Es sind bei ADHS eben doch die Gene

…bei bestimmten Gruppierungen insbesondere in Deutschland mit seiner belasteten Geschichte rufen die Worte Gene und Biologie statt Sozialisation allerdings harsche Reaktionen hervor The ADHD paper that triggered a backlash, and what it taught me

…die Biographie oder die Sozialisation verursachen nicht ADHS, sie beeinflussen lediglich, was das Individuum mit ADHS daraus macht bzw. eben nicht macht…

Es sind eben AUCH die Gene.

Wie wir ja alle wissen, ist es immer die Kombination: günstige / ungünstige Umweltbedingungen treffen auf günstige / ungünstige genetische Ausstattungen ABER AUCH auf günstige / ungünstige Persönlichkeitsmerkmale, die letzlich eben auch dazu beitragen, ob ein Leidensdruck oder eine Pathologie entsteht.
Da der Begriff ADHS ja keine Persönlichkeitseigenschaft sondern eine Störung kennzeichnet, kann man Biografie und Sozialisation durchaus als relevant ansehen.
Wie stark die Gene wirken oder ob ein starkes Trauma oder ungünstige Bedingungen bei allen, die ein bisschen empfindlich sind, bestimmte Gene „einschalten“, das ist m.E. nicht abschließend geklärt (Endogenetik). Daher ist Deine Aussage in ihrer Ausschließlichkeit so nicht zutreffend.

Behauptet ernsthaft noch jemand, dass ADHS rein umweltbedingt wäre?


Hm. Da magst Du vielleicht Recht haben, allerdings ist das ein Artikel einer britischen Forscherin…

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Und Sozialisation kann auch Gene machen. Stichwort: Epigenetik…

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ob nun Sozialisation, die Gene oder Biogenetik oder Epigenetik

Hauptsache mir hilft jemand oder irgendwas, wenn ich mal wieder mit meinem ADHS in ein Epizentrum gestrudelt bin. :mrgreen:

Für mich fühlt es sich so an, dass mein „genetisches“ ADHS in meiner Kindheit durch bestimmte negative Faktoren zusätzlich befeuert wurde.

Zugleich war ich durch mein ADHS als Wildfang immer außerhalb der Familie sehr aktiv und davor geflüchtet.
So fand viel Sozialisation auch außerhalb statt was dann die negativen Faktoren wohl etwas ausglich.

Ich glaube manchmal, mein ADHS hat mich quasi gerettet

Kleines Update zum Stand der Wissenschaft hinsichtlich ADHS und Genetik Genetics of attention deficit hyperactivity disorder

Sehe gerade von 2018 schon, dämliche Anzeige von pubmed, trotzdem interessant das Ganze…

Wieder ein Update, sehr wissenschaftlich formuliert eben teilweise, aber dennoch sehr interessant auch für Laien <LINK_TEXT text=„https://ajp.psychiatryonline.org/doi/10 … 0.20070961“>Psychiatry Online</LINK_TEXT>

Update zur unterschiedlichen Genetik von ADHS bei Afroamerikanern im Vergleich zu Europäisch-stämmigen, weißen Amerikanern <LINK_TEXT text=„https://www.sciencedaily.com/releases/2 … 112301.htm“>ADHD study reveals unique genetic differences in African American patients -- ScienceDaily</LINK_TEXT>

Mal wieder ein Update zur genetischen Überlappung von ADHS mit in dem Fall Tourette, Zwangsstörungen, Autismus von vor ein paar Tagen: <LINK_TEXT text=„Common brain malformation confers high risk for autism | Spectrum | Autism Research News … -syndrome/“>Common variants link autism, ADHD, Tourette syndrome | Spectrum | Autism Research News</LINK_TEXT>

Studie ganz neu zur genetischen Überlappung zwischen ADHS und impulsiven Verhaltensstörungen: <LINK_TEXT text=„https://www.eurekalert.org/pub_releases … 021721.php“>ADHD, DBD and aggressiveness: Risky genetic f | EurekAlert!</LINK_TEXT>

ADHS überlappt genetisch mit so ziemlich allem anderen, das tun mutmaßlich Autismus etc. auch, aber… aber ADHS hat die mit Abstand größte Quantität dabei… aufgrund der evolutionären Vorteile von ADHS-Genen, die Overthesky schon zuvor vielfach ausgeführt hat…

Hihi, jetzt fehlt nur noch der Pluralis Majestatis… „Ihre Overtheskyschaft“ :mrgreen:

Man darf (ernsthaft) gespannt sein, was dabei rauskommt, wenn man diesen ganzen Sachkomplex mal versteht.
Da steht sicherlich ein Paradigmenwechsel an.

Dann stellen wir (jetzt nicht ganz ernsthaft) fest, dass da doch mal ein Ufo gelandet ist, irgendwann im Altertum - irgendwo in … Ägypten - voll mit lauter schönen, originellen, charmanten wenn auch manchmal etwas unbeherrschten MarsMENSCHEN mit für Erdlingsverhältnissen bekloppten Genen.
Sie waren in den unendlichen Weiten des Weltraums unterwegs um sich einen neuen Planeten zu suchen - da der Kapitän kurz nach dem Start vergessen hat, die „Home“-Adresse ins Navi einzugeben. Irgendwann klapperte das Raumschiff - der Bordingenieur war die ganze Zeit aus Langeweile nur am Kiffen - daher die Notlandung auf der Erde. Das Raumschiff liegt jetzt unter der Cheops-Pyramide.

Daher gibt es auch kein Leben auf dem Mars. Der sah mal so aus wie die Erde - und die Menschen, die dort lebten waren sehr lebhaft und lustig - leider auch etwas unbeherrscht. Sie hatten sich aus Versehen … ausgerottet.

Heißt: das muss so.

Das kommt immer nicht so gut wenn man sich selber zitiert, joa :grin::sunglasses:

Hier noch mehr: <LINK_TEXT text=„https://www.spektrum.de/news/psychische … dt/1572184“>Diagnosen: Psychische Störungen sind teils eng miteinander verwandt - Spektrum der Wissenschaft</LINK_TEXT>

Und auch hier wieder: <URL url="59% Häufigkeit von ADHS in der stationären Psychiatrie laut Studie text=„viewtopic.php?f=7&t=124“>59% Häufigkeit von ADHS in der stationären Psychiatrie laut Studie , das hat nicht „Majestät“ Overthesky herausgefunden, Overthesky hat lediglich das, was andere herausgefunden haben, kompakt zusammen getragen…

Irgendwie musst du deine Threads ja am Laufen halten. :totlach

Die von dir präsentierten Links fand ich schon öfters sehr aufschlussreich, wirklich, vielen Dank bei dieser Gelegenheit. Nur was die Kompaktheit deines Zusammentragens betrifft…

Heyhey,
zum Thema Genetik habe ich letztens ein spannendes Buch gelesen: „Innate“ von Kevin Mitchell.
Mein größter Aha-Moment: Es gibt Dinge, die sind angeboren, aber nicht genetisch! Ist ein bisschen schwer zu erklären, aber ich versuchs mal: In der Entwicklung des Gehirns beim Embryo gibt es auf molekularbiologischer Ebene einige Zufallsprozesse beim Auslesen der DNA (oder in Ingenieursprache: eine Art „Rauschen“) und ganz kleine Veränderungen am Anfang der Entstehung des Gehirns multiplizieren sich zu später großen Unterschieden. Wie beim Butterfly-Effekt. Linkshändigkeit ist z.B. so eine Sache: Es ist weniger genetisch determiniert als zufällig bzw. entwicklungsbedingt, aber trotzdem eindeutig angeboren (Heritabilität, d.h. Anteil der Genetik, ist nur ca. 24%).
Familiäre Umgebung dagegen zeigt bei den meisten psychologischen Eigenschaften, die in Zwillings- und Adoptionsstudien untersucht werden, einen sehr geringen Einfluss (bis 10% Anteil an der Eigenschaft). Wobei das Ergebnisse auf Ebene großer Gruppen sind, die nicht auf Einzelpersonen angewandt werden können.

wenn dazu etwas unklar ist bitte fragen :slight_smile:

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Hi,
das klingt für mich völlig logisch.
Schreibt Mitchell vielleicht auch etwas darüber, ob der Stressreaktionstyp (eher internalisierend oder externalisierend) so ein Zufallsprodukt ist ? Also ob eher fight oder eher flight / freeze…
Das wäre ein Missing Link, den ich schon ein Weilchen suche…

Huhu,
schön, dass du es logisch findest! Dieser Sachverhalt wird in nature-nurture-Debatten fast immer übersehen.
Leider schreibt Mitchell nicht viel über einzelne traits wie den Stressreaktionstyp. Es gibt ein Kapitel zu psychiatrischen Krankheiten allgemein, also Schizophrenie, Autismus und so, ADHS wird nur am Rande erwähnt als „ein Beispiel von vielen“. Das ist auch deshalb so, weil laut Mitchell diese Störungen, was ihre Ursache angeht, nicht so gut auseinandergedröselt werden können. Ich zitiere hier mal ein Bild:

Es gibt ja, was die Genetik angeht, einfach sehr starke Überlappungen zwischen den Störungen. Meist sind dabei eher Gene beteiligt, die die Gehirnentwicklung beeinflussen, als einzelne Neurotransmitter (hat man mit sog. Genomweiten Assoziationsstudien herausgefunden, die große Stichproben und sehr viele Gene auf einmal untersuchen).

Außerdem haben Menschen mit derselben Diagnose (die ja aufgrund des nach außen sichtbaren Verhaltens vergeben wird) eigentlich ganz unterschiedliche genetische/entwicklungsbedingte Ursachen dafür. Da wird einfach nur was zusammengeschmissen, was ähnlich aussieht, aber nicht das, was die gleiche Ursache hat.

Ja, das mit der Gehirnentwicklungsstörung ist bei AD(H)S ja ein tragendes Thema.
Ich habe mir das so zusammengereimt:
Zuerst sind da die Gene, die die Wirkung von Dopamin verringern. Die bewirken also ab der Zeugung schon an Mangel an Dopamin. Dopamin ist ein neurotropher Stoff, ist also für die Entwicklung des Gehirns erforderlich. Die Gene, die einen Dopaminmangel bewirken, lösen also indirekt, also durch den Dopaminmangel, den sie verursachen, die Gehirnentwicklungsstörung aus.

Diese Kausalkette hab ich in der Fachliteratur so aber noch nie gefunden. Ist bisher noch ADxS.org-exclusiv :wink:
Bin gespannt, ob sich das bewahrheitet.