Hallo zusammen,
ich brauche eure Schwarmintelligenz, da meine Psychiaterin offenbar nach dem Motto „Hauptsache Rezeptblock gezückt, bloß keine Rückfragen“ arbeitet und mein Nervensystem Achterbahn fährt. Ich weiß so langsam einfach nicht mehr weiter und vor allem nicht wo ich an verlässliche Infos komme.
Kurz zu meiner Vorgeschichte & Diagnostik:
Ich hatte über 5 Jahre eine extrem schwere Bulimie (mehrmals täglich Ess-Brech-Anfälle, getriggert durch unerträglichen inneren Druck (vermutlich Dopaminsuche), nie primär aus Körperbildgründen). Weder Klinik noch Standardtherapien halfen. Immer wieder versagte ich und hielt nicht durch.
Erst als ich mich mit ADHS bei Frauen/Masking auseinandergesetzt habe, ergab alles Sinn: ständige Reizüberflutung, emotionale Dysregulation, Prokrastination bis zum Kollaps, extremes Nägelkauen, Chaos im Kopf.
In der Schule war ich unauffällig und sehr gut, weil ich mich extrem angepasst habe - der Einbruch kam erst im Studium durch fehlende Fremdstrukturen.
Die Diagnostik war leider wenig einfühlsam:
Die erste Psychiaterin nutzte veraltete Fragebögen für stereotype, hyperaktive Jungen, sagte herablassend, selbst sie habe einen höheren Score, diagnostizierte mich aber halbherzig trotzdem (mit einer abfälligen Aussage „Placebo hilft ja auch“).
Die zweite Ärztin lehnte mich direkt ab. Wegen guter Grundschulzeugnisse und mit der Begründung, man könne/müsse bei bestehender Bulimie sowieso erst die Essstörung isoliert behandeln.
Ich nehme nun seit 4 Monaten Medikamente, ohne jemals eine fundierte Diagnostik auf Augenhöhe bekommen zu haben mit einer Psychiaterin die offensichtlich keine Ahnung hat und bei Fragen meist abblockt und auf den Beipackzettel der Medikamente verweist…
Medikation, Einnahme & Tagesablauf:
Medikinet: Wirkte leider viel zu kurz.
Deshalb aktuell Elvanse:
Aufgeteilt in 40 mg um ca. 08:00 Uhr und 20 mg um ca. 13:00 Uhr (da eine Einzeldosis bei mir nach 5–6 Stunden weg war).
Essen: Ich esse abends oft sehr spät und frühstücke morgens daher erst spät gegen 11:00–12:00 Uhr. Die Morgendosis nehme ich also komplett nüchtern.
Zusätze: Aus Versehen habe ich an den letzten zwei Tagen zeitgleich mit Elvanse Eisenpräparate zusammen mit Vitamin C eingenommen. Die habe ich dann nach meiner Recherche sofort weg gelassen.
Was Elvanse verändert:
Die Essstörung ist phasenweise fast komplett weg (von mehrmals täglich auf 0–1 Mal pro Woche, und das nur nachts, wenn der Wirkstoff abgeflaut ist). Der ständige Drang ums Essen verstummt fast jeden Tag.
Ich habe endlich Antrieb, bin geduldiger und fühle mich nicht von jeder Kleinigkeit verletzt. Meine (negativen) Emotionen sind gedämpft, ich empfinde das aber im Gegensatz zu einigen anderen eher als extrem erleichternd nicht jedes Gefühl auch immer direkt körperlich fühlen zu müssen.
Offen geblieben: Konzentration und Reizoffenheit sind kaum besser; Ablenkbarkeit bleibt bestehen.
Mein akutes Problem - der wiederkehrende Kreislauf:
Ich stecke in folgendem Muster fest:
Gute Phase: Sobald ich mich aufraffe, die Medikamente diszipliniert und regelmäßig zu nehmen, geht es mir 1,5 bis 3 Wochen richtig gut und stabil.
Der Einbruch: Dann stürze ich für 2–3 Tage komplett ab: Ich bekomme nichts mehr auf die Reihe, fühle mich wie gelähmt und depressiv, und genau in diesen Phasen kehren auch die Essanfälle wieder vermehrt zurück.
Die Reaktion: Im Tief lasse ich die Medikation dann aus Verzweiflung wieder schleifen (Tage auslassen, Mittagsdosis weglassen), bis ich mich nach ein paar Tagen wieder fange. In dieser Phase finde ich 10 mögliche Fehler die ich gemacht habe und bilde neue Strategien um es nun wirklich perfekt zu machen.
Aktuelle Zuspitzung: Seit etwa 1,5 Wochen zwinge ich mich aber mit Wecker ganz strikt zur täglichen, regelmäßigen Einnahme (40 mg morgens / 20 mg mittags). Diesmal ist der Absturz aber anders als sonst: Ich bin nicht nur blockiert/dumpf, sondern extrem dünnhäutig und emotional. Ich weine seit zwei Tagen fast durchgehend, führe wieder stundenlange Streitgespräche im Kopf und steigere mich hinein. Ich hatte fast vergessen, wie anstrengend sich diese Gefühle anfühlen können.
Meine Fragen an euch:
Kennt jemand dieses Phänomen, dass nach 1,5–3 Wochen strikter Einnahme plötzlich so ein emotionales Tief mit Binge-Rückfall kommt?
Spricht das für eine schleichende Überdosierung (Akkumulation / Erschöpfung des Nervensystems) oder bricht die Wirkung eher weg?
Nüchtern-Einnahme & spätes Essen: Macht es einen gravierenden Unterschied, dass ich die 40 mg um 8:00 Uhr komplett nüchtern nehme und erst um 11–12 Uhr esse? Fehlen dem Körper schlichtweg Proteine/Bausteine, was nach 2 Wochen die Wirkung kippen lässt?
Vitamin C & Eisen: Kann die gleichzeitige Einnahme von hochdosiertem Vitamin C mit Elvanse an den letzten zwei Tagen den Wirkstoffspiegel so stark manipuliert / die Ausscheidung beschleunigt haben, dass ich akut im Rebound bzw. Entzug hänge und deshalb so nah am Wasser gebaut bin?
Wie würdet ihr weiter vorgehen? Dosis reduzieren (z. B. 30 mg morgens, evtl. über Wasser aufgelöst), an den Mahlzeiten ansetzen oder stur durchhalten?
Ich danke euch wirklich für jeden Erfahrungswert. Ich fühle mich gerade extrem verunsichert, ob ich mir das alles nur einbilde oder grundlegende Einnahmefehler mache. Mache mir Sorgen, dass es daran liegt, dass ich vielleicht doch kein ADHS habe oder es bei mir immer nur kurzzeitig hilft und die Wirkung dann verpufft.
So oder so: vielen Dank an alle die bis hier her durchgehalten haben! Und ich freue mich eure Erfahrungen, Tipps oder Empfehlungen zu lesen! ![]()