Elvanse und Depression

Hallo :slight_smile:

Das ist mein erster Beitrag hier. Habe schon viel mitgelesen und finde das Forum ganz toll! Mich beschäftigen zur Zeit aber ein paar Sachen, die ich hier mal teilen möchte.

Alsoooo: ich bin weiblich, 27 und habe vor ein paar Monaten eine ADHS Diagnose (unaufmerksam) bekommen, nachdem ich seit ich Teenager war auch schon mehrmals wegen rezidivierenden Depressionen in Behandlung war und einmal Antidepressiva genommen habe, die aber nach ein paar Monaten trotz hochdosierung nichts mehr gebracht haben.

Jetzt bin ich Grade in der Eindosierung von Elvanse, seit ca 2 Wochen, bin jetzt auf 40mg. Ich merke es ein bisschen, mein Kopf ist ganz leicht klarer und theoretisch fällt es mir auch leichter, Dinge zu tun, aber da kommt das Problem: Ich bin nach anfänglich ein paar Tagen mehr Motivation immer noch Antriebslos und unausgeglichen.

Ich kann mich sehr schlecht selbst emotional regulieren, weil ich so starke Gefühle habe und nach minimalen Auslösern ganz schnell denke, dass mein ganzes Leben keinen Sinn mehr hat. Das führt dann zu kompletter Antriebslosigkeit und ich mache gar nichts.

Diese starke emotionale Reaktion ist immer noch da, ich habe aber das Gefühl ich kann seit ich Elvanse nehme länger auf dieser “Kippstelle” bleiben bevor es komplett abstürzt, indem ich mich stundenlang im Internet mit ADHS, Depressionen und Medikamenten beschäftige, Beiträge und Artikel lese und mit ChatGPT schreibe. Ich bin komplett in der Dauer-selbst-Analyse, suche nach logischen Erklärungen für meine Gefühle, die es natürlich so nicht gibt. Und habe Angst damit aufzuhören, um nicht abzustürzen. Gestern Abend bin ich zb nach von mir gefühlter sozialer Ablehnung komplett emotional zusammengebrochen, Heute verbringe ich schon wieder den ganzen Tag mit analysieren und im Internet rumhängen, obwohl ich Elvanse genommen habe. Der Fokus, den es mir vllt ein bisschen gibt, fällt komplett darauf. Das heißt, ich bin trotzdem komplett Antriebslos und irgendwie dauerhaft auf hundertachtzig.

Sorry das war jetzt ne sehr ausführliche Beschreibung meiner aktuellen Situation, aber meine eigentliche Frage: hat jemand Erfahrungen mit Antidepressiva und Elvanse? Ich weiss, dass die Kombi häufig ist, aber ging es jemandem ähnlich, dass nur mit Elvanse zwar der Kopf ein klein wenig geordneter war, aber die tausend Gefühle und Gedanken und das überreizte Nervensystem trotzdem noch genauso stark da waren?Oder wurde das bei jemandem durch eine höhere Dosis besser?

Freue mich über Erfahrungsberichte, fühle mich so allein damit :face_holding_back_tears:

Geht mir recht ähnlich und spiele dabei noch den ganzen Tag Gitarre. Statt Depression ( wobei ich eine leichte habe laut aktueller Abfrage) ist es bei mir aber das Thema Autismus, ADHS, Ptbs+, dem ich immer wieder nachgehe.

Was schreibst du denn so mit GPT? Ich nutze die Ki hauptsächlich zum Informationsgewinn auf die schnelle, bei x Millionen Fragen die mir non Stop in den Kopf schießen, letzteres ist aber ein bisschen überspitzt ausgedrückt. Ist halt eine Art Lernsklave die Ki, die erzählt aber auch oft Blödsinn, muss man aufpassen.

Bist du nicht. :distorted_face:

Koffein hast du komplett und konsequent weggelassen?

Bitte nimm das zum Anlass, deine Dosis nochmal zu hinterfragen. Ich bin durch eine viel zu späte Diagnose auch zusätzlich mit rezidivierenden/chronischen Depressionen diagnostiziert und emotionale Selbstkontrolle gehört auch zu meinem Hauptproblemen mit dem ADHS. Ich war vorher praktisch nie in der Lage, die “Perspektive von außen” auf meine Emotionen einzunehmen, die man in der Therapie oft lernen soll. Seit den Medikamenten funktioniert das deutlich besser - mittlerweile auch komplett ohne Medikamente. Es ist parktisch so, dass über ein Jahr die kombi Elvanse + gute Psychotherapie mir sehr dabei geholfen hat, diesen Skill zu lernen.

Während leichte Elvanse Dosen mir dabei halfen, diesen Blick von außen zu lernen aber auch nicht alles zu überbewerten, haben zu hohe Dosen genau das ausgelöst was du beschreibst: Ich war im Endeffekt mit einem sehr hohen Fokus nur noch mit mir selbst beschäftigt, vollkommen hilflos und wie in einer Dauerschleife der Recherche über alle möglichen Dinge die ich haben könnte oder nicht. Das ging auch direkt in eine Art Hypochondrie über, bei der ich alle 6 Stunden dachte, irgendein anderes tödliches Leiden hatte… also nicht nur psychische Leiden. Leider kann eine zu hohe Dosierung auch hier negative Effekte haben.

Bei mir hat ein Telefonat mit meiner Psychiaterin geholfen, die mir dann geraten hat wieder auf 30mg zu gehen. Das hat mir dann sehr geholfen.

Dauerhaft war ich dann über ein Jahr etwa auf 20mg (mit kurzen Unterbrechungen in Urlauben weil ich keine Lust hatte mir den Reiseschein vom Gesundheitsamt zu holen). Mittlerweile bin ich wie gesagt praktisch dauerhaft ohne unterwegs.

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Bezüglich dem Eindosierung und Koffein Thema, das hier viele hier immer wieder ansprechen, kann ich nur kurz den Ansatz meiner Psychiaterin wiederholen, den ich in der Form auch verfolgt habe:

Willst du dauerhaft auf Koffein verzichten? Dann dosiere dich ohne Koffein ein. Willst du aber nach der Eindosierung weiter deinen Morgenkaffee/tee als tradition trinken, dann mach das auch während der Eindosierung. Ja, es gibt die Wechselwirkung, aber genau deswegen solltest du das nicht bei der Eindosierung komplett sein lassen. Ansonsten dosierst du dich ohne Koffein ein, dann fängst du wieder an Koffein zu trinken und musst dich neu eindosieren, eben genau weil es diese Wechselwirkung gibt.

Falls du Koffein ganz los werden willst, dann solltest du das jetzt natürlich als Ansatz nehmen, es auch ganz sein zu lassen.

Da muss ich ganz ausdrücklich widersprechen. Inklusive Grüßen an deine Psychiaterin.
Koffein bei der Eindosierung wegzulassen, dient NICHT dazu, es auf Dauer aus dem Leben zu verbannen, sondern nur dazu, die Wirkung von Stimulanzien ohne die Kreuzwirkung von Koffein zu erkennen - und die kann teilweise echt heftig sein - bis hin zu bösartig.
Koffein alleine wirkt oft angenehm, aber mit Stimulanzien zusammen kann das echt schiefgehen, denn Koffein ist auch ein Stimulanz. Da draussen laufen unzählige (in Deutschland würde ich schätzen: Hunderttausende) Betroffene herum, die behaupten, sie würden keine Stimulanzien vertragen - nur weil sie die Kreuzwirkung mit Koffein nicht ausgeschlossen haben.
In Anbetracht der erhöhten Suizid- und Unfallrate können wir die daraus resultierenden vorzeitigen Tode berechnen. Wäre ich Psychiater, könnte ich mit diesen Toten auf meinem Gewissen nicht gut schlafen.

Ich gönne jedem sein Koffein, auch bei der Einnahme von Stimulanzien.
Nur um die Wirkung voneinander abzugrenzen, rate ich jedem, Koffein erst dann wieder dazuzunehmen, wenn man weiß, wie Stimulanzien ohne Koffein wirken, weil man dann (und erst dann) unterscheiden kann, ob fiese Nebenwirkungen von den Stimulanzien oder von der Kreuzwirkung von Stimulanzien mit Koffein kommen.
Wenn man sich bewusst macht, wie lebensentscheidend die Hilfe durch Stimulanzien für ADHS-Betroffene sein können, finde ich jedes Lotto mit Koffein absolut unpassend.
Deiner Psychiaterin würde ich gerne empfehlen, die Liste ihrer Patienten durchzugehen, die Stimulanzien nicht vertragen haben - und die zu fragen, ob sie Koffein weggelassen haben, und wenn nicht, es noch einmal konsequent ohne zu probieren. Das wäre es wert…

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Wie ist das eigentlich mit Nikotin, kannst du dazu noch was sagen?

Normalerweise sollte man das Rauchen nicht beenden, während man eindosiert. Denn es bewirkt auch eine Veränderung des dopaminergen Systems.
Während ein Koffeinentzug selbst für sehr starke Kaffeetrinker maximal 3 Tage dauern sollte, kann ein Nikotinentzug schon länger gehen… Daher lieber das beibehalten (und hoffen, dass das Craving nach Nikotin durch die Medikation nachlässt, wie es ja von vielen - aber leider nicht allen - berichtet wird).

Bei der Gelegenheit:
ACC und ASS sollen Craving verringern:

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Hi,

Hätte ein paar Fragen:

Hast du die Problematik ab Wirkeintritt? Ist es irgendwann am Tag besser/ schelchter?

Wie war das bei 30mg oder 35mg?

Welches Antidepressiva kennst du?

Ich nehme Paroxetin + Elvanse. Das kann schon gut klappen, würde aber die Einnahme von Antidepressiva immer erst gut abwägen, und zunächst Psychotherapie versuchen.

Mach dir nicht zu viele Sorgen, du wirst ein oder zwei Medikamente finden mit denen du gut klar kommst!