Hallo zusammen,
mir ist bewusst, dass ADHS sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann.
Bei mir steht aber weniger die Konzentration im Vordergrund, sondern vor allem etwas anderes: Emotionen, die ich kaum regulieren kann.
Manche Gefühle fühlen sich bei mir nicht „nur“ intensiv an, sondern fast wie echte Schmerzen im Inneren. Wenn etwas triggert – Einsamkeit, Zurückweisung, Überforderung – dann ist das nicht einfach traurig oder stressig, sondern es tut regelrecht weh und lässt sich kaum abschalten.
Ich nehme Elvanse, und das gibt mir für ein paar Stunden etwas Ruhe. In dieser Zeit ist der emotionale Druck deutlich weniger. Aber wenn die Wirkung nachlässt, kommt alles wieder – oft sogar stärker. Dieses Auf und Ab ist extrem anstrengend.
Deshalb meine Frage an euch:
Gibt es hier jemanden, der das kennt – diese emotionale Überflutung, die sich wie massiver innerer Schmerz anfühlt?
Und wenn ja: Was hat euch geholfen?
Mich interessieren vor allem:
bestimmte Therapieformen (z. B. DBT, traumasensible Therapie, Skills-Training)
Strategien, mit denen ihr im Alltag besser klarkommt
oder auch medikamentöse Erfahrungen, die nicht nur kurz beruhigen, sondern langfristig stabilisieren
Ich suche nicht nach einer schnellen Lösung, sondern nach Wegen, wie man mit diesem emotionalen Druck leben kann, ohne jedes Mal daran zu zerbrechen.
Danke an alle, die ihre Erfahrungen teilen möchten.
Allein zu wissen, dass man damit nicht komplett alleine ist, hilft schon sehr.
Hallo Sead,
vielleicht hilft dir das ein bisschen weiter.
Ich kenne das leider nur zu gut und hab über Jahrzehnte keine gesunde Lösung gefunden, damit umzugehen. Hab stark ausgeprägte Gefühlsblindheit, wenn ich dann mal irgendwas deutlich spüre, kommt es wie mit nem Vorschlaghammer. Meine Technik war immer, einfach von außen noch mehr Schmerz hinzuzufügen, was die ein oder andere unschöne Konsequenz mit sich brachte.
Vor zwei Jahren habe ich angefangen zu meditieren, erstmal nur so, bis ich irgendwann darauf gestoßen bin, dass es bestimmte Meditationen gibt, um mit Gefühlen umzugehen (Bsp. RAIN-Methode). Dadurch werden die Gefühle nicht weniger, aber man lernt, wie man sie annimmt und aushält. Es erfordert Übung, man beginnt mit Trockenübungen und „leichten“ Verstimmungsgefühlen.
Ich habe hierdurch gelernt:
- Ich bin nicht das Gefühl. Es geht vorbei und ich kann es ertragen. Einatmen, ausatmen, aushalten.
- Es gibt Stellen, an denen die Emotion stärker und welche, an denen sie schwächer ist. Ich kann den Fokus auf die Stellen richten, an denen es schwächer ist.
- Ich kann vermeiden, das Gefühl weiter zu füttern.
Das Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertsein wird weniger.
Die Gefühle sind dadurch nicht weg, aber ich habe noch eine Selbstwahrnehmung in solch emotionalen Momenten und somit zumindest eine gewisse Steuerungsmöglichkeit.
Mir hat es gegen das Gefühl, innerlich gleichzeitig zu ertrinken und zu verbrennen, sehr geholfen - obwohl ich allem, was mit Achtsamkeit zu tun hat, bis vor zwei Jahren extrem negativ gegenüber stand. Es ist keine schnelle Lösung, aber eine recht nachhaltige.
Oh ja… sehr sehr schwierig… sehr sehr doof…
Sehr sehr schwierig, darüber mit Worten zu sprechen und auch zu schreiben…
Ob wir es genau oder auch nur ansatzweise verstehen…? So verstehen, wie Du es meinst…?
Wie überprüfen…?
Dementsprechend kann man zwar seine Gedanken, Assoziationen hier mal dazu anmerken… aber… ob es auf das von Dir Empfundene, Beschriebene passt… und ob es dann auch genau bei dir so wirkt wie bei jemandem, der tatsächliche genau das Gleiche hat… selbst das ist ja nicht gewiss…
Also da ich gerade hier Rezepte und Einreichungen und Erstattungen prüfe und hier lauter Intuniv und Atomoxetin Wortfetzen vor mir her flimmern…
Lies zu den beiden Medikamenten mal nach….
Aber das mit dem selber an dem Thema Arbeiten was @yoshii oben beschreibt, das solltest Du auf jeden Fall berücksichtigen… beherzigen…
Eben weil es schwerlich einen Arzt oder Therapeuten oder irgendeinen Menschen auf der Welt geben wird, bei dem erwiesenermaßen das haargenaue Verständnis für Dein Anliegen und Konstellation vorhanden sein wird.
Ich sehe das auch bei meinem Sohn.
@anon38849489 wird das vielleicht auch nachvollziehen können?
Es ist überhaupt nicht einfach, Hilfe zu bekommen.
Ich habe hier schon vielfach meine Tipps für einen ersten Einstieg, in dieser Richtung selber was zu machen beschrieben.
Du kannst meine Anregungen hier in der Suchfunktion finden unter
Insight Timer, App Die Achtsamkeit, MBSR.
Inzwischen haben auch schon andere dazu geschrieben.
Und zu diesen Begriffen kannst du hier im Forum suchen, aber auch in den Apps Insight Timer bzw Die Achtsamkeit/Mindfulness:
Body Scan… MBSR …. Atem Meditation… Liebendegüte… Metta Meditation… Yoga Nidra… Atemberuhigung … Herzmeditation…
Es werden dann auch nach den Meditationen wieder so ähnliche vorgeschlagen.
Selbst ähnlich betitelte Meditationen können je nach Lehrer und eigener Situation ganz unterschiedlich tief wirken…
Ich würde sagen, ich kenne es sehr gut.
Also natürlich weiß auch ich nicht, wie es dir geht, aber Gefühle wie Traurigkeit z.B. bei dem Eindruck zurück gewiesen zu werden, erzeugen bei mir einen starken Schmerz, der fast nicht auszuhalten ist.
Das war früher schneller da und vielleicht auch stärker.
Ich habe vor ca. 25 Jahren eine erste Therapie gemacht und mitgenommen, dass ich mir selbst freundlich begegne und versuche meine Bedürfnisse selbst gut zu versorgen, das schützt mich und hilft mir, mich schneller wieder zu stabilisieren. Vor ca. 5J. hatte ich dann einen Burnout / Depression und habe in diesem Zusammenhang auch eine Traumatherapie mit Bezug auf die Kindheit gemacht. Als ich da durch ging, war mein ganzer Körper Schmerz… ich habe dann auch Amitriptylin als Antidepressiva eingenommen, das hat mich im inneren etwas geschützt, mich stabilisiert und beruhigt.
Erst im letzten Jahr, im Alter von 50 kam dann die ADHS Diagnose, weil es so auffällig war, dass ich keine Ruhe finde und innerlich oft sehr angespannt war und meine Gedanken sehr unstet. Da im Außen sonst alles ruhig war und ich im inneren meine Themen gut bearbeitet hatte, kam es dann zur Diagnostik. Nun finde nehme ich nochmal eine Verbesserung durch die Medikation mit Elvanse wahr.
Also für mich ist es ein Prozess, langwierig, aber es wird besser bzw. Ich lerne mit mir umzugehen. Als wesentlich für mich empfinde ich Selbstakzeptanz und Selbstmitgefühl und das für mich sorgen, mir selbst gegenüber freundlich sein.
Übrigens gibt es das somatische Korrelat für den inneren Schmerz. Man findet hierzu viel unter dem Begriff social pain, etwa konnte im MRT gezeigt werden, dass bei sozialem und körperlichen Schmerz die gleichen Gehirnareale aktiv sind. Bei frühen Traumatisierungen bzw. Traumafolgestörungen gibt es zudem eine hohe Komorbidität mit Schmerzstörungen.
Ich weiß nicht was meine Therapeutin ( DBT) gemacht hat aber wie es scheint habe ich nun einen Therapeut in mir drin und das ist gerade dieser Teil in mir, der all das Leid in mir kennt und sieht, versteht, abgespalten hat, weil es unerträglich ist und muss jeden Tag aufs neue damit lernen umzugehen, statt sich mit Alkohol zu betäuben. Ist nicht einfach aber ich denke Er/ Ich macht Fortschritte mich selber besser zu behandeln. Und ja es ist schwer, sich selbst als kleines Kind an die Hand zu nehmen ( wortwörtlich), Schutz zu bieten, Trost zu spenden, zu Lieben, unerträglich schwer aber das ist meine Aufgabe mir selber emotionale Stabilität zu geben.
Keine Ahnung ob das irgendwie hilft. Ich hoffe ich kann dir ein klein bisschen Hoffnung damit machen.
Hattest du nur Linderung zu Beginn mit Elvanse oder war es da anders?
Hast du eine Eindosierung mit Dosisfindung gehabt?
Hast du vorher andere Stimulanzien versucht und falls ja wirkten die anders?