Erfahrung mit kurzer Pause nach 1 Jahr Elvanse

Hi zusammen,

ich denke immer sehr viel über die Wirkung von Elvanse nach, ob es mir hilft, wie es mir hilft, sind die Nebenwirkungen zu hoch etc. Ich war ja zuletzt bei 50mg, wo ich ja lustigerweise keine Euphorie mehr hatte und ruhiger wirkte. Aber hatte dazu geführt, dass ich stellenweise locked in war bis spät in die Nacht. Aufgrund von spontanen Urlaub (Und dem Problem, dass man immer eine Bestätigung vom Gesundheitsamt braucht, was spontan unmöglich ist leider), war ich ein paar Tage ohne Elvanse, nachdem ich es jetzt ein Jahr genommen habe (hauptsächlich 30mg, zeitweise mit Kaffee, zweitweise ohne).

Was mir direkt aufgefallen ist, ist wie unfassbar gechillt ich war. Das war auch wirklich ein gutes Gefühl. Ich hab im Flug so gut geschlafen, wie lange nicht mehr. Ich war auch im Urlaub viel entspannter, trotz stressigem Zeitplan. Mir waren Sachen gleichgültig und haben mich nicht mehr so getriggered.

Als ich dann nach 4 Tagen zurück war, hab ich auch gemerkt, wie ich beim Filme schauen viel entspannter war. Ich meine das ist ja auch mein Hauptproblem mit meinem ADHS, dass ich eher so vom Typ Tagträumer bin.

Also das ist auf jeden Fall irgendwie positiv, weil ich das Gefühl hatte, ich kann gut entspannen. Ich habe auch wieder mehr gegessen und wieder zugenommen, was bei mir auch gut ist. Ich habe am ersten Tag ohne Elvanse wieder Kaffee getrunken, das hat mit Motivation hier und da geholfen, aber trotzdem bliebt das Entspannte.

Dann ging die Arbeit wieder los und ich habe langsam angefangen wieder (Ich weiß es ist nicht empfohlen, aber ich habe Eigendosierung gemacht, also vorhandene Pillen, die ich noch hatte auf 10/15/20mg aufgeteilt) und erstmal weiterhin Kaffee getrunken.

Bei 10/15 habe ich fast kaum Unterschied gemerkt. Ich habe auch wieder gemerkt, wie unfassbar träge ich ohne Elvanse bin. Ich sitze an der Arbeit, vieles wirkt aufwendig, ich will nur das Bare Minimum machen. Ich hatte auch wieder krasse Mittagstiefs, wo ich müde wurde und am Liebsten nach Hause auf die Couch wollte.

Jetzt bin ich bei 20/25mg (immer noch mit Kaffee) und ich merke jetzt wieder die Motivation, ich habe kein Mittagstief mehr, bin konzentrierter und motivierter bei der Arbeit, will auch stellenweise nicht, dass sie endet (wenn ich gerade locked in bin und gerade was Programmiere).

Weiß nicht, ob es jetzt noch mit dem Kaffee zusammenhängt, ich tue mich da schwer das auch zu vergleichen wie es mit 30mg und ohne Kaffee war, aber merke dann doch eine innere Unruhe auch wieder.

Und das ist mein Problem mit Elvanse, für die Motivation und Wachheit ist es super. Ich bin motiviert Sachen zu machen, die sonst ich nur vor mir herschiebe. Vor allem auch bei 50mg, ich wollte seit Ewigkeiten (6 Jahren min.) mein Konto wechseln und anfangen zu investieren, nie gemacht, aber jetzt war es total easy.

Aber ja was bei mir überhaupt nicht bei Elvanse eintritt ist diese „Ruhe“ von denen andere reden. Ich habe das Gefühl, dass diese Motivation stellenweise auch dazu führt, dass ich zu viele Sachen auf einmal machen will. Ich mache stellenweise unwichtige Sachen zwischendurch, weil ich das unbedingt spontan machen will. Z.B. heute morgen ich muss zur Arbeit, bügel kurz mein T-Shirt, was ich anziehen will, und dann gucke ich, was ich dazu anziehen kann und probiere zig Hosen durch und will plötzlich meinen Schrank aufräumen.

Wo mir Elvanse deswegen auch null hilft ist die Ordnung, meine Wohnung sieht immer noch chaotisch aus, ich bin immer noch sehr tollpatschig, ich mache meine Sachen auch weiterhin nicht in Ruhe, ich koche z.B. und alles ist chaotisch, mir fallen Sachen runter, ich mache es null ordentlich, mach eine Packung Nudeln auf, mir fallen ein paar runter, die auch erstmal liegen bleiben usw.

Thema Alkohol war auch noch spannend, mit Elvanse hatte ich auch hier und da Alkohol getrunken, hatte aber das Gefühl es besser zu kontrollieren. Wenn ich unterwegs war mit Leuten und es in die Richtung ging, es wird eher chillig und wir trinken nicht viel, war das fein für mich, versus sonst wo ich dann impulsiv werde und einen langen Abend will.

Und Thema Konzentration, ich habe das Gefühl, dass wo Elvanse mir hilft ist Folgendes: Ohne Elvanse ich will z.B. etwas programmieren für die Arbeit. Dann merke ich, dass um das zu machen, ich noch XYZ installieren muss. Und dann finde ich einen Weg, der erstmal aufwendig klingt. Und ich denke mir, das ist doch viel zu viel. Und es wirkt, als ob das alles zu viel Arbeit ist und deswegen lenke ich mich ab. Mit Elvanse sind diese kleinen Sachen nicht mehr so schlimm. Es nervt nicht mehr, oder es kommt nicht mehr dieses Gefühl der Schwere.

Aber ja manchmal ist da diese Unruhe, die z.B. ich gehe Samstag morgens in ein Cafe (auch ohne Koffein zu trinken) und sitze da und lese ein bisschen. Ich habe das Gefühl, dass ich mich dann nicht richtig konzentrieren kann, ich mekre, dass ich unruhiger werde, dass mich die Geräusche mehr stören, dass ich die ganze Zeit Motivationsschübe bekomme für andere Sachen.

Vielleicht ist Elvanse das falsche Medikament, vielleicht muss ich es anders nutzen, vielleicht muss ich auch was dazu nehmen. Weil ich das Gefühl habe ich stehe zwischen Entspannung, Ruhe, aber kaum Motivation und Motivation und ich mache Sachen, aber finde nicht mehr so leicht die Ruhe und Entspannung.

Medikinet und Concerta hatte ich kaum Änderungen gespürt und war bisschen gestresst mit dem Essen dann immer (wegen vollem Magen). Und leider ist mein Neurologe kein Experte im Bereich ADHS, sagt oft Sachen, die falsch sind (Zweifelt Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit an, obwohl sie auf dem Beipackzettel stehen), hat kaum Zeit und ist eher unfreundlich, weswegen ich bisschen versuchen muss mich selbst durchzuarbeiten. Wechsel ist ja leider mittlerweile fast aussichtslos, bei dem Hype von ADHS und wie alle Praxen keine Patienten mehr aufnehmen.

Klingt für mich, als wäre 20-30mg die passende Dosis, die man dauerhaft beibehalten könnte.

Es wirkt auf mich so, als hättest du sehr hohe Erwartungen an das Medikament. Es ist letztendlich aber nur ein hilfreiches Werkzeug und eben kein Zauberstab.

Viele deiner beschriebenen Probleme sind klassische ADHS-Herausforderungen, die man nicht allein über die Dosis wegoptimieren kann.

Langfristig hilft da wohl nur eine Kombination aus Medikation, Wissen, Struktur und Skill-Training.

Nichts, was man mal eben so hinbekommt.
Das erfordert leider viel Geduld und Übung :confused:

Was probierst du sonst noch im Alltag aus?

Bereich Was konkret helfen kann
Psychoedukation Bücher, Podcasts, YouTube, Studien – Wissen über ADHS und deine Muster aufbauen
Selbstbeobachtung ADHS-Tagebuch führen, Wirkung & Alltag reflektieren, Frühwarnzeichen erkennen
Verhaltenstherapie Skills lernen: Priorisierung, Emotionsregulation, Strukturtraining
Struktur & Routinen Wochenplan, Reminder, visuelle Tools, einfache feste Rituale
Ernährung & Körper Proteinreich frühstücken, Bewegung, Schlaf optimieren, Koffein reduzieren
Entspannung Atemübungen, Natur, „Runterkommen“ üben, Reize reduzieren
Community & Austausch Foren, Selbsthilfegruppen – sich verstanden fühlen und Tipps teilen
Realistische Ziele Kleine Schritte, ein Fokus zur Zeit, Perfektionismus ablegen
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Hast du falsche Vorstellungen von Stimulanzien?

Das sind ja keine Wunderkapseln, die wir nehmen und plötzlich erledigt sich alles was wir nicht mögen oder was wir nicht wollen von alleine, sondern wenn setzt es diesen Widerwillen oder das Streuben herunter.

Ich habe für das was du beschreibst über 10 Jahre in Therapie und Bewo an mir gearbeitet und es war immer ein riesen Kampf, den ich trotzdem angegangen bin.

In der Eindosierung mit Stimulanzien war das teils wirklich schlecht und schwierig, auch als ich hier in der Kriese mit „Sterbebegleitung“ war deutlich mehr noch mit mir am Kämpfen und daran arbeiten. Teils arbeite ich das noch immer auf, aber ich kenne meine Pflichten und habe sie immer erledigt, jetzt mit Lisdexamfetamin muß ich nur nicht mehr 4 std mit mir kämpfen sondern 20 min, aber der Kampf ist da und den Schweinehund im inneren muß ich genauso überlisten, bin ich aber dran, dann läuft es ohne groß drüber nachzudenken oder noch mal mit mir kämpfen zu müssen bis es fertig ist.

Die Initialzündung muß ich dazu allerdings selbstständig aufbringen, aber alles was ich mache ist einfach nicht mehr so chaotisch verpeilt, ich verpasse nicht mehr so viele Termine, verschussele nicht mehr so viel, ich hab nicht mehr so viel Stress und komme meinem Alltag gut nach, aber bin ja deshalb nicht ein anderer Mensch, sondern bleibe eher mir selbst treu „nur normaler/typischer“ und mit viel weniger Kampf gegen ständige Impulse, Überforderungen, Tolpatschigkeit, quasi kaum unkontrollierte Gedankensprünge, die das Umfeld nicht nachvollziehen kann etc. Und ich streite mich nicht mehr so viel, ich muß nicht ständig auf ein verschicktes Schreiben an Behörden, Mitglied etc. nicht Angst haben, was hadt du jetzt geschrieben und nochmal 5 Schreiben hinterherschicken um das erste Schreiben zu erklären und Fehlschilderungen wieder gerade zu rücken, gerade in schlechten Zeiten. Das Leben ist planbarer, berechenbarer, kontinuierlicher, diese vielen Höhen und Tiefen sind mehr wellenförmig in der Mitte austarierter.

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Danke für deine Ausführliche Erfahrung die du dort teilst! Das finde ich spannend zu sehen, das was du beschreibst ist nämlich genau das was mir fehlt. Ich nehme seit einem Jahr Medikinet Adult 15mg morgens und 10 am Mittag. Und mir fehlt genau dieses gechillte was du beschreibst. Mich drängt mein Medikament in so extreme hochs das ich mich automatisch selbst überfordere und noch Reizoffener werde, daher war ich am überlegen auf Elvanse umzusteigen. Ich wünsche mir eine gleiche Einstellung der Motivation und nicht diese peaks. Ich rege mich oft auf und drücke mich mit allen Mitteln um blöde Aufgaben (programmieren zum Beispiel). Ich bin durch das Medikinet sehr Stimmungsabhängig von meinen Tätigkeiten. Wenn ich im flow bin kann ich auch nicht aufhören egal ob gut oder schlecht. Fluch und Segen zugleich. Meist brennt auch mich das auch. Ich kann deine Situation sehr gut nachvollziehen, dass man gerne alles mögliche auf einmal machen will. Ich musste für mich lernen besser zu priorisieren um mich nicht in einen Burnout zu schieben da ich das Gefühl habe diese Medikamente machen dich motiviert aber schieben Stressempfindungen über die eigenen Grenzen hinaus. Ich glaube was das angeht hilft sowieso kein Medikament, daher ist es mit Vorsicht zu genießen. Das ist zumindest meine persönliche Erfahrung bisher. Falls ich es überlesen habe, kannst du mir beantworten wie die Eindosierung bei dir mit Elvanse angefangen hat und ob du früh eine Änderung gespürt hast?

Ja nein, alles gut, ich bin ja wie gesagt happy mit den Medikamenten. Es ist auf jeden Fall ein großer Unterschied. Mich macht dann immer nur stutzig, wenn andere davon reden, wie ruhig und ausgeglichen sie damit sind, wenn es bei mir stellenweise zum Gegenteil führt. Ich versuche halt nur ein besseres Verständnis zu bekommen, was genau passiert. Es gibt ja neben den Medikamneten so viele andere Einflüsse am Tag, die das Verhalten/Gefühl beeinflussen können. Für mich ist es halt schwierig zu unterscheiden, zwischen ist es überdosierung, deswegen kann ich mich gerade nicht auf das Buch konzentrieren und bin nicht so entspannt, oder es ist noch Unterdosierung, weil zwar jetzt die Motivation da ist, aber sie richtig zu richten noch impaired ist mit der immer noch fehlenden exekutiven Dysfunktion. So wie ich ja verstehe, kommt die Impulsitivität ja dadurch, dass man möglichst belohnende Aktivitäten sucht, die viel Dopamin ausschütten. Jetzt wird ja durch die Medikation der zu frühen Aufnahme entgegen gewirkt und auch langweilige Aufgaben sind plötzlich mehr belohnend. Gleichzeit aber wird ja insgesamt mehr Dopamin freigesetzt, was die Motivation für die unwichtigen Sachen ja auch erhöht. Deswegen es geht ja darum, Sprunghaftigkeit/Impulsivitiät ist ein Symptom von ADHS und die Medikation führt bei mir in manchen Aspekten zu dieser Sprunghaftigkeit, weil plötzlich, während ich was Wichtiges machen muss, eine Unwichtigkeit plötzlich so motivierend wirkt, dass ich mich nicht mehr auf das Wichtige konzentrieren kann. Das ist unmedikamentös genauso, aber mit weniger Euphorie verbunden.

Sorry ich habe da einfach viele Gedanken und gerade medikamentös gibt es ja so viele Möglichkeiten bei ADHS. Vielleicht war Concerta doch besser, ich hab es aber zu wenig verstanden zu dem Zeitpunkt. Vielleicht brauche ich Nichtstimulanzien. Vielleicht habe ich noch eine komorbide Anxiety Disorder (bin schon immer eher nervös) und müsste das separat behandeln.

Und ja ich mache auch viele Sachen, die du gepostet hast, aber ja es ist momentan einfach schwierig, wie gesagt mein Neurologe ist keine Hilfe, den ich fragen könnte, Therapie was ich definitiv bräuchte momentan unmöglich einen Platz zu bekommen, vor allem im Bereich ADHS und das Austauschen versuche ich ja jetzt hier, bzw. lese ja schon auch viel. Deswegen ist ja der Post auch erst entstanden, weil ich reflektieren wollte, wie es jetzt ohne Medikamente war und auch dass ich oft Posts sehe, die behaupten, sie sind so viel ruhiger mit Elvanse.

Nein, dass ADHS nicht heilbar ist, und Medikamente oft erst nur Mittel zum Zweck sind, überhaupt durch Therapie etc. Symptome noch mehr zu vermindern, das ist mir schon klar, und es sollte nicht so rüber kommen, dass ich enttäuscht bin, wie schon erwähnt, bin ich ja voll happy mit der Motivation.

Es ist nur, dass gerade bei mir die Situation nicht so geil ist mit Informationen, sei es mein Neurologe oder sei es Therapie, wo momentan überall Aufnahmestopp ist von Patienten. Deswegen mache ich schon sehr viel selbst, aber deswegen ist mir der Austausch hier wichtig. Ist nur meine Erfahrung und zwei Möglichkeiten. Entweder manche schreiben, dass es nicht so sein sollte, dann weiß ich es ist vielleicht das falsche Medikament/es gibt was besser für mich funktionieren könnte (Auch wenn es natürlich hier alles anekdotische Evidenz ist und deswegen auch mit vorsicht betrachtet werden sollte). Oder aber jemand wie du schreibt, dass das normal ist, was für Erfahrungen man gemacht hat und welche Alltagsänderungen oder Verhaltensweisen geholfen haben.

Deswegen danke dir auf jeden Fall, aber ja ich will hier nicht raushängen lassen, dass einfach nur Medikamente nehmen reicht.

Ich habe mit 30mg angefangen (was vor über einem Jahr noch die kleinste Menge war). Hatte dann mal kurz 50mg, bin aber wieder runter, weil ich ein taubes Gefühl im Zeh hatte und dachte es kam davon und dann wieder auf 30mg.

Ja ich habe direkt eine Änderung gespürt und spüre ich auch heute noch immer jeden Tag. Ich nehme das Elvanse und merke dass 1 Stunde später ich positiver und motiverter bin. Das ist ja dieses euphorische Gefühl, was viele beschreiben. Viele sagen es geht bei ihnen weg, ich habe es aber immer noch jeden Tag. Vielleicht nicht so stark aber ja, es ist genau das, wo ich plötzlich die Energie habe Sachen anzugehen. Bei 50mg war es so, dass ich dann wie gesagt merke, dass ich nicht mehr so viel Euphorie habe, und auch wirklich vielleicht ein bisschen ruhiger, aber dann wirklich locked in und mache abends spät noch Sachen. Und körperlich und das merke ich ja auch schon mit 30mg ist es so, dass auf meiner Fitness-Uhr jeden Tag ich das Feedback bekomme „Stressiger Tag“, meine HRV ist also gesunken und das ist ja das was ich meinte, dass ich nicht verstehen kann, wie andere sagen, sie sind so ruhig plötzlich und entspannt.

Wie gesagt die Zeit ohne, war jetzt einfach interessant, weil auch wenn man erstmal Zeit braucht eigentlich, bis der Körper sich wieder an ohne Medikamente zu funktionieren gewöhnt hat, ich einfach viel entspannter war, mega gut geschlafen habe. Aber gleichzeitig ja war alles plötzlich zu viel und dieses Verlangen einfach den ganzen Tag auf der Couch zu liegen war so extrem groß wieder.

Auch, wenn ich Erfahrungstausch für wichtig halte…

Ständige Vergleiche mit Erfahrungsberichten anderer Betroffener kann auch zu Frustration führen und somit eher kontraproduktiv sein.

Viel wichtiger finde ich Psychoedukation und sich zumindest grob zu den beiden Wirkstoffen und den unterschiedlichen Formulierungen einzulesen.

Dann eine systematische Eindosierung in wöchentlichen Schritten und gleichzeitig das Führen eines Tagebuchs.

Sonst weiß man in 2-3 Wochen schon nicht mehr, wie es in Woche X mit Dosis X gelaufen ist und verliert schnell den Überblick (ADHS-Hirn typisch eben).

Diese Dokumentation hilft einem nicht nur selbst, sondern in Folgeterminen auch dem Arzt, um Trends erkennbar zu machen und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Ich habe damals mit Elvanse angefangen, alles durchprobiert und dokumentiert und wollte dann zum direkten Vergleich auch mal MPH ausprobieren.

Da habe ich es dann über mehrere Monate hinweg auch wieder dokumentiert und konnte später vergleichen, was besser / eher schlechter lief.

Dann habe ich die Vor- / Nachteile für mich abgewogen und wollte doch wieder zurück zu LDX.

Das hat beim Arzt erstmal für Fragezeichen überm Kopf gesorgt und seine erste Reaktion wirkte auf mich leicht „genervt“ (könnte RSD bedingt allerdings auch bloß in meinem Kopf so gewesen sein).

Dank der Dokumentation konnte ich meinen Wunsch aber wieder gut begründen.

So war es für den Arzt dann ebenfalls plausibel und (z.B. der Krankenkasse gegenüber?) ohne Probleme vertretbar.
Er hat es dann am PC entsprechend in seinem Systemchen begründet und seitdem bekomme ich halt wieder LDX.

Du scheinst, wenn du auf Medikinet mit Methylphenidat anzusprechen, hattest du mal einen Wechsel auf Ritalin oder Generika probiert? Kinecteen gibts ja auch noch als Methylphenidat Präperat, ich glaube das wirkt länger als Ritalin, ob es da dann noch Unterschiede gibt kann ich aber nicht sagen

Medikinet hab ich eher als recht aktiverend und auch eher schlecht für meine fehlende Impulskontrolle empfunden. Ritalin hatte ich mit angefangen, zeitweise aber viel zu viel prokrastiniert für meinen persönlichen Geschmack zur falschen Zeit. Doch Medikinet gab Verhaltens- und Benehmenstourette und bin dann zu Ritalin.

Ich bin im Februar zu Elvanse gewechselt bzw. zu Lisdexamfetamin und fand es anstrengender, langwieriger und ich mußte viel mehr aufpassen, ich mußte wesentlich langsamer und umständlicher mit den Dosen probieren. Mein Magenbypass ist jetzt auch nicht immer ne Hilfe dabek trotzdem muß man jedes mal min 5 Tage warten, je höher die Dosis durfte es auch 2 oder 2,5 Wochen sein weil es sich im Körper noch einpendeln musste.

Nimmst du vor dem Medikinet eine vollwertige Mahlzeit ein und dann erst das Medikinet?

Meine Erfahrung ist, das Medikinet definitiv mich deutlich mehr gepusht leider auch deutlich impulsiver gemacht hat und es mit mir nicht passt, selbst in Kombi mit viel Ritalin.

Das außenstehende ist mir auch bei Elvanse reingehauen, hab es aber erst gemerkt, als es dann vorbei war. Währendessen eben nicht so und seit den Medikamenten blockiere ich im Sinne von eine größere Neigung zu Prokrastinieren, wenn ich nicht sehr bewußt einfach mal loslege.

Ich kann dann aber besser mit mir verhandeln und bin ich dran, dann mäuft das und ich muß nicht Wochen wie vorher gegen mich kämpfen, wenn ich prokrastiniere- aber ich muß bewußt anfangen, das passiert nicht alleine und ich räume immer noch das Chaos weg, was ich teils in den Eindosierungen angestellt habe.

Da konnte ich wie zu Kriesenzeiten beim Aufräumen 5 mal mehr Unordnung, Chaos anrichten, Verlegen und der Alltag mußte weitergehen.

Das kann ich auch so nicht bestätigen mit dem über die Grenzen gehen, derzeit schaffe ich eher zu wenig und werde teils ausgebremst. Alleine wenn ich dann unglückliche Kombis für mich treffe wie Elvanse und Sirdalud - Sirdalut und eine Std später ich schlaf im Stehen ein, und der gesamte Schwindel dann, das ist wenn die Medikamentenliste eh lang ist fürchte ich eh dann gerne mal ein Problem

Methylphenidat Medikamente sind schon direkter und schneller zu beurteilen für mich gewesen wie Elvanse.

Höhere Dosen Medikinet wie 20 oder 30 mg hattest du nicht ausprobiert (auf einmal) oder - ich hab das von oben nicht mehr im Kopf, sonst wäre die Frage, wie sich das angefühlt hat.

Ich glaube er vergleicht aus anderen Gründen, vielleicht ähnlich wie ich, wenn ich ein Störgefühl habe, weil ich dann versuche herauszuarbeiten was anders läuft und wieso es mir nicht gut geht aber z.B. anderen geht es mit dem Medikament gut

Hallo,

ich habe meine Zweifel bei euren Relativierungen. Ja klar sind die Stimulanzien keine Wundermittel, das merke ich selbst bei meiner Aufschieberitis und der Unordnung, die dennoch in unserer Wohnung herrscht.

Aber was die Ruhe und Ausgeglichenheit betrifft, da finde ich hilft mir Methylphenidat so deutlich und es macht einen Riesenunterschied, da würde ich doch einer Person, die das so nicht erlebt es nicht ausreden dass es möglich wäre.

Ne von dem Methylphenidat an sich wollte ich jetzt erst Mal weg. Ich finde du hast das auch für mich gut beschrieben mit dem Verhaltens und Benehmen Tourette. Ich hatte zum Medikinet immer eine Vollwertige Nahrung zu mir genommen vorher. Morgens zu 100% und ab mittags baute das eher ab weil ich einfach so verdammt oft durch Hyperfokus nicht gegessen habe mittags. Aber all die Dinge die du so beschreibst habe ich auch öfter erlebt.

Und zu deiner Frage ob ich mal eine größere Dosis Medikinet probiert habe: Ja 20mg morgens und das hat mich noch unruhiger gemacht und dazu gesorgt das ich extreme sucht nach Koffein und Nikotin zur Kompensation entwickelt habe. Das hat für nen paar Tage mit viel Euphorie gewirkt und mich danach komplett aus den Schuhen gehauen → Ich hab eine Art Wahrnehmung im Kopf gehabt als hätte ich getrunken und war danach richtig depressiv verstimmt.

Ich bin nun zu Elvanse gewechselt in Absprache mit meinem Psychiater, der mir zum Start nun auch 30mg verschrieben hat. Das wirkt für mich viel besser. Kein Suchtempfinden, Emotionale Klarheit, keine Überforderung mehr und ich war sehr viel entspannter und mehr ich selbst vom Gefühl her. Meine HRV macht momentan nen Sprung von 70 auf 100 aber das pendelt sich nach einer Woche langsam ein. Der tolle Honeymoon Effekt war am ersten Tag auch da. Bisher finde ich Elvanse Klasse, ich denke mehr ans Essen und kann meine Körperempfindungen mehr wahrnehmen was die Grundbedürfnisse so angeht. Ich bin mir für meinen Fall nur unsicher ob die Konzentration noch besser wird. Da war das Medikinet von der reinen Datenverarbeitung besser. Bisher bin ich manchmal etwas verpeilt.

Was du mit dem Prokrastinieren erwähnst, kann ich auch teilweise nachvollziehen aber mich stresst es nicht mehr wenn ich es mache und irgendwann kommt die Motivation bei mir von alleine, das finde ich persönlich ganz gut so. Wir müssen ja nicht immer Vollgas geben :slightly_smiling_face:

Ich vergleiche einfach nur Berichte für mich zur zusätzlichen Analyse. Ich belese mich in der Regel nahezu komplett zu den Unterschieden der Wirkweise und allem was dazu gehört. Ich notiere mir ja zum Beispiel auch alles mögliche, von den Typisch Symptomatischen Dingen die zum Medikament angegeben sind, Erfahrungen und Aussagen meines Facharztes. Danke das du dazu natürlich noch den Hinweis gibst das solche Vergleiche nicht immer zielführend sind, das verstehe ich. Ich hab auch von meiner Partnerin schon einen auf den Deckel bekommen sowie von meinem Psychiater weil ich zu stark darauf schaue. Ich denke ich bin etwas zu akribisch. Dennoch finde ich den Austausch hier super interessant. Ist schön auch mit anderen darüber sprechen bzw schreiben zu können.

Ich finde es ist auch immer wichtig zu Wissen, dass die Medikamente auch eigentlich nur ein Begleiter sein sollten. Ich war auch oft “verkopft” dahinter wieso ich demotiviert bin oder scheiße drauf bin. Manchmal sind es ja nicht nur die Medikamente sondern als Beispiel auch die Umgebung. Ich habe für mich auch gelernt das es neben den Medis nehmen auch manchmal einfach Momente geben soll und darf an denen Mal einfach nichts tut und auf der Couch liegt. Soll jetzt keine Aussage nur dir gegenüber sein sondern eher allgemein :slight_smile:

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