Eure Meinung:(....ADHS Kind stört Nachbarn

Hallo zusammen,

Ich bin etwas schockiert, traurig und verärgert zugleich. Mein Sohn hat ADHS er redet und spielt recht laut und gerade abends (vor 22uhr) hat er ein starken Bewegungsdrang. Jetzt hat sich ein Nachbar beschwert das ihm das Kind zu laut ist und wir sollen ihn doch reinnehmen. Ich finde das grausam wie denkt ihr darüber?

Gruß Magnus

Grundsätzlich gesehen, hat der Nachbar eher Pech, da Kinderlärm nur in seltenen Fällen unter „Lärmstörung“ fällt.

Aber man kann ja auch schauen was man tun kann. Kinder sind halt in der Regel lauter, aber gute Nachbarschaft funktioniert halt nur im Miteinander und grausam finde ich als Begriff schon eher überzogen.

(Und ja, ich habe auch ein Kind und in meiner Nachbarschaft gibt es auch viele Kinder.)

Ich habe auch zwei Kinder die gegen 20.00 Uhr schlafen sollten. Ich bin sehr froh wenn es um diese Zeit um uns herum so ruhig ist, dass sie auch schlafen können.

Auch wenn die offizielle Nachtruhe bei uns um 22.00 Uhr beginnt, finde ich das für uns zu spät und denke, dass es einige Menschen gibt die gerne früher schlafen gehen.

Was spricht denn dagegen euer Kind drinnen noch länger wach sein zu lassen?

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Ich würde das hier nicht so sehen, dass einer von euch beiden im Recht und der andere im Unrecht ist, sondern lieber lösungsorientiert denken.

Versetze dich mal in den Nachbarn hinein. Wenn der z.B. nach einem Tag auf der Arbeit nach Hause kommt und seinen Feierabend in Ruhe genießen will, ist es aus seiner Sicht nunmal nervig, wenn ein Kind viel Lärm veranstaltet.

Ein gewisses Maß muss man natürlich auch als Nachbar hinnehmen. Kinder sind nun mal Kinder. Das heißt aber nichts, dass man überhaupt gar nichts machen kann.

Generell wäre es sicherlich sinnvoller, mit dem Nachbarn in einen sinnvollen Dialog zu gehen anstatt seinen Vorschlag direkt als „grausam“ zu bezeichnen.
Zunächst könnt ihr für seine Lage Verständnis entwickeln und das auch zeigen. Häufig ist es Leuten bei Konflikten wichtiger, dass ihre Probleme und Interessen ernst genommen werden anstatt eine 100 % perfekte Lösung zu finden.
Ihr könnt aber genauso sehr versuchen, bei ihm Verständnis zu wecken für eure Situation. Dass es eben ein Kind ist, er ADHS hat und was ihr schon alles probiert.

Vielleicht könnt ihr abends, wenn das Kind aufgedreht ist, auf einen Spielplatz oder einen anderen Ort gehen, wo er sich richtig austoben kann, ohne dass er jemanden stört?

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Ja;) grausam ist vielleicht blödes Wort ja. Ich sag mal so unser Sohn ist völlig rastlos er redet pausenlos und muss (pausenlos) aktiv oder kreativ sein das schlaucht uns als Eltern massiv, wenn er abends zwischen 6 und 7 dann mal im Trampolin ist hilft das allen. Ihm geht es danach auch besser! Da wir mit der Nachbarschaft seit Jahren auch sehr tolerant sind (oft nächtliches gelage) denk ich halt man kann das auch von anderen erwarten. Er ist und wir nie ein ruhiges Kind sein…er ist kein Erwachsener wo andere leute mit seinem lärm nerven will. Der betroffene Nachbar kennt sein Problemchen übrigens…

Schwierig.

Auch Kinder müssen sich bis zu einem Gewissen grad an den Bedürfnissen anderer orientieren bzw. diese Respektieren. Auch Kinder brauchen Grenzen, sonst hat man schnell ein ungezogenes Kind.

Ich hab keine Kinder, aber ich denke schon, dass man einem Kind erklären kann, warum es abends rein muss ab 22 Uhr um dort zu spielen? „Die anderen Menschen möchten schlafen, weil sie morgen wieder früh raus müssen zur Arbeit. Deswegen musst du jetzt ein bisschen Rücksicht nehmen“.

Also die Frage ist ja - könnte er nicht abends einfach rein. Und vielleicht nur am Wochenende abends länger raus.

Bei mir im Wohnblock gibts auch paar Kinder, die sind bis ca 20-21 Uhr mal noch auf der Straße zu sehen und laut, damit kann ich leben. Ab 22 Uhr ist dann ruhe draußen.

Wobei du ja schreibst, das ganze ist vor 22 Uhr, oder? Dann kann man wegen „Ruhestörung“ schonmal nicht viel sagen. Ist ja auch Erlaubt, um 20 Uhr noch zu bohren.

Das war zwischen 18 und 19uhr…ab 20uhr ist er beim Abendprogramm;) er kann sehr schwer einschlafen ab 17uhr setzt der Rebound dann ein, dann wirds etwas kompliziert

Habt ihr mal mit dem Psychiater geredet wegen den Schlafstörungen und dem Rebound?

Wegen der Uhrzeit, nun das ist mMn eine ganz normale Uhrzeit zum draußen toben, da war ich auch noch lange draußen als Kind. Finde also schon, dass deine Nachbarn das irgendwie tolerieren müssen. Ich dachte erst, es geht wirklich um Spät abends, aber alles zwischen 17-19 Uhr ist ja noch quasi am helllichten Tag…

Bei den Medizinern heißt es das müssen wir so hinnehmen, vorher hatte er den Rebound mittags das war noch viel schlimmer:( er bekommt abends ein Beruhigungsmittel/ Psychopharmaka (davon halte ich selbst nicht soviel, da ausdrücklich vor einem gewöhnungseffekt gewarnt wird interessieren tuts keiner) ich bin selber schmerzpatient mit opiattherapie ich kenn das spiel.

Habt ihr mal Melatonin versucht aus der Apotheke / Drogerie?

Mein Psychiater wollte mir keine Schlaftabletten geben, also hab ich es mit Melatonin Sprays versucht. Und tatsächlich bin ich damit voll zufrieden! Etwa eine Stunde vor dem schlafen gehen ein paar Sprühstöße und ich werde müde und schlafe gut ein.

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Da könnte eine geringe Gabe unretardiertes MPH vielleicht helfen?

Zum Beispiel um 16.00 Uhr 2,5 mg Ritalin? Das würde ich den Psychiater fragen ob ihr das ausprobieren dürft.

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Er bekommt aktuell 30mg medikinet morgens 13uhr 20mg (ehemals 30mg) und 17uhr 10mg mit Pipamperon oder Risperidion (aber Wirkung merken wir keine, von Risperiodon wurde er dermaßen aggressiv) aber diese furchtbare rastlosigkeit Deckelt scheinbar nur die morgendliche dosis.

Hat er mittags schon mal eine unretadierte Tablette getestet? Retardiertes Medikinet kann das Schlafproblem ziemlich verschärfen und 13Uhr ist ja recht spät. Unretardiertes Medikinet hält bei meiner Tochter ca. 4h - danach ist natürlich Krawall und Remmidemmi, aber ist bei euch ja eh schon :grimacing::face_with_hand_over_mouth:

Sie bekommt zum Einschlafen Melatonin, nehme ich selbst auch und kann es sehr empfehlen, war bei uns beiden ein Gamechanger.

Für deine Nachbarn tut es mir ja leid, finde auch das man aufeinander Rücksicht nehmen sollte. Bei so starker ADHS sind der Rücksicht aber Grenzen gesetzt. Ich würde offen mit ihnen reden und sie fragen, welche Idee sie haben, um das zu ändern und dann ggf. erklären, warum der Vorschlag nicht realistisch ist, euch oder das Kind überfordert und ihr jetzt schon an euren Grenzen seid.

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Vielleicht könnt ihr gemeinsam herausfinden was genau ihn stört, oft sind es ja nur bestimmte Geräusche die anstrengend sind und andere okay. Oder ob es nur um ein gewisses Zeitfenster geht

Ich kenn das. Auch wenn bei meinem Kind die Diagnose noch aussteht, so bin ich ziemlich sicher das auch da ADHS vorliegt.
Diese Rastlosigkeit Abends kenne ich sehr gut. Was ich manchmal mache - selbst wenn ich müde und k.o. bin - ich rangle mit dem Kind oder spiele einfache Kartenspiele bei denen ich mich nicht so dolle konzentrieren muss wie z.B. UNO. Macht uns beiden Spaß.

Vielleicht müsst ihr da nochmals bisschen suchen und testen um Weg auch für euch zu finden als Familie. Manchmal geht es halt nicht anders und die lieben Nachbarn müssen da durch, aber hier hilft in der Regel offener Dialog und gemeinsam sprechen was den konkret für die Nachbarn störend ist.
Aber Kinder sind halt Kinder und dauerndes ermahnen führt ja auch zu nix. Hilft ja maximal für 5 Minuten :smiley:

Wir arbeiten jetzt schon beide auf teilzeit um das Kind den ganzen Tag zubespielen, ohne einen Gegenpart ist er in der Regel auch nicht so hyperaktiv und anstrengend. Sogar total pflegeleicht! Aber jetzt das andere Kind in eine Ganztagsschule stecken wäre auch ungerecht irgendwie.

…ein so starke hyperaktivität hab ich noch nie gesehen desweiteren stell ich mir die frage warum das nur in „Gesellschaft“ so ist.

Das sehe ich täglich bei meiner Arbeit in der Kita, auch unabhängig von Diagnosen.

Die schaukeln sich einfach sehr oft gegenseitig hoch. An ruhigeren Tagen klappt es meistens auch besser, dass sie sich mit etwas beschäftigen können, und auch mit größerer Wahrscheinlichkeit dass man sie nicht trennen muss weil sie Blödsinn machen oder unaufhörlich streiten.

Aber auch ein Wechsel im Kontext kann schon Wunder bewirken. Wir hatten eine solche „Chaosbande“ beim Ausflug mit dabei. Sind nur spazieren gegangen und auf einen öffentlichen Spielplatz. Das hat total gut geklappt.

Ich nehme an dass das mit den umgebenden Reizen/Impulsen und auch einer gewissen Struktur zu tun hat, die dann den richtigen Rahmen bietet.

Co-Regulation spielt da bestimmt auch noch mit rein.

Viele Kinder mit „herausforderndem Verhalten“, wie man es so schön nennt, laufen bei uns sehr viel weniger auffällig mit einer festen Bezugsperson oder Einzelbetreuung durch uns oder die Inklusionshelfer.

Und man merkt auch, mal mehr und mal weniger deutlich, wie viel weniger angestrengt die Kinder sind, dadurch dass sie dann weniger selbst regulieren und kompensieren müssen.

Ich hoffe das hilft irgendwie. :slightly_smiling_face: