Ich habe in einer Woche einen Termin bei einem Psychiater, weil ich mir Medikamente verschreiben lassen möchte. Ich bin irgendwie aufgeregt und habe mehrere Fragen! Vielleicht könnt ihr mir ja ein bisschen mit eurer Erfahrung weiterhelfen.
Ich habe die Diagnose privat gemacht, deshalb war sie ohne körperliche Untersuchung. Natürlich dennoch bei einer approbierten Psychotherapeutin die auf adhs spezialisiert ist. Ich mache mir jetzt irgendwie Sorgen, dass der Psychiater diese daher nicht als “richtig” einstuft und ich das nachholen muss bzw. dass er mir die Medikamente auf dieser Grundlage nicht verschreiben will? Weil die Wartezeiten so elend lange dauern, würde ich gerne alles tun um den Prozess abzukürzen.
Könnt ihr mir sagen, was für körperliche Untersuchungen das in der Regel sind und wie es bei euch war falls ihr die Diagnostik auch privat gemacht habt? Ich habe nämlich gerade meinen Blutdruck bei meiner Hausärztin checken lassen (eher niedrig bis normal) und checke den selber aufgrund von erblichem Hochdruck regelmäßig selbst. Sollte ich versuchen mir das noch schnell bescheinigen zu lassen und auch Schilddrüse und Blutbild?
Die andere Sache: ich habe Schwierigkeiten morgens zu frühstücken und der größte Struggle mit Chaos im Kopf beginnt oft schon morgens und ich mach im Winter immer eine lange Mittagspause vom Lernen um Tageslicht abzukriegen(studiere). Deshalb müsste ein Medikament eigentlich von morgens um 7 bis abends 19:00 gut wirken. Denke daher über Elvanse nach. Klar der wird mich bestimmt beraten aber oft geht es ja bei Fachärzten ganz schön schnell und man kommt gar nicht zu allen Fragen.
Ahja und ich hab noch eine möglicherweise unbegründete Angst: ich bin Jurastudentin vorm Staatsexamen und habe irgendwie Angst (trotz Diagnose) dass mir unterstellt wird, dass ich die Medikamente “nur fürs Examen” haben will. Dabei stimmt das natürlich nicht und adhs begleitet mich schon seit meiner Kindheit wie alle anderen auch.
Wenn er das mitmacht das ist sehr individuell. Einige fangen wohl immer mit Medikinet an, andere haben eigene Vorgehensweisen und andere dind offen. Du wirst schauen müsden wen du da überhaupt erwischt hast.
Bluthochdruck erwähnen und ggf. wirst du Senker brauchen. Der Arzt wird dir sagen was er braucht um dir die Verordnung von Medikamenten vertreten zu können. Einige fordern EKG und Blutbild andere nicht wo es dann quadi deine Verantwortung ist.
Du wirst dich drauf einlassen müssen und dann erst mal nehmen müssen wie es ist.
Nichts fordern, nicht pampig sein oder sowas. Man kann immer alles nett und freundlich ansprechen und darum bitte, aber zu impulsiv, hitzig oder aufbrausend können eher das Gegenteil bewirken.
Ich weiß ja nicht ob du eher aufbrausend impulsiv oder ruhig und in dich gekehrt bist.
Es gibt Ärzte die alle x Wochen nur erhöhen bzw. die Dosis beibehalten und nichts ohne deren Erlaubnis verändern lassen, andere setzen einen Rahmen indem sie ihre Patienten selbst handeln lassen (z.B. hier ist xy wöchentlich/14tägog dürfen sie um x mg erhöhen oder wahlweise mittags eine weitere Dosis nehmen haber nicht mehr als x mg in y Tagen erhöhen und nennen die Max Tagesgesamtdosis)
Das liegt teils auch daran ob sie eine Schwerpunktpraxis mit vielen Ärzten sind oder nur 1 niedergelassener Psychiater.
Eigentlich hilft nur einlassen und schauen wem du gegenüber sitzt und wie du mit der Person umgehen kannst. Meist hat man ja ein Gefühl ob es eher eine Autoritätsperson ist oder jemand mit dem man sich gut beraten kann. Ich weiß aber das wenn man den falschen Ton trifft genug Ärzte doch „unfreundlich/speziell“ reagieren können obwohl sie auch die emotionale Missregulation kennen und damit umgehen können sollten…
mußt du das Examen unbedingt erwähnen?
Reicht nicht Studium und ggf. demnächst dann irgendwann Examen?
Hmm, ichhoffe das Beste und hab schon mal ein gutes Gefühl, weil er nicht nur Psychiater sondern auch Psychotherapeut ist und er mir empfohlen wurde. Dennoch ist es mir schon oft passiert, mit dem Gefühl übergangen worden zu sein aus so einer Praxis rauszugehen. Bin eher impulsiv aber nicht so dass ich ungemütlich werde. Aber schnell plappern, “ein bisschen überkandidelt” sein und große Offenheit führen ja auch schnell dazu, dass man nicht so ernst genommen wird..(als Frau v.a.) Du hast Recht, am Ende muss ich gucken wie der “Vibe” ist!
Stimmt das mit dem Examen kann ich vielleicht einfach weglassen. Danke dir.
empfohlen ganz allgemein oder speziell wegen ADHS-Behandlung? Und hast du bei der Terminvereinbarung abgesprochen, dass es um ADHS-Medikamentenverordnung geht?
Welche körperlichen Untersuchungen und ob überhaupt der Arzt voraussetzt, erfragst du am Besten in der Praxis vorab telefonisch, das ist sehr unterschiedlich. Es wäre ja für dich frustrierend, das erst dort zu erfahren und einen neuen Termin erst in drei Monaten zu kriegen.
Ich hatte auch erst letzten Monat den Termin beim Psychiater für eine ADHS-Medikation.
So wie ich dich verstehe, gehst du davon aus, dass bei einer ADHS-Diagnose eine körperliche Untersuchung stattfinden muss? Davon habe ich hier noch nicht gelesen. Meine ADHS-Diagnose bestand aus Fragebögen und einem Interview mit dem Psychotherapeuten. Ich hatte bei dem Termin sogar ein MRT von meinem Gehirn dabei, weil zufälligerweise eines vor einem Jahr gemacht wurde, und der Psychotherapeut meinte, er könne damit nichts anfangen, weil man die Diagnose nicht am Gehirn sehen kann.
Sollte es aber darum gehen, dass der Psychiater vor dem Verschreiben der Medikamente Risikofaktoren ausschließen möchte, z.B. hohen Blutdruck, das ist wohl von Arzt zu Arzt unterschiedlich. Meine Psychiaterin hat vorher keine körperliche Untersuchung verlangt und mir einfach so Elvanse verschrieben. Bei mir sind aber keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt, auch nicht in der Familie. Das hat ihr wohl gereicht.
Wegen des Jurastudiums: Sowohl meine Psychiaterin als auch der diagnostizierende Psychotherapeut wussten von meinem Jurastudium (bzw. habe kurz vorher mein Erstes Examen bestanden) und für beide war es überhaupt kein Thema oder Problem. Allerdings war mein 24-Semester-Jurastudium auch eines der Hauptsymptome meines ADHS bzw. der größte Leidensdruck, deshalb fand ich es schon sehr wichtig, es für die Diagnostik anzusprechen
Noch als Tipp für den ersten Termin: Ich bin recht uninformiert in den Termin reingegangen, was die ADHS-Medikamente und Dosierung angeht. Meine Psychiaterin hat mir dann 20mg-Kapseln Elvanse verschrieben und meinte, nach wenigen Wochen könnte ich mal zwei Kapseln am Tag probieren (also 40 mg). Ich dachte, das sei normal und habe nicht weiter nachgefragt. Nachdem ich dann gelesen habe, dass man eigentlich in 10 mg-Schritten eindosiert, war ich sehr unsicher. Je informierter du also in den Termin gehst, desto besser kannst du auch Fragen stellen, wo etwas unklar ist.
Hallo Fineless, das du auch Jura studiert hast, macht mich gerade sehr neugierig. Ist aber ein Thema was hier in die Kategorie nicht reinpasst, bzw. vielleicht willst du auch gar nicht mehr darüber schreiben. (Aber ich hätte Interesse an Austausch). Das war bestimmt nicht so eine leichte Zeit? Hab ich auf jeden Fall richtig großen Respekt vor, dass du das trotz 24 Semestern am Ende geschafft hast.
Ich mach mir eben Sorgen vor Vorurteilen, kenne ja selbst viele im Studium die Ritalin fürs Examen benutzt haben. Aber diese besondere Lernphase die ja nicht so richtig vergleichbar mit jedem anderen Studiengang ist, was Selbstorganisation und so angeht…würde ich eigentlich schon gern mit dem Psychiater besprechen. Lerne auch schon seit 2,5 Jahren und es ist kein absehbares Ende in Sicht… in welchem Semester ich bin hab ich vergessen haha.
Ja genau, es steht nicht auf seiner Website aber ich habe durch eine ehemalige Kollegin von ihm erfahren, dass er sich längere Zeit mit adhs auseinandergesetzt hat. Hab auch geschrieben, dass ich für die Medikation einen Termin möchte… es wird schon gut gehen
Na das ist gut. Aber frag trotzdem vorher mal nach, ob du vorher noch körperliche Untersuchungen (EKG? Blut?) bei der Hausärztin machen lassen sollst.
Wäre auch so vielleicht besser. Denn es könnte ja sein, dass nach ein paar Monate Medikamenten irgendein Wert ungewöhnlich ist, und dann wäre es sehr gut einen Vergleichswert von vorher zu haben, um zu wissen, kommt es eigentlich vom Medikament oder nicht.
Ich gehe regelmäßig beim DRK Blut spenden (ja, das darf man auch mit Ritalin!) und kriege jedes dritte Mal einen Ausdruck mit den wichtigsten Blutwerten. Und ein EKG will mein Psychiater jedes Jahr sehen.
Ich habe die Diagnose auch privat bei einer Ärztin machen lassen. Auf dem Befund Bericht steht als Empfehlung drauf, dass vor einer medikamentösen Behandlung ein RUHE EKG, Blutdruckmessung und Blutbild (kleines Blutbild, TSH) empfohlen wird. Körpergewicht und Größe wird auch dokumentiert, aber das wird wahrscheinlich der Psychiater selbst machen.
Wenn du es noch schaffst, würde ich dies noch vom HA besorgen. Besser haben als brauchen. Dann kommst du vielleicht schneller an Medikamente.
Und das Examen würde ich nicht erwähnen. Überlege dir vielleicht, was du sagst, wenn gefragt wird, wie du darauf kommst eine Diagnostik zu machen.
Lieben Dank für eure Tipps, ich habe mich nochmal informiert und herausgefunden, dass der Psychiater die Praxis mit einem Allgemeinmediziner teilt und sehr entspannt/offen und verständnisvoll ist… Im Zweifel bei Anspannung nochmal ne kleine Körperübung einschiebt. Alle Untersuchungen werden dort gemacht und ich soll mir keine Sorgen machen. Er ist auch einfach parallel Psychotherapeut und nimmt sich Zeit. Wenn es sich für mich auch so positiv heraustellt, dann werde ich ihn hier in die Liste aufnehmen lassen.
So finally war ich jetzt beim Psychiater, Blutbild EKG machen die eigentlich aber nur alle zwei Wochen. Also bin ich zu meiner Hausärztin gegangen. Morgen ist es da und ich überlege auch direkt dahinzugehen um mit der Eindosierung mit Elvanse (das werde ich bekommen) anzufangen. Mal sehen ob es klappt, denn wegen einer Reise in zwei Wochen für die ich eine Bescheinigung von ihm bräuchte meinte er es wäre zu kompliziert und ich soll im März wiederkommen und ich würde es wohl noch ein paar Wochen aushalten. 4 Wochen warten wegen einem Zettel tickt sowohl meine Ungeduld als auch mein Autoritätsproblem an. Ich bin langsam einfach wuselig und es macht mich wahnsinnig nicht weiterzukommen, der Weg war so lang und ich würde doch einfach nur gerne wissen ob das Zeug was bei mir bringt
Wenn du bei Google “Stimulanzien Ausland” bekommst du eine Antwort. Vielleicht relativiert das deine Ungeduld. Die Zusammenfassung lautet:
“
Für die Mitnahme von Stimulanzien (z.B. Ritalin, Elvanse) ins Ausland ist zwingend eine ärztliche Bescheinigung notwendig, da sie unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Für Schengen-Staaten ist ein spezielles Formular erforderlich, das vom behandelnden Arzt ausgefüllt und von der obersten Landesgesundheitsbehörde beglaubigt werden muss. Die Beglaubigung ist max. 30 Tage gültig.”
Du hast ja die Möglichkeit, entweder erst einmal zwei Wochen das Medikament zu nehmen und für die Reise selbst zu pausieren oder das Medikament ohne Dokument mitzunehmen?