ich wurde kürzlich mit ADS diagnostiziert. Ich bin 28 und habe während meines Studiums erheblich mit Symptomen und Verschlechterung dieser zu schaffen gehabt. Es ist nun soweit, dass ich mein Staatsexamen im 2. Versuch nicht bestanden habe (studiere Medizin) und ich einfach nicht mehr wusste, warum ich nicht wie alle anderen im Studium klar komme. Die Diagnose brachte mir dann Klarheit.
Gibt es hier jemanden, der ähnlich spät und evtl. auch in einer ähnlichen Situation die Diagnose bekommen hat? Wie ging es weiter und was hat euch geholfen? Ich bin aktuell wirklich etwas ratlos und weiß nicht so recht wohin mit mir.
was meinst du mit ähnlich spät? Ich bekam meine Diagnose mit 37, das scheint ein typisches Alter zu sein, nicht wenige hier sogar erst in ihren 50-ern.
So gesehen bist du eher früh dran. Allerdings ist ein Medizinstudium auch eine besondere Herausforderung.
„Spät“ die Diagnose zu bekommen ist ziemlich relativ. Hier im Forum bist Du eher ein Küken.
Wenn Du es ohne Diagnose bis zum Staatsexamen in Medizin geschafft hast, dann bist Du ziemlich intelligent. Sonst hätte das nicht funktioniert.
Die Situation ist natürlich trotzdem blöd. Hast Du noch einen Versuch?
Mir fiele spontan ein, ein oder zwei Urlaubssemester zu nehmen (wenn das geht), bevor Du nochmal zur Prüfung antrittst. In der Zeit dann Medikamente probieren, evl. Therapie oder ein Coaching machen und den fehlenden Stoff aufarbeiten.
In den Unis kann man sich doch normalerweise auch beraten lassen - allgemein/organisatorisch und auch bei psychischen Problemen. Vielleicht wäre das ein Anfang?
Wichtig ist, jetzt nicht den Kopf in den Sand zu stecken und ins Handeln zu kommen. Auch wenn es schwer fällt.
ich kann deine Situation sehr gut nachvollziehen. Ich bin 29 und studiere aktuell Software Engineering – mittlerweile im 12. Semester. Davor habe ich auch drei Semester Maschinenbau studiert. Lange Zeit wusste ich einfach nicht, warum ich mich so schwer tue und warum es bei mir immer anders läuft als bei anderen.
Vor kurzem habe ich dann selbst die Diagnose bekommen. Das hat mir unglaublich geholfen, weil ich endlich verstanden habe, dass meine Schwierigkeiten eine klare Ursache haben und nichts mit fehlendem Willen oder mangelnder Disziplin zu tun haben.
Aktuell probiere ich verschiedene Medikamente aus und merke schon jetzt, dass es mir viel, viel besser geht. Wenn ich irgendwann das richtige Medikament und die passende Dosis gefunden habe, möchte ich auch Psychoedukation machen. Aber wie so oft dauert alles seine Zeit – so wie schon bei der ersten Diagnose (zumindest war es bei mir so).
Du bist auf jeden Fall nicht allein mit dieser Erfahrung. Mir hat es sehr geholfen zu sehen, dass viele andere denselben Weg gehen. Halte durch – es kann wirklich besser werden.
Danke für deine Antwort, war mir gar nicht so bewusst, dass die meisten ihre Diagnose noch später erst bekommen.
Ich wünschte ich könnte es so machen, wie du sagst. Erstmal ausprobieren was die Medikamente angeht. Leider ist das nicht möglich im Regelstudiengang. Ich bin fest angemeldet und kann nur mit Härtefall schieben. Meine Situation fällt nicht darunter.
Ich habe oft gehört, dass ADS gar nicht anerkannt wird bei Erwachsenen als Erkrankung, weißt du was darüber?
Kann dir als Studentin mit chronischer Erkrankung und ADHS nur ans Herz legen, die Beratung der Uni aufzusuchen, die für Nachteilsausgleich und Härtefälle bzw. Inklusion/Gleichstellung zuständig ist. Heißt ja an jeder Uni etwas anders. Die helfen dir dort sehr und beraten dich, was du in deiner Situation am besten machen kannst.
Hast du eine psychotherapeutische Anbindung (da wo du die Diagnostik hast machen lassen ggf.)? Da kann man dir sicherlich etwas aufsetzen, was du einem Antrag beilegen kannst (vielleicht gibt es noch andere Themen wie Depression etc., die auch aktuell bei dir sind?). An manchen Unis zählt ADHS nicht als Grund für einen Härtefall bzw. Nachteilsausgleich, bei mir wurde es in Kombination mit meinen anderen Themen anerkannt, aber das verrät dir auf jeden Fall die Beratung an deiner Uni.
Wünsche dir viel Kraft und alles Gute, ansonsten sind hier im Forum immer Menschen, bei denen du dein Herz ausschütten kannst und zumindest ein paar warme Worte findest
Bin auch mit Ü40 diagnostiziert worden und befand mich in einem berufsbegleitenden Studium.
War einige Zeit aus gesundheitlichen Gründen fürs Studium krankgeschrieben. Hatte da allerdings neben ADHS auch PTBS und Burnout .
Aber wenn deine Grsundheit gefährdet ist weil du aktuell drüber bist müsste das doch auch unabhängig zu ADHS möglich sein???
Ansonsten alle Hilfsangebote der Uni nutzen. ich bekam zum Ende hin wegen der Bachelorarbeit und letzte Prüfungen Ergotherapie verschrieben.
Hatte nur leider niemand passendes gefunden .
Ich hab bisher zwei ADHS-Medis probiert: zuerst Medikinet und jetzt Elvanse. Mit Medikinet war mein Fokus beim Lernen echt stark – viel besser als jetzt mit Elvanse. Aber sonst im Alltag hat sich bei Medikinet nicht so viel verändert.
Bei Elvanse ist es anders: der Fokus ist zwar nicht ganz so krass wie bei Medikinet, aber dafür hält’s stabiler über den Tag. Vor allem im Alltag merke ich, dass ich ruhiger bin, Aufgaben leichter anfangen kann und allgemein ausgeglichener bin. Das macht vieles einfacher, auch wenn’s beim Lernen nicht ganz so „scharf“ ist wie früher.
Ich bin noch dabei, die richtige Dosis zu finden, aber schon jetzt ist es ein großer Unterschied zu vorher. Nebenwirkungen hab ich keine – aber das ist bei jedem anders. Ein Kumpel von mir zum Beispiel reagiert komplett anders auf die Medis und hat auch andere Prioritäten als ich.
Hi, ich habe sehr spät begonnen, Medizin zu studieren (mit 35!) und habe die Diagnose erst mit 47 bekommen.
In meinen Augen ist es ein absolutes Geschenk, die Diagnose zu erhalten, vor allem wenn - wie bei dir - noch dein leben vor dir liegt.
Nimmst du Medikation ein?
Ich weiß nicht, um welches Staatsexamen es sich handelt (das letzte?). Für mich waren die mündlichen Prüfungen SEHR viel schwerer als schriftliche, da ich nicht gut strukturiert vortragen kann.
Du solltest dich auf den dritten Versuch sehr gut vorbereiten, und wieder lernen, an dich zu glauben. Vergleich dich nicht mit den anderen. Vielleicht auch nochmal eine Pause einlegen, etwas fürs Selbstbewusstsein tun. Kann ja mit Medizin zu tun haben, sodass es im Lebenslauf nicht auffällt.
Du bist offensichtlich ein leistungsbereiter schlauer Mensch. Sonst wärst du nicht an den Studienplatz gekommen.
Wie du schon bei den anderen Antworten gelesen hast: du bist nicht allein.
Ich wurde mit 36 diagnostiziert und habe mich auch immer gefragt, warum alle das Studium nicht schaffen, nur ich nicht.
Als Studentin hast du aber wirklich einige Unterstützungsmöglichkeiten.
Wende dich ans Studierendenwerk, AStA oder gleich an einer psychologischen Beratungsstelle deiner Uni. Auch DozentInnen haben oft sehr viel mehr Verständnis, als man erstmal denkt.
Ich kann mir vorstellen, wie stressig deine Situation ist, aber es gibt Hilfe. Frag Mal nach, ob du nicht doch aufgrund deiner individuellen Situation ein Semester Pause machen kannst (das AStA unterstützt dich sicher).
Auch wenn ich allgemein kein großer Fan von Medikamenten bin: die können dir (vielleicht auch einfach vorübergehend) gerade im Studium total helfen, vor Allem in Kombination mit einer Verhaltenstherapie.
Hey, es handelt sich tatsächlich um das Physikum. Ich bin erst später ins Studium eingestiegen und habe mich bisher durch das Studium gequält. Allein Scheinfrei zu werden war für mich total schrecklich. Ich habe mir ganz oft vorwürfe gemacht, dass ich zu dumm bin….
Ich bin schriftlich im 3. Versuch und mündlich im 2. dann… ich bin mir echt unsicher, wie es weitergehen soll.
Hey
ich habe es auch so ähnlich gehabt. Ich habe im Master auch immer mehr Probleme in der Praxis bekommen (war Gymnasiallehramt) und hatte davor so Angst bekommen, dass ich mich dazu entschieden habe dies auf Eis zu legen und in eine Ausbildung zu gehen. Da flog mir dann aber alles erst so richtig um die Ohren. Habe das aber alles erst so hingenommen ala “so ist das Leben halt.
Ich habe jetzt aber erst knapp 2 Jahre später - kurz vor Ausbildungsende mit 28 bekommen und jetzt ist mir auch einiges rückblickend klar geworden
ich würde auch wie die anderen Menschen es bereits gesagt haben mal die Beratung von der Uni aufsuchen. Mir wurde jetzt zum Einstieg auch Ergotherapie empfohlen um eben das Arbeitssetting und die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Wenn es bei dir da auch Probleme gibt wäre dies ebenfalls eine Idee
Aber falls es dich beruhigt: ich bin 2x im Bachelor fast rausgeflogen. 1x in Psychologie (wäre Ende des gesamten Studiums gewesen) und theoretische Physik 1 (wäre das Ende von Physik gewesen; ich liebe Physik) und ich hatte so einen tollen Prof, der mir fachlich mit einer Intensivbetreuung geholfen hat und auch menschlich einiges mit auf den Weg gegeben hat. Gibt es da bei euch vielleicht auch Angebote in die Richtung von Profs oder so? Das wäre sonst auch noch eine Idee.
Das war bei mir (Psychologie) genauso. Ich war zwar nicht direkt gefährdet, aber mich hat auch ein toller Prof in eine gute Richtung gelenkt und Höhenflüge im genormten Studienalltag ermöglicht. Leider gab es bei uns zumindest kein offizielles solches Angebot, sondern das war pures Glück, dass wir uns sozusagen „entdeckt“ hatten, als ich ihm von meinen ausgefallenen Interessen erzählt hatte (Statistikdidaktik).
Um ehrlich zu sein haben mir gute Profs mit etwas Sinn für individuelle Freiräume und Betreuung weit mehr geholfen als alle Beratungsangebote mit den immer gleichen Tipps zum Selbstmanagement oder STressbewältigung.