran noch n kleine Dosis Elvanse nach zuwerfen. Doch der Doc meinte ich solle lieber MPH nehmen, da dass nicht so lange wirkt und ich dann eher nachts schlafen kann. Und alzuell funktioniert das ganz gut
Hm… Denk dran, dass die Medikation dir immer nur ein Stück weit helfen kann. Wenn dein Grundstresslevel hoch ist (Ostern kann ja sowas sein, wenn zb die Familie da ist), dann stößt so eine Stimulanz halt auch an ihre Grenzen. Bei mir bedarf es aber nicht mal ein erhöhtes Grundstresslevel um in die Luft zu gehen
Das verstehe ich total. Es fällt mir auch nicht so leicht ein genaues und definitives Fazit zu geben. Trotzdem war in der Gegenüberstellung bei mir Elvanse vorne. Alleine die Art der Einnahme bei Medikinet… das funktioniert bei mir in der Praxis einfach überhaupt nicht! Elvanse: morgens ne Tablette und gut ist! Medikinet: morgens, wenn wenig Zeit ist und ich mein Kind in den Kindergarten bringen muss, noch ein Frühstück reinquälen, mittags die zweite Dosis, aber kein Essen eingepackt, weil es morgens schnell gehen musste, dann die zweite Dosis zu spät nehmen, damit alles aus dem Takt bringen… eine voll Katastrophe!
Auch darüber habe ich nachgedacht! Das wurde mir ja auch hier im Forum schon geraten, eine andere stimulanz zu kombinieren. Meine Idee war morgens Elvanse, weil es einfach gut hilft und nachmittags zb unretadiertes Medikinet. Späterer Nachmittag nochmal. Mal sehen… Oder halt Guanficin.
Das passiert bei mir überigens viel schneller. Ich würde es nicht als Rebound bezeichnen, weil im Rebound die adhs Symptome ja plötzlich wieder sehr viel stärker werden. Ich merke bereits nach 7-8 Stunden, dass Elvanse einfach nicht mehr wirkt. Aber ich glaube eine Erhöhung der Dosis erhöht nicht zwangsläufig die Dauer…!? Das war bei Medikinet übrigens auch so: viel kürzere Wirkung als bei den anderen. Bei Medikinet war zudem der Rebound sehr stark. Da war ich nachmittags einfach extrem antriebslos und unaufmerksam.
Es heißt ja auch halbwertszeit oder Plasmahalbwertskonzentration… bedeutet, ab wann ist die vorliegende Konzentration genau halb so hoch wie im apex…
Und in der Illustation natürlich auch nur Referenzwerte aus der statistischen Mitte.
Gibt natürlich immer Menschen, die eine höhere Genexpression haben, sodass abbauende Enzyme schneller produziert werden… aber meist sind diese Schwankungen gar nicht so enorm
Ja, es ging mir bei der Grafik auch nicht um die Wirkungsdauer bei einer Person, sondern darum, dass bei Elvanse im Gegensatz zu MPH höhere Dosen länger wirken. Wenn du vereinfacht gesagt eine Konzentration von 80 brauchst, wirkt Elvanse 50 so lange wie die blaue Linie, und Elvanse 70 so lange wie die orange Linie:
Nein es ist wirklich so. Unter Elvanse bin ich bedeutend friedlicher und ausgeglichener.
Hier runter hab ich erstmal erfahren können das es sowas Überhaut gibt.
Zuletz hatte ich ein so „Sorgloses“ Leben in der Grundschule.
Ich glaube du hast in der Interpretation der Grafik einen Denkfehler (kann mich aber täuschen).
Die Grafik zeigt doch nur den Dexamfetaminspiegel bei der entsprechenden Dosierung und deren Verlauf.
Der Dexamfetaminspiegel ist bei 70mg natürlich höher als 50mg.
Aber die Kurven fallen ja relativ proportional.
Deine organene Linie zeigt ja nur, dass man bei 70mg LDX aufgrund des höheren Wirkstoffniveaus entsprechend nach Zeit X schon auf einen Wirkstoffspiegel ist, der bei 50mg Dosierung schon vorher erreicht ist.
Aber wo ist jetzt die genaue Erkenntnis? Wer auf 70mg ein dosiert ist, der benötigt ja dieses hohe 70mg Niveau des Wirkstoffspiegels.
Die orangene Linie sagt also über die Wirkdauer m.E. wenig aus.
Denn du vergleichst ja plötzlich mit 50mg und deren Wirkstoffspiegel - und der reicht ja eben nicht, sonst würde man die 70mg nicht benötigen.
Der Abbau und das Anfluten und der Spiegel des Dexamfetamin unterscheiden sich ja nur in dem Niveau des Pegels, aber 70mg wirken auf dem Niveau von 70mg ungefähr so lange wie eben 50mg auch auf dem Niveau von 50mg wirken, und 30mg wirken auch auf dem Niveau von 30mg.
Der Abbau an sich und die Umwandlung von LDX in Dexamfetamin unterscheiden sich - wie die Kurven zeigen - eben nur in ihrem Spiegelniveau, bleiben dabei aber immer proportional zueinander.
und ich wollte erklären, weshalb es bei Elvanse eben doch so ist, dass eine höhere Dosis auch eine längere Wirkdauer bedeutet.
Es gibt ja durchaus Leute, die zB 30 mg ok finden, die aber auch mit 40 oder 50 mg klarkommen. Und da unterscheidet sich dann die Dauer der Wirkung. Aber klar, wenn der Peak dann zu hoch ist und man sich überdosiert fühlt, ist das natürlich keine Lösung.
Oder anders gesagt, wenn die Wirkung da ist, aber die Wirkdauer noch nicht optimal, lohnt es sich, mal noch eine Dosis höher zu gehen. Die Wirkdauer sollte dann länger sein. Ob die Wirkung dann immer noch gut ist oder bereits „drüber“, wird man so herausfinden.
Adhs.verstehen.mit.mark hat auf Insta genau dazu Beiträge gemacht. Seine Erfahrung ist auch, dass er am ausgeglichensten unterwegs ist, seit er Guanfacin und Elvanse kombiniert. Aus den gleichen Gründen, die du genannt hast. Sprich mit deinem Psychiater, ob du das mal ausprobieren könntest. Achtung: für Guanfacin brauchst du einen „Spiegel“, damit es richtig wirkt. Dauert daher ein bisschen, bis du möglicherweise die richtige Wirkung spürst. Viel Glück!
Mein Teenager-Sohn nimmt Intuniv und fährt gut damit. Ohne flippt er gefühlt ständig aus. Ich glaube aber, für Erwachsene wird das nur off-label verschrieben.
Was mir noch einfällt: ich frühstücke normalerweise nicht und habe deshalb statt Medikent Ritalin adult bekommen. Dafür muss man nicht essen. Das wäre vielleicht einen Versuch wert, wenn du MPH nochmal ausprobieren möchtest? Mittags nachnehmen muss man aber leider auch.