Elvanse: Schwierigkeiten die richtige Dosis zu finden

Hi, ich nehme seit März Elvanse und langsam verzweifele ich.

Gestartet mit 20mg und dann jede Woche 10 mg erhöhen bis ich bei 40mg angekommen bin.

Die ersten Tage waren wunderbar mit 20mg. Endlich wär mein Kopf ruhiger und ich konnte Dinge erledigen mit viel weniger Pausen.
Natürlich die anfänglichen Nebenwirkungen. Aber die Wirkung war wirklich toll.

Mit 30mg ähnlich gut. Noch besserer Fokus und Konzentration. Nur waren ab und an innere Unruhezustände am Start.

40mg - zwischendurch Angst- und Panikgefühl. Aber der erste Tag mit 40mg fühlte sich sehr sehr angenehm an.

Wichtiger Hinweis: in den Wochen war extrem viel Stress auf der Arbeit. Deshalb weiß ich nicht, ob besagte Zustände vom Stress oder Elvanse kamen.

Bin auf 30mg runter weil mir die Angst und Panikgefühle mit 40mg zu viel waren.

Dann einige Wochen 30mg. Die Angst- und Panikgefühle ließen nach. Aber es schlich sich ein Zustand von Abgestumpftheit ein. Ich hatte dauerhaft ein bedrücktes Gefühl.

Zwischendurch 35mg ausprobiert für einige Wochen. Auch hier eher ein Gefühl von Abgestumpftheit und auch, dass mir äußere Reize noch doller zu viel sind als ganz ohne medis.

Nun 2 Wochen nochmal auf 20mg und das abgestumpfte Gefühl war weg aber Impulsverhalten wie Essen und öfter am Handy hängen wurden mehr. Auch die Konzentration war mit höherer Dosierung besser.

Jetzt sind meine Fragen:

  1. habe ich wirklich ADHS?
  2. Sind die beschriebenen Sachen bei 30-40mg bei mir ein Zeichen für Über- oder Unterdosierung?
  3. Falls es es Zeichen für Unterdosierung sind: 50mg testen? Habe enorm Angst dass die Panikgefühle von 40 mg durch eine noch höhere Dosierung schlimmer werden.

Was sind eure Gedanken dazu?

Hallo Alino,
ich nehme seit knapp drei Monaten Lisdexamfetamin. Zunächst 30mg, aber irgendwann merkte ich, dass es nicht mehr wirklich reicht. Ich versuche jetzt grade 40mg und das ist wieder etwas besser. Ich bin ja kein Experte und viele Details in deinem persönlichen Fall sind mir unbekannt, daher kann ich nur aus meiner Sicht das beleuchten, was du berichtest: Grundsätzlich verändert uns das Medikament und erleichtert bestenfalls einige unserer täglichen Kämpfe, andererseits gibt es da aber auch noch die psychische Komponente. Vielleicht wünschen wir uns mehr, als wir erwarten können? So wie ich das bisher mitbekommen habe, ringen viele um Selbstakzeptanz. Ich zum Beispiel muss das „anstrengende Denken“ erst lernen, weil ich es ohne Medikamente erst gar nicht zu versuchen brauchte. Ich konnte mich einfach NIE konzentrieren, und alles, wobei ich mein Hirnschmalz anstrengen musste, verursachte beinahe eine Art Schmerz. Das ist auch der Grund, warum ich nach 15 Jobwechseln schließlich aufgegeben habe :face_exhaling: . Bei Überforderung rutschte ich schnell in meine Panikattacken zurück, war ständig von einer Angst beleitet. Das ist komplett weg mit Lisdex und dafür bin ich so dankbar. Da sich ADHS bei jedem etwas anders zeigt, würde ich nie darauf schließen, es nicht zu haben, nur weil du mit der Wirkung deines jetzigen Medikaments oder der Dosierung nicht zufrieden bist. Du hättest es sicher gar nicht erst verschrieben bekommen, wenn dein Arzt nicht die Notwendigkeit (bzw. die Diagnose) erkannt hätte. Die Herausforderung bei Lisdex ist vielleicht, die subtile Wirkung zu akzeptieren und eine Feinabstimmung in puncto Dosierung hinzubekommen, sodass man für sich persönlich das rausholt, was eben geht, aber sich dann auch davon verabschiedet, eine immer noch bessere/stärkere/deutlichere Wirkung zu wollen - allerdings sage ich das als jemand, der noch nie ein anderes ADHS-Medikament ausprobiert hat (und ich will es auch nicht, weil ich mit Lisdex gut fahre). Hattest du eigentlich vor den Medis auch Ängste oder Panikgefühle? Die können nämlich wirklich durch eine Überdosierung ausgelöst werden. Die Abgestumpftheit kenne ich auch, inzwischen jedoch bewerte ich sie anders: Vor den Medikamenten schwamm ich sozusagem in einem Meer unkontrollierter Emotionen. Was ich in den ersten Wochen mit Lisdex als Abgestumpftheit bewertete, sehe ich inzwischen so, dass ich meine Gefühle kontrollieren kann und nicht ständig von ihnen gegängelt werde. Heute zum Beispiel hab ich ein Hörbuch zu Ende gehört und das Ende hat mich zu Tränen gerührt. Mit Lisdex kann ich mich gezielt und kontrolliert meiner Gefühlswelt widmen und das finde ich sehr angenehm. Auch die Impulse sind weg, die mir das Leben echt schwer gemacht haben. Wenn du sagst, dass dich das Medikament ruhiger macht (ich empfinde es als eine angenehme Gelassenheit und Sortiertheit im Kopf), dann ist oder wäre das ein Indiz dafür, dass es wirkt (und du hast ADHS! :smiley: ). Du beschreibst aber auch, dass äußere Reize bei 35mg schlimm waren… Vielleicht sind die 40mg also erst mal gut (nachdosieren kann man ja irgendwann immer noch). Man darf ja auch nie vergessen, dass der Körper im Grunde gegen das Medikament kämpft und wir kaum jeden Tag in der gleichen Verfassung sind. All das spielt sicher auch eine Rolle, wie wir die Unterschiede einer täglichen Wirkung empfinden? Aber wenn man sich sehr unsicher ist, dann sollte auf jeden Fall der eigene Arzt einen guten Rat geben können :face_with_monocle: … Alles Gute dir!

Hi! Danke für deine Antwort :blush:
Lange vor Elvanse hatte ich auch mit Panikattacken zu tun. Seit etwa einem Jahr sind sie aber für mich kaum noch ein Thema (Therapie sei Dank).

Unter 40 mg traten dann allerdings plötzlich Panikgefühle in vermeintlich banalen Situationen auf – das war vorher nicht so. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass 40 mg für mich einfach zu viel waren.

Bei 30–40 mg hatte ich außerdem das Gefühl einer inneren Abgestumpftheit, die sich unnatürlich angefühlt hat. Gleichzeitig war ich deutlich schneller reizüberflutet und brauchte mehr Pausen. Besonders bei Frustration war das Fass sehr schnell voll.

Mit 20 mg ist das anders: Ich fühle mich innerlich ruhiger, wie du es auch beschrieben hast, und kann meine Emotionen besser wahrnehmen und darauf eingehen.

Ich denke, ich bleibe vorerst bei 20 mg, auch wenn ich dabei manchmal impulsiver zum Handy oder zum Essen greife. Vielleicht probiere ich es irgendwann auch mit 25 mg – Stichwort: Feinjustierung.

Bisher habe ich „nur“ Elvanse ausprobiert als Medikament. Ich zweifele immer mal wieder meine Diagnose an (ich glaube, das Gefühl kennen hier einige). Aber es wird besser und passiert kaum noch, dass Anteile in mir in diese Richtung denken.

Falls die Frage für dich okay ist: Wie hast du gemerkt, dass 30mg „nicht mehr wirklich reicht“? Mich würde interessiere, woran andere Menschen dieses Gefühl bei sich feststellen.

Ich freu mich von dir zu hören :slight_smile:

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25mg wären mir jetzt auch noch als Idee eingefallen .

Dann ist es sicher richtig, wie du es beschreibst, bei 20 zu bleiben - in deiner letzten Nachricht hab ich es kapiert :nerd_face: . Das kann man ja jederzeit ändern, sollte man eine Veränderung in die falsche Richtung merken. Es freut mich sehr, dass du deine Ängste mittels einer Therapie in den Griff bekommen hast - so etwas braucht man echt nicht. :see_no_evil_monkey: Und ja, das Imposter-Syndrom (so glaube ich, nennt man das) beschreibt dieses typische ADHS-Hochstaper-Gefühls-Ding, zu glauben, man habe die Diagnose nicht „verdient“ und sei doch nur faul oder weiß der Geier. Ist so verrückt zu erfahren, dass man mit seinen Anwandlungen - zum Glück - alles andere als allein ist :smiling_face_with_tear:
Was deine Frage angeht: Ich hatte eine Super-Wirkung in der Anfangs-Zeit, aber da habe ich bald gemerkt, dass die Wirkung zeitlich schnell abflacht, vor allem, als meine Ängste nachließen und ich mit dem etwas höheren Puls besser klarkam, bzw. sich mein Körper besser damit auseinandersetzen konnte. Deswegen hab ich sie dann immer recht spät genommen (zwischen 9-10 Uhr). Hab mir dann etwas Zeit gelassen festzustellen, ob ich einfach nur der deutlichen Wirkung der ersten Tage hinterhertrauere (der erste Tag war wirklich eine Erleuchtung!) oder was ich eigentlich noch an positiven Auswirkungen wahrnehme. Ich finde, das ist echt nicht einfach, weil ich mich mit Lisdex einfach so herrlich normal fühle - deswegen frage ich mein Umfeld, vor allem meinen Mann, ob er überhaupt noch was merkt im Vergleich zu früher :sweat_smile:. Erst nach jetzt knapp drei Monaten, wo ich wirklich sagen kann, dass bereits am späten Nachmittag wieder ADHS-Symptome da sind, die eben anfangs sehr gut im Griff waren mit Lisdex, habe ich probeweise mal 40 ausprobiert und siehe da: die Wirkung hielt länger an. Ich möchte auf jeden Fall 5-6 Stunden mit einmaliger Gabe „funktionieren“ können, ohne mir immer mal wieder ein paar Gramm reinpfeifen zu müssen. Aber insgesamt muss ich auch sagen, dass diverse subtile pos. Auswirkungen auch mit 30mg spürbar sind und erhalten bleiben. Mir geht es emotional um ein Vielfaches besser und endlich bin ich ein motivierter Mensch, dessen Herr der eigene Wille ist und nicht mehr die innere unberechenbare ADHS-Diva. Mit 40mg merke ich vor allem einen Unterschied in Sachen Abgrenzung gegenüber äußerer Reize und dass der Bewegungsdrang länger und besser unter Kontrolle bleibt. Das „extreme Blödeling“ etc. passiert mir zum Beispiel dann erst am frühen Abend wieder - aber lange nicht mehr auf dem krassen Niveau wie vor den Medis. :blush: