ich lese schon seit einiger Zeit still mit und habe hier auch bereits einige Beiträge gefunden, die mir wirklich weitergeholfen haben. Da ich allerdings eher ungern über mich selbst schreibe und mich bisher nie getraut habe, kostet es mich schon ziemlich viel Überwindung, heute selbst ein Thema zu eröffnen.
Vielleicht kurz zu mir oder uns: Mein Sohn hat Ende 2023 die ADHS-Diagnose bekommen. Dadurch habe ich mich – wahrscheinlich wie einige hier – auch intensiver mit mir selbst beschäftigt, weil schon seit meiner Kindheit vieles naheliegend war. Inzwischen habe ich nun ebenfalls ganz frisch die ADHS-Diagnose bekommen.
Medikamentös bin ich allerdings noch nicht eingestellt, weil ich bisher noch keinen passenden Arzt gefunden habe, bei dem ich mich wirklich gut aufgehoben fühle.
Eigentlich geht es mir aber vor allem um meinen Sohn und seine aktuelle Situation. Er besucht momentan die 5. Klasse eines Gymnasiums. Kognitiv passt das Gymnasium auch zu ihm, und er wollte unbedingt mit seinem Freund in der Klasse bleiben, weil er zuvor leider schon einige Mobbingerfahrungen gemacht hat.
Kurz gesagt: Schule funktioniert mit ADHS bei ihm seit dem Wechsel auf die weiterführende Schule leider gar nicht gut. Zu Beginn der 5. Klasse konnte er vieles noch auffangen, indem er extrem maskiert hat, und seine Medikation hat gerade so bis zum Schulende gereicht. Aber sobald er aus der Schule kam, ging praktisch nichts mehr. Mittlerweile sind sowohl er als auch ich durch das Thema Schule nochmal extrem mehr belastet als ohnehin schon durch die ADHS bei uns beiden.
Er entwickelt zunehmend Ängste und teilweise auch Zwänge, die mich auch an Autismus denken lassen. Ich bin deshalb gerade dabei nach Alternativen zu suchen: Privatschule, IGS oder eventuell eine Rückversetzung auf die Realschule.
Auch eine Tagesklinik steht als Möglichkeit im Raum. Hat jemand von euch Erfahrungen mit einer Tagesklinik bei Kindern, speziell im Zusammenhang mit Schulproblemen, Medikamenteneinstellung oder der Rückkehr in den Schulalltag danach? Ich finde dazu bisher keine Einträge hier und kenne auch niemanden mit persönlichen Erfahrungen und würde mich sehr freuen, wenn jemand etwas dazu erzählen könnte. Danke euch fürs Lesen und für eure Antworten.
Wieso denkst du in deinem Kopf Gedankenspiralen und diverse andere Diagnostik?
Macht das überhaupt schon Sinn?
Ist dein Sohn einfach nur schlecht eingestellt mit Medikamenten unter oder überdosiert was schon ganz kräftig auf Stimmung, Depression und Lebensqualität aufzahlen kann.
Zumindest wohl schon die Wirkdauer gerade so für die Schule reicht.
Was ist denn mit seinem Privatleben und der Freizeit? Wie soll er Freunde, Konzentration oder Kraft haben sich darum zu kümmern?
Auch sowas kann zusätzlich stark auf Stimmung und Co schlagen. Jeder Mensch braucht außerhalb der Pflichten Quality Time die er so verbringen/ gestalten kann wie es ihm beliebt und Kraft und Freude bringt ist aber der körperliche Akku leer kann das Medikament mit und ohne Frustration zum Privatleben viel unangenehme Gefühle erzeugen…
Sorry aber ich finde wichtig Fragen zu stellen die du dir nicht gestellt hast und vielleicht verändert das eine Sicht dir vorher nicht da war und ggf. dir verhilft in irgendeiner Art deinem Sohn zeitnahe zu helfen
Liebe Kathy, danke für deine Antwort. Allerdings ist mir nicht ganz klar, was du mit manchen Dingen meinst. Ich habe weder etwas von Gedankenspiralen noch von diversen Diagnostiken geschrieben. Ich habe meine aktuelle Situation kurz geschildert, damit der Hintergrund meiner Frage verständlich wird. Mir ging es in erster Linie darum zu erfahren, ob jemand Erfahrungen mit einem Aufenthalt in einer Tagesklinik gemacht hat. Falls ja, würden mich vor allem persönliche Erfahrungswerte sowie der typische Ablauf interessieren. Meines Wissens nach wird dort ggf. die aktuelle Medikamentengabe überprüft, vorallem wenn man vielleicht schlecht eingestellt ist. Mehr wollte ich vorerst gar nicht wissen.
Mit der Tagesklinik habe ich keine Erfahrung. Habe schon sowohl positives als auch negatives davon gehört. Die Klinik ist ja Ortsgebunden (zumindest bei uns). Es wäre vielleicht hilfreich, in der örtlichen Selbsthilfegruppe nachzufragen.
Hier im Forum gibt es einige Berichte, wo Tagesklinik nicht oder nur bedingt hilfreich war. Absolute Voraussetzung aus meiner Sicht wäre: Kennen sie sich tatsächlich mit ADHS aus? Wenn das nicht sicher ist, würde ich das nie machen, sondern immer ambulant schauen.
Vor allem anderen ist aber die Frage auf Grund deiner Aussage, die ich zitiert habe: Ist er wirklich optimal eingestellt? Und hat er eine Ganztagesabdeckung mit seiner Medikation?
Das wäre absolut essentiell und kann bei den allermeisten ambulant gemacht werden (zumal die Medikation ja im Alltag passen muss). Ganztagesabdeckung ist wichtig, da ADHS man ja den ganzen Tag hat und sich das auch auf Hausaufgaben, Nachmittagsaktivitäten, soziale Beziehungen auswirkt.
Vielen Dank für deine Antwort. Dann muss ich vielleicht nochmal suchen, denn zum Thema Tagesklinik habe ich bisher leider nichts Passendes gefunden. Nur zur Erklärung, weil ich glaube, da wird vielleicht etwas missverstanden: Mein Sohn ist seit Ende 2023 natürlich in kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlung und alles läuft ärztlich begleitet über eine Praxis. Wir haben dort schon vieles versucht, Therapien, verschiedene Medikamente und entsprechende Anpassungen, aber leider wie gesagt bisher ohne ausreichenden Erfolg, weshalb jetzt eben die Tagesklinik ins Gespräch kam. Ich meine damit übrigens keine stationäre Aufnahme, sondern eine teilstationäre Behandlung, d. h. tagsüber (8-16 Uhr) Betreuung in der Klinik, abends zu Hause schlafen. Meine Hoffnung war, dass man dort die Wirkung der Medikamente im Alltag besser beobachten und ggf. besser einstellen kann. Denn das können wir ja nicht, wenn er in der Schule ist und ebenso wenig die Lehrer, er selbst kann es leider auch nicht so gut beschreiben. Das macht das ganze extrem schwer. Die Praxis selbst hat auch eine Tagesklinik und es gibt weitere bei uns im Umfeld, die laut Profil Erfahrung mit ADHS haben. Das ist für mich logischerweise die Grundvoraussetzung, ansonsten würde es keinen Sinn ergeben. Ehrlich gesagt sind wir mittlerweile ziemlich erschöpft, weil wir trotz allem noch keine Lösung gefunden haben. Die Medikamente wirken nicht lange genug oder bringen Appetitlosigkeit, Schlafprobleme und vielleicht sogar Verstärkung von Ängsten mit sich. Deshalb hatte ich gehofft, wenn jemand schon mal in einer ähnlichen Situation war, die Erfahrungen mit ambulanten oder teilstationären Aufenthalten hätte teilen können. Ich merke nur gerade, dass das wohl ziemlich schwierig ist. Entschuldigt, wenn das vielleicht etwas missverständlich rüberkam. Ist nicht so einfach.
Das wichtigste meiner Meinung nach wäre die medikamentöse Einstellung, die ist essentiell. Und ich behaupte dass der Alltag zuhause dafür am besten geeignet ist, also Ferien. Langfristig sollte Tagesabdeckung das Ziel sein. Was da warum nicht funktioniert, war ihr ausprobiert habt und Wie lange kannst du gerne nochmal genau schildern.
Wenn er Ängste und Zwänge zeigt, bitte so schnell wie möglich in die Verhaltenstherapie gehen.
Was die Klinik betrifft ist das eine sehr individuelle Sache. Kennen die sich mit den Krankheitsbildern aus? Wie ist es dort, würde er sich wohlfühlen? Ist er überhaupt bereit für eine (Teil) stationäre Behandlung, also sieht es seinen Leidensdruck? Ist es organisatorisch für euch überhaupt umsetzbar? Tagesklinik bietet Struktur und macht Sinn wenn das im Alltag nicht möglich ist. Wenn dein Kind ist wie unseres, würde er dort bis aufs Verrecken maskieren und zuhause täglich zusammen brechen.
Wir haben uns gegen Tagesklinik entschieden. Unser befindet sich vollstationär wegen ADHS und Zwangserkrankung, die im Übrigen auch nach dem Schulwechsel und wegen unerkanntem ADHS dazu kam. Für uns ist es das Richtige.
Du siehst es kommt sehr darauf an, was das Ziel ist. Für alles was komplex ist und nicht in einer ambulanten Therapie und allein mit Medikamenten aufgefangen werden kann, ist ein vollstationärer Aufenthalt meiner Meinung nach das Richtige. Dafür muss man aber auch die Möglichkeiten erstmal ausgeschöpft haben.
Danke euch für eure Antworten. Sie haben mir einen guten Einblick in die unterschiedlichen Sichtweisen gegeben. Nach vielen Gesprächen und Überlegungen sind wir gemeinsam mit unserem Sohn inzwischen etwas klarer darüber was für unsere Situation der richtige Weg sein könnte. Da die Praxis, die uns betreut auch eine Tagesklinik anbietet und wir dadurch bereits ein paar der Ärzte und Therapeuten kennen fühlt sich diese Lösung für uns alle richtig an. Das Umfeld ist eher familiär und nicht so groß und unbekannt wie in einer großen Klinik. Da die Wartelisten allerdings recht lang sind, wird das vermutlich nicht von heute auf morgen möglich sein. Bis dahin planen wir mit unserer Praxis Termine für die Verhaltenstherapie und werden noch einmal mit der Schule besprechen, ob und wenn ja welche zusätzlichen Entlastungsmöglichkeiten es dort für ihn geben könnte.