Erstbehandlung/Eindosierung/ärztliche Kompetenz

Hallo :blush:

Bei mir wurde vor kurzem ADHS diagnostiziert. Mein Psychologe hält nichts von Medikamenten, er hat ja aber auch nicht meine verminderte Motivation für langweilige Dinge :sweat_smile: Ich wollte es gerne mal testen, da ich schon am Haushalt verzweifel und mich mitlerweile immer schwerer konzentrieren kann. Habe durch einen Code vom Hausarzt einen Termin bei einer Psychiaterin bekommen. Anders ging es leider nicht. Überall sagten sie mir, dass sie nur noch mit Code aufnehmen, es gibt auch keine Warteliste. Da ich schon diagnostiziert bin, ist es ja aber zum Glück nur noch die Eindosierung. Meine Psychiaterin, an die ich verwiesen wurde, scheint aber keine Ahnung zu haben. Bei dem ersten Gespräch meinte sie, es gäbe nur ein Medikament. Das stimmt ja nicht. Außerdem scheint sie auch nicht den Tag abdecken zu wollen, sondern mir nur die Arbeitszeit überbrücken zu wollen. Die Arbeitszeit ist jedoch mein geringstes Problem (2h Minijob). Ich brauche es auch vormittags, um zuhause alles auf die Reihe zu bekommen und nachmittags, um hoffentlich noch konzentrierter auf meine Kinder einzugehen. Ich merke, dass ich meist gar nicht richtig da bin und zuhause sieht es aus, wie… naja ADHS Haushalt :sweat_smile: Sie will mit 10mg Medikinet anfangen. Ich denke mal das retardierte, weil das unretardierte ist ja nicht offiziell für Erwachsene zugelassen oder? Ich würde gerne mit 2,5mg starten. Ich habe gelesen, langsam anfangen ist sinnvoller. Macht das Sinn? Und könnte ich dann zum aufdosieren quasi zwei Tabletten davon auf einmal nehmen? Dann müsste ich sie rechtzeitig wieder sehen für ein Folgerezept, wenn ich nach 5-7 Tagen von 2,5-0-0 auf 5-2,5-0 und ggf weiter steigere? Wie gehe ich damit um, dass ich wahrscheinlich besser informiert bin, als sie? Wie gehe ich damit um, falls sie nicht richtig eindosieren möchte, sondern nur eine Dosis am Tag einbehalten möchte? Ich kann halt auch zur Not schlecht wechseln, weil es eh schon schwer war, jemanden zu finden. Ich hoffe sehr, sie ist offen für sowas und nimmt es nicht persönlich.

Liebe Grüße :woman_raising_hand:t2:

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Hi @Arkas und herzlich willkommen! :adxs_wink:

Genau. Die unretardierten Medikamente sind in Deutschland nicht für Erwachsene zugelassen.

Manche Ärzte verschreiben aber trotzdem unretardierte Medis. Manche aus Versehen, andere ganz bewusst.

Mit Medikinet retard funktioniert das nicht, weil das Kapseln sind, keine teilbaren Tabletten.

Was hast Du denn in der Apotheke bekommen?

Bei Medikinet Adult musst Du die Dosis quasi halbieren, weil es in zwei Stufen freigesetzt wird. Da sind 10 mg das Gleiche wie 2 x 5 mg unretardiertes Medikinet. Medikinet Adult gibt es auch in 5 mg. Dann hättest Du 2 x 2,5 mg.

Ist sie denn überhaupt damit einverstanden, dass Du es zwei Mal nimmst? Es kann auch sein, dass sie Dir kein neues Rezept ausstellt, wenn sie damit nicht einverstanden ist.

Du hast nicht nur in der Arbeit ADHS. Das ist weder eine „Schulpille“, noch „Arbeitsmedizin“. Die Probleme hast Du auch außerhalb der Arbeit und am Wochenende und da ist eine passende Medikation genau so sinnvoll, um den Alltag zu bewältigen.

Du kannst versuchen, Dein Wissen weiterzugeben. Aber besser nicht mit „Forum“ argumentieren.

Arzt wechseln. Ist halt nicht einfach. Aber bei einem inkompetenten Arzt bleiben ist auch nicht besser.

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Falls es kein Missverständnis auf der kommunikativen Ebene ist, würde ich mir die Fachinformationen der für Erwachsenen zugelassen Medikamente raussuchen und ausdrucken. Die zu finden ist easy im Google-Zeitalter.

Dann die ausgedruckten Fachinfos zum Arzt mitnehmen und vorlegen - ist besser als „ich habe im Internet gelesen“. Da bekommen manche Ärzte einen Infarkt, fangen wir lieber nicht mit Foren und Reddit an.:laughing:

Relevante Stellen könntest du mit Textmarker hervorheben:

  • Ablauf der Eindosierung (Intervall zeitlich, Dosierung)
  • „Erwachsene“
  • Wirkdauern
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Huhu :blush:

Danke schonmal für deine Antwort.

Ja das meine ich, macht es Sinn mit den 5mg retard anzufangen, um quasi erstmal jeweils 2,5mg Dosen zu haben? Ich weiß, man kann nicht von Gewicht und Größe ausgehen, aber ich bin sehr klein und habe einfach Angst, dass ich starkes Herzrasen bekommen könnte (habe irgendwie Angst vor einem Herzinfarkt, seit einer Weile und Herzrasen würde mir da nicht so wirklich entgegen kommen :see_no_evil_monkey:). Hatte gelesen, wenn man niedrig anfängt, sind wohl weniger Nebenwirkungen.

Teilen kann ich die Kapseln natürlich nicht (retard), aber kann ich theoretisch zwei gleichzeitig nehmen, um die Dosis irgendwann zu steigern? Oder bekommt man dann zwei unterschiedliche Packungen verschrieben?

Noch habe ich nichts bekommen, ich sehe sie am Dienstag und soll dann welche zum testen kriegen. Ich weiß es nicht, aber ich habe gelesen, dass eine Tagesabdeckung sinnvoll ist und habe Angst (da sie sich ja anscheinend auch nicht wirklich in dem Gebiet auskennt), dass sie da vielleicht andere Vorstellungen hat und ich dann nach paar Stunden in ein Loch Falle. Das wäre auf Dauer wahrscheinlich eher noch unangenehmer, als der Normalzustand :thinking: Ich will sie dann auch fragen, wie sie es sich weiter vorstellt und dass ich in den Leitlinien gelesen habe, dass es so empfohlen wird. Ich weiß halt nur nicht, wie sie darauf reagiert. Wahrscheinlich mache ich mir zuviele unnötige Gedanken, aber es war schon schwer bis hierhin zu kommen und ich habe Angst, dass ich jetzt stecken bleibe.

Ja, wie gesagt, auf Arbeit stört mich das ADHS tatsächlich auch am wenigsten, eher im Alltag :see_no_evil_monkey:

Wenn ich mir einen Psychiater privat suchen würde, dann müsste ich auch die Medikamente privat bezahlen oder? :thinking:

Das ist eine gute Idee, danke. Die Eindosierungsempfehlung von ADXS.org ist dann wahrscheinlich auch nicht so sinnvoll, obwohl da ja auch viele Quellen angegeben werden. Im Beipackzettel steht ja sogar auch etwas von 2-3maliger Gabe.

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Das große Ding ist überhaupt jemanden zu finden der Rezepte ausstellen mag. Je nach dem wie die eigene Bereitschaft ist sich mit der Medikation zu beschäftigen, kann man Einfluss auf den Arzt versuchen. Arzt 1 hasst es wenn sich Patienten (auch durch qualifizierte Quellen) informieren, Arzt 2 mag es weil er eine starke Compliance sieht und sich dann auch eher engagiert als wenn sich der Patient hinsitzt mit dem Mindset “Ey Doc, mach mal”. Ich habe Arzt 2 mit Kompetenz (Luxus) mit aktuellem Wissen.

Ich würde die Flinte nicht ins Korn werfen, auch wenn dein aktueller Arzt eher problematisch wirkt. Auch Ärzte brauchen oft etwas um eine Beziehung zum Patienten und Vertrauen aufzubauen. Wenn du bereit bist dich mit der Medikation zu beschäftigen, dann bekommst du es auch ohne fähigen Arzt hin.

Beipackzettel ist die Kurzgeschichte. Relevant ist wirklich die Fachinfo. Hier bspw Elvanse:

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Aber nur, wenn er mitspielt. Wenn ich aufdosiere, dann bräuchte ich ja öfter ein Rezept. Mal sehen, was Dienstag raus kommt und wie sie es sich vorstellt. Vielleicht erstmal so machen und dann anrufen, wenn etwas ist. Das ist dann vielleicht eher ein Grund, etwas zu verändern, wenn ich Probleme festelle, weil die Wirkung nicht ausreichend ist oder was auch immer. Trotzdem frage ich mal, ob ich nicht mit der kleinen Dosis anfangen kann und dann ggf erhöhen kann, weil ich Angst vor Nebenwirkungen habe. Ich denke das kann sie dann schon nachvollziehen.

Danke, ich habe den Fachbericht von Medikinet gefunden. Ich hatte auch erst überlegt, nach Elvanse zu fragen, da ich eigentlich nicht frühstücke, aber vielleicht erstmal in die Richtung mitgehen, die sie vorschlägt.

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Ritalin Adult, Concerta, Kinecteen sind auch nicht an eine Mahlzeit gebunden.

Wäre schon ein Argument für nen Wechsel.

Concerta / Kinecteen haben einen anderen Freisetzungsmechanismus und ersetzen 3 zeitversetzte Gaben nicht-retardiertes MPH. Die wirken mit 8-12h auch länger und haben weniger Spitzen im Wirkverlauf.

*Für Kinecteen kann man die Concerta Kurve als Referenz nehmen.

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Ja, nicht überfordern sondern „Dankbarkeit” zeigen und später überlegt dosiert „herausfordern“.:grinning_face:

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Danke :blush:
Ja an Kinecteen habe ich auch gedacht. Concerta gibt es wohl aktuell nur in zwei Dosierungen lieferbar. Aber ich teste es erstmal mit dem, was sie sagt und schaue mal. Hab gedacht, vielleicht ist das mit dem Essen ja auch gut für mich, da ich manchmal eh zu wenig esse. Außerdem, wie tiefblau sagt - vielleicht erstmal das Verhältnis langsam aufbauen :see_no_evil_monkey:

Danke euch :blush:

Ich habe es so gemacht. Mein Arzt hat von sich aus die 5 mg Medikinet retard verschrieben, weil ich auf viele Medikamente empfindlich reagiere (und er Angst hatte, dass ich nen Herzkasper bekomme :laughing:). Er hat mir ne 56er Packung verschrieben und damit habe ich langsam hochdosiert.

Ich wollte eigentlich auch kein Medikinet wegen der Esserei , aber es ist leider das einzige Retardmedikament, was es in 5 mg gibt. Die anderen fangen alle erst bei 10 mg an. Also habe ich mich drauf eingelassen und es probiert.

Wenn Du Angst hast, dass 10 mg zu viel für den Anfang sind, ist das durchaus ein Grund, Dir erst Mal 5 mg zu verschreiben. Für mich war der Beginn mit den 5 mg perfekt. Ich bin übrigens auch nicht gerade groß und nur nen guten Zentner schwer.

Das kannst Du auch praktisch. :adxs_zwinker:
Deswegen ist es sinnvoll, nicht die ganz kleine Packung zu haben. Wenn Du z.B. 3 Kapseln am Tag nimmst (für 10-5-0-0), dann ist auch die 56er schnell leer.

Ja. Privat-Praxen können keine Kassenrezepte ausstellen. Da zahlst du den Arztbesuch und die Medis selbst. Das geht auf Dauer echt ins Geld.

Ja, so ist das beim Eindosieren. Aber das sollte der Arzt bei der Verschreibung schon mit bedenken. Der sollte zumindest nicht davon ausgehen, dass Du mit 5 mg hinkommst.
Ich habe mit meinem Arzt genau besprochen, wie lange ich jede Dosis mindestens nehmen soll, weit ich hoch gehen darf und ob ich eine zweite Dosis nehmen kann und wieviel usw. Der hat kurz überschlagen, wieviele Medis ich bis zum nächsten Termin brauche und mir das verschrieben.

Es gibt schon seit 2023 keine Höchstmengenbegrenzung mehr bei der Verschreibung von BTM. Der Arzt kann soviel verschreiben, wie er will. (Falls Deine Ärztin das auch nicht mitbekommen hat und meint, sie könne nicht mehr als für 1 Monat verschreiben, wie es davor war. :adxs_zwinker:). Ich bekomme immer ein Rezept komplett für 3 Monate.

Wenn sie nicht völlig inkompetent ist, sollte sie das verstehen.

Genau. Erst mal „mitspielen“, guten Willen und Zuverlässigkeit zeigen. Dann über Probleme reden und Wechsel der Medikation ansprechen. Ein neuer Arzt muss Dich ja auch erst mal kennen und einschätzen lernen.

Nachdem mein Arzt gesehen hat, dass ich trotz Medikinet retard noch lebe, hat er mir auch Kinecteen verschrieben. :adxs_zwinker: Und seit er weiß, dass ich eher vorsichtig bin und weiß, was ich tue, lässt er mir auch mehr freie Hand und verschreibt mir fast alles, was ich will - so lange es für Erwachsene zugelassen ist.

Ich wünsche Dir viel Erfolg! :four_leaf_clover:

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Danke, das klingt vielversprechend. Ich hoffe bei mir klappt es auch mit der Arzt-Patienten-Beziehung so gut :blush: Ich werde morgen fragen, wieviele sie mir verschreiben möchte und dass ich lieber mit wenig anfangen und langsam höher gehen will. Ich habe auch immer fast ne Stunde Fahrt, das wäre schön, wenn die Medis ne Weile halten würden.

Danke euch, fühle mich schon etwas beruhigter :blush:

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Mein Arzt ist immer mit Medikinet Adult 5mg gestartet egal ob Frühstücker oder nicht . Darauf hat er dann hochdosiert und daraus abgeleitet ob es bei Medikinet Adult bleibt oder ob er auf ein anderes Medikament weiter macht .
So hatte er natürlich immer einen gleichen Referenzwert.

Letztendlich muss man eh mit irgendwas starten und dann passte es oder es past halt noch nicht.

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Wahrscheinlich eine blöde Frage, denn es steht ja drin, dass Medikinet adult nicht teilbar ist, es interessiert mich aber trotzdem:
Die Kapseln darf man ja öffnen und die Perlen darin mit Joghurt essen. Könnte man da nicht theoretisch nur die Hälfte der Perlen einnehmen, zum teilen (Feinwaage/Zählen)? Oder verändert sich bis zur zweiten Einnahme irgendwas an den Perlen, wenn sie der Luft ausgesetzt sind bzw ist nicht in jeder Perle das gleiche drin? :thinking: :see_no_evil_monkey:

Viel Spaß dabei die einzelnen blauen und weißen Kugeln im richtigen Verhältnis einzeln zu verteilen :smiley:

Die Perlen sind unterschiedlich beschichtet, die einen (wahrscheinlich weiß) lösen sich direkt im Magen auf und der Rest wandert weiter in den Darm.

Zum eindosieren habe ich die Kügelchen zerkleinert um dadurch quasi unretardiertes MPH zu erhalten. Das geht mit recht gut mit einem Mörser oder ähnlichem, danach das Pulver in Wasser auflösen und direkt trinken. Für mich konnte ich dadurch erstmal eine baseline einfach erarbeiten weil die Wirkkurven von unretardiertem MPH so linear und simpel ist.

Ah ok, das wusste ich nicht :see_no_evil_monkey:
Kreativ :grin: ich glaube das lasse ich aber lieber bleiben dann :sweat_smile: Möchte eh lieber mit weniger anfangen und wenn ich alles Mörser, ist die Dosis ja dann noch höher.

Ich hatte jetzt den Termin und habe mir umsonst so viele Gedanken gemacht. Es lief sehr gut, sehr verständnisvoll und sie hat mir nun 52 Medikinet Aduld 5mg verschrieben. Ich glaube auch, die hat sich nochmal etwas belesen dazwischen. Ich kann auch langsam aufdosieren. Ich bin gespannt.

Danke euch für den Austausch :blush::folded_hands:t2:

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