Hallo zusammen,
ich möchte kurz meine bisherige Reise durch die Welt der Stimulanzien beschreiben und würde mich über eure Rückmeldung dazu freuen. In erster Linie geht es mir aber um die aktuelle Medikation (Kinecteen, Citalopram) und den Empfindungen die ich damit erlebe.
Zu mir:
Ich bin 45 Jahre alt, befinde mich für einen Berufswechsel kurz vor meiner Bachelorarbeit im Studium und habe meine erste Medikation im Juni 2026 begonnen. Als ich ca. 12 Jahre alt war, habe ich mal Ritalin in recht hohen Dosen genommen. Vielleicht 1-2 Jahre. Danach nicht mehr. Kaffee kann ich morgens nur noch entkoffiniert trinken. Ich habe bei allen Medikationen sonst eine Überstimulation geklatscht bekommen. Scheint als wäre ich da sehr sensibel, was sich auch in den Dosierungen zeigt.
Medikinet:
Angefangen habe ich mit Medikinet Adult 20-10-0. Dann 20-20-0. Die ersten zwei Wochen waren phänomelnal gut. Endlich hat alles funktioniert und ich hatte zum ersten mal das Gefühl „in mir drin zu sein“. Denken, lesen, sprechen, fokkusiert sein, Antrieb haben, Musik machen, entspannt sein, Lust zu haben mit anderen zu kommunizieren und als allerwichtigstes, ein funktionierender Filter gegen äußere Reize. Plötzlich lief alles wie „geschmiert“.
Das dieser Zustand aber nur vorübergehend ist und bei manchen Menschen in der Eindosierung auftritt, dann aber wieder nachlässt ist wohl weitgehend bekannt. Jedenfalls so auch der Bericht meiner Ärztin. Allerdings hat es mir auch mal einen Einblick gegeben, wie es auch sein kann.
Medikinet hat mich mit der Zeit aber emotional sehr durch die Gegend geworfen. Insbesondere vor den Prüfungen war ich viel nervöser und unangemessen aufgeregter als zuvor.
Elvanse:
Der Wechsel war nur von kurzer Dauer. Zwar hat mir Elvanse Antrieb gegeben, ich habe mich aber immer irgendwie künstlich gepusht gefühlt. Das ich zunehmend aggresiver wurde war der Anlass auf Kinecteen zu wechseln.
Kinecteen:
Kinecteen 34mg nehme ich seit ca. 12 Wochen. Die Wirkung kommt nach einer Stunde immer sehr sanft und kaum merklich, ist aber irgendwie da. Meist ist es irgendwie gut und funktioniert. Wobei das meiner Vermutung nach auch immer sehr Tagesformabhängig ist. Trotzdem ist es anders als Medikinet. Meine Ärztin sagt dazu, dass es auch mit Medikation nie zu 100% perfekt sein wird womit sie wahrscheinlich recht haben könnte.
Aber Medikation ist neben anderen Elementen auch nur ein Baustein um das ganze rund zu machen. Die persönlichen und äußeren Umstände sind momentan sehr angespannt und schwierig, was sehr viel Streß verursacht und es für mich sehr schwierig ist Emotionen einorden zu können.
Die Gerfühle sind nicht neu, aber die Intensität. Zum einen habe ich das Gefühl ich kann meine Impulse viel einfacher wieder runterregulieren, zum anderen habe ich aber das Gefühl das ich manchmal in Tiefen gezogen werde, die ich einfach nur aushalten kann, bis ich wieder auftauche.
Ich habe zudem auch das Gefühl das es neben der Wirkung die am Morgen eintritt, auch eine langzeit kurve gibt, die sich bis in den Morgen zieht.
Medikinet 5mg booster:
Weil ich Abends irgendwie Wirkung und nicht Wirkung von Kinecteen habe, nehme ich inzwischen hin und wieder frühestens um 17 Uhr, 1/4 von einer 5mg Medikinet unretardiert. Manchmal ist das genau richtig und ich merke dann erst, dass ich gar nicht mehr so richtig in der Spur war. Manchmal ist das aber noch zu viel oder zu früh. Kinecteen nehme ich meist gegen 7:30-8 Uhr. Selten später.
Gerade heute experimentiere ich das erste mal damit, die 1/4 Medikinet zur Kinecteen dazu zu nehmen. Bisher läufts ganz gut.
Citalopram:
Eben weil es aber diese Tendenz zum emotionalen Tiefflug gibt, hatte meine Ärztin schon früher die Idee von Citalopram 5mg. Das nehme ich jetzt seit 3 Wochen, also Eindosierung. Ich habe mich mal morgens besser gefühlt, ja. Aber die erwähnte äußere Situation zieht mich im Moment sehr runter.
Das ist der Punkt an dem ich es nicht mehr auseinander bekomme. Mit Citalopram habe ich das Gefühl das meine Gefühlswelt dumpfer und mehr wie in Watte gepackt ist. Ich habe fast das Gefühl es ist, als hätte ich weniger Zugang zu ihr. Das man duch schwierige Erlebnisse mal runter gezogen wird ist normal. Aber ich frage mich, wie beeinflusst Citalopram das ganze? Könnte es in der Eindosierung die Ängste und Depressionsgefühle sogar noch verstärken? Ich habe schon das Gefühl das es so ist.
Ich hänge mir wieder nach einiger Pause den Boxsack wieder an die Decke um „raus zu lassen“ und mich sportlich zu betätigen und den inneren Krieger am Leben zu erhalten. Glaube das ist einer der fehlenden Bausteine, die man nicht vernachlässigen sollte.
Ich habe als erfahrener Krankenpfleger eigentlich immer eine eher kritische Haltung zu Psychpharmaka gehabt, weil ich immer der Ansicht bin, dass das menschliche Hormonsystem ein sehr komplexes und fein austariertes System ist und wenn man in diesem System an einer Stelle schraubt, es sich zwangsläufig an anderer Stelle auch verändert (Nebenwirkungen jeglicher Art).
Nun habe ich mich doch dafür entschieden diesen Weg zu gehen und finde es total schön endlich mal, dank der positiven Wirkungen, meine Möglichkeiten und Fähigkeiten besser nutzen zu können.
Allerdings bleibt die kritische Haltung und ich frage mich, ob ich nicht in eine Medikamentenspirale gedreht werde…
Soweit meine Erfahrungsberichte und ein bisschen persönlicher Einblick.
Ich würde mich freuen über eure Erfahrungen zu Kinecteen und Citalopram zu lesen.
Viele Grüße,
Daniel