Hi zusammen,
ich bin weiblich 39 Jahre alt und beschäftige mich erst seit Kurzem mit der Frage, ob ich ADHS haben könnte. Lange hatte ich das für mich ausgeschlossen, bis ich eher zufällig auf das Thema ADHS bei erwachsenen Frauen gestoßen bin und bei erschreckend vielen Dingen dachte: „Moment, sprechen die da gerade von mir?“ ![]()
Ich fühle mich eigentlich schon mein ganzes Leben irgendwie „anders“: extremes Overthinking, innere Unruhe, schnell reizüberflutet, Kritik trifft mich stark, impulsiv, vergesslich und oft das Gefühl, dass mir alles zu viel wird bzw. ich nicht hinterherkomme. Nach außen funktioniere ich allerdings ziemlich gut, gerade beruflich. Klassisch hyperaktiv bin ich eher nicht, wenn dann passt bei mir der unaufmerksame Typ.
Inzwischen hatte ich eine ADHS-Diagnostik und bin seit dem Ergebnis ehrlich gesagt ziemlich verzweifelt und verunsichert. Im Erwachsenenalter waren mehrere Ergebnisse auffällig, u. a. DIVA 2.0 mit 9/9 bei Unaufmerksamkeit sowie weitere Auffälligkeiten bei Unaufmerksamkeit/Desorganisation. Insgesamt wurde ADHS trotzdem verneint, weil sich laut Befund keine ausreichenden Symptome in der Kindheit nachweisen ließen.
Und genau damit tue ich mich schwer: Ich habe aufgrund einer teilweise traumatischen Kindheit kaum konkrete Erinnerungen und konnte viele Fragen einfach nicht beantworten. Eine richtige Fremdanamnese gab es nicht. Trotzdem wurde die Kindheit im DIVA mit 0/9 bewertet. Für mich fühlt sich „ich weiß es nicht mehr“ einfach nicht wie „war nicht vorhanden“ an.
Dazu zweifle ich sowieso ständig an meiner eigenen Wahrnehmung. Schon beim Ausfüllen der Fragebögen dachte ich dauernd: „So schlimm ist es bei mir doch gar nicht, anderen geht es bestimmt viel schlechter.“ Teilweise habe ich mich sogar weniger auffällig eingeschätzt als die Therapeutin. Seit dem negativen Befund ist dieses Imposter-Gefühl natürlich noch viel schlimmer und ich frage mich ständig, ob ich mir das alles vielleicht doch nur einrede.
Erst im Nachhinein habe ich außerdem erfahren, dass die Psychologin, die die Diagnostik mit mir durchgeführt hat, noch in Ausbildung ist. Ich habe jetzt zum Glück sehr schnell einen Termin für eine Zweitmeinung bei einer Psychiaterin bekommen. Darüber bin ich einerseits total froh, andererseits habe ich inzwischen fast Angst, dort zu sitzen und wieder das Gefühl zu haben, mich rechtfertigen zu müssen.
Deshalb würden mir gerade Erfahrungen von anderen wirklich helfen ![]()
Habt ihr Symptome auch erst Mitte/Ende 30 erkannt, habt kaum Kindheitserinnerungen und/oder eure erste Diagnostik war auch negativ? Wie seid ihr damit umgegangen? Und hat eine Zweitmeinung bei jemandem tatsächlich zu einer anderen Einschätzung geführt?