Hallo zusammen,
leider hab ich zu dem Thema nur einen älteren Post gefunden, in dem der Poster dann nichts mehr geschrieben hatte.
ich bin immernoch mitten in der Titration von Elvanse (6. Woche) und langsam echt verzweifelt.
Meine größten Probleme im Alltag, die ich durch Elvanse versuche zu lindern, sind:
• fehlender Antrieb, Prokrastination/Zeitgefühl. Dadurch zu spät ins Bett oder aus dem Haus kommen
• verzetteln, gedanklich vom Thema abschweifen, vergessen.
• Überforderung durch falsch priorisieren und zuviel auf einmal starten/nicht beenden sowie durch Reizüberflutung.
Ich bin der unaufmerksame ADHS-Typ (früher ADS) und eigentlich ein sehr geduldiger Mensch, doch mittlerweile nur noch gereizt und gestresst, weil durch die Symptomatik alles immer anstrengender wird.
Angefangen mit 20mg, war ich dauermüde inkl. schwere Beine und lag eigentlich 9 Tage nur noch im Bett. Ich war etwas gelassener/entspannter, fühlte mich aber auch etwas benebelt/high und war genervt von dieser Lähmung. Kaffee habe ich weiter getrunken, da es ohne sehr unangenehm war, allerdings mit zeitlichem Abstand und nur halb so viel wie davor. Trotzdem fielen mir ständig die Augen zu. Ohne Kaffee konnte ich nur noch schlafen, das ging gar nicht. Die Woche drauf hatte ich ein paar wichtige Termine und es daher erstmal wieder abgesetzt für 5 Tage. Die waren die Hölle. Je mehr das Dopamin abgebaut wurde, desto depressiver wurde ich. Ich habe stundenlang gegrübelt und war nur noch pessimistisch und überfordert. Es scheint bei mir also in erster Linie auf die Stimmung zu wirken.
Dann fing ich wieder an mit 20mg und direkt wurden die Beine wieder schwer und ich müde.
So bin ich nach weiteren 6 Tagen auf 30mg hoch. Tag 1 war ok, ich war zuerst wieder ziemlich benebelt, hatte aber nicht mehr so sehr das Bedürfnis mich hinzulegen. Tag 2 war etwas besser, Tag 3 war wirklich gut. Ich konnte mich von Tag zu Tag besser und länger konzentrieren, auch wenn die Wirkung nur wenige Stunden anhielt. Ich kam einfacher aus dem Bett/Haus, war ausgeglichener und selbstsicherer und habe körperlich wieder so viel geschafft wie vor der Medikation, aber zu wichtigen Sachen wie Papierkram/Telefonate konnte ich mich trotzdem nicht motivieren.
Ab Tag 4 ging es bergab. Erst spürte ich gar keine Wirkung, an Tag 5 hatte ich abends eine Panikattacke, dann wurden von Tag zu Tag die Symptome schlimmer, als vor der Medikation.
Nach 9 Tagen habe ich es mit 40mg versucht. Wieder die schlimme Müdigkeit/benebelt sein, was ich wohl bei jeder Dosiserhöhung ein paar Tage habe. An Tag 2 hatte ich gar keine Wirkung gespürt, nur an Tag 3 merkte ich ein paar Stunden eine deutliche Besserung der Konzentration/Klarheit und war auch körperlich schneller. Ich fühlte mich wirklich gut. Aber die Müdigkeit war immer noch sehr dominant und die Wirkung allgemein sehr kurz und oft auch gar nicht vorhanden. Daraufhin riet mir meine Psychiaterin nochmal zu erhöhen, gegebenenfalls auf 2 Dosen aufzuteilen, z.B. 30/20, denn es sollte eigentlich besser wirken und vor allem nicht derart „sedieren“. Tag 4 ging es leider schon wieder bergab. Die Symptomatik wurde von Tag zu Tag schlimmer. Ich war so überfordert, dass ich es zuletzt nicht mal mehr schaffte, die Gewohnheiten, die ich mir über Jahre antrainiert hatte um morgens besser zurechtzukommen einzuhalten (abends immer die Küche aufräumen, Brotdosen richten etc.) Ich war einfach paralysiert. Ich wollte mir kein Brot schmieren, nicht duschen gehen, es war mir einfach alles viel zu anstrengend. Außerdem kam ich morgens immer schlechter aus dem Bett, der Wecker war mir egal und ich litt zusätzlich die ganze Zeit während 40mg unter Verstopfung. Ich war auch etwas ängstlicher, vielleicht auch weil es mir so schlecht ging oder durch mehr Adrenalin.
Nach 6 Tagen bin ich dann wieder auf 30mg, da ich dachte, so eine Verschlimmerung könnte eine Überdosierung sein und abends hatte ich schon wieder eine Panikattacke. (Rückblickend betrachtet, habe ich genau an den 2 Tagen mit Panikattacke nicht soviel getrunken, und durch instinktives Trinken bekam ich sie dann auch schnell unter Kontrolle.) Jedenfalls wurde die Stimmung und der Antrieb nun bei 30mg wieder besser. Auch die Verstopfung besserte sich sofort. Gestern war wieder Tag 3 auf 30mg und ich hatte endlich das Gefühl, meine Dosis gefunden zu haben. Zwar fehlte immernoch die Motivation, wichtiges zuerst anzugehen und ich habe nicht wirklich mehr geschafft, als vor der Medikation. Aber ich fühlte mich einfach großartig dabei und nicht mehr so überfordert. Ich war motiviert, mir das anzutrainieren, was trotz Elvanse noch nicht so gut klappte und glaubte, das auch zu schaffen.
Jetzt ist leider Tag 4, und wie immer an Tag 4 spüre ich keinerlei Wirkung. Ich versuche seit 4 Stunden, etwas für den Arzt auszufüllen, Überweisungen zu tätigen und Emails zu schreiben. Ich hatte mir extra eine Liste gemacht, nach
Priorität und gefrühstückt, das Handy weggelegt, dass ich nicht abgelenkt bin. Aber es klappt einfach nichts.
Das ist total frustrierend. Immer wenn ich denke jetzt geht es bergauf, bleibt die Wirkung erst aus, kippt dann ins Negative und die Symptome werden schlimmer als zuvor.
Ich trinke mehr als genug (bis auf besagte 2 Tage), achte auf ausreichend Schlaf, Ruhepausen, Struktur/Ordnung. Ich esse ordentlich, allgemein bekomme ich 30-50min nach Einnahme so Hunger, dass ich seit Elvanse sogar frühstücke, was ich
vorher nie konnte.
An meinen Gewohnheiten/Tagesablauf habe ich seit Beginn der Titration nichts geändert. Trotzdem geht es immer nur 3 Tage gut, egal wo ich im Zyklus stehe, egal ob ich die Dosis erhöhe oder verringere? Das ergibt doch keinen Sinn? Selbst die Psychiaterin hat das so noch nicht erlebt.
Hat von euch jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
Wenn das jetzt wieder nix ist, sollte ich vielleicht doch nochmal erhöhen, aber irgendwie überwogen bei 40mg eher die Nachteile und vom Adrenalin spürte ich eher Ängstlichkeit, als konstruktiven Antrieb.
Alternativ müsste ich zu Methylphenidat wechseln. Damit kam ich jedoch als Jugendliche nicht so gut zurecht.
Die Erfahrung mit MPH würde ich so erklären:
Ohne Stimulans versuche ich eine Email o.ä. zu schreiben und immer wenn mich jemand anspricht, verliere ich den Faden, bis ich nach 2, 3 Unterbrechungen gereizt reagiere.
Mit guter Amphetaminwirkung gehe ich auf die Unterbrechung ein, antworte und mache danach direkt dort weiter, wo ich war.
Mit MPH bekomme ich überhaupt nicht mit, dass mich jemand angesprochen hat, weil ich im Tunnelblick auf die Email starre, bis sie fertig ist.. einfach so „fremdgesteuert“ statt nur topfit.
Das wollte ich nicht wieder, daher hoffe ich, Elvanse und ich werden doch noch irgendwie Freunde ![]()
Sorry, dass es schon wieder so viel Text wurde ![]()
Liebe Grüße
Coffeelover