Erfahrungsbericht Diagnostik/Eindosierung/Medikationsversuch mit Medikinet adult als erwachsene Frau

Hallo zusammen,

bevor ich starte, kurz zu mir: weiblich, Mitte 20. Letzte Woche hatte ich endlich meinen lange ersehnten Termin beim Psychiater.

Ich war vor zwei Jahren schon mal dort, damals mit dem Verdacht auf eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung. Mit vielem konnte ich mich identifizieren (Impulsivität, innere Unruhe etc.), aber heute denke ich: vieles davon passt auch ziemlich gut zu ADHS – vor allem, weil diese Themen bei mir schon seit der Kindheit da sind.

Meine Kindheit war u.a. geprägt von einer ausgeprägten Tic-Störung und auch Mobbing. Gleichzeitig war ich in der Grundschule die „Musterschülerin“: gute Noten, wissbegierig, Vorlesewettbewerb gewonnen usw.
Und dann kam die weiterführende Schule… und es ging ziemlich bergab. Vor allem Mathe und Naturwissenschaften → erst 4, dann 5. Irgendwann kam aktive Schulvermeidung dazu. Ich hatte ständig das Gefühl, alle sind mir einen Schritt voraus – obwohl ich nie dachte, dass ich „zu dumm“ bin.

Es folgten Sitzenbleiben, Schulwechsel (u.a. wegen Mobbing), wieder Schulvermeidung… und irgendwie hab ich trotzdem noch die Kurve gekriegt und sogar ein ganz ordentliches Abi gemacht (zu meinem Glück ohne Matheprüfung – danke, Föderalismus!!).

Danach: abgebrochenes Studium, abgebrochenes/verkürztes FSJ. Jetzt bin ich kurz vorm Examen in einer therapeutischen Ausbildung (yeah!) und merke: Prokrastination und Unaufmerksamkeit halten mich neben vielen anderen Symptomen immer noch ziemlich fest im Griff.

Parallel dazu wurde bei meiner Schwester ADHS diagnostiziert (im Erwachsenenalter), und ich arbeite selbst mit betroffenen Kindern. Dabei hatte ich irgendwann so einen „okay… Moment mal“-Gedanken, weil ich mich in vielem wiedererkannt habe.

Beim Termin letzte Woche meinte mein Psychiater nach dem Gespräch ziemlich schnell, dass das für ihn stark nach ADHS klingt. Er hat ein ASRS-1 Screening gemacht, mir Fragebögen mitgegeben und – was mich echt überrascht hat – direkt einen Medikationsversuch vorgeschlagen (auch wegen meines Examens).

Ich bin ehrlich: Damit hab ich überhaupt nicht gerechnet. Dachte eher, das zieht sich jetzt noch über mehrere Termine. Aber ich hab mich darauf eingelassen.

Jetzt nehme ich seit drei Tagen Medikinet adult retard (2x 10 mg): kaum Nebenwirkungen, aber spürbar positiver Effekt. In sechs Wochen habe ich den nächsten Termin und soll zwischenzeitlich zum EKG bei meiner Hausärztin.

In meinem Umfeld sorgt dieses schnelle Vorgehen eher für Stirnrunzeln. Ich selbst halte meinen Psychiater aber für sehr kompetent (macht das seit über 20 Jahren). Trotzdem verunsichert mich eine Sache total: meine super Grundschulzeugnisse.

Ich weiß rational, dass das eine ADHS-Diagnose nicht ausschließt. Aber dieses „Was, wenn ich mir das alles irgendwie einbilde?“ schwingt halt trotzdem mit. Ich war früher eher das verträumte Kind und hab anscheinend viel kompensiert.

Ich glaube, ich musste mir das einfach mal von der Seele schreiben – die letzte Woche war irgendwie… viel. Auch wenn überwiegend positiv.

Mich würde total interessieren:
Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht, gerade auch mit so einem schnellen/„unkonventionellen“ Einstieg in die Diagnostik oder Medikation?
Und wie seid ihr mit diesen Zweifeln umgegangen?

Danke an alle, die bis hier gelesen haben – auch wenn’s immer noch ein halber Roman geworden ist :sweat_smile:

Liebe Grüße
Eure pinkponyprincess

Was ist denn wenn du dich einfach mal mit ADHS und mögliche Hochbegabung ein wenig einliest, vielleicht erklärt das dir selbst nachher mehr als wird dir hier sagen könnten.

Gute Noten bzw. immer im Mittelfeld mitgeschwommen und nicht groß aufgefallen hat ja einen Grund.
Du bist schlau brauchst nichts bzw. wenig tun und bist nicht aufgefallen, du könntest einen leichten Einschlag ins Autismusspektrum haben wodurch du Muster/Strategien oder anderes entwickelt/ gesehen/ gelebt hast das es nicht auffiel oder ähnliches

Zudem du bist WEIBLICH da ist nicht auffallen normal weil Vorurteile nur Jungs können Zappelfillip etc.

Hat man ggf. eher sowas mit verträumt… und wenn du nur wirklich möchten/wollen würdest… dann könntest/ hättest erreichen können… oder ähnliches?

Dann war das die Auffälligkeit für Frauen aus der Rückschau

Übrigens anzweifeln und Minderwertigkeitsgefühle/ Komplexe sind auch Adhs Symptome

Über ADHS mit möglicher Hochbegabung hab ich (in meinem Fall) noch nie nachgedacht. Bzw. immer angezweifelt, ich könne ja nicht überdurchschnittlich intelligent sein (wegen Schulnoten). Aber nach deiner Erklärung werde ich mich da auf jeden Fall mal einlesen.

Autistische Züge sehen ich und enge Bezugspersonen bei mir auch seit Kleinauf. Ist vielleicht auch beim nächsten Termin interessant für den Doc. Aber erstmal eins nach dem Anderen.

Falls es dich auch nochmal interessiert: hier ein richtig tolles, brandaktuelles Paper zu ADHS bei Mädchen und Frauen, wo deine These von Kompensation durch überdurchschnittliche Intelligenz bei ADHS auch bestätigt wird. Und sich eben oft soziale und schulische Schwierigkeiten durchaus erst später (Mittel- oder Oberschule) zeigen. https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/klinikschule/Dateien/2025/ADHS_Maedchen.pdf

Man hat mir immer gesagt, ich solle nicht so viel träumen, könnte ja noch so viel mehr, wenn ich nur wolle. Später dann, ich verschwände mein Potential, müsse unbedingt weniger im Unterricht quatschen, bla bla.

Also wohl doch irgendwie auffällig.

Musste bei dem letzten Satz ein bisschen Schmunzeln, weil ich mich ertappt fühle! Aber stimmt. Danke für den Reality-Check :smiley:

Da ist der Satz

Träumen und Potenzial verschwenden…

Ganz typisch für „unerkannte Adhs“ bzw. du warst zu angepaßt da war es für keinen wichtig a) genauer hinzuschauen b) durch Diagnose Störungen los zu werden.

Ich packe mal was zur Hochbegabung als Link bei was mir meine Augen auch über „komische Macken“ wie irgendwas fehlt, irgendwas (konnte ich oft nicht greifen nur fühlen) das was fehlte um es verstanden zu haben und lösen zu können und einiges mehr.

Vielleicht ist auch bei dir von allem ein bisschen was du wahrscheinlich am besten durch informieren und sann bemerken oder wie ich es auch teils hatte 'Ah deshalb war das öfter wie ein Brett vorm Kopf/ deshalb fühlte sich jeder vorgeführt weil ich es so detailliert wissen wollte das einige Ausbilder sich mit ihrem Nichtwissen vorgeführt gefühlt hatten und ich „die PS einfach nicht auf die Straße bekam“ um es sehr gewinnbringend in Spitzennoten zu verwandeln von 1 bis 6 war immer alles drin und hat mich oft verzweifeln lassen weil ich nicht verstand warum.

Es reicht auch das wenn du hichbegabt bist die Frage für zu unspezifisch hälst, daß aus der eigenen Ligik und Wkssen keine Antwort passt und gibt der Lehrer oder Prof die Antwort…'oh das soll alles sein, mehr sollte damit nicht abgefragt werden… undes wäre nie in den Sinn gekommen „sowas ganz einfaches, simples und unwichtiges“ was es aus der eigenen Sicht hätte sein sollen und einiges mehr

Zur Not mach freizugängliche Tests zu Autismus und Hochbegabung gerne auch ein paar mehr, auch die können durch ihre Aussagen einem sehr viel Klarheit zur eigenen Einschätzung bringen weil für einen selbst ist so vieles so normal und man denkt ja immer alle denken so oder können das und ich bin auch oft daran verzweifelt warum sie mich nicht verstehen/ an einander vorbeireden wollen…

https://m.youtube.com/watch?v=nNw7cKjOsi8&t=414s&pp=2AGeA5ACAQ%3D%3D

Ich möchte kritisch anmerken, dass die Faultiere in dem angesprochenen Film, Atomkomplex tief nachdenken und deswegen so langsam sind, die haben den falschen Job. Sollte man nicht unterschätzen. :sloth: :heart:

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Hallo und herzlich willkommen,

Grundschulzeugnisse werden nun mal nicht dafür geschrieben, um Jahrzehnte später damit ADHS zu belegen, und Psychiater machen keine Diagnosen, um deinem Umfeld zu gefallen.

Ich sehe das nicht als schnelles Vorgehen, im Gegenteil, sondern vor spätestens 10 Jahren drängte sich ein ADHS-Verdacht förmlich auf - nicht zwingend, aber untersuchen sollen hätte man es schon (Mobbing, Schulvermeidung).

Das ist alles absolut typisch. Grund für deine Zweifel sehe ich nicht. Du kannst froh sein, dass dein Psychiater dich nicht zu allen möglichen Tests schickt, die sich monatelang hinziehen.

Da hast Du so absolut recht mit.

Jupp. Mit meinem heutigen Wissensstand wundert es mich auch sehr, dass keine Therapeutin oder Ärztin/kein Arzt auf die Idee kam, und wenn “nur sicherheitshalber”, eine Diagnostik zu machen. (“Naja, Pubertät halt.” usw. usf.).
Auch habe ich bei ADHSlern in meinem Umfeld mitbekommen, dass sich diese x-fache, stundenlange neuropsychologische Testungen über Monate hinweg unterziehen mussten. Ich hätte ihnen dasselbe gewünscht, vielleicht ist es ein bisschen “Imposter-Syndrom”. Ich bin jedoch trotzdem extrem dankbar dafür, dass mein Psychiater meinen Leidensdruck so “sieht” und anerkennt.

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DAS! und vor allem der Satz „die PS einfach nicht auf die Straße bekommen” trifft ins Schwarze.

Damit kann ich mich auch sehr identifizieren und kann was Du schreibst sehr gut nachvollziehen. Dieser Blick fürs Detail ist so ausgeprägt, dass der Logik “der anderen” zufolge der Blick für das große Ganze, das Wesentliche darunter leidet. Ich wollte und musste immer alles bis ins kleinste Detail verstehen und nachvollziehen können, da es für mich sonst sinnlos wirkte, mich mit de Thema zu befassen. Ich kann das schwer in Worte fassen.

Danke für den Link und Deine Anregungen! Für mich extrem wertvolle Beiträge.