Erschreckendes Erstgespräch mit Psychiater

Ich bin ADHS Patientin und Ärztin und habe Diagnose sehr spät bekommen.Medikinet 10mg adult oder Medikinet 10mg unretardiert?In den neueren Leitlinien wird Elvanse als 1.Wahl für Erwachsene empfohlen.Ich würde mit Medikinet 5mg anfangen, wenn es unretardiert ist und mit 10mg Adult, wirkt 6 bis 8 Stunden, unretardiertes so 4 Stunden.Nimmst Du noch andere Medikamente?LG

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Lass dich nicht entmutigen liebe Nina
Die Ärztin ist auch nur ein Mensch….Dazu gibt es sehr gute Videos auf Youtube viele Ärzte sind davon betroffen …diese haben sich nichts verbieten lassen .:sun_with_face::+1:t2::rose:Sehr viele positive Eigenschaften :heart_exclamation:

Hi, du solltest die Ärztin zur Rede stellen und fragen, wie sie das meint. Meint sie, dass es von dir unvernünftig war, das Risiko einzugehen, ein Kind mit ADHS auf die Welt zu bringen, weil du dich selbst damit überfordern könntest oder überschreitet sie sogar die ethische Grenze und wertet Leben ab?

Beides ist nicht in Ordnung, deshalb solltest du das nicht unkommentiert stehen lassen.

Eine Beschwerde bei der zuständigen Ärztekammer wird, meistens nur knapp beantwortet, bleibt aber ohne Konsequenzen für die Ärztin.

Außer vielleicht, man wählt das drastische Vokabular, das hier angebracht wäre. M.E. fällt das nämlich unter den unschönen Begriff Eugenik. Das ist ein ganz düsteres Kapitel. Mir ist ein Fall bekannt, in dem eine Mutter sich von einer Ärztin fragen lassen musste, warum ihr Kind mit Trisomie überhaupt lebt. Dasselbe verkommene Gedankengut liegt hier auch zugrunde. Man kann Ärzte auch zivilrechtlich anzeigen. Man muss sich nicht alles gefallen lassen.

Gerade der Bereich Psychiatrie ist verrufen für den Missbrauch an Patienten, insbesondere im stationären Bereich, aber offensichtlich auch in den Praxen. Da ist der Bereich Patienrechte offenbar immernoch zweitrangig.

Inzwischen scheint ja echt wieder jede verkommene Sichtweise salonfähig zu sein. Ganz im Geiste der Zeit.

Ich wurde auch schon öfter gefragt, ob ich das denn nicht vorher gewusst hätte…. Unfassbar!!!

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Ich finde es nicht gut und bin nicht dankbar dafür, dass ich mit dem Frasersyndrom auf die Welt kommen musste. Schon dass die Natur so was zulassen kann, sagt mir, dass Natur höchstens neutral ist, aber nicht gut.

Wenn ich nicht geboren worden wäre, gäbe es wahrscheinlich jemand anderen, wahrscheinlich mit weniger Krankheit und mehr Optionen, und mit mehr Normalität, was es dem Umfeld leichter machen würde. Und ich könnte meinen Eltern keinen Vorwurf daraus machen, wenn sie einen Abbruch erwogen hätten. Der Gedanke an ein Paralleluniversum, in dem ich nicht leben würde, schreckt mich überhaupt nicht. Jetzt muss ich natürlich das Beste daraus machen und es gäbe Menschen, die sich an mich gewöhnt haben und mich vermissen würden, wenn ich plötzlich nicht mehr wäre.

Aber eigentlich bin ich nicht der Ansicht, dass so etwas wie ich und das damit verbundene sinnlose Leid (für mich und andere) unbedingt passieren muss, einfach nur damit wir weniger das Gefühl haben, Gott zu spielen. Gleichzeitig behindert und für Früherkennung, Wahnsinn.

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Das glaube ich dir sofort, liebe @tamaracha

Mir würde es in deiner Situation ganz sich genauso gehen, wahrscheinlich hätte ich schon längst das Handtuch geworfen und wäre in schweren Depressionen versunken an deiner Stelle. Deine Anpassungsleistung ist enorm.

Aus meiner Perspektive kann ich aber sagen, dass ich froh bin, dass es dich gibt und dass die Welt um einiges ärmer wäre ohne dich.

Ich bin auch für Frühdiagnostik, hätte aber keinen Abbruch in Erwägung gezogen. Nicht, dass ich grundsätzlich dagegen wäre, sondern weil es für mich persönlich nicht infrage käme. Genauso habe ich nichts gegen Reproduktionsmedizin, es ist ok, wenn andere das machen, aber es wäre für mich persönlich nichts. Don’t fuck with nature (meine Devise).

Hier ging es aber um etwas anderes. Nämlich darum, ob Ärzte sich herausnehmen dürfen, zu beurteilen, was ein lebenswertes Leben ist. ADHS ist noch nichtmal als Behinderung eingestuft in D (in anderen Ländern schon). Was maßt diese Person sich an? Im übrigen war selbst zu Zeiten meiner Schwangerschaft vor fast 20 Jahren gar nicht im Bewusstsein, dass ADHS überhaupt eine erbliche Komponente hat. Das ist in vielen Kreisen sogar immernoch umstritten und gilt als Erziehungsproblem. Mal abgesehen davon, dass die meisten betroffenen Frauen (ich auch) sowieso undiagnostiziert waren. Zudem ist es ja ein Spektrum und die Chancen sind gar nicht so gering, dass Kinder von ADHSlern zumindest subklinisch bleiben.

Es ist jedenfalls eine Form von toxischem Hass, wenn eine Ärztin einer Mutter Vorwürfe macht, weil sie ein oder mehrere Kinder hat, die erblich bedingte Einschränkungen haben. Im Prinzip verwährt die Ärztin hier das Recht auf Existenz und spricht auch gleich der Mutter ihres indirekt ab.

In der Frühdiagnostik werden in der Regel auch keine Gentest angeboten und wenn, dann schon gar nicht auf ADHS, weil es die ja nicht gibt.

Eine Behinderung kann einen außerdem auch zu jedem Zeitpunkt nach der Geburt erwischen. Aus was auch immer für unschönen Gründen. Ich sehe das Leid.

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Ich hatte auch mal so eine Ärztin. Damals war ich gerade mal 17 Jahre alt und schwanger. Also bin ich weg von der Kinderärztin, hin zu einer Allgemeinärztin für Erwachsene. Mein erster Termin dort war, weil ich sehr erkältet war und einen Krankenschein für die Schule brauchte.
Ich saß dort nicht mal eine Minute, da wurde mir schon die Schwangerschaft vorgeworfen und mit abschätzigem Blick gefragt ob ich denn wüsste, dass so ein Kind kein Püppchen wäre, das man süß anziehen kann.
Ich habe aus „Wohlwollen“ der Ärztin den Krankenschein bekommen, aber mich hat sie nie wieder gesehen. Ich wusste auch nicht, wie ich darauf reagieren soll und war extrem überfordert. Ich habe mich dann aber mit meinem Mann und einer Freundin unterhalten und beide sagten mir, dass sie auch schon von unangemessenem Verhalten dieser Ärztin gehört hatten. Für mich ist diese Frau „gestorben“. Zum Glück habe ich später einen sehr guten Hausarzt gefunden.

Letztlich kann man immer an solche Leute geraten und man muss abwägen, ob man sie ertragen kann um sie „zu nutzen“, oder ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis ein Ertragen dieser Personen ausschließt.

Mein Psychiater ist auch so ein Grenzfall. Er ist freundlich, aber er hat in Bezug auf ADHS nicht so sehr viel Ahnung. Vor allem nicht, wenn es sich um ADHS bei Frauen handelt. Ich musste lernen zu ignorieren, dass er mich nicht wirklich ernst genommen hat. Nach einem Jahr der „Zusammenarbeit“ habe ich trotzdem das, was ich will. Die Diagnose und die Medikamente. Für mehr brauche ich ihn nicht. Klingt herablassend, ist aber einfach nur Pragmatismus. Eine bessere Option habe ich nicht, denn es gibt sonst keine Praxen, die mich aufnehmen würden. Also nehme ich, was ich kriegen kann und informiere mich über den Rest selber. Eindosierung, Aufdosierung, Nebenwirkungen etc. Ich nehme das selbst in die Hand und bitte beim Termin um entsprechende Anpassungen.

Das Wichtigste ist, dass man sich nicht auf persönlicher Ebene angreifen lässt. Ich habe mich zunächst auch angegriffen gefühlt und war sauer darüber. Aber was nützt es? Ganz umemotional und sachlich gesehen brauchte ich Behandlung und die bekomme ich.
Wenn du keine andere Option hast, dann nimm die Behandlung mit und kümmere dich um den Rest selber. Dass das übel ist müssen wir nicht nochmal extra betonen, das versteht sich von selbst. Aber am Ende willst du für dich eine Behandlung und solang sie das Rezept ausstellt kann sie ein so schlechter Mensch sein, wie sie will. In einer idealen Welt könnten wir uns wehren, in der jetzigen Welt müssen wir das System nutzen so gut wir können.

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Ja, da stimme ich dir zu. Für dieses Verhalten gehört der Ärztin eigentlich die Aprobation entzogen, völlig verantwortungslos. Auf ADHS bezogen umso unfassbarer, weil ADHS einem zwar das Leben schwer machen kann, aber keine drastische Einschränkung bedeutet.

Die Natur hat mich schon gefuckt, da bleibt mir nur zurückzufucken.

Ja, körperliche Behinderungen können einen jederzeit treffen. Das ist allerdings an sich keine Rechtfertigung dafür, es noch häufiger geschehen zu lassen. Wir betreiben ja auch Prävention gegen Autounfälle — naja, ein bisschen zumindest. Dass bei diesem Genetikthema ein Entscheidungsdruck auf die Eltern aufgebaut wird und daraus eine Art Wettrüsten entstehen könnte, sehe ich natürlich als gefährliches Problem an. Darüber hat niemand anderes zu entscheiden als die Eltern selbst, eigentlich sogar die Mutter, jedenfalls niemand Außenstehendes. Bei der Aufklärung würde ich mir aber mehr Neutralität, Ergebnisoffenheit und Ehrlichkeit wünschen, weniger diffuse ethische Ängste.

Dafür, dass es so leicht passieren kann, wird häufig erstaunlich unkonstruktiv und verleugnend damit umgegangen. Bei diesen ethischen Diskussionen finde ich, sollte man halt auch ehrlich sein. Solange mein Recht auf Teilhabe so häufig als lästige Formalität und diese manchmal sogar als Bevormundung dargestellt wird, kann ich solche Diskussionen nur als bigott empfinden. Ich habe übrigens noch nie erlebt, dass ein Behindertenbeauftragter mir eine echte praktische Hilfe gewesen wäre. Wenn die Gesellschaft uns im Grunde ablehnt oder fürchtet, sollte sie auch dazu stehen und nicht ihre Hände in Unschuld waschen. Im Gegensatz zu einem hypothetischen Lebewesen leben und empfinden Menschen wie ich mit absoluter Sicherheit.

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Ich finde es bewundernswert, wie Du Dein Leben trotz aller Einschränkungen meisterst.
Mit Deinen Erfahrungen und Deiner Sicht auf das Leben/Dein Leben hast du schon oft meinen Horizont erweitert.
Ich würde Dich hier auf jeden Fall vermissen. :people_hugging:

Vor der Entscheidung, ein wahrscheinlich schwer behindertes Kind auszutragen oder abzutreiben stand ich auch (ja, ich ziehe die Scheiße magisch an und habe gefühlt alles irgendwie mitgenommen, was frau so im Leben mitnehmen kann…). Ich war sehr dankbar dafür, dass mich kein Arzt gedrängt hat, das Kind abzutreiben, so lange es am Leben war oder mir Vorwürfe gemacht hat, weil ich in Erwägung gezogen habe, dieses Kind zu bekommen.

Diese Entscheidung ist unglaublich schwer.
Steht es mir zu, über Leben und Tod dieses Kindes zu entscheiden?
Wird das Kind wirklich unglücklich sein und nur leiden oder könnte es im Rahmen seiner Möglichkeiten auch ein glückliches Leben haben?
Geht es eher um meine Bequemlichkeit, mich den Herausforderungen nicht stellen zu wollen, die ein behindertes Kind mit sich bringt?
Kann ich der Herausforderung überhaupt gerecht werden?

Als der Arzt mir ein paar Wochen später sagte, dass das Herz des Babys nicht mehr schlägt, hat es mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Aber ich war auch erleichtert, nicht mehr entscheiden zu müssen, ob das Kind leben darf (oder muss?) oder nicht. Ich konnte mein Kind still zur Welt bringen, ohne mich aktiv für oder gegen dieses Leben entscheiden zu müssen.

Eine Aussage, die mir in der Zeit danach und auch in der Folgeschwangerschaft geholfen hat:
Manchmal ist das Leben nicht das Beste, was wir unseren Kindern schenken können.
(Ausdrücklich nur bezogen auf ungeborene Kinder).

Trotzdem steht es keinem Arzt (und auch keinem anderen) zu, darüber zu urteilen, ob jemand Kinder bekommen sollte oder nicht. Das Verhalten der Ärztin ist ein absolutes NoGo.

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Da stimme ich dir in allen Punkten zu. Ich habe selbst eine Schwerbehinderung mit GdB 60, natürlich nicht wegen des ADHS, sondern wegen einer lebensverändernden Krankheit.

Außerdem hat mich die Behinderung erst später im Erwachsenenalter erwischt, was nochmal was ganz anderes ist, als mit schweren Einschränkungen geboren zu sein. Und dennoch ist es so, dass mir oft gesagt wird: was, du hast eine Schwerbehinderung? Das sieht man gar nicht! Du bis doch dadurch gar nicht eingeschränkt!

Nö, sieht man als Außenstehender nicht. Ich zeige aber gern mal meine meterlangen OP-Narben, wenn die Leute es ertragen können. Oder Bilder davon, wie ich zwei Jahre kaum gehen konnte. Auch, dass ich schon mehrfach fast an dieser scheiß Krankheit gestorben wäre, sieht man ja nicht.

Also wird einem schnell mal locker unterstellt, dass da ja dann nichts sein kann und man sich im Prinzip nur eine Komfortzone aufgebaut hat, um die Gemeinschaft auszunutzen und sich z.B. Steuervorteile und andere Hilfen zu sichern. Oder dass man halt mit der Opferrolle identifiziert ist. Sowas hört man sich dann z.B. in einer Reha-Klinik an.

Aber ich bin mir 100% sicher, dass die meisten dieser Leute auch nicht mit mir tauschen wollen würden.

Da liegt es mir dann schon manchmal auf der Zunge zu sagen: komm, ich mach dein bisschen Arbeit und du nimmst meine Krankheit dafür. Nur für drei Monate, ADHS-Brain, c-PTSD und EDS gebe ich als Bonus-Erlebnisse noch dazu. Und danach sprechen wir dann nochmal darüber, falls du solange aushältst.

Und ich weiß genau, dass meine Challenges, gemessen an deinen, Peanuts sind.

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Ich verstehe, was du meinst. Im Studium war ich für einige Zeit Mentorin für eine Studentin mit Hashimoto, also der Autoimmunerkrankung. Bei ihr war es so, dass zu starker Studien- und Prüfungsstress bei ihr Schübe und Verschlechterungen ausgelöst hatten. Sie hat dafür erstaunlich wenig Verständnis erfahren, dafür Missgunst und die Unterstellung, sie wolle sich nur Vorteile sichern. Denen hätte ich manchmal auch gern gesegt, sie sollen erst mal das Leben in so einem Körper ausprobieren, der sich auch noch gegen dich wendet. Dabei hat sie so sehr gelitten an dieser Scheißkrankheit, inkl. Schmerzen. Ein paar Jahre später ist sie dann auch daran verstorben.

Mit der Opferrolle identifiziert, auch immer gut. Hört man leider mitunter sogar von Körperbehinderten untereinander.

Weil das hier manchmal schon durchklang: Ich frage mich, was eigentlich so schlimm daran sein soll, die eigene Lebensqualität, Komfort und Bequemlichkeit auszubauen. Warum soll euch das nicht zustehen? Es muss überhaupt erst schlüssig sein, dass man im konkreten Fall jemand anderem etwas wegnimmt. Wenn es euch besser geht, habt ihr dadurch mehr Ressourcen, um es auch evtl. anderen besser gehen zu lassen. Ich denke, man kann das auch ein bisschen mehr wie eine Investition betrachten.

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Im Bezug zur Ärztin…. Wenn man überlegt , das körperlich, neurologisch und „genetisch“ gesunde Eltern ebenso solche Kinder auf die Welt bringen können und dass in einem wohlhabenden Verhältnis und dann mangels echter Fürsorge, Anwesenheit und erzieherische Inkompetenz das alles vergeigen, dann ist damit dem Kinde auch nicht geholfen und es kommt im Leben „auch nicht klar“ und muss ggf unterstützt werden.

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Genau so. :nauseated_face:

Ich habe auch noch das Pech, „Volkskrankheiten“ zu haben, die irgendwie jede(r) hat oder jede(r) zumindest jemanden kennt, der/die es hat. Halt nicht in meiner Ausprägung, aber das wird dann ausgeblendet oder mit „echt, das geht?“ in Frage gestellt. Aber ich hätte ja trotzdem noch Glück, schließlich stirbt man nicht daran. :index_pointing_up:

Klar, die Aussicht auf tägliche Schmerzen, plus häufige Sehstörungen, Wortfindungsstörungen, Erschöpfungszustände, bei denen ich kaum die Augen auf halten kann und noch einiges mehr… bis mich irgendwann irgendwas anderes dahinrafft, stimmt mich ausgesprochen froh. :adxs_wand:

Daran ist nichts schlimm. Die anderen hätten halt auch gerne 5 Tage mehr Urlaub, ein Einzelbüro, weniger Arbeit, whatever… Die sehen nur die „Bevorzugung“ im Vergleich zu sich selbst, ohne die krankheitsbedingten Nachteile wahrzunehmen und in ihre „Rechnung“ einzubeziehen.

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Das Problem mit den 5Tagen mehr Urlaub ist aus meiner Sicht, dass diese ggf. von den Kollegen mitgetragen und ausgeglichen werden müssen ganz ungünstig gar mit Mehrarbeit . In dem Falle wäre es richtig , dass es dafür eine Vertretung oder andern Ausgleich gäbe.

Wenn es keine große Auswirkung auf die Kollegen hat, dann sollte es denen doch egal sein.
Leider wird es oft vergessen welche Einschränkungen und welchen holprigen Weg es benötigt um diese 5Tage zu bekommen und dass diese 5 Tage einen auch nicht wieder gesunder machen.

Schwer aushaltbar ist es vermutlich für diejenigen, die selbst an der Grenze kämpfen.

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Ja, dieser Übergangsbereich ist vermutlich schwer auszuhalten auf seine Art: Warum reichen meine Belastungen nicht aus für diese Art von Zuwendungen?!

Also mir wäre das mit dem Urlaub eigentlich gar nicht mal so wichtig und ich würde gern darauf verzichten, wenn dafür mehr von den Stolpersteinen auf dem Weg nicht wären. Die fünf Tage extrafrei bringen mir leider nicht so richtig viel in Sachen Ausgleich.

Hm, manchmal habe ich schon kulturell das Gefühl, dass es Leuten irgendwie peinlich ist oder als unsittlich gesehen, wenn man Wert auf Bequemlichkeit legt. Dass es für die anderen zur ernsthaften Belastung wird, spricht schon eher für ein Führungsproblem und deutet darauf hin, dass man sich als Belegschaft zu sehr unter Druck setzen und in die Ecke drängen lässt.

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Ich habe den Eindruck, dass viele Leute mit dem Gefühl identifiziert sind, dass andere sich auf ihre Kosten einen Lenz machen und das ist dann vielleicht tatsächlich ein Gefühl der Ausbeutung.

Interessanterweise gibt es ja diese vielzitierte McKinsey-Studie, die zum Ergebnis haben soll (ich habe das nicht überprüft), dass in einem Team von 12 Leuten nur drei Personen wirklich effizient arbeiten und für nahezu für alle messbaren Erfolge stehen. Dieses wird als Problem beschrieben, da diese Leistungsträger dafür nicht gewürdigt werden und dann ausbrennen oder abwandern.

Dazu kommt das Problem, dass, ganz in der Tradition der abendländischen Kultur, Leid einen hohen Stellenwert hat und gesellschaftlich, also auch im Arbeitskontext, als soziale Währung fungiert. Das sieht dann so aus, dass einige unaufhörlich rumjammern und so von Arbeitsaufträgen und Verantwortlichkeiten verschont zu werden. Man fordert halt Empathie ein.

Ich selbst habe mit dieser Art Dynamik 20 Jahre am Arbeitsplatz gekämpft und bin mit dem Versuch, diese zu durchbrechen untergegangen. Inzwischen werden da nun andere Frauen ausgebeutet. Ich zumindest nicht mehr.

Und diese Dynamik spielt der Missgunst der Leute auf ‘vermeintlich’ Schwächere natürlich in die Karten.

Du liegst also sicher richtig damit, dass das ein Führungsproblem ist. Der Arbeitgeber müsste für einen Lastenausgleich sorgen. Und die Arbeitnehmer sollten sich ihrerseits hinterfragen in bezug auf ihren angemessenen Arbeitseinsatz. Dann wäre das vielleicht echt kein Problem.

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Habe ich mal ganz direkt miterlebt. Verschont werden sollte eine Person X, die eben auch schnell überlastet zu sein scheint, dass auch ständig nebenbei kommentiert und auch sonst immer ein kleines bisschen unzuverlässig ist. Nicht extrem schlimm, aber zumindest so, dass ich das nie und nimmer dauerhaft so machen würde. Und wahrscheinlich säße Meinereiner auch schon lange beim Chef, wenn ich so arbeiten würde.

Ich wurde also von einer Führungsperson gefragt, ob ich zu einer bestimmten Uhrzeit immer eine Aufgabe übernehmen könne. Nach kurzer Überlegung habe ich gefragt, warum das nicht Person X machen könne, die doch sonst den Tag über auch für diese Aufgabe zuständig ist. Weil sie oft so knapp oder gar etwas zu spät kommt und ich immer überpünktlich bin. Ich habe das kurz wirken lassen und dann hat es die Führungsperson selber gemerkt. Sie hat mich nicht nochmal danach gefragt und stattdessen aufgepasst, ob Person X pünktlich kommt.

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