Ich kann mir vorstellen, dass es ein Teil von deinem im Eingangspost beschriebenen Problem ist.
Ich habe ja, wie du, beschrieben, dass ich schwierig Dinge über mich preisgeben kann. Da denke ich oft, dass es teilweise an meinem Vater liegt. Er hat einen häufig für persönliche Interessen runtergemacht. Besonders z.B. Musikgeschmack, daher mache ich NIE Musik vor anderen an.
Interessanterweise hat meine Schwester auch soziale Schwierigkeiten. Teilweise gleich, teilweise tiefgreifender als ich. z.B. hat sich auch, dass sie nicht ihre Interessen benennen kann. Meine Schwester hat sicher kein ADHS, allerdings will sie mal eine Autismus Diagnose in Angriff nehmen.
An sich finde ich diese Auslöser ausmachen super schwer. Bei mir, wie auch in deinem Text. Beim ersten Durchlesen dachte ich: Naja, das hat ja nichts mit ADHS zu tun, eher psychische Probleme aus der Familie heraus. Besonders, wenn du sagst du hast gute Eigenschaften verloren, dann sind diese sicher wiederzuholen.
Aber ADHS kann ja auch total mit reinspielen. Dieses „Helfer“-Ding kenne ich nämlich und das hat bei mir durchaus was mit ADHS zutun. Empathie wird auch oft ADHS zugeschrieben. Also spielen da ADHS Symphtomatik und persönliche familiäre Gegebenheiten ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. Was nun wirklich bearbeitbar ist, so dass es auch nachhaltig besser wird (psychische Probleme aus indiviuellen Gegebenheiten und als Mitauftreten von ADHS) und was eventuell erlernbar ist, aber immer schwierig bleibt (grundlegende ADHS Symptome) ist wirklich schwer auszumachen.
Ich habe mich davon verabschiedet immer weiter zu analysieren was warum wie passiert ist. Ich habe gemerkt das bringt mich nicht (mehr) weiter. Ich muss für mich selbst schauen wie ich bleibe.
Am Ende ist für mich persönlich ADHS, Autismus, Borderline alles ein neurodivergenter Brei. Ich habe sicherlich von allem Anteile. Meine Schwester hat übrigens eine Borderline-Diagnose. Sehe bei ihr aber auch ADHS-Anteile.
Ich will mit dem Umgehen lernen was da ist. Ich will mich auf meine Stärken konzentrieren und mein Potential ausschöpfen.
Manchmal ist es auch sicherlich sinnvoller Dinge zu akzeptieren und dann auf sich selbst zu achten. Grenzen ziehen und auf Stärken konzentieren
Ich kenne deine Schwester nicht und möchte ihr da nicht zu nahe treten. Borderline und ADHS werden bei Frauen aber häufig verwechselt, weil Symptome so überlappend sind und sich besonders bei Frauen ähnlich äußert. Fehldiagnosen, weil Ärzt*innen eher Richtung Borderline schauen sind also gut möglich. Aber ja, es kann auch beides auftreten und das zeigt ja auch: Symptome überschneiden sich, treten in verschiedenen Störungsbildern auf und letzlich ist es schwer und vielleicht auch gar nicht möglich, alles genau auszumachen.
Seit ich ein bisschen besser weiß, was mit mir los ist (und dass ich zwar manchmal anders bin als andere, aber kein schlechter Mensch), habe ich Schritt für Schritt Frieden schließen können mit meinem Sozialverhalten (bin aber noch dabei) und spreche darüber mit anderen. Nicht mit Diagnose oder als Aufforderung, eher als Bedarfsmeldung:
hey, ich komme gern zu deiner Party. Kannst du mir sagen, ob ich dort jemanden kenne oder wieviele Leute da sind? Das hilft mir, weniger unsicher zu sein.
es tut mir leid, dass du dich gerade so fühlst. Ich weiß nicht genau, was jetzt richtig ist, um dir zu helfen. Was brauchst du jetzt von mir?
ich weiß, ich bin war sehr ungeduldig mit dir und es tut mir leid. Ich meine es nicht böse. Ich merke es manchmal nicht und schätze deine Art zu denken
Manchmal fällt es mir erst hinterher ein, zu kommunizieren, dass es Teile gibt, die ich schwer kontrollieren kann, aber ich habe durchweg gute Erfahrungen damit gemacht. Selbstakzeptanz, Offenheit, Reflexion, hat bei mir viel Konflikte reduziert.
Fazit: Weniger verstellen, eher andere teilhaben lassen an meinem Wesen hat Verbindung geschaffen, ohne dass ich mich verbiegen muss.
Alles sehr interessant hier in dem Thema, deshalb möchte ich auch gerne alles von Anfang bis Ende mitlesen.
Leider habe ich zum Schreiben gerade wenig Zeit, möchte aber hier deshalb trotzdem noch kurz etwas darüber da lassen wie ich z.T. mit Menschen umgehen kann, selbst wenn ich Person/en wirklich mag, bin ich dazu fähig, wenn ich zu.B. jemand den ich kenne auf der anderen Strassenseite sehe, an der Bushaltestelle, im Laden beim Einkaufen sehe, egal wo auch immer, oder in welcher Situation, eiskalt stehen zu lassen.
Ich laufe dann meistens schnellen Schrittes vorbei und winke der Person/en höchstens kurz zu, aber auch das nicht unbedingt, manchmal nicke ich der Person/en vielleicht auch nur zu.
Aber ein „Hallo wie geht’s“ oder einer kurzen Konversation im Stile von Smalltalk weiche ich wenn möglich so gut wie möglich aus.
Früher wurde ich dann von jemand mal gefragt ob ich eigentlich immer so mit Leuten umgehen würde, dass ich jemanden einfach ignoriere oder eiskalt stehen lassen würde, und das dass extrem unhöflich sein und ich mich wohl für etwas besseres halten würde.
Naja, also jedenfalls mache ich das alles auch heute noch genau gleich, und ausserdem wünsche ich mir oft insgeheim bevor ich aus meiner Haustür gehe, dass ich draussen hoffentlich auf niemand treffe mit dem ich mich unterhalten muss.