Hallo zusammen,
nach längerem Mitlesen im Forum habe ich mich nun entschieden, auch selbst etwas zu schreiben – in der Hoffnung, dass ihr vielleicht eine Einschätzung geben könnt. Ich weiß wirklich nicht mehr weiter und hoffe auf eure Erfahrungen.
Ich (weiblich, erwachsen) habe vor etwa zwei Monaten meine ADHS-Diagnose erhalten und daraufhin Elvanse 20 mg verschrieben bekommen. Die ersten Tage waren ganz okay – etwas gedämpft, wie „in Watte gepackt“, aber durchaus erträglich. Im Rebound kam starke Reizüberflutung auf, aber ich hatte das Gefühl, dass da schon „etwas tut“.
Nach etwa 1–2 Wochen ließ die Wirkung spürbar nach, ich fühlte mich zunehmend benebelt, matschig im Kopf und verwirrt. Dazu kamen starke Muskelverspannungen, Zähneknirschen und Kieferpressen. Ich hatte das Gefühl, keinen echten Fokus mehr zu finden – aber trotzdem war ich nicht unruhig oder zittrig
Beim nächsten Termin wollte mein Psychiater nicht hochdosieren, da ich ja „so viele Nebenwirkungen“ hatte – was ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen konnte. Ich habe das Gefühl, dort nicht wirklich gut aufgehoben zu sein und mich nicht ernst genommen zu fühlen.
Ich habe dann selbstständig auf 30 mg erhöht – mit einer Spritze abgemessen – und das lief anfangs richtig gut: Ich war produktiv, hatte morgens Antrieb, konnte Dinge erledigen, war fokussiert. Die Reizüberflutung im Rebound war zwar stark, aber ich kam einigermaßen klar. Diese Phase hielt etwa eine Woche an – dann habe ich ein Wochenende Pause gemacht (Fr–So) und am Montag erneut mit 30 mg gestartet.
Ab da wurde es deutlich schlechter:
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Ich bekam erneut starke Muskelverspannungen (Nacken, Kiefer)
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Spannungskopfschmerzen
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Ein deutliches Gefühl von Kälte im ganzen Körper (obwohl Sommer ist!)
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Und wieder dieses verschleierte, verschwommene Sehen – als stünde ich neben mir
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Zusätzlich eine starke Antriebslosigkeit, depressive Stimmung, soziale Rückzugstendenzen und das Bedürfnis, mich komplett zurückzuziehen
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Dinge, die mir sonst Spaß machen (z. B. Fahrrad fahren), haben mich gar nicht mehr motiviert
Dieses Tief war wirklich heftig – so kenne ich mich sonst nicht. Ich war gereizt, traurig, gleichzeitig wie betäubt, völlig motivationslos. Deshalb habe ich nun wieder zwei Tage Pause eingelegt (Sa + So) und möchte am Montag neu starten – aber ich weiß nicht wie.
Ich bin völlig ratlos:
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War ich überdosiert? Oder ist es eher eine Unterdosierung
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Oder vielleicht eine Art Honeymoon-Effekt, bei dem es erst super wirkt und dann kippt?
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Hätte ich eine Toleranz auf 30 mg entwickelt?
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Sollte ich lieber mit 15 mg oder 20 mg nochmal einsteigen?
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Oder vielleicht 25 mg probieren – oder sogar mal 40 mg, um zu testen, ob das mein eigentliches Wirkfenster wäre?
Es macht mich wahnsinnig, dass ich es nicht einschätzen kann. Ich lese ständig widersprüchliche Infos (z. B. ob das verschwommene Sehen ein Zeichen von Über- oder Unterdosierung ist), aber nichts passt so richtig auf mich.
Leider ist mein Psychiater sehr unzugänglich, hört kaum zu und nimmt meine Beobachtungen nicht ernst – deshalb hoffe ich wirklich auf Austausch hier im Forum. Ich wäre sehr dankbar, wenn jemand seine Einschätzung oder ähnliche Erfahrungen teilen könnte.
Danke euch fürs Lesen!